Faschismus beginnt im Kopf: Prag, Ende der 1930er. Karl Kopferkingl (Rudolf Hrusínský) führt ein perfektes Leben. Alles darin ist sauber und hat seinen Platz. Er liebt die Arbeit so innig wie seine Familie, kümmert sich um seine Frau und die beiden Kinder genauso rührend wie um die Toten, die er täglich einäschert. Dank seiner buddhistischen Überzeugung, dass die Verbrennung das irdische Leid verkürzt, geht er seiner Arbeit denn auch mit Begeisterung nach. Die Rechnung dabei ist simpel: Während ein Leichnam im Sarg jahrelang verrottet, dauert eine Einäscherung nur 90 Minuten - sozusagen das Expressticket ins Himmelreich. Bislang leistete er zufrieden im kleinen Rahmen seinen Beitrag. Doch als ihm ein alter Freund von einer Partei erzählt, die gerade in Deutschland große Erfolge feiert, stellt sich für ihn plötzlich die Frage, ob er wirklich schon genug Erlösungsarbeit leistet...
'Der Leichenverbrenner' (1969), auch wenn sich in Juraj Herz' zweitem Spielfilm (nach 'Im Zeichen des Krebses' 1967) der Schrecken langsam und bedächtig anschleicht, trifft er einen, auch wenn man ihn irgendwann kommen sieht, dennoch wie ein Faustschlag ins Gesicht. So beiläufig legt er das Monströse hinter der vermeintlich harmlosen Fassade eines Biedermanns frei, dass man, bemerkt man es schließlich, ihm schon längst in die Falle gegangen ist. Der wahre Schrecken steckt in der Erkenntnis, dem Monster viel näher (gekommen) zu sein, als man dachte. Mit 'Der Leichenverbrenner' gelang Juraj Herz eine bitterböse Parabel über Faschismus, Mitläufertum und Opportunismus, die einen nicht wieder loslassen wird. Menschliches Versagen kam selten hässlicher daher.
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Fascism begins in the mind: Prague, late 1930s. Karl Kopferkingl (Rudolf Hrusínský) leads a perfect life. Everything in it is clean and has its place. He loves his work as dearly as his family, takes care of his wife and two children just as touchingly as he does of the dead whom he cremates every day. Thanks to his Buddhist conviction that cremation shortens earthly suffering, he pursues his work with enthusiasm. The calculation is simple: While a corpse rots in a coffin for years, cremation takes only 90 minutes - the express ticket to the kingdom of heaven, so to speak. So far, he has made his contribution on a small scale with satisfaction. But when an old friend tells him about a party that is currently celebrating great success in Germany, he suddenly asks himself whether he is really doing enough work of redemption already...
'The Corpse Incinerator' (1969), even though in Juraj Herz's second feature film (after 'Under the Sign of Cancer' in 1967) the horror creeps up slowly and deliberately, it still hits you like a punch in the face, even if you see it coming at some point. So casually does he expose the monstrosity behind the supposedly harmless façade of a respectable man that, if you finally notice it, you have long since fallen into his trap. The real horror lies in the realization that you have come much closer to the monster than you thought. With 'Der Leichenverbrenner', Juraj Herz succeeded in creating a bitter parable about fascism, followerism and opportunism that will never let you go. Human error has rarely been uglier.
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