'Lila Lili' (Frankreich 1999, 105 Min.): Ein Handballturnier. Micheline (Alexia Monduit) ist die beste Spielerin ihrer Mannschaft, doch sie sitzt auf der Bank. Sie ist schwanger. Von dem Vater redet sie nicht. Sie bewegt sich so selbstverständlich in einer verwirrten Welt, vielleicht braucht sie keinen Mann, um ein Kind zu empfangen. Ein Film über eine Heilige, die sehr laut brüllen kann.
'Petites Révélations' (Frankreich 2006, 55 Min.): Ein gescheitertes Wiedersehen, ein geteiltes Lachen, ein indiskreter Blick, Angst vor der Putzfrau - 19 Momente verstörender Intimität.
Regisseurin Marie Vermillard über 'Lila Lili': "Der Film ist von einem jungen Mädchen inspiriert, um das ich mich gekümmert habe, als ich vor ein paar Jahren in einem Frauenhaus arbeitete. Micheline war schwanger und ihre Fähigkeit, sich gängigen Verhaltensmustern zu entziehen, hat mich fasziniert. Sie war eigensinnig, aggressiv, großzügig und geheimnisvoll – alles auf einmal. Ich habe ihre Geschichte nie genau herausbekommen, aber sie strahlte eine besondere Kraft und Anmut aus. Für den Drehbuchautor Jacques Bablon und mich war das der Ausgangspunkt. Wir erzählen nicht Michelines ganze Geschichte, was vor und nach ihrer Schwangerschaft geschah, hat uns nicht interessiert. Die Zeit des Films entspricht der Wartezeit auf das Baby, und wir lernen sie durch all das kennen, was während dieser neun Monate auf sie einstürmt. Sie ist eine widersprüchliche Person, die unterschiedlich denkt und fühlt; sie ist gleichzeitig schwach (der abwesende Vater, der mögliche Tod ihrer Großmutter) und stark (geschickt im Handball, non-konformistisch und sehr phantasievoll, weiß sich beliebt zu machen), reagiert sensibel auf Dinge, die andere nicht bemerken (in begnadeten Momenten, als das kleine Mädchen aus der Nase blutet, in der Szene, als die junge Chinesin heiratet, oder als sie die Vision eines Hirschen hat), sie kann verletzend sein und aufmerksam anderen gegenüber. (…) Wir wollten, dass der Film dem Leben ähnelt: eine Abfolge von Augenblicken in verschiedenen Kontexten. (…) Der Handlungsfaden verläuft impressionistisch, springt von Szene zu Szene und fällt von einer Stimmung in eine andere, er folgt einfach dem Verlauf der Schwangerschaft. (…) Der Film beobachtet die Dinge ohne sie zu bewerten. Die Welt ist durcheinander, und es ist schwer, sie zu verstehen, aber eine eigene Sicht auf die Dinge und unsere Beziehungen zu Anderen machen uns dennoch Lust zu leben und Leben zu schenken. Deshalb besteht der Titel des Films aus den letzten Worten seiner letzten Einstellung 'Lila … Lili': die letzten Vornamen, die Micheline schreit. Sie gibt ihrem Kind einen Namen und markiert gleichzeitig die Akzeptanz ihres eigenen In-die-Welt-Gesetztseins. Ich habe Micheline lange gesucht. Alexia Monduit hat mich sofort überzeugt, und das bis zum Schluss des Abenteuers. Wir haben fast ohne Worte kommuniziert, und sie hat Micheline dargestellt, als hätte sie sie schon immer in sich getragen. (…) Ich wollte, wie in meinen früheren Filmen, auch mit Laien arbeiten. Marie de Laubier war die ideale Komplizin bei der Suche: Wir haben zusammen junge Mädchen in Frauenhäusern aufgesucht. Wir stellten fest, dass viele wundervolles schauspielerisches Potential haben. Wir haben sie mit professionellen Schauspielern konfrontiert, das war sehr spannend. Beide profitierten voneinander, die ein wenig in Bedrängnis geratenen Profis legten ihre Manierismen ab, und die in der Überzahl befindlichen Laien fühlten sich pudelwohl."
