'Der Kuckuck und der Esel' erzählt die Geschichte der eigenwilligen Familie Weitzmann, die in der Nähe Berlins auf dem Lande lebt. Vor zehn Jahren, nach dem Tode seiner Mutter, beschloss der bis dahin wenig erfolgreiche Autor Conrad Weitzmann (Thilo Prothmann) die Liebesgeschichte seiner Eltern zu verfilmen. Für ihn ist es die größte Liebesgeschichte der Menschheit, deren Verfilmung der uralte Vater verdammt noch mal noch erleben soll. Er blutet seine Seele in jahrelanger Arbeit in seinem Drehbuch 'Der Orangenhain' aus und sucht den Kontakt zu einem Fernsehsender. Tatsächlich scheint sich ein Redakteur, Stuckradt Halmer (Jan Henrik Stahlberg), für den Stoff zu begeistern. Doch nach fünf Jahren Mailverkehr mit dem Redakteur muss Conrad erkennen, dass er keinen Schritt weitergekommen ist. Immer wieder hat er neue Fassungen geschrieben. Immer wieder hat er unzählige Änderungen auf Wunsch des Senders vorgenommen, nach denen von der ursprünglichen Geschichte wenig übrig geblieben ist. Und doch fordert der Redakteur immer wieder Änderungen. Conrad muss einsehen, dass das Buch niemals fertig werden wird, auch wenn er noch weitere fünf Jahre daran arbeitet. Er fasst einen folgenschweren Entschluss: Gemeinsam mit seinem Vater Ephraim entführt der kleine Autor Conrad Weitzmann den großen Redakteur Stuckradt Halmer. Und an diesem Punkt beginnt unsere Geschichte. Stuckradt Halmer verbringt die nächsten sechs Monate gefangen im Keller der Familie Weitzmann. Er weigert sich anfangs, mit Conrad am Drehbuch zu arbeiten. An dieses Drehbuch, das irgendwer in seiner Redaktion seit fünf Jahren begleitet, kann er sich gar nicht erinnern. Vater Ephraim, der das 'KZ Breslau' überlebt hat, später in 'Gaza' kämpfte und aus der israelischen Armee desertierte, ist nicht zimperlich. Mit brutaler Gewalt zwingt er den Redakteur zur Zusammenarbeit. Die undurchsichtige Welt der Fernsehanstalten entsteht vor dem Auge des Zuschauers. Sie wird durch den Redakteur entlarvt. Wir tauchen ein in ein System, in dem kein Verantwortlicher mehr auszumachen ist. Wie in einem Möbiusband folgt man den immer gleichen Kurven, hinter denen immer neue Instanzen zu warten scheinen. Autor und Redakteur legen die Strukturen der deutschen Fernsehlandschaft offen, an deren Ausweglosigkeit Generationen von Autoren und Filmemachern gescheitert sind. Aus der Liebesgeschichte zwischen dem Juden und der Deutschen nach Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelt sich im Laufe der unfreiwilligen Zusammenarbeit die Geschichte einer Israelin und eines Palästinensers. 'Der Markt für jüdische Konflikte ist in Deutschland nicht sehr groß', glaubt Halmer, begibt sich aufs Glatteis der deutsch-israelischen Geschichte. 'Hier kann man als Deutscher nur Fehler machen', konstatiert er schließlich. Schmerzlich begreift der Autor schließlich, dass unabhängiges Filmemachen in Deutschland, oder gar in ganz Europa, unmöglich ist. Man muss über Leichen gehen, um sein Herzblut auf die Leinwand zu bringen. Conrad Weitzmann ist zu allem bereit.
Weiterlesen »
'The Cuckoo and the Donkey' tells the story of the headstrong Weitzmann family, who live in the countryside near Berlin. Ten years ago, after the death of his mother, the hitherto unsuccessful author Conrad Weitzmann (Thilo Prothmann) decided to film his parents' love story. For him, it is the greatest love story of mankind, the film adaptation of which the ancient father is doomed to live to see. He bleeds his soul out in years of work in his screenplay 'The Orange Grove' and seeks contact with a television station. In fact, an editor, Stuckradt Halmer (Jan Henrik Stahlberg), seems to be enthusiastic about the material. But after five years of e-mail correspondence with the editor, Conrad has to realize that he has not made any progress. Again and again he wrote new versions. Again and again, he has made countless changes at the request of the broadcaster, after which little remains of the original story. And yet the editor keeps calling for changes. Conrad has to realize that the book will never be finished, even if he works on it for another five years. He makes a momentous decision: together with his father Ephraim, the little author Conrad Weitzmann kidnaps the great editor Stuckradt Halmer. And this is where our story begins. Stuckradt Halmer spends the next six months trapped in the basement of the Weitzmann family. At first, he refuses to work with Conrad on the script. He can't remember this script, which someone in his editorial office has been accompanying for five years. Father Ephraim, who survived the 'Breslau concentration camp', later fought in 'Gaza' and deserted from the Israeli army, is not squeamish. With brutal force, he forces the editor to cooperate. The opaque world of television stations is created before the viewer's eyes. She is unmasked by the editor. We immerse ourselves in a system in which no one can be identified as responsible. Like in a Möbius strip, you follow the same curves over and over again, behind which new instances always seem to be waiting. The author and editor reveal the structures of the German television landscape, the hopelessness of which has caused generations of authors and filmmakers to fail. The love story between the Jew and the German after the end of the Second World War develops into the story of an Israeli woman and a Palestinian in the course of the involuntary collaboration. "The market for Jewish conflicts is not very large in Germany," Halmer believes, treading on the slippery slope of German-Israeli history. 'As a German, you can only make mistakes here,' he finally states. The author finally painfully realizes that independent filmmaking is impossible in Germany, or even in the whole of Europe. You have to walk over dead bodies to bring your heart and soul to the canvas. Conrad Weitzmann is ready for anything.
More »