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Kritiken von "VideobusterRedaktion" aus

150 Kritiken in dieser Liste

Darstellung:
  • 2 Tage Paris
    Komödie, Lovestory
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 08.05.2012
    New York meets Paris. '2 Tage Paris' bietet erstklassige Dialoggefechte. Es macht einfach Spaß, den Gesprächsinhalten zu folgen. Dabei fällt es noch nicht einmal schwer, dass man sich sehr häufig mit Untertiteln auseinandersetzen muss. Die Gespräche zwischen der gebürtigen Französin Marion und ihrem amerikanischen Freund Jack sind einfach genial. Endlich mal nicht so ein schnulziger Liebesfilm, der vor Romantik nur so strotzt. Paris, die Stadt der Liebe, wird für Jack, der kein Wort Französisch versteht, zur Hölle.

    Das Aufeinandertreffen mit Jacks Schwiegereltern in spe bringt zusätzliche Würze in diese etwas andersartige Beziehungskomödie. Es ist einfach herzerfrischend, wie sehr sich Marions Eltern, Schwester und etliche Ex-Lover die Tatsache, dass Jack kein Französisch kann, zum Spaß machen.

    Auffällig ist, dass der Film hauptsächlich von der Darstellung intensiver Gespräche getragen wird. Die Handlung ist eher karg bemessen, wird aber gar nicht so richtig vermisst, weil es die Gespräche wirklich in sich haben. Perfekt gesetzte Pointen machen diesen Film sehenswert, denn oftmals werden die kleinen alltäglichen Wahrheiten und Probleme beherzt aufgegriffen und zum Thema gemacht.

    In diesem Film gibt es zu jedem Problem auch den passenden Rahmen. Die Wohnung von Marion, in welche die Mutter allzu gern ungebeten hinein läuft, die Wohnung der Freundin, in der Marion und Jack auf zahlreiche Ex-Lover von Marion treffen, usw. Kurz gesagt, alle Ereignisse und Problematiken bekommen ihren eigenen speziellen Auftritt.

    Die schauspielerische Leistung von Julie Delpy ist, trotzdem sie selbst auch noch die Regie führte, absolut überzeugend. Besonders starke Leistungen bringt sie während der verschiedenen Wut- und Emotionsausbrüche. Hut ab! Auch Ihr Gegenüber, Adam Goldberg, ist in der Rolle erstklassig eingesetzt. Besser hätte man dieses eigentümliche Pärchen nicht verkörpern können.

    Schade ist, dass die Handlung, wie bereits erwähnt, etwas zu wünschen übrig lässt. Auch das Ende hat leider nicht überzeugt, denn es weicht zu sehr vom Stil ab und hätte eindeutig spezieller sein sollen. Dieser Film ist natürlich kein Blockbuster, aber er ist durchaus in der Lage gut, zu unterhalten. Viel Spaß beim Film!
  • Dora - Beste Freunde
    Doras erstes Abenteuer - Der Tag der besten Freunde - Feier im Baumhaus - Der Schokoladenbaum
    Serie, Kids, Animation
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 21.09.2010
    "Karte heißt 'map' und Rucksack heißt 'backpack' und außerdem weiß ich noch was 'nach oben' und 'nach unten' auf Englisch heißt!" So klingt ein stolzes Kind, dass nach ein paar Minuten Dora ganz glücklich berichtet, wie viele neue Dinge es dank des kleinen Zeichentrickmädchens gelernt hat - und das auch noch mit Spaß! Eine absolut gewaltfreie Fernsehserie, die an erste Englischkenntnisse und Zahlenreihen heranführt, darüber hinaus aber auch das Erkennen von Formen, Farben und Zusammenhängen fördert. Durch Wiederholungen, Vergleiche und musikalische Unterstützung fällt es Dora und ihren kleinen Freunden nicht schwer, ihrem Publikum das erlangte Wissen einzuprägen.

    Gerade Mädchen zwischen 3 und 6 Jahren können sich für Dora begeistern. Für das männliche Zielpublikum dieser Altersklasse gibt es noch einen Extratipp:

    'Go Diego Go!'
  • Ein Prophet
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 18.08.2010
    Man muss kein "Prophet" sein, um zu erahnen, dass ein Spielfilm, der den großen Preis der Filmfestspiele in Cannes 2010 ("Festival de Cannes Grand Prix") erhielt und dem Regisseur Jacques Audiard eine "Goldene Palme" Nominierung in Cannes einbrachte, tatsächlich einiges "kann". Wird EIN PROPHET (Frankreich/Italien 2009) uns Zuschauer mit der ab sofort bereitstehenden DVD oder Blu-ray im Verleihprogramm ebenso stark beeindrucken und bewegen, oder wird man das Ausleihen bereuen? Wir haben uns in einem Selbsttest für zweieinhalb Stunden in den Heimkinoknast einweisen lassen und geben Ihnen nun, zurück im Tageslicht, einen kleinen Einblick hinter die Gefängnismauern.

    Ein Gefangener wird lauthals in eine Zelle geführt. Zunächst wird man nur mit partiell beleuchteten Filmbildern Zeuge der Szenerie, ein Blick durchs Schlüsselloch. Es handelt sich nicht um die Hauptperson Malik El Djebena, die man in den anschließenden 149 Minuten begleiten wird. Malik (Tahar Rahim) sitzt schon in Untersuchungshaft und bekommt Besuch von seinem Anwalt, der ihm verkündet, dass die sechs Jahre Haftstrafe bei erreichter Volljährigkeit auch tatsächlich abgesessen werden müssen. Zwei bittere Szenen folgen auf dem Weg zur Verlegung ins Gefängnis: Ein Blick durch die Gitterstäbe des Transportwagens hindurch zur belebten Straße, Sonnenstrahlen, die flatternde Trikolore an einem Gebäude, der vorerst letzte Blick auf die Außenwelt. Dann die körperliche Untersuchung des nackten, verschmutzten Inhaftierten Malik, gefolgt von der Fragebogen-Abarbeitung des Gefängnisvorstehers.

    Schon ist man mittendrin, im Geschehen von EIN PROPHET. Im Knast, bei Malik, den man durch die nüchternen Fragen nach sozialen Kontakten drinnen und draußen, nach seiner Glaubensrichtung, nach der (fehlenden) Berufsausbildung auf kürzestem Weg kennenlernt. Wenn es Regisseur Audiard versteht, in so knapper Zeit einen stimmigen Filmcharakter aufzubauen, wollen wir ebenfalls schnell zum Punkt kommen: Nach einer Viertelstunde wird klar, dass ähnlich wie beim Gefängnisklassiker MIDNIGHT EXPRESS (1978) ein schonungsloser Umgang mit den Insassen und dem Filmpublikum folgen wird. Dass man sich auf eine richtige Geschichte mit glaubhaften Figuren einstellen kann, wie beim Gefängnisfilm DIE VERURTEILTEN (1994). Dass sich die Atmosphäre innerhalb der kriminellen Machthierarchien unvorhersehbar steigern wird wie beim Mafia-Epos DER PATE (1972).

    Die zwei letztgenannten Filme erscheinen auf der ewigen Bestenliste der 'IMDb - Internet Movie Database' auf den Spitzenplätzen 1 und 2. EIN PROPHET erzählt eine Geschichte dazwischen und verfehlt damit knapp den Einzug in die dortige Top 250. Ein "Best-of-Prison-Movies", bei dem man vor dem Fernseher von Anfang an bei der Sache ist und unter keinen Umständen in der Haut des Protagonisten stecken möchte. Keine Hoffnung auf Knastromantik, hier werden dir umgehend die Schuhe von Mithäftlingen abgezogen, in der Dusche wirst du nach Liebesdiensten gefragt und auf dem Innenhof in einen ausweglosen Handel getrieben. Und wenn du nicht spurst, schnürt dir ruck-zuck eine Plastiktüte über dem Kopf die Luft weg.

    Jacques Audiard hat die Geschichte um den elternlosen Franzosen Malik inszeniert, der nichts hat außer seiner maghrebinischen Abstammung, einer abgebrochenen Schulzeit und - obwohl erst 19 Jahre alt -^einem ellenlangen Strafregister. Audiard, so war im Vorfeld zu lesen, habe einen früheren Film in einem echten Gefängnis vorgeführt und sei von den vorherrschenden Zuständen so geschockt gewesen, dass er diese Eindrücke in einem Film hinter Gittern verarbeiten wollte. Außerdem war es ein Wunsch des 1952 in Paris geborenen Filmemachers, die arabische Bevölkerung Frankreichs ins Zentrum seines neuen Films zu setzen, ohne jedoch in einem rein fiktiven Rahmen ein Bild der aktuellen Gesellschaft zu zeichnen.

