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Kritiken von "VideobusterRedaktion" aus

293 Kritiken in dieser Liste

Darstellung:
  • 2 Tage Paris
    Komödie, Lovestory
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 08.05.2012
    New York meets Paris. '2 Tage Paris' bietet erstklassige Dialoggefechte. Es macht einfach Spaß, den Gesprächsinhalten zu folgen. Dabei fällt es noch nicht einmal schwer, dass man sich sehr häufig mit Untertiteln auseinandersetzen muss. Die Gespräche zwischen der gebürtigen Französin Marion und ihrem amerikanischen Freund Jack sind einfach genial. Endlich mal nicht so ein schnulziger Liebesfilm, der vor Romantik nur so strotzt. Paris, die Stadt der Liebe, wird für Jack, der kein Wort Französisch versteht, zur Hölle.

    Das Aufeinandertreffen mit Jacks Schwiegereltern in spe bringt zusätzliche Würze in diese etwas andersartige Beziehungskomödie. Es ist einfach herzerfrischend, wie sehr sich Marions Eltern, Schwester und etliche Ex-Lover die Tatsache, dass Jack kein Französisch kann, zum Spaß machen.

    Auffällig ist, dass der Film hauptsächlich von der Darstellung intensiver Gespräche getragen wird. Die Handlung ist eher karg bemessen, wird aber gar nicht so richtig vermisst, weil es die Gespräche wirklich in sich haben. Perfekt gesetzte Pointen machen diesen Film sehenswert, denn oftmals werden die kleinen alltäglichen Wahrheiten und Probleme beherzt aufgegriffen und zum Thema gemacht.

    In diesem Film gibt es zu jedem Problem auch den passenden Rahmen. Die Wohnung von Marion, in welche die Mutter allzu gern ungebeten hinein läuft, die Wohnung der Freundin, in der Marion und Jack auf zahlreiche Ex-Lover von Marion treffen, usw. Kurz gesagt, alle Ereignisse und Problematiken bekommen ihren eigenen speziellen Auftritt.

    Die schauspielerische Leistung von Julie Delpy ist, trotzdem sie selbst auch noch die Regie führte, absolut überzeugend. Besonders starke Leistungen bringt sie während der verschiedenen Wut- und Emotionsausbrüche. Hut ab! Auch Ihr Gegenüber, Adam Goldberg, ist in der Rolle erstklassig eingesetzt. Besser hätte man dieses eigentümliche Pärchen nicht verkörpern können.

    Schade ist, dass die Handlung, wie bereits erwähnt, etwas zu wünschen übrig lässt. Auch das Ende hat leider nicht überzeugt, denn es weicht zu sehr vom Stil ab und hätte eindeutig spezieller sein sollen. Dieser Film ist natürlich kein Blockbuster, aber er ist durchaus in der Lage gut, zu unterhalten. Viel Spaß beim Film!
  • Dora - Beste Freunde
    Doras erstes Abenteuer - Der Tag der besten Freunde - Feier im Baumhaus - Der Schokoladenbaum
    Serie, Kids, Animation
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 21.09.2010
    "Karte heißt 'map' und Rucksack heißt 'backpack' und außerdem weiß ich noch was 'nach oben' und 'nach unten' auf Englisch heißt!" So klingt ein stolzes Kind, dass nach ein paar Minuten Dora ganz glücklich berichtet, wie viele neue Dinge es dank des kleinen Zeichentrickmädchens gelernt hat - und das auch noch mit Spaß! Eine absolut gewaltfreie Fernsehserie, die an erste Englischkenntnisse und Zahlenreihen heranführt, darüber hinaus aber auch das Erkennen von Formen, Farben und Zusammenhängen fördert. Durch Wiederholungen, Vergleiche und musikalische Unterstützung fällt es Dora und ihren kleinen Freunden nicht schwer, ihrem Publikum das erlangte Wissen einzuprägen.