Marie Vermillard über ihren zweiten Film auf dieser DVD 'Petites Révélations': "Die Auswahl dieser Fragmente ist persönlich, jedes ruft in mir ein besonderes Gefühl hervor und dieses Gefühl spricht von dem, was mich umgibt. Ich glaube jeder hat das schon erlebt. Schon lange wollte ich Bruchstücke des Lebens filmen, signifikante Augenblicke, fragile Dramaturgien inszenieren. Das ist die Versuchsanordnung
von 'Petites Révélations'. Ich glaube an die zarte Kraft dieser Miniaturen. 'Die Welt zeigt sich in ihren Details' sagt ich weiß nicht mehr wer, oder wie es Pessoa ausdrückt „ich bin so groß wie das, was ich sehe“ (oder vielmehr das, was ich fühle)."
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'Lila Lili' (France 1999, 105 min.): A handball tournament. Micheline (Alexia Monduit) is the best player on her team, but she sits on the bench. She is pregnant. She doesn't talk about her father. She moves so naturally in a confused world, perhaps she doesn't need a man to conceive a child. A film about a saint who can roar very loudly.
'Petites Révélations' (France 2006, 55 min.): A failed reunion, a shared laugh, an indiscreet look, fear of the cleaning lady - 19 moments of disturbing intimacy.
Director Marie Vermillard about 'Lila Lili': "The film is inspired by a young girl I took care of when I was working in a women's shelter a few years ago. Micheline was pregnant and her ability to evade common patterns of behavior fascinated me. She was stubborn, aggressive, generous and mysterious – all at once. I never got her story out exactly, but she radiated a special power and grace. For screenwriter Jacques Bablon and me, that was the starting point. We don't tell Micheline's whole story, what happened before and after her pregnancy didn't interest us. The time of the film corresponds to the waiting time for the baby, and we get to know her through everything that assails her during these nine months. She is a contradictory person who thinks and feels differently; she is at the same time weak (the absent father, the possible death of her grandmother) and strong (skilled in handball, non-conformist and very imaginative, knows how to make herself popular), reacts sensitively to things that others don't notice (in gifted moments, when the little girl bleeds from her nose, in the scene when the young Chinese woman gets married, or when she has a vision of a deer), it can be hurtful and attentive to others. (…) We wanted the film to resemble life: a sequence of moments in different contexts. (…) The plot thread runs impressionistically, jumping from scene to scene and falling from one mood to another, it simply follows the course of the pregnancy. (…) The film observes things without judging them. The world is confused and it is difficult to understand it, but having our own view of things and our relationships with others still makes us want to live and give life. That's why the title of the film consists of the last words of his last shot 'Purple ... Lili': the last first names that Micheline screams. She gives her child a name and at the same time marks the acceptance of her own being put into the world. I have been looking for Micheline for a long time. Alexia Monduit convinced me immediately, and that until the end of the adventure. We communicated almost without words, and she portrayed Micheline as if she had always carried it inside her. (…) As in my earlier films, I also wanted to work with amateurs. Marie de Laubier was the ideal accomplice in the search: together we visited young girls in women's shelters. We found that many of them have wonderful acting potential. We confronted her with professional actors, which was very exciting. Both benefited from each other, the professionals, who were a little in trouble, shed their mannerisms, and the amateurs, who were in the majority, felt right at home."
Marie Vermillard about her second film on this DVD 'Petites Révélations': "The selection of these fragments is personal, each one evokes a special feeling in me and this feeling speaks of what surrounds me. I think everyone has experienced that. For a long time I had wanted to film fragments of life, to stage significant moments, fragile dramaturgies. This is the experimental set-up
of 'Petites Révélations'. I believe in the delicate power of these miniatures. 'The world shows itself in its details' says I don't remember who, or as Pessoa puts it, 'I am as big as what I see' (or rather what I feel)."
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