    Das Team aus seinem vorangegangenen DER WILDE SCHLAG MEINES HERZENS (2005) stand ihm dabei zur Seite. Schon dort fungierte der französische Charakterdarsteller Niels Arestrup (*1949) in der Rolle des Vaters als Stützpfeiler, der die Erlebnisse von Thomas (Romain Duris), einem aggressiv vorgehenden Immobilienspekulanten und leidenschaftlichen Klavierspieler, zusammenhält. Audiard zeigte bereits 2005 sein Können, scheinbar beiläufige Szenen zu zeigen, die den Zuschauer unvorbereitet treffen. Gut und Böse sind nicht klar definiert, der Vater will eine schwer zu durchschauende Geliebte heiraten und verstrickt sich in Geschäfte mit der russischen Mafia, ein befreundeter Ehemann geht regelmäßig fremd und die Arbeitskollegen von Thomas prügeln Obdachlose aus den neuerworbenen, leer stehenden Häusern. Menschliche Abgründe im Alltäglichen und gleichzeitig ein Hoffnungsschimmer, durch die frühere Passion am Klavier eine Art neues Leben anzufangen.

    In EIN PROPHET heißt der Protagonist nicht Thomas, sondern Malik und Niels Arestrup spielt keine Vaterfigur, sondern einen über Leichen gehenden Häftlingsanführer. Der Hoffnungsschimmer auf ein besseres Leben für Malik ist schwer auszumachen. Lesen lernen könnte ein Ausweg sein, schnell verdientes Geld und Anerkennung in den verfeindeten Lagern der arabischen Drogenschmuggler und einer korsischen Mafiaorganisation ist naheliegender. Welches Ende der Film für Malik bereithält, sollten Sie sich selbst anschauen. Die Oscar-Nominierung 2010 als bester ausländischer Film, der Preis aus den Händen der 'British Academy of Film and Television Arts' 2010, die zahlreichen 'César' Auszeichnungen Heimatland Frankreich, all diese Ehrungen kommen nicht von ungefähr. Ein wirklich guter Gefängnisfilm, dem man sich aufgrund von genretypischen Bestandteilen wie expliziter Gewaltdarstellung und durchweg ungeschönter Filmfiguren trotzdem mit Vorsicht nähern sollte.

    Zur Handhabung: Die getestete DVD-Ausgabe des Studios 'Sony Pictures Classics' ist in ihrer Sprachen-Auswahl "Französisch - Deutsch" überschaubar, in den Untertiteln steht dagegen Englisch und Deutsch zur Verfügung. Ein vielleicht auch für Sie wichtiger Hinweis zu den Sprachfassungen: Startet man nach dem Einlegen der Disc den Film ohne Umwege über die Optionen, sieht man die Originalfassung. Wechselt man dort auf die deutsche Fassung, fehlen die Untertitel in den teils arabischen, teils französischen und sogar italienischen Dialogfetzen zwischen den Inhaftierten. Besser im Menü gleich die deutsche Fassung wählen, denn dann bekommt man eine sorgfältige Synchronisation vorgeführt, die in den fremdsprachigen Passagen mit einer kursiven Untertitelung hilft. Die Extras bieten Ihnen außerdem einen Audiokommentar des Regisseur Audiard, des Hauptdarstellers Tahar Rahim und des Co-Drehbuchautors Thomas Bidegain. Dazu werden entfallene Szenen, nicht wirklich erhellende Szenen aus den Vorbereitungen zum Dreh ("Rehearsal Footage"), Probeaufnahmen ("Screen Tests") und ein Kinotrailer gereicht.

    Beide Filme von Jacques Audiard, DER WILDE SCHLAG MEINES HERZENS (2005) und EIN PROPHET (2009), tun sich außerdem durch die Kameraarbeit von Stéphane Fontaine, durch den Schnitt von Juliette Welfling und die Musik von Alexandre Desplat (Blockbuster-verwöhnt durch NEW MOON 2009 und HARRY POTTER 2010) hervor. Produziert wurden Audiards Filme von der Firma 'Why not Productions', "warum nicht". Diese Einstellung können Sie sich beim nächsten Ausleihvorhaben in Hinsicht auf EIN PROPHET getrost zu Herzen nehmen.
  • Pans Labyrinth
    Drama, Fantasy
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 06.08.2010
    Flimmerkiste voller Wunder: Nach Guillermo del Toros Erfolgen mit 'Blade 2' und 'Hellboy' haben eigentlich alle gedacht, dass das nächste Projekt ganz groß wird. Wurde es auch, allerdings nicht im Hinblick auf Budget oder Starpotential, sondern dergestalt, dass es bei 'Pans Labyrinth' mit relativ bescheidenen finanziellen Mitteln einen wirklich vielschichtigen und schönen Film realisiert hat, für den es zu Recht drei Oscars® gab.

    Die erzählerische Klammer, die dem Werk den Rahmen vorgibt, schneidet ein Kapitel jüngerer europäischer Geschichte an, über die außerhalb Spaniens kaum jemand etwas weiss – den spanischen Bürgerkrieg, der der Machtergreifung Francos voranging. Im Land selbst wird das Thema ohnehin weitestgehend ignoriert. Zu frisch sind vielerorts noch die Wunden und zu tief die Gräben zwischen Falangisten und Republikanern. Umso verständlicher wird der Rückzug der kleinen Ofelia, angesichts der täglichen Grausamkeiten des Stiefvaters. Immer tiefer verstrickt sie sich in dem geheimnisvollen Labyrinth, dass ihr der bocksbeinige Faun eröffnet. Angesichts der immer wieder eingestreuten Ereignisse aus der 'realen Welt' könnte man sich fragen, ob dieses Königreich mit verschollenen Prinzessinnen, Riesenkröten oder komischen Insekten nur Ofelias Phantasie entspringt oder tatsächlich existiert. Fragt man sich aber nicht, so gefesselt und fasziniert ist man von Guillermo del Toros Schöpfung. Man wünscht sich eigentlich nur, dass der Film noch etwas länger dauern möge.

    Die Darsteller sind durchweg großartig- wenn auch hierzulande weitgehend unbekannt. Zumindest den Namen Sergio López (Stiefvater Capitan Vidal) sollte man aber versuchen sich zu merken und von der erst elfjährigen Hauptdarstellerin Ivana Baquero wird man sicher auch noch so einiges hören. Auch wenn ich mich langsam dem Verdacht aussetze hier nur Lobeshymnen zu verfassen: 5 Sterne. Ich kann leider auch nichts dafür, dass es im Moment so viele tolle Filme gibt. Zum Glück bleibt das auch noch ein paar Wochen so, kleiner Ausblick: 'Babel', 'Flags of Our Fathers', 'The Good German'.
  • Blind Side - Die große Chance
    Basierend auf einer wunderbaren wahren Geschichte.
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 04.08.2010
    BLINDSIDE oder BLIND SIDE, das war die Frage. Vor vielen Jahren gab es in der Videothek vor Ort zwei Titel, die sich sehr ähnlich lasen: BLINDSIDE (Kanada 1986) mit Harvey Keitel und BLIND SIDE (USA 1993) mit Rutger Hauer. Der erste hat den Sprung von VHS ins digitale Zeitalter bislang nicht geschafft, sorgt somit im gegenwärtigen Verleih für keinerlei Missverständnisse mehr.

    Dafür ist ein anderer Titel am 30. Juli 2010 auf DVD und Blu-ray Discs erschienen: BLIND SIDE (USA 2009) mit Sandra Bullock. "Die große Chance" wurde vom Label 'Warner Home Video' vorsorglich in Deutschland angefügt, dabei hat die "Blind Side" in ihrer Bedeutung nichts mit einer "großen Chance" zu tun. Wofür steht "Blind Side" überhaupt und kann man den deutschen Titelzusatz als Heimkinofan beim Wort nehmen? Darf man sich die große Chance auf zwei Stunden gute Unterhaltung erhoffen, oder bedeutet es tatsächlich nur die große Chance für die Hauptfigur dieser Geschichte?

    Die Hauptfigur, das ist nicht Sandra Bullock, auch wenn sie die Hauptantriebsfeder für die Vermarktung darstellt. Zu ihrem Prominenten-Status in Hollywood und zu traumhaften Gagen kam endlich etwas hinzu: Sie erhielt für BLIND SIDE die begehrten Darsteller-Auszeichnungen bei der Golden Globe Verleihung sowie bei den Academy Awards 2010, den 'Oscar' für die beste weibliche Hauptrolle. Das Liebesleben ihrer Begleitung bei den 'Golden Globes' und die anschließende weltweite Berichterstattung über das Privatleben taten ihr Übriges zur Aufmerksamkeitssteigerung.