    Gerade Mädchen zwischen 3 und 6 Jahren können sich für Dora begeistern. Für das männliche Zielpublikum dieser Altersklasse gibt es noch einen Extratipp:

    'Go Diego Go!'
  • Ein Prophet
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 18.08.2010
    Man muss kein "Prophet" sein, um zu erahnen, dass ein Spielfilm, der den großen Preis der Filmfestspiele in Cannes 2010 ("Festival de Cannes Grand Prix") erhielt und dem Regisseur Jacques Audiard eine "Goldene Palme" Nominierung in Cannes einbrachte, tatsächlich einiges "kann". Wird EIN PROPHET (Frankreich/Italien 2009) uns Zuschauer mit der ab sofort bereitstehenden DVD oder Blu-ray im Verleihprogramm ebenso stark beeindrucken und bewegen, oder wird man das Ausleihen bereuen? Wir haben uns in einem Selbsttest für zweieinhalb Stunden in den Heimkinoknast einweisen lassen und geben Ihnen nun, zurück im Tageslicht, einen kleinen Einblick hinter die Gefängnismauern.

    Ein Gefangener wird lauthals in eine Zelle geführt. Zunächst wird man nur mit partiell beleuchteten Filmbildern Zeuge der Szenerie, ein Blick durchs Schlüsselloch. Es handelt sich nicht um die Hauptperson Malik El Djebena, die man in den anschließenden 149 Minuten begleiten wird. Malik (Tahar Rahim) sitzt schon in Untersuchungshaft und bekommt Besuch von seinem Anwalt, der ihm verkündet, dass die sechs Jahre Haftstrafe bei erreichter Volljährigkeit auch tatsächlich abgesessen werden müssen. Zwei bittere Szenen folgen auf dem Weg zur Verlegung ins Gefängnis: Ein Blick durch die Gitterstäbe des Transportwagens hindurch zur belebten Straße, Sonnenstrahlen, die flatternde Trikolore an einem Gebäude, der vorerst letzte Blick auf die Außenwelt. Dann die körperliche Untersuchung des nackten, verschmutzten Inhaftierten Malik, gefolgt von der Fragebogen-Abarbeitung des Gefängnisvorstehers.

    Schon ist man mittendrin, im Geschehen von EIN PROPHET. Im Knast, bei Malik, den man durch die nüchternen Fragen nach sozialen Kontakten drinnen und draußen, nach seiner Glaubensrichtung, nach der (fehlenden) Berufsausbildung auf kürzestem Weg kennenlernt. Wenn es Regisseur Audiard versteht, in so knapper Zeit einen stimmigen Filmcharakter aufzubauen, wollen wir ebenfalls schnell zum Punkt kommen: Nach einer Viertelstunde wird klar, dass ähnlich wie beim Gefängnisklassiker MIDNIGHT EXPRESS (1978) ein schonungsloser Umgang mit den Insassen und dem Filmpublikum folgen wird. Dass man sich auf eine richtige Geschichte mit glaubhaften Figuren einstellen kann, wie beim Gefängnisfilm DIE VERURTEILTEN (1994). Dass sich die Atmosphäre innerhalb der kriminellen Machthierarchien unvorhersehbar steigern wird wie beim Mafia-Epos DER PATE (1972).

    Die zwei letztgenannten Filme erscheinen auf der ewigen Bestenliste der 'IMDb - Internet Movie Database' auf den Spitzenplätzen 1 und 2. EIN PROPHET erzählt eine Geschichte dazwischen und verfehlt damit knapp den Einzug in die dortige Top 250. Ein "Best-of-Prison-Movies", bei dem man vor dem Fernseher von Anfang an bei der Sache ist und unter keinen Umständen in der Haut des Protagonisten stecken möchte. Keine Hoffnung auf Knastromantik, hier werden dir umgehend die Schuhe von Mithäftlingen abgezogen, in der Dusche wirst du nach Liebesdiensten gefragt und auf dem Innenhof in einen ausweglosen Handel getrieben. Und wenn du nicht spurst, schnürt dir ruck-zuck eine Plastiktüte über dem Kopf die Luft weg.

    Jacques Audiard hat die Geschichte um den elternlosen Franzosen Malik inszeniert, der nichts hat außer seiner maghrebinischen Abstammung, einer abgebrochenen Schulzeit und - obwohl erst 19 Jahre alt -^einem ellenlangen Strafregister. Audiard, so war im Vorfeld zu lesen, habe einen früheren Film in einem echten Gefängnis vorgeführt und sei von den vorherrschenden Zuständen so geschockt gewesen, dass er diese Eindrücke in einem Film hinter Gittern verarbeiten wollte. Außerdem war es ein Wunsch des 1952 in Paris geborenen Filmemachers, die arabische Bevölkerung Frankreichs ins Zentrum seines neuen Films zu setzen, ohne jedoch in einem rein fiktiven Rahmen ein Bild der aktuellen Gesellschaft zu zeichnen.

    Das Team aus seinem vorangegangenen DER WILDE SCHLAG MEINES HERZENS (2005) stand ihm dabei zur Seite. Schon dort fungierte der französische Charakterdarsteller Niels Arestrup (*1949) in der Rolle des Vaters als Stützpfeiler, der die Erlebnisse von Thomas (Romain Duris), einem aggressiv vorgehenden Immobilienspekulanten und leidenschaftlichen Klavierspieler, zusammenhält. Audiard zeigte bereits 2005 sein Können, scheinbar beiläufige Szenen zu zeigen, die den Zuschauer unvorbereitet treffen. Gut und Böse sind nicht klar definiert, der Vater will eine schwer zu durchschauende Geliebte heiraten und verstrickt sich in Geschäfte mit der russischen Mafia, ein befreundeter Ehemann geht regelmäßig fremd und die Arbeitskollegen von Thomas prügeln Obdachlose aus den neuerworbenen, leer stehenden Häusern. Menschliche Abgründe im Alltäglichen und gleichzeitig ein Hoffnungsschimmer, durch die frühere Passion am Klavier eine Art neues Leben anzufangen.

    In EIN PROPHET heißt der Protagonist nicht Thomas, sondern Malik und Niels Arestrup spielt keine Vaterfigur, sondern einen über Leichen gehenden Häftlingsanführer. Der Hoffnungsschimmer auf ein besseres Leben für Malik ist schwer auszumachen. Lesen lernen könnte ein Ausweg sein, schnell verdientes Geld und Anerkennung in den verfeindeten Lagern der arabischen Drogenschmuggler und einer korsischen Mafiaorganisation ist naheliegender. Welches Ende der Film für Malik bereithält, sollten Sie sich selbst anschauen. Die Oscar-Nominierung 2010 als bester ausländischer Film, der Preis aus den Händen der 'British Academy of Film and Television Arts' 2010, die zahlreichen 'César' Auszeichnungen Heimatland Frankreich, all diese Ehrungen kommen nicht von ungefähr. Ein wirklich guter Gefängnisfilm, dem man sich aufgrund von genretypischen Bestandteilen wie expliziter Gewaltdarstellung und durchweg ungeschönter Filmfiguren trotzdem mit Vorsicht nähern sollte.

    Zur Handhabung: Die getestete DVD-Ausgabe des Studios 'Sony Pictures Classics' ist in ihrer Sprachen-Auswahl "Französisch - Deutsch" überschaubar, in den Untertiteln steht dagegen Englisch und Deutsch zur Verfügung. Ein vielleicht auch für Sie wichtiger Hinweis zu den Sprachfassungen: Startet man nach dem Einlegen der Disc den Film ohne Umwege über die Optionen, sieht man die Originalfassung. Wechselt man dort auf die deutsche Fassung, fehlen die Untertitel in den teils arabischen, teils französischen und sogar italienischen Dialogfetzen zwischen den Inhaftierten. Besser im Menü gleich die deutsche Fassung wählen, denn dann bekommt man eine sorgfältige Synchronisation vorgeführt, die in den fremdsprachigen Passagen mit einer kursiven Untertitelung hilft. Die Extras bieten Ihnen außerdem einen Audiokommentar des Regisseur Audiard, des Hauptdarstellers Tahar Rahim und des Co-Drehbuchautors Thomas Bidegain. Dazu werden entfallene Szenen, nicht wirklich erhellende Szenen aus den Vorbereitungen zum Dreh ("Rehearsal Footage"), Probeaufnahmen ("Screen Tests") und ein Kinotrailer gereicht.

    Beide Filme von Jacques Audiard, DER WILDE SCHLAG MEINES HERZENS (2005) und EIN PROPHET (2009), tun sich außerdem durch die Kameraarbeit von Stéphane Fontaine, durch den Schnitt von Juliette Welfling und die Musik von Alexandre Desplat (Blockbuster-verwöhnt durch NEW MOON 2009 und HARRY POTTER 2010) hervor. Produziert wurden Audiards Filme von der Firma 'Why not Productions', "warum nicht". Diese Einstellung können Sie sich beim nächsten Ausleihvorhaben in Hinsicht auf EIN PROPHET getrost zu Herzen nehmen.
  • In meinem Himmel
    Die Geschichte über ein Leben und alles, was danach kam...
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 11.08.2010
    In Neuseeland gibt es neben Kiwifrüchten, von denen die "grüne Insel" nach Italien und China nur noch der drittgrößte Produzent sein soll, einen weiteren Exportschlager, der über zwanzig Jahre hinweg stetig erfolgreicher wurde: Regisseur Peter Jackson. Wie oft man den Namen des am Halloweentag, dem 31. Oktober 1961 Geborenen inzwischen in Zusammenhang mit seiner Spielfilmtrilogie gelesen hat, die auf J.R.R. Tolkiens DER HERR DER RINGE Romanen basiert, oder in Bezug auf sein Multimillionen-Dollar-Projekt über das Schicksal des Riesenaffen KING KONG? Unzählige Male, dabei gibt es in seiner Filmografie noch ganz andere Schätze. Sogar einen Horrorfilm über ein Mutter-Sohn-Verhältnis und einem fulminanten Rasenmäher-Finale findet sich unter Jacksons Werken, so absurd blutig, dass es in Deutschland beschlagnahmt wurde.

    Genug zur Person, genug der extremen Kassenschlager und Splatterfeste. Was sich zur Vorbereitung auf Peter Jacksons neueste Heimkino-Veröffentlichung IN MEINEM HIMMEL (USA/Großbritannien/Neuseeland 2009) lohnt, ist das Frühwerk HEAVENLY CREATURES von 1994, das mit einem kleinen Markenzeichen - historischen Aufnahmen über die Heimat des Autorenfilmers - beginnt und zu zwei schreienden, blutüberströmten Schülerinnen wechselt. "In den Jahren 1953 und 1954 führe Pauline Yvonne Parker ein Tagebuch über ihre Freundschaft mit Juliet Marion Hulme. Dies ist ihre Geschichte. Die Tagebucheintragungen sind in ihren eigenen Worten wiedergegeben." Ein erklärender Einleitungstext, gefolgt von einer in ihrer Tragweite damals noch nicht abzusehenden Besetzungsinfo: "and introducing Kate Winslet as Juliet", Kate Winslet in ihrem ersten Spielfilm.

    Ebenso wenig abzusehen für den Zuschauer sind die Ereignisse, in die sich zwei Schülerinnen der 'Christchurch Girls High School' in Canterbury/Neuseeland von 1952 an hineinsteigern. Wir erzählen Ihnen nichts über den Filmverlauf, damit die Wirkung nicht zerstört wird - so wie der herumalbernde Vater der jungen Pauline (genial ausgesucht wie Winslet in ihrer Rolle auch Melanie Lynskey) beim Abspielen einer Schallplatte des vergötterten Tenors Mario Lanza. Pauline: "Hör auf damit! Du bist ein Ignorant." - "Stop it, you're spoiling it!" Apropos Ignorant: Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem wir auf Peter Jacksons jüngste DVD und Blu-ray Erscheinung IN MEINEM HIMMEL zu sprechen kommen. Falls Sie sich eher zu denjenigen zählen, die opulente Filmerlebnisse von Riesenaffen und Dinosauriern oder Hobbits und Elfen allemal den Filmbildern stiller, emotionaler Dramen vorziehen, sollten Sie jetzt die Reißleine ziehen und in den Angaben der Mitwirkenden auf den Namen des Regisseurs klicken, um zu einer Liste der bisherigen Erfolge des Filmemachers zu kommen, in der man sich besondere Fantasy, Abenteuer, Horror-Erlebnisse von Peter Jackson aussuchen kann.

    Für alle anderen: Die Freundschaft zweier Mädchen, die sich in eine Fantasiewelt zurückziehen, so wie sie in ("two such") HEAVENLY CREATURES (1994) gezeigt wird, ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Ob "der neue Jackson" IN MEINEM HIMMEL (2009), fünfzehn Jahre später, für eine größere Zielgruppe geeignet ist? "FSK ab 12 freigegeben" war das Urteil der 'Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft'. Bei HEAVENLY CREATURES war es eine 16er-Altersgrenze, zu Recht, wie sich Ihr heutiger Schreiber erinnert, der damals im Kino etwa so alt war. Dermaßen intensiv wirkten und wirken Peter Jacksons Filmbilder von 1994, alle Emotionen übergroß, gewalttätige Tagträume, sexuelle Erfahrungen, aufmüpfige Gedanken gegen die Eltern. Tragisch. Ganz schön viel zu Verarbeiten für einen Jugendlichen oder eine Jugendliche. Dank eines vielschichtigen Drehbuchs von Jackson und seiner Langzeit-Koautorin Fran Walsh (Oscar-prämiert für DER HERR DER RINGE - DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS), mit einem Cameo-Auftritt des Regisseurs, einer Abrechnung mit Orson Welles als "widerlichem" ("hideous") Finsterling in Schwarz-Weiß und einem Film-im-Film-Erlebnis der Protagonistinnen Pauline und Juliet in DER DRITTE MANN. Zahlreiche Details, die Peter Jacksons Arbeitsergebnisse immer zu etwas Besonderem machen. Jedes Mal. Jedes Mal?

    Jacksons Produktionsfirma 'WingNut Films' bekommt zu den Dreharbeiten ab Oktober 2007 von Spielbergs 'DreamWorks' finanzielle Rückendeckung (respektable 65 Millionen Dollar Budget) und eine garantierte weltweite Verbreitung durch 'Paramount'. Große Studios, dabei fängt IN MEINEM HIMMEL ganz klein an: Eine Schneekugel ist das erste, was Sie zu sehen bekommen. "Ich erinnere mich, dass ich noch ganz klein war. Zu klein, um über die Tischkante sehen zu können. Da war diese Schneekugel und ich erinnere mich an den Pinguin, der im Inneren der Kugel wohnte. Er war ganz allein da drin und ich machte mir Sorgen um ihn.", hören wir die Hauptfigur Susie im Rückblick sagen, während der Vater Jack auf dem Sofa sitzt und herüberschaut. Mark Wahlberg übernahm diese Rolle Tage vor Drehbeginn, nachdem Ryan Gosling (WIE EIN EINZIGER TAG, 2005) wegen "künstlerischer Differenzen" abgesprungen war. Einblendung: "The Lovely Bones", der Originaltitel und der Name des 2002 erschienenen Romanvorlage von Alice Sebold. Zeitsprung: Zwölf Jahre nach der Schneekugel lernen wir auch die Mutter Abigail kennen (durch Rachel Weisz ebenfalls prominent besetzt), mit Erziehungsratgebern und Camus-Literatur im Ehebett.

    Ihr Name ist Susan Salmon. Susie wird sie von der Familie genannt. Faszinierend gespielt von Saoirse Ronan, die trotz ihres jungen Alters (*1994) sogar schon mal für einen Nebenrollen-Oscar nominiert war, für ihren Auftritt in ABBITTE (2007). Die Nominierung soll nach der Besetzungsentscheidung für IN MEINEM HIMMEL verkündet worden sein, so dass sich Wunsch der Autorin Alice Sebold, ein unbekanntes Mädchen für die Rolle auszuwählen, nicht erfüllte. "Ich fand es toll, wie ein Foto einen Moment festhalten konnte, bevor er vorüber war." reflektiert die jugendliche Sprecherin ihre aufgenommenen Schnappschüsse (und spricht Peter Jackson damit bestimmt aus der Seele). Die Protagonistin malt sich ihre Welt aus, wie es Juliet und Pauline in Jacksons früherem Drama taten. Wenn sich die Fantasiewelt der Susie doch bitte nicht so tragisch entwickelt! Doch auch dieser Wusch wird nicht erfüllt. Während Grandma Lynn (noch ein Star: Susan Sarandon) erscheint, keimt die Hoffnung des Mädchens auf: "Wir gehörten nicht zu diesen Menschen, diesen glücklosen Menschen, denen grundlos schreckliche Dinge passieren." Bis am 6. Dezember 1973 etwas Grausames geschieht…

    Es gibt diverse Herangehensweisen, die unsagbaren Taten hinter vermissten Menschen für Filme aufzuarbeiten, dokumentarisch, als Krimi, als Tragödie. Unerträglicher als bei Horrorvertretern wie CAPTIVITY 2007 oder extremen Darstellungen wie MARTYRS 2008 (nur beispielhaft genannt), wirkt in Peter Jacksons Werk der Kontrast zwischen ruhiger Erzählweise, romantischer 70er Jahre Kulisse und der widerlichen Figur des Täters (der Mut von Stanley Tucci, diese Darstellung zu übernehmen, brachte ihm eine Oscar-Nominierung ein). Dass Jackson bei seiner filmischen Umsetzung den Tatbestand der Vergewaltigung aus der Buchvorlage noch nicht einmal andeutet, muss ihm nicht als Versäumnis angekreidet werden, diese bewussten Lücken werden in der Vorstellung des Zuschauers mit Grauen gefüllt.

    Falls Sie sich noch darüber wundern, warum in einer Kritik zu IN MEINEM HIMMEL ausführlich auf HEAVENLY CREATURES eingegangen wird: es sollte dem ungewöhnlicheren der zwei Filme mehr Platz einräumen. Es gibt sogar Details, die beide Werke verbinden, wie die großen Gesichter, die durch eine Sandburg bzw. ein Puppenhaus schauen, flüchtige Filmauftritte des bärtigen Peter Jackson, vor allem die sich in der Vorstellung verändernden Traumlandschaften von heranwachsenden Teenagern. Bei IN MEINEM HIMMEL kommen - jetzt eine Bewertung - leider Bilder zum Vorschein, die verdrängte Filmerinnerungen an Jodie Foster in CONTACT (1997) wachrufen. Künstlicher Sternenhimmel über einem Sandstrand, in verklärt-mystisches Licht getaucht, das gibt ihnen eine ungefähre Vorstellung. Weniger bewegende Tragik, stattdessen esoterische Bildsprache. Was uns persönlich bei KING KONG zu viel computergenerierte Dinos waren, sind hier die zwar farbenprächtigen, jedoch künstlich-affektierten Landschaftsbilder in Werbeclipästhetik.

    Pluspunkt: Susan 'Susie' Salmon und ihre Familienangehörigen sind gut dargestellt und Peter Jacksons Familiendrama ist über weite Strecken bewegend. Auch die Thriller-Elemente funktionieren, obwohl sie stereotyp sind. Aber was will IN MEINEM HIMMEL jetzt sein? Soll die Video Buster Redaktion jetzt unter mehreren Genrebezeichnungen eintragen und sich an der Vielfalt der angesprochenen Emotionen in 130 Filmminuten erfreuen? Die Schaffensphase der BAD TASTE (1987) und MEET THE FEEBLES (1989) Extreme hat Jackson lange hinter sich gelassen, aber bei diesem Werk vermissen wir seine Handschrift, das Besondere. Das wird man hoffentlich bei dem von ihm geschriebenen und produzierten DER KLEINE HOBBIT (Teil 1 ab 2012, Teil 2 ab 2013) wiederentdecken. Am Ende bleibt in diesem Fall ein handwerklich gutgemachtes und optisch ansprechendes Durcheinander, das letztlich doch ein Durcheinander für uns bleibt. Wir freuen uns über Ihre Zeilen in einer eigenen Kritik auf der IN MEINEM HIMMEL Filmseite, vor allem über durchweg positive Meinungen, denn die werden seltener zu finden sein. Von Peter Jackson erhoffen wir uns in Zukunft wieder etwas mehr Individualität, schließlich sagte Kate Winslet schon 1994 als Juliet: "Es sind immer nur die Besten, die sich gegen alle Hindernisse stellen, um glückselig zu werden."
  • Pans Labyrinth
    Drama, Fantasy
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 06.08.2010
    Flimmerkiste voller Wunder: Nach Guillermo del Toros Erfolgen mit 'Blade 2' und 'Hellboy' haben eigentlich alle gedacht, dass das nächste Projekt ganz groß wird. Wurde es auch, allerdings nicht im Hinblick auf Budget oder Starpotential, sondern dergestalt, dass es bei 'Pans Labyrinth' mit relativ bescheidenen finanziellen Mitteln einen wirklich vielschichtigen und schönen Film realisiert hat, für den es zu Recht drei Oscars® gab.

    Die erzählerische Klammer, die dem Werk den Rahmen vorgibt, schneidet ein Kapitel jüngerer europäischer Geschichte an, über die außerhalb Spaniens kaum jemand etwas weiss – den spanischen Bürgerkrieg, der der Machtergreifung Francos voranging. Im Land selbst wird das Thema ohnehin weitestgehend ignoriert. Zu frisch sind vielerorts noch die Wunden und zu tief die Gräben zwischen Falangisten und Republikanern. Umso verständlicher wird der Rückzug der kleinen Ofelia, angesichts der täglichen Grausamkeiten des Stiefvaters. Immer tiefer verstrickt sie sich in dem geheimnisvollen Labyrinth, dass ihr der bocksbeinige Faun eröffnet. Angesichts der immer wieder eingestreuten Ereignisse aus der 'realen Welt' könnte man sich fragen, ob dieses Königreich mit verschollenen Prinzessinnen, Riesenkröten oder komischen Insekten nur Ofelias Phantasie entspringt oder tatsächlich existiert. Fragt man sich aber nicht, so gefesselt und fasziniert ist man von Guillermo del Toros Schöpfung. Man wünscht sich eigentlich nur, dass der Film noch etwas länger dauern möge.

    Die Darsteller sind durchweg großartig- wenn auch hierzulande weitgehend unbekannt. Zumindest den Namen Sergio López (Stiefvater Capitan Vidal) sollte man aber versuchen sich zu merken und von der erst elfjährigen Hauptdarstellerin Ivana Baquero wird man sicher auch noch so einiges hören. Auch wenn ich mich langsam dem Verdacht aussetze hier nur Lobeshymnen zu verfassen: 5 Sterne. Ich kann leider auch nichts dafür, dass es im Moment so viele tolle Filme gibt. Zum Glück bleibt das auch noch ein paar Wochen so, kleiner Ausblick: 'Babel', 'Flags of Our Fathers', 'The Good German'.
  • Blind Side - Die große Chance
    Basierend auf einer wunderbaren wahren Geschichte.
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 04.08.2010
    BLINDSIDE oder BLIND SIDE, das war die Frage. Vor vielen Jahren gab es in der Videothek vor Ort zwei Titel, die sich sehr ähnlich lasen: BLINDSIDE (Kanada 1986) mit Harvey Keitel und BLIND SIDE (USA 1993) mit Rutger Hauer. Der erste hat den Sprung von VHS ins digitale Zeitalter bislang nicht geschafft, sorgt somit im gegenwärtigen Verleih für keinerlei Missverständnisse mehr.

    Dafür ist ein anderer Titel am 30. Juli 2010 auf DVD und Blu-ray Discs erschienen: BLIND SIDE (USA 2009) mit Sandra Bullock. "Die große Chance" wurde vom Label 'Warner Home Video' vorsorglich in Deutschland angefügt, dabei hat die "Blind Side" in ihrer Bedeutung nichts mit einer "großen Chance" zu tun. Wofür steht "Blind Side" überhaupt und kann man den deutschen Titelzusatz als Heimkinofan beim Wort nehmen? Darf man sich die große Chance auf zwei Stunden gute Unterhaltung erhoffen, oder bedeutet es tatsächlich nur die große Chance für die Hauptfigur dieser Geschichte?

    Die Hauptfigur, das ist nicht Sandra Bullock, auch wenn sie die Hauptantriebsfeder für die Vermarktung darstellt. Zu ihrem Prominenten-Status in Hollywood und zu traumhaften Gagen kam endlich etwas hinzu: Sie erhielt für BLIND SIDE die begehrten Darsteller-Auszeichnungen bei der Golden Globe Verleihung sowie bei den Academy Awards 2010, den 'Oscar' für die beste weibliche Hauptrolle. Das Liebesleben ihrer Begleitung bei den 'Golden Globes' und die anschließende weltweite Berichterstattung über das Privatleben taten ihr Übriges zur Aufmerksamkeitssteigerung.

    Vor dieser Last an Filmpreisen und Schlagzeilen gerät der eigentliche "Held" in BLIND SIDE völlig in den Hintergrund: Michael Oher, dargestellt von Quinton Aaron. Schauspieler Aaron, 1984 in der Bronx geboren, ist kein ganz unbeschriebenes Blatt: In der Komödie ABGEDREHT (2007) kann man ihn sehen oder in THE MINISTERS (2009 mit s.o. Harvey Keitel). Heute schmückt seine mächtige Gestalt Kinoplakate und ab sofort auch DVD und Blu-ray Cover. "Ist das nicht ein Sportfilm?", fragte uns eine Kollegin aufgrund der viele Pressebildern mit Football-Motiven. Nein, es ist der Werdegang des Michael Jerome Oher (*1986), der später an der Universität von Mississippi College Football spielte und in der NFL, der 'National Football League', Karriere machte. Im Film wird der schicksalhafte Abschnitt seines Lebens erzählt, der ihn von der Straße holte und ins College Team beförderte, nach der Buchvorlage 'The Blind Side: Evolution of a Game' von Michael Lewis.

    "Es gibt einen Moment friedlicher Ruhe, bevor ein Football-Spiel beginnt. Die Spieler sind in Position, die Männer an den Linien wie erstarrt, jetzt ist alles möglich." leitet die Erzählerin Leigh Anne Tuohy (Bullock) mit den Fernsehbildern einer Begegnung der Washingtoner 'Redskins' ein und berichtet von einem Tackle des 'Giants' Spielers Lawrence Taylor. Quarterback und Left Tackle, wer verdient mehr, wer übernimmt welche Rolle in den Spielzügen - für den Fortlauf des Films muss man glücklicherweise kein Football-Kenner sein. Erfreulich obendrein, dass gleich in den ersten Sätzen "The Blind Side" (Originaltitel) als der Bereich erklärt wird, den es zu schützen gilt, da er vom Quarterback nicht gesehen werden kann.

    Michael Oher, zu seinem Missfallen 'Big Mike' genannt, ist ein großer Kerl, ein farbiger junger Erwachsener aus einem schlechten Elternhaus, in dem sich der Vater längst aus dem Staub gemacht hat und die drogenabhängige Mutter überfordert ist. Ein Coach an der 'Wingate Christian School' setzt sich für die Aufnahme von Michael ein, nachdem er ihn auf dem Hof hat Ballspielen sehen. Hoffentlich bleiben das ehrenwerte