    Vor dieser Last an Filmpreisen und Schlagzeilen gerät der eigentliche "Held" in BLIND SIDE völlig in den Hintergrund: Michael Oher, dargestellt von Quinton Aaron. Schauspieler Aaron, 1984 in der Bronx geboren, ist kein ganz unbeschriebenes Blatt: In der Komödie ABGEDREHT (2007) kann man ihn sehen oder in THE MINISTERS (2009 mit s.o. Harvey Keitel). Heute schmückt seine mächtige Gestalt Kinoplakate und ab sofort auch DVD und Blu-ray Cover. "Ist das nicht ein Sportfilm?", fragte uns eine Kollegin aufgrund der viele Pressebildern mit Football-Motiven. Nein, es ist der Werdegang des Michael Jerome Oher (*1986), der später an der Universität von Mississippi College Football spielte und in der NFL, der 'National Football League', Karriere machte. Im Film wird der schicksalhafte Abschnitt seines Lebens erzählt, der ihn von der Straße holte und ins College Team beförderte, nach der Buchvorlage 'The Blind Side: Evolution of a Game' von Michael Lewis.

    "Es gibt einen Moment friedlicher Ruhe, bevor ein Football-Spiel beginnt. Die Spieler sind in Position, die Männer an den Linien wie erstarrt, jetzt ist alles möglich." leitet die Erzählerin Leigh Anne Tuohy (Bullock) mit den Fernsehbildern einer Begegnung der Washingtoner 'Redskins' ein und berichtet von einem Tackle des 'Giants' Spielers Lawrence Taylor. Quarterback und Left Tackle, wer verdient mehr, wer übernimmt welche Rolle in den Spielzügen - für den Fortlauf des Films muss man glücklicherweise kein Football-Kenner sein. Erfreulich obendrein, dass gleich in den ersten Sätzen "The Blind Side" (Originaltitel) als der Bereich erklärt wird, den es zu schützen gilt, da er vom Quarterback nicht gesehen werden kann.

    Michael Oher, zu seinem Missfallen 'Big Mike' genannt, ist ein großer Kerl, ein farbiger junger Erwachsener aus einem schlechten Elternhaus, in dem sich der Vater längst aus dem Staub gemacht hat und die drogenabhängige Mutter überfordert ist. Ein Coach an der 'Wingate Christian School' setzt sich für die Aufnahme von Michael ein, nachdem er ihn auf dem Hof hat Ballspielen sehen. Hoffentlich bleiben das ehrenwerte Motive, wünscht man sich, denn Michael gewinnt mit seiner massigen Statur und seiner unbekümmerten Körperhaltung auf Anhieb die Sympathien der Zuschauer, vorausgesetzt Sie haben ein Herz für Außenseiter.

    Die große Chance, uns die Begegnung zwischen Quinton Aaron und Sandra Bullock gleichermaßen glaubhaft wie unterhaltsam näher zu bringen, nutzt BLIND SIDE souverän. Obwohl Sie unsere Vorbehalte gegen die Ausgangssituation vielleicht teilen - eine wohlhabende Weiße nimmt einen Bedürftigen in der Familie auf, ein junger Mann aus ärmlichen Verhältnissen wächst mit seinen Talenten über sich hinaus - werden drohende Klischees vom Regisseur John Lee Hancock (DIE ENTSCHEIDUNG 2002, ALAMO 2004) elegant umschifft. Ähnlich gut, wie wir uns an die erste Begegnung mit GOOD WILL HUNTING (1997) erinnern, könnte auch BLIND SIDE im Gedächtnis bleiben. Denn beide erzählen lehrreich (aber nicht gelehrig), warmherzig (aber nicht aufgewärmt) von bewegenden Einzelschicksalen, die das Interesse innerhalb weniger Filmminuten wecken. Bei beiden stimmt das Zusammenspiel zwischen Jung und Alt, zwischen Matt Damon und Robin Williams im Jahre 1997 und aktuell zwischen den Filmpartnern Aaron und Bullock.

    Quinton Aaron geht dermaßen in seiner Rolle des Michael Oher auf, dass man vergisst, dass doch in Wirklichkeit eine tolle schauspielerische Leistung dahinter steckt und Sandra Bullock liefert wirklich eine besondere Leistung ab, die von Anfang bis Ende fasziniert. Keineswegs bloß mit dem körperlichen Charme einer inzwischen 46-Jährigen, Bullock spielt einfach klasse. Dabei hatte sie die Rolle angeblich zunächst dreimal abgelehnt, weil sie keine strenggläubige Mutter darstellen wollte. Am Ende hat sie ihrer Filmfigur eine schöne Ambivalenz verliehen und verzichtete mit Zusagen an Gewinnbeteiligungen auf eine hohe Gage, so dass BLIND SIDE mit 29 Millionen Dollar vergleichsweise günstig produziert werden konnte.

    Ein bisschen ruhige Musikbegleitung von Soundtrack-Profi Carter Burwell, schön ausgesuchte und unaufdringliche Einstellungen von Kameramann Alar Kivilo runden die äußere Form akustisch und visuell ab. Wenn's geht bitte im Original anschauen, den auch eine sorgfältige Synchronisation kann nicht der einmalig-charakteristischen Aussprache von Sandra Bullock gerecht werden. Das ungleiche Gespann erinnert die ehemalige Clique von Michael Ohen an MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR (1989). Sie würden wie Jessica Lang und KING KONG (1976) wirken, urteilt der gutbürgerliche Frauenkreis. Vorurteile auf beiden Seiten, gehässige Kommentare über ein fabelhaftes Duo. Und man merkt mit jeder Szene, dass die Verantwortlichen hinter BLIND SIDE in Filmbildern denken und ihrerseits Filmfans sind. Wunderbar.

    Trotzdem wird es bestimmt Entleiher geben, die beim Anschauen Kritikpunkte aufspüren und sich genervt zeigen könnten: von der Verwirklichung des amerikanischen Traums, vom Loblied auf Mut und Ehre, von der Moral, im Leben nie aufzugeben, vom gepredigten Glauben an sich selbst. Aus subjektiver Sicht und vielleicht auch aus einer geeigneten Stimmungslage heraus haben wir nichts Negatives zu bemängeln. Ob mit oder ohne Familienmitglieder daheim (Altersfreigabe ab 6 Jahren), werden Sie natürlich auch Football-Szenen erleben und schließlich wird Kultschauspielerin Kathy Bates (TITANIC 1997, MISERY 1990) noch ihren Beitrag zum positiven Gesamteindruck beitragen. "Weshalb lächelst du?", fragt Film-Ehemann Sean Tuohy (Tim McGraw) seine Frau. Sandra Bullock: "Weiß ich nicht, ich bin einfach glücklich." Das ist das Gefühl nach dieser Filmwahl - und hoffentlich zukünftig auch wieder für die seit ihrer Hauptrolle in BLIND SIDE genannte: Oscar-Preisträgerin!
  • Die Schachspielerin
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 14.07.2010
    "In einem kleinen idyllischen Dorf auf Korsika arbeitet Hélène (Sandrine Bonnaire) als Zimmermädchen in einem Hotel und wirkt mit ihrer Ehe, ihrem Mann Ange (Francis Renaud) und ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lisa (Alexandra Gentil) glücklich." So liest sich die Ausgangssituation der SCHACHSPIELERIN (Frankreich/Deutschland 2009) in der Inhaltsbeschreibung des DVD-Herstellers EuroVideo. Beim Kinoverleih Concorde hingegen hieß es noch: "In Elenies Leben ist alles in bester Ordnung. Sie ist glücklich verheiratet, hat zwei bezaubernde Kinder und liebt ihren Job als Zimmermädchen im Dionysos auf Naxos." Wie es zu dieser Unterscheidung kommt, und welche Rolle der Schauspieler Kevin Kline spielt, bringen wir im Folgenden in Erfahrung.

    JOUEUSE, die Spielerin - so der Filmtitel im französischen Original - hat einen mehrmonatigen Weg bis zur DVD zurückgelegt: Die Weltpremiere fand im April 2009 in New York und Los Angeles statt, in Frankreich lief er ab August 2009 in den Lichtspielhäusern, in Deutschland ab Januar 2010. Seit dem 7. Juli 2010 ist die DVD nun im Verleihprogramm erhältlich. Nach ihrem Kurzfilm "La mère" (1995) und einigen Drehbüchern, ist dies der erste Spielfilm der aus Bielefeld stammenden Regisseurin Caroline Bottaro. Grundlage war der Roman "La joueuse d’échecs" von Bertina Henrichs (in Deutschland auch als günstiges Taschenbuch erschienen). Das Buch spielt auf einer griechischen Insel. Bottaro nahm sich die künstlerische Freiheit, ihre SCHACHSPIELERIN statt auf Naxos auf Korsika spielen zu lassen. Arbeiten zu lassen, besser gesagt. Denn sowohl die Romanfigur Elenie, wie die Filmprotagonistin Hélène (Sandrine Bonnaire) müssen zunächst als Haushälterin schuften. Und so "glücklich" (EuroVideo) und "alles in bester Ordnung" stellt Filmemacherin Bottaro sie gar nicht dar.

    Hélène ist ein Zimmermädchen, das schon lange kein Mädchen mehr ist. Von ihrer jüngeren Kollegin wird sie vor Schichtantritt gefragt: "Hast du nie Lust gehabt, wegzugehen?" Bestimmt hat Hélène seit dem Umzug zu Ihrem Ehemann darüber nachgedacht, aber so direkt gefragt, stimmt es sie nachdenklich. "Hör mal, du hast nie davon geträumt, woanders zu leben?" Sie richtet das Bett, in dem zuvor eine unbekannte Schöne und ihr Begleiter genächtigt haben. Jennifer Beals tritt als attraktive Amerikanerin auf (der ehemalige Star aus dem 1983er Tanzklassiker FLASHDANCE ist tatsächlich sehr schön). Und die Fremde lebt ein Leben, von dem Hélène nur träumen kann.

    Ein schwerer Einstieg für den Zuschauer vor dem Fernseher, der mit ansieht, wie dagegen Bonnaire in ihrer Rolle fast ungeschminkt schuftet. Die liebevollen Gesten der Anderen, die feinere Kleidung, die weniger an permanenter Sparsamkeit ausgerichtete Lebensart. Das sind die Dinge, um die sie die blasse Angestellte und Mutter beneidet, dazu um das Hobby der Hotelgäste: Schach. Eine Erleichterung, dass Hélène/Bonnaire am Geburtstagsabend ihres Gatten hübsch zurechtgemacht ist. Schmerzhaft wiederum, dass ihr Mann rein gar nichts mit ihrem Präsent, einem elektronischen Schachspiel anfangen kann. Er könne es doch gar nicht spielen! Hélène versucht es mit einem Vorschlag: man könne es doch gemeinsam spielen, oder allein. Viel Hoffnung verbindet sie mit diesem schwarz-weiß-gemusterten Brettspiel...

    Viel weiter wollen wir gar nicht in die Handlung einsteigen, falls Sie DIE SCHACHSPIELERIN noch nicht angeschaut haben und mit dem Gedanken spielen, sich die DVD vielleicht bei Zeiten auszuleihen. Schwarz-weiß ist tatsächlich nur die Spielfläche, deshalb wird eine Inhaltsangabe (auch in den zwei zitierten Fassungen) dem eigentlichen Geschehen nicht gerecht. Für die Regisseurin mag es sich als schwierig dargestellt haben, möglichst bald auf die Beweggründe zu kommen, warum ihre Frauenfigur aus schlichten Verhältnissen plötzlich aus dem Alltag heraus ein leidenschaftliches Interesse am "Spiel der Könige" entwickelt. So kurz, wie sich die Überschriften in der DVD-Kapitelanwahl lesen, so erleben wir die Entwicklungsschritte beim Ansehen: 1. Schachspielendes Pärchen, 2. Alltagssorgen, 3. Das Geburtstagsgeschenk, 4. Ein faszinierendes Spiel. Doch Regisseurin Caroline Bottaro bleibt nicht hinter den Möglichkeiten der Geschichte und ihrer Figuren zurück. Sie wählt jede Szene (jeden Zug) mit Bedacht, ohne den Zuschauer in anderthalb Stunden Lauflänge "matt" zu setzen. Ein cleverer Schachzug war die Besetzung von Kevin Kline als Doktor Kröger, einem zurückgezogen lebenden Witwer, für den Hélène im Haushalt arbeitet und der die einzige Bezugsperson zu sein scheint, die sie in ihrem unverhofft entdeckten Enthusiasmus zum Schach bestärken kann. Schach - der Film: 64 Felder - 93 Minuten. Zug um Zug. Einfach scheint es und ist doch komplex, das Spiel und der Film. Hélène erklärt ihrem Mann: "Was das Ziel dabei ist? Na ja, man muss es schaffen, den König seines Gegners zu schlagen." Er ist sichtlich enttäuscht: "Ist das alles?"

    Wie schön, dass die Darstellerwahl wunderbar war: Kevin Kline passt (ebenso die ordentliche Synchronisation) und Sandrine Bonnaire ist ohnehin schauspielerisch nicht mit einem Bauer zu vergleichen, sondern mit einer Königin: mit ihren Bewegungen kann sie auf dem Spielfeld in alle Richtungen. Als Schauplatz mag das Schachbrett nicht das Reizvollste sein, aber Kameramann Jean-Claude Larrieu weiß den minimalen Platz am Spieltisch, die Spannung zwischen den Spielfiguren und den Blicken der Spieler gekonnt einzufangen. Ein bisschen nachdenklich ist DIE SCHACHSPIELERIN (Doktor Kröger: "Denken ist anstrengend."), aber unterhaltsam, wie das Schachspiel selbst. Ein wenig traurig, aber hoffnungsvoll ist die Geschichte über Menschen, die ein Leben unter ihren Möglichkeiten verbringen, über Ehen, die viel besser laufen könnten, über ein Hobby neben dem Tag-ein-Tag-aus, neben der Familie. Wir Filminteressierten sollten bei der Wahl unserer Film-Partien ebenfalls nicht unter unseren Möglichkeiten bleiben. Nur weil eine Frau im Mittelpunkt einer Erzählung steht, ist es kein "Frauenfilm". Nur weil eine Produktion aus Frankreich stammt, ist es kein hochtrabender "Arthouse" Film. Nur weil alltägliche, lebensnahe Schwierigkeiten behandelt werden, ist es kein "Problemfilm". Wir empfehlen, ruhig einmal Filmveröffentlichungen neben dem Kassenschlagerprogramm auszuleihen, oftmals gibt es dort persönliche Entdeckungen zu machen. Wie es in der SCHACHSPIELERIN heißt: Wer ein Risiko eingeht, kann verlieren - wer kein Risiko eingeht, hat schon verloren. Dagegen lautet eine Erkenntnis in Bottaros Film auch: Sei du selbst. Entscheiden Sie, ob eine Partie mit diesem Film das Richtige für Ihre freie Zeit nach getaner Arbeit ist. Manche mögen sich aus der SCHACHSPIELERIN oder dem Schachspiel an sich nichts machen, trotzdem ist Schach weiterhin das populärste Brettspiel Europas. Wie populär diese DVD-Veröffentlichung wird, entscheiden Sie mit.

    Ein Nachtrag zu Sandrine Bonnaire: Seit wir das Bild mit Sandrine auf dem Fahrrad im Schaukasten eines kommunalen Kinos gesehen haben, ging uns der Filmtitel DIE FRAU DES LEUCHTTURMWÄRTERS (Frankreich 2004) nicht mehr aus dem Kopf. Im Sommer 2005 muss das laut Kinostart gewesen sein. Danach hörten wir immer wieder Gutes über dieses Werk von Philippe Lioret (*1955 in Paris). Jedoch lief er eben nur in Programmkinos und auch der DVD-Ausstattung sieht man mit fehlenden Extras und einem einfachen Menü an, dass hier kein technisches High-End-Heimkino geboten wird. Umso besser, meinen Sie? Oder bloß nicht? Wir haben weder den Griff zu der SCHACHSPIELERIN bereut, noch den Filmabend mit der FRAU DES LEUCHTTURMWÄRTERS ("L'équipier" im Original). Letzterer verzaubert mit der Musik von Nicola Piovani und den Landschaftsaufnahmen der Bretagne. Der europäische Film, wie er unserer Meinung nach sein sollte: nachdenklich, bewegend, dauerhaft interessant und eine willkommene Alternative zur Hollywood-Auswahl. Sandrine Bonnaire spielt dort eine ähnliche Rolle wie in ihrer aktuellen SCHACHSPIELERIN: eine Frau, die den Absprung aus Ihrem Geburtsort (bzw. dem Ort, an den sie wegen der Ehe gezogen ist) nie geschafft hat. An der bretonischen Küste erklärt sie dem neuen Leuchtturmwärter: "Hier, am Ende der Welt. Das ist hier." Aber sie gibt Hoffnung: "Die Welt hat noch andere Enden. Sie finden schon eins." Dem möchten wir uns anschließen: Ob Bonnaire als SCHACHSPIELERIN, als FRAU DES LEUCHTTURMWÄRTERS, oder ein Verleih-Medium mit einem ganz anderen Titel: Sie finden schon eins.
  • Max Manus - Man of War
    Kriegsfilm
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 07.07.2010
    Wie um alles in der Welt kommt ein skandinavisches Regieduo von einer Westernkomödie ausgehend zu einem 2. Weltkrieg Drama, das als europäische Großproduktion 50 Millionen norwegische Kronen benötigte? Das Vertrauen zu großbudgetierten Produktionen hatten sie von Luc Besson erhalten. Vor Jahren schrieb Regisseur Joachim Rønning mit seinem Bruder einen Drehbuchentwurf und legte ihn Besson vor. Aus "The Lake" wurde leider nichts. Dafür bekamen Rønning und Espen Sandberg eine BANDIDAS Einladung ausgesprochen - vom Autorenfilmer Besson, der sich nach Filmgattungen wie dem Kriminalfilm (NIKITA 1990 und LEON - DER PROFI 1994), einem Science-Fiction-Ausflug (DAS FÜNFTE ELEMENT 1997) und einem Historienabenteuer (JOHANNA VON ORLEON 1999) mit 35 Millionen Dollar als Produzent im Western-Genre einbringen wollte.

    Rønning und Sandberg bewiesen, dass sie Bessons direkte Art des Erzählens in optisch reizvollen Bildern umzusetzen wussten. Bereits eine Minute ins Geschehen von BANDIDAS (Frankreich/Mexiko/USA 2006) eingetaucht, ist die Darstellerliste bereits genannt und die Handlung im vollen Gange. Ein talentiertes Team um Kameramann Thierry Arbogast, Komponist Eric Serra und vor allem um die Hauptdarstellerinnen Penélope Cruz und Salma Hayek, runden 2006 das Gesamtbild ab. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen, geschickte Schnitte, eine mit Computeranimation aufgemotzte Schießerei in einem Zugabteil und ein lebhafter Soundtrack überdecken die einfache Handlung um zwei Bankräuberinnen im Dienste enteigneter mexikanischer Bauern. Steve Zahn fügt dem Western-Buffet erst ein wenig Sherlock Holmes und dann immer mehr Splapstick-Elemente bei, während Dwight Yoakam den Bösewicht gibt. Nicht ganz so gekonnt wie das Duell zwischen Sharon Stone und Gene Hackman in SCHNELLER ALS DER TOD (1995), zeigen die Bandidas ihrem Publikum gekonnt eine kurzweilige Vorstellung.

    "Wie konnte ich darauf nur reinfallen?", fragt sich Steve Zahn aufgebracht. "Ihr seid zwei alberne Hühner, die mit dem Leben tausender Menschen spielen. Eine verwöhnte Göre und eine Bauernmagd, und ihr denkt, die Menschen hören auf euch?" Er sorgt sich, durch das Aufeinandertreffen mit Mara (Cruz) und Sara (Hayek) sein Leben, seine Karriere wegzuwerfen. Sollten Sie sich zum Ausleihen der DVD entscheiden (für den 06.08.10 ist übrigens eine deutsche Blu-ray Fassung geplant), riskieren Sie zum Glück nur anderthalb Stunden Ihres Lebens. Warum man auch als Zuschauer gerne auf die BANDIDAS "reinfällt", liegt vielleicht zum Teil am Buch von Luc Besson, mit Sicherheit aber an der fähigen Regiearbeit von Rønning und Sandberg.

    "We love the visual side of movie-making", sie lieben die visuelle Seite am Filmemachen, bestätigt Espen Sandberg im DVD-Making-Of. Zwei Hauptdarstellerinnen und zwei Regisseure seien das Rezept für einen "sexy Western", wobei Joachim Rønning in der Umsetzung für die technischen Aspekte verantwortlich sei und Sandberg für die Schauspielerführung. Die Aufgabenfelder sind klar aufgeteilt, die Entscheidungen treffen sie zusammen. Ein eingespieltes Team. Profis. 2008: auf zum nächsten Projekt - MAX MANUS.

    Gerechtigkeitskämpfer, die Zweite: MAX MANUS - MAN OF WAR (Norwegen/Dänemark/Deutschland 2008), das ist die Verfilmung der wahren Geschichte von Max Manus (1914–1996), dem legendären norwegischen Widerstandskämpfer. Der deutsche Lizenzinhaber "Capelight Pictures" verspricht einen epischen und modernen Kriegsfilm und zieht einen legitimen Vergleich zu Paul Verhoevens BLACK BOOK (2006) sowie einen etwas vageren zu Steven Spielbergs DER SOLDAT JAMES RYAN (1998). "Freundschaft, Liebe, Loyalität und Heldentum im Angesicht größter Gefahr und Verzweiflung" soll MAX MANUS transportieren. "Ein wichtiges Kapitel der europäischen Geschichte, absolut packend authentisch und doch ungemein unterhaltsam umgesetzt."

    Mitfinanziert vom norwegischen und dänischen Filminstitut, erzählt Ihnen MAX MANUS zum Auftakt die Geschehnisse der damaligen Zeit im Zeitraffer, anhand von Zeitungsschlagzeilen. Die deutsche Wirtschaft liegt am Boden, chaotische Zustände, die Währung im freien Fall, Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler, das Münchener Abkommen (September '38), Hitler und Stalin teilen Polen unter sich auf. Dann: Stalin greift Finnland an. Russische Kampfflugzeuge bombardieren Helsinki, norwegische Freiwillige helfen Finnland. Wir befinden uns an der "Salla-Front" in Finnland, im März 1940, hautnah inmitten der erbitterten Gefechte. Anschließend werden wir den gebürtig aus Oslo stammenden Schauspieler Aksel Hennie (* 1975) erblicken, der den Widerstandskämpfer Max Manus verkörpert. Mit zerschundenem Gesicht liegt er in einem Krankenbett, Erinnerungsfetzen und ein Rückblick auf die Erlebnisse in Oslo im Juni 1940 lassen Sie in seine Lebensgeschichte eintauchen...

    Beeindruckendes Farbspiel und Schauspiel - MAX MANUS hat einiges zu bieten: eine nach dem Vorläufer BANDIDAS kaum zu erwartende dramatisch höchst ergreifende Geschichte von den Regiefreunden Rønning und Sandberg. Beeindruckende Aufnahmen von Kameramann Geir Hartly Andreassen, der die Farbwahl seiner Bilder sehr bewusst ausgewählt hat: so steht die Farbe Rot für Blut, ist Bestandteil der Nazisymbole und der norwegischen Flaggen, taucht als Grundfarbe von Tikkens (Agnes Kittelsens) Kleidern auf. Lobenswert erwähnt: Außerhalb der "Norsk Film" Studios wurde tatsächlich an Originalschauplätzen in Norwegen und Schottland gedreht.

    Beeindruckend auch die Darstellerriege, darunter Ken Duken, der 1979 in Heidelberg geborene Darsteller. Duken spielt den Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer, den Abteilungsleiter im Hauptquartier des Sicherheitsdienstes in Oslo. Er fasziniert als Filmscheusal, ähnlich wie es Christoph Waltz ein Jahr später in Tarantinos INGLORIOUS BASTERDS (2009) zelebriert. Der Name Siegfried Fehmer soll im gesamten Film nicht ein einziges Mal zu hören sein, lasen wir im Nachhinein. Darauf könnten Sie bei einer Filmverabredung mit MAX MANUS einmal achten.

    Rekonstruktion: Die Produzenten hatten geplant, Soldaten der königlichen Garde einzusetzen und in Naziuniformen marschieren zu lassen, die Armee lehnte dies jedoch ab. Das Parlamentsgebäude durfte für die Filmaufnahmen allerdings wie zu Zeiten des 2. Weltkriegs mit nationalsozialistischen Fahnen und Bannern ausgestattet werden. Noch ein beeindruckendes Produktionsdetail: die Massenszenen mit deutschen Soldaten sollen mit 1.800 Statisten durchgeführt worden sein! Einen kleinen Cameo-Auftritt à la Hitchcock hat sich das Regieduo Sandberg und Joachim Rønning ebenfalls gegönnt: als König Haakon die Ehrenauszeichnung überreicht, sind sie rechts vom Monarchen zu sehen, Sandberg übergibt die Medaille. Der Drehbuchautor Thomas Nordseth-Tiller - der tragisch nach der Premiere im Mai 2009 im Alter von 28 Jahren verstarb - tritt im Film kurz als Gestapo-Mann in Erscheinung.

    Der Einsatz der Filmemacher wurden gleich mehrfach belohnt, denn MAX MANUS wurde von der Kritik gefeiert, auf der norwegischen 'Amanda Awards' Preisverleihung gar in vielen verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Der Film bekam u. a. den Kritikerpreis, die Auszeichnung als bester Film des Jahres, mit dem besten Hauptdarsteller (Aksel Hennie), der besten Nebendarstellerin (Agnes Kittelsen), der besten Kamera (Geir Hartly Andreassen) und dem besten Drehbuch (Thomas Nordseth-Tiller). Auf den Festivals in Toronto, Hamburg, den Hamptons und in Lübeck wurde er ebenfalls gefeiert. Schließlich erhielt die Produktion noch die international begehrte Oscar®-Nominierung als bester fremdsprachiger Film, musste sich jedoch gegen NOKAN - DIE KUNST DES AUSKLANGS (Japan 2008) geschlagen geben. Es trat sogar der optimale Fall ein, dass sich das Kinopublikum gleichermaßen begeistert zeigte und MAX MANUS am Startwochenende allein in Norwegen eine Rekordbesucherzahl von rund 185.000 Zuschauern bescherte. Dank über 1,2 Millionen Kinogängern wurde es der meistbesuchte Kinofilm des Landes seit 35 Jahren.

    "Mit einer Einleitung von Tikken Manus" steht im DVD-Menü beim Punkt "Film starten". Dieser Prolog muss separat angewählt werden, ist also optional, ebenso wie die in Deutschland verfügbare Tonspur mit dem Audiokommentar von Darsteller Ken Duken und Produzent Rudi Teichmann. Tikken Manus, ursprünglich Ida Nikoline Lie Lindebrække, die seit 1947 mit Max verheiratet war und seit 1996 leider verwitwet ist, sah die Verfilmung zusammen mit ihren Kindern auf einer königlichen Galapremiere am 19. Dezember 2008 - mit mittlerweile 91 Jahren. In wunderbarem Deutsch berichtet sie in der Einleitung der DVD-Ausgabe, dass sie Deutsch in der Schule gelernt und in ihrer Jugend Deutschland besucht habe.

    So kommt es, dass sie uns die Wörter für ein Fazit auf Deutsch vorwegnimmt. Die wichtigste Grundaussage des Films: "Helden sind auch nur Menschen und im Krieg verlieren sie alle." In Hinsicht auf die nacherzählte Biografie ihres Max Manus hatte Tikken vorab eine besorgte Skepsis, die Sie vor dem Ausleihen der Verfilmung im Online-Verleih vielleicht teilen: "Ich war natürlich ängstlich." Nach der Vorführung ihre Erleichterung: "Aber ich wurde sehr fröhlich überrascht!" Abschließend wünscht Tikken Manus uns allen: "Ich hoffe innig, dass dieser Film euch gute Erfahrungen und gutes Erlebnis geben wird."
  • Adventureland
    Es war der schlimmste Job... und die beste Zeit ihres Lebens.
    Komödie, Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 30.06.2010
    "Komm mit, komm mit mir ins Abenteuerland, auf deine eigene Reise" sang Hartmut Engler von der Gruppe Pur, doch weiter heißt es: "komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand". Der Eintritt ins Adventureland (USA 2009) kostet Sie lediglich die Leihgebühr im Online-Verleih oder in Ihrer Video Buster Filiale vor Ort. Kann ein Ausleihvorhaben hier wohl eher durch ein Bauchgefühl oder eine Verstandsentscheidung entstehen? Vielleicht können wir Ihnen im Folgenden einige Für und Wider liefern.

    Womöglich helfen Ihnen bereits zwei Namen der Hauptdarsteller, sich für oder gegen die 102 Filmminuten zu entscheiden. Wir waren durch die Besetzungswahl vorab zuversichtlich eingestellt: Die zentrale Figur, James Brennan, wird von Jesse Eisenberg (* 1983) gespielt, der sich bereits in Zombieland (2009) auf dem Rummelplatz austoben durfte und uns dort viel Freude bereitete. Die Rolle der gleichaltrigen Em Lewin erhielt Kristen Stewart (* 1990), die seit den 'Twilight' Verfilmungen viele Fans und wenige Gegner hat. Für Kristens Kritiker: die Internetplattform 'College Humor' präsentiert einen Zusammenschnitt von zig Szenen, in denen sich die Schauspielerin auf die Unterlippe beißt und Blogger zählten 55 Male, in denen sie sich in 'Adventureland' nervös durch die Haare fährt. Sympathisanten hingegen können sich auf den 3. September 2010 freuen, dann erscheint endlich ihr 'The Cake Eaters' (2007) als deutsche DVD und Blu-ray im Verleih.

    Adventureland jedenfalls hat ein gutes Darsteller-Team und einen Regisseur namens Greg Mottola, der die Jugend schon in Superbad (2007) zu Wort kommen ließ. Jetzt steht ihm das häufig von Verkauf und Schließung bedrohte Studio Miramax zur Seite, das inzwischen Teil der Walt Disney Studios geworden ist. Eine deutsche Filmvorschau gab es nicht, wohl aber einen englischen Trailer, dazu - nach dem Einlegen des Films - ein schönes Menü, das von den Logo-Shirts des Adventureland bestimmt ist.

    "1987" zeigt die erste Einblendung, gefolgt vom Lockenkopf des Jesse Eisenberg in Großaufnahme. Sein Charakter James kassiert gerade eine Abfuhr von seiner vermeintlichen neuen Freundin und anschließend muss er noch ein Gespräch mit den Eltern über sich ergehen lassen. Die Eltern eröffnen ihm am Tisch eines Lokals, dass sie James' geplanten 42-tägigen Eurotrip zum Schulabschluss leider nicht finanzieren können. Daraus wird nichts, weil sein Dad versetzt wurde. Die einzige, wahrlich nicht verlockende Alternative zum Trip ist ein Job.

    Nachdem die ersten Vorstellungsgespräche - trotz der schriftlichen Empfehlung der Nachbarn über die immer sorgfältig ausgeführten Rasenmäharbeiten - erfolglos blieben, schwingt sich James aufs Rad und fährt ins Adventureland. Dort, wo er als Kind Abenteuer erleben durfte, stellt er sich in Jeans und "Neil Young 84/85 Tour" Shirt vor. Unübersehbar achtziger Jahre. "Smile - you are now going on stage" steht im Hintergrund auf einer Tafel. Immer schön lächeln, dein Auftritt James, auf der Bühne des Lebens. Vorbei sind Kindheit und Schulzeit.

    Er sei kein Fahrgeschäfte ("Rides") Typ, eigne sich eher als Budenbeaufsichtigung für die Spiele ("Games"), so schätzt ihn der schnauzbärtige Vorgesetzte Bobby (Bill Hader) ein. Ohne einen Plan B beugt sich James... den Games. Dann legen sie los die 80er, mit einem Musikclip, der das Treiben im Vergnügungspark zeigt. Die gute alte Zeit, nur dass unserem Protagonisten diese Zeit gar nicht so rosig erscheint, wie aus der nostalgisch-verklärten Sicht des Schreibers dieser Zeilen vor dem Bildschirm.

    "Wer war 1985 Präsident der Vereinigten Staaten?" wurde in 'Zurück in die Zukunft' gefragt. Ronald Reagan, und genau der hält zum Adventureland-Feierabend eine Fernsehansprache. Em (Kristen Stewart) fragt James, nachdem er den Fausthieb eines Freundes einstecken musste: "Was zum Teufel war das?" ("What the hell was that?"). James: "So ist mein Leben." ("It's just my life.")

    In Retro-Stimmung gerät man als Zuschauer vor allem durch die vielen Songs aus der damaligen Zeit. Falcos "Rock me Amadeus" macht Laune - beim täglichen Ertönen über die Parklautsprecher sind die Angestellten allerdings alsbald genervt. Klar, ist ja noch kein Oldie, genauso wenig wie die Klassiker aus heutiger Sicht, von The Cure, Whitesnake, Judas Priest oder den zur 80er-Shirtmode gehörenden Hüsker Dü und The Velvet Underground. Kult. Irgendwo inmitten des Abspanns kann man dann noch einen winzigen, parodistischen TV-Werbespot über das Adventureland erleben. So wie die kleinen liebevollen, zeitgenössischen Requisiten und vielsagenden Gesten im Film ist dieses Detail leicht zu übersehen, wenn man nicht Acht gibt.

    Ferris Bueller (Matthew Broderick) sagte einmal: "Das Leben geht ziemlich schnell vorbei. Wenn ihr nicht ab und zu anhaltet und euch umseht, könnten ihr es verpassen." Diese Worte legte ihm Autorenfilmer John Hughes in den Mund. Der Mann, der am 6. August 2009 in Manhattan überraschend an Herzversagen starb. Ein Herz für die Nöte von Heranwachsenden, das bewies Regisseur John Wilden Hughes Jr. - wie er nach seinem Produzenten-Vater vollständig genannt wurde - in den vergangenen Filmjahrzehnten wie kaum ein anderer. Filme wie L.I.S.A. der helle Wahnsinn (1985), Breakfast Club (1985) und Ferris macht blau (1986) verdankt ihm die Jugendgeneration. Wer wohl die Nachfolge antritt, nach Hughes' Tod filmsprachlich von den Problemen des Erwachsenwerdens zu berichten, fragten wir uns im vergangenen Jahr.

    Filmemacher Greg Mottola ist Jahrgang 1964, war also zur Erzählzeit seines Adventureland Anfang zwanzig. Im 16-minütigen Making-Of der DVD-Ausgabe berichtet Mottola, dass sich die Idee zum Drehbuch aus einem damaligen "summer job" auf Long Island entwickelte. Die geignete Kulisse fand er nach einiger Recherche im denkmalgeschützen US-Vergnügungspark Kennywood. Die Wunschkandidaten für die Hauptrollen bekam er, mit Ryan Reynolds sogar einen weiteren Prominenten obendrauf, und die Nebenrollen wie der Parkleitung Paulette und Bobby (Kristen Wiig und Bill Hader) oder dem Jungstraum Lisa P (Margarita Levieva) sind ebenfalls ein Glücksgriff. Einzig die Elterngeneration in Adventureland kommt durchweg schlecht weg und wird zu wahren Monstern der Spießigkeit. Das wiederum passt gut zu den John Hughes Vorbildern.

    Zugegeben: Die von Greg Mottola geschriebene und inszenierte Handlung ist hauptsächlich damit beschäftigt, die Zeit zurück zu kurbeln, um möglichst allgemeingültig die Situation eines typischen achtziger Jahre Jugendlichen in der Kleinstadt zu zeigen. Da das Leben des James - das sagt er selbst von sich - ziemlich belanglos verläuft, verlaufen auch manche Filmpassagen dementsprechend. Aber: Rückblickend beschönigen wir die 80er ebenso wie Adventureland, wären trotz all der Adoleszenz-Schwierigkeiten gerne noch einmal mit Jesse Eisenberg und Kristen Stewart in ihrem Alter. Entweder man mag Adventureland, weil man sich eben in diesem Alter befindet, oder weil man 1987 etwa so alt war. Sollte man in den 70ern oder früher erwachsen geworden sein, wird man beim Anschauen bestimmt nicht allzu viele begeisterungsfähige Momente für sich entdecken.

    Der Oberloser Joel (Martin Starr) fragt im letzten Drittel des Films seine Angebetete: "Hey, soll'n wir uns vielleicht irgendwann mal 'nen beschissenen Film ansehen, also zusammen mein' ich?" Adventureland fällt definitiv nicht in diese Kategorie, jedoch verbreitet er keine spontane Heiterkeit wie Mottolas früherer 'Superbad'. Er ist einfach, was er ist: eine sympathische Hommage an die Jugend und das Jahrzehnt. "Komm mit..."
  • Tannöd
    Deutscher Film, Krimi
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 17.06.2010
    Sechs Menschen wurden ermordet, bis heute ist der Mörder nicht gefunden. Wenige deutsche Kriminalfälle haben die Gemüter so nachhaltig bewegt wie der mysteriöse Mord an einer Familie auf einem niederbayerischen Einödhof. Es ereignete sich in der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 in Hinterkaifeck, da wurde die Familie Gruber mitsamt Kind und der eben erst eingestellten Magd brutal erschlagen. Der Hof, auf dem sich die Greueltat abspielte, wurde ein Jahr später von Angehörigen der Opfer abgerissen. Die Gerüchte und Nachforschungen reißen dagegen bis heute nicht ab. Zwei Literaturveröffentlichungen, ein Sachbuch und ein Roman, sowie zwei Spielfilme sind erschienen, mit denen Sie womöglich auch tief in den 'Hinterkaifeck' Mythos hineingezogen werden könnten.

    HINTER KAIFECK, so nennt Regisseurin Esther Gronenborn (geboren 1966 in Oldenburg) im Jahre 2009 ihre Spielfilm-Interpretation des Mordfalls. Die DVD und Blu-ray im Verleih, hält im Bonusmaterial ein 10-minütiges Interview mit Peter Leuschner bereit. Er ist Journalist und Buchautor und berichtet, er habe sich 1977 als erster Forscher mit den bis dahin geheim gehaltenen Akten der bayerischen Staatsanwaltschaft befassen dürfen. An einer kleinen Gedenkstätte am Wegesrand, neben dem Acker, auf dem der Hof einst gestanden haben soll, berichtet er von Aktenergebnissen, die er nach Monaten und Jahren zusammengetragen hätte. Und er stellt Fragen: Die Leichen seien erst vier Tage nach der Mordnacht gefunden worden, warum? Bundesweit kamen unzählige Hinweise auf der Bevölkerung, das direkte Umfeld der Opfer wurde jedoch nie gründlich befragt, warum?

    Dass der Mörder nie gefunden wurde, bietet noch heute Anlass zu düsteren Spekulationen, die von Autorin Andrea Maria Schenkel in ihrem Debüt "Tannöd" verarbeitet wurden. Ihr Roman wurde ein Bestseller, gewann den Deutschen Krimipreis 2007. Regisseurin Bettina Oberli, die mit DIE HERBSTZEITLOSEN 2006 in ihrer Sparte ebenfalls einen großen Erfolg feierte, widmet sich auf filmischem Weg den bigotten gesellschaftlichen Strukturen und beweist mit TANNÖD (Deutschland/Schweiz 2009) einmal mehr ihr Talent für atmosphärisch dichtes Erzählen. Wirklich sehenswert wird Oberlis Inszenierung dank ihrer wunderbaren Darstellerinnen Julia Jentsch (als Kathrin), Brigitte Hobmeier (als Barbara) und Monica Bleibtreu (Traudl Krieger). Leider konnte Monica Bleibtreu, die am 14. Mai 2009 in Hamburg verstarb, ihre letzten Kinoauftritte in TANNÖD (Kinostart am 19. November 2009) und in Fatih Akins SOUL KITCHEN (Start am 25. Dezember 2009) nicht mehr miterleben. Sie können die Ausnahmedarstellerin nun in TANNÖD - wahlweise auf DVD oder Blu-ray - im Verleih erleben.
  • Up in the Air
    Ein Mann sucht Anschluss.
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 02.06.2010
    Positiv fällt gleich auf, dass die Verpackung das verspricht, was man bekommt: kein Firlefanz. Nicht im Februar 2010 auf dem Kinoposter, das die drei Hauptpersonen in einer sterilen Flughafenhalle zeigte. Auch kein unnötiges Drumherum zum Verleihstart am 4. Juni 2010 auf dem Coverdesign der DVD und Blu-ray. Das Cover zeigt ein Szenenbild vor einem neutralen, mehr türkis- als himmelblauem Hintergrund.

    Sogar beim Abspielen erwartet Sie ein geradezu nihilistisches Auswahlmenü: Erst fügt sich das verantwortliche Studio 'Paramount' mit seinem Gipfel-Logo hoch oben über den Wolken in diese Illustration ein, dann folgen Wolkenformationen und Luftbilder, die sich im Filmvorspann wiederfinden. 'Shadowplay' heißt die Firma, die von Regisseur Jason Reitman mit der Gestaltung dieser Landschaften und Städte aus der Vogelperspektive beauftragt wurde. Sogar ein Bonusbeitrag auf der DVD widmet sich jenem Kreativteam. Wir erwähnen das vorab, weil die dort angestellte Designerin Jenny Lee uns zu den vorherigen Spielfilmen von Reitman führt: zum animierten, mit Gitarrenklängen unterlegten Gang des Mädchens JUNO (2007) im Vorspann des gleichnamigen Überraschungserfolgs. Und auch zu der durchgestylten Einleitungssequenz von THANK YOU FOR SMOKING (2005). Der anhaltende Erfolg des Regisseurs sichert den Arbeitsplatz der Designerin Lee. Um das Gegenteil, um das Auflösen wegrationalisierter Arbeitsplätze, kümmert sich Ryan Bingham. Er ist der Überbringer von schlechten Nachrichten.

    Produziert wurde der Oscar®-nominierte Film UP IN THE AIR (2009) von Vater und Sohn, von Drehbuchautor/Filmemacher Jason Reitman und dem GHOSTBUSTER-Kultregisseur Ivan Reitman. Nur nominiert? Tatsächlich, ihr Film wurde zwar in sage und schreibe sechs Kategorien für den 'Academy Award' vorgeschlagen - bester Film, beste Regie, beste Drehbuchadaption, bester Hauptdarsteller (George Clooney) und zweimal für die beste Nebendarstellerin (Vera Farmiga und Anna Kendrick) - musste sich bei der Vergabe der begehrten Auszeichnungen jedoch gegen Gewinner wie THE HURT LOCKER - TÖDLICHES KOMMANDO (2008) geschlagen geben. Das tat dem Erfolg des mit 25 Millionen Dollar budgetierten UP IN THE AIR (2009) aber keinen Abbruch. Er spielte allein an den US-Kinokassen rund 85 Millionen ein. Obendrein ist er auf seine ganz eigene Art und Weise "ausgezeichnete" Unterhaltung.

    Die erste Filmeinstellung: Ein Opfer der Stellenkürzungen, dann noch ein Gefeuerter in Nahaufnahme an einem Schreibtisch, noch eine plötzlich mit Arbeitslosigkeit Konfrontierte. Reale oder fiktive Betroffene? Spätestens der letzte in der Reihe der getroffenen Gesichtsausdrücke ist ein vertrauter Schauspieler: Zach Galifianakis, der Vollbart-Loser aus HANGOVER (2009). Die anschließenden Szenen wecken Erinnerungen an einen weiteren Filmtitel: David Finchers FIGHT CLUB (1999). Ein Alleinreisender, ein Bekehrer namens Tyler Durden (Brad Pitt), der die Verabschiedung von materiellen Dingen predigt, um den Wert des Lebens erst richtig schätzen zu lernen. Eine ähnliche Auffassung vertritt Rayn Bingham in UP IN THE AIR (2009), wenn er auf Seminaren einen Teilzeit-Motivationsdozenten gibt.

    Pack deine kleinen Besitztümer in einen Rucksack, dann die großen Dinge, und du merkst, wie sehr sie dich belasten und am Vorankommen hindern. Der kanadische Regisseur Reitman, Jahrgang 1977, hat diese Moral beherzigt, hat seine Verfilmung UP IN THE AIR von der Komplexität der Buchvorlage befreit, die 2001 von dem amerikanischen Autoren und Karrierecoach Walter Kirn veröffentlicht wurde. Stattdessen hat sich Reitman sehr ernsten und in der heutigen Zeit allgegenwärtigen Themen gewidmet, dem drohenden Verlust des Arbeitsplatzes und der Vereinsamung der heiratsunwilligen Generation. Seine Herangehensweise hat Erfolg, weil sie zu einem von Arthur Schnitzler überlieferten Zitat passt: "Lebensklugheit bedeutet, alle Dinge möglichst wichtig, aber keines völlig ernst zu nehmen." Von seinem Arbeitsplatz aus - der durch die vergebenen 4 von 5 Bewertungssternen hoffentlich nicht die Berufsgruppe des Ryan Bingham auf den Plan ruft- die Empfehlung: UP IN THE AIR - ab in die Wunschliste.
  • Unbekannter Anrufer
    Thriller
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 07.05.2010
    Horrorfilme sind wieder in. Manchmal müssen dann halt auch mal Klassiker wie „When a Stranger Calls“ von 1979 herhalten.

    Das Remake ist im Großen und Ganzen sicher gelungen, dennoch muss man einen klaren Punktabzug für die Logikfehler geben.

    Der Film ist klassischer Psycho-Horror im Stile an bereits vorhandene Klassiker.
  • Red Riding Trilogy - Yorkshire Killer
    Korruption, Mord, Obsessionen. Willkommen im Norden.
    Thriller, Krimi
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 28.04.2010
    Komplex, packend und verstörend. Ein atemberaubender Albtraum und ein fesselndes Neo-noir-Epos basierend auf David Peace Bestsellern über den Yorkshire Ripper. Das können Sie lesen, wenn Sie die Rückseite des DVD-Covers der RED RIDING TRILOGY (Großbritannien 2009) betrachten. Wie ein Buchbucheinband wirkt die Verpackung dieser Veröffentlichung von 'Kinowelt', die drei DVDs beinhaltet. Drei Filme, die nach den Jahren benannt sind, in denen sie spielen: 1974, 1980, 1983.

    Die Schlichtheit der Jahreszahlentitel wird im DVD-Menü fortgesetzt: Sprachen deutsch/englisch (beide im 5.1 Tonformat), Untertitel an/aus. Los geht’s. "In the year of our lord: 1974". Auf nach Morley, eine Kleinstadt in Yorkshire, die durch eine Reihe von Mädchenmorden in Aufregung versetzte wird. Die Ermittlungen führen den jungen Journalisten Eddie Dunford (Andrew Garfield) in eine Schattenwelt skrupelloser und übermächtiger Machenschaften. Begeben Sie sich mit Disc 1 in Teil 1 der Filmtrilogie, die jeweils 102, 93 und 100 Minuten lang in die düstere Vergangenheit der britischen Kriminalgeschichte entführt.

    Die Buchvorlage stammt vom 1967 in West Yorkshire geborenen Schriftsteller David Peace, der nach einem technischen Studium in Manchester als Englischlehrer in Israel tätig war, Mitte der 90er in Tokio wohnte und schließlich mit seiner japanischen Ehefrau und zwei Söhnen in seine Heimat zurückkehrte. Dort spielen seine Romane, die von 1999 bis 2002 in einjährigem Abstand erschienen. Vier Jahre lang? Tatsächlich: Peace schriebt ein 'Red Riding Quartett', das auch in Deutschland in vier Bänden (übersetzt von Peter Torberg) erschien. Das Jahr 1970 wurde nicht zu einem Filmtitel, wurde aber wie die anderen Jahre zu einem wichtigen Angelpunkt in der Geschichte.

    Tony Grisoni übernahm die Adaption und fasst die Geschehnisse in drei Drehbücher zusammen. "Ich vertraute den Büchern, selbst wenn mir etwas sinnlos erschien." Diese Haltung wird womöglich auch Ihnen als Zuschauer abverlangt, wenn Sie sich den einerseits pessimistischen Machenschaften und den andererseits fast poetischen Detailaufnahmen der Charaktere gegenübersehen. Dem besonderes Feingefühl, das Peace dabei besessen habe, in die Psycho seiner Romanfiguren einzutauchen, wollte auch Grisoni in seine Filmvorlagen hinüberretten. Gleichzeitig sollte die Erzählstruktur erhalten bleiben, die Fiktionales mit Fakten des 'Yorkshire Ripper' Falls anreichert. Glücklicherweise hat Tony Grisoni dabei nicht ganz so viel Fantasie walten lassen, wie er bei der Mitarbeit an den Skripten zu Terry Gilliams Filmen FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS (1998) und TIDELAND (2005) zu Tage förderte.

    Zu Tage förderten die Regisseure Julian Jarrold ('1974'), James Marsh ('1980') und Anand Tucker ('1983') drei Investigationskrimis, wie sie im Buche stehen (wie sie in vier Büchern stehen). Dass man von den 'Red Riding' Filmen mitgerissen wird, wollen wir Ihnen allerdings nicht zu vollmundig berichten. Zumal es ein etwas optimistisches Unterfangen war, sich an einem Abend gleich auf alle drei Filmteile einzulassen. Von Vorteil ist natürlich, dass Sie hier gleich die gesamte Trilogie im Verleih sehen - im Gegensatz zu den thematisch durchaus vergleichbaren Verfilmungen der 'Millennium-Trilogie' von Stieg Larsson (VERBLENDUNG seit dem 5. Februar bei Video Buster, VERDAMMNIS zum 4. Juni und VERGEBUNG mit seinem Kinostart am 3. Juli 2010).

    Um in der 'Red Riding' Trilogie zur Lösung der Fälle zu kommen, müssen die ständig von Polizei, Politik und Grundstückspekulanten bedrohten Protagonisten ganz schön ausgeschlafen sein, so wie die Entleiher der Filme. Sollten Sie von diesen Zeilen, den Szenenbildern und Trailern auf der Video Buster Filmseite auf den Geschmack gekommen sein, würden wir Ihnen eine schrittweise Reise in die Grafschaft Yorkshire empfehlen - allerdings auf jeden Fall chronologisch. Andrew Eaton, der ausführende Produzent bringt es in zweiten von drei Making-Ofs auf den Punkt: "Ich mag die Vorstellung, Filme zu drehen, die keine unglaubwürdigen Gangsterstreifen oder kitschige Liebeskomödien sind. Wirklich bedeutende englische Filme handeln vom Aufwachsen in Großbritannien. Diese Filme zeigen Wirkung. Sie haben Ecken und Kanten und sind bissig. Solche Filme machen mich glücklich." Das Publikum auch, Mr. Eaton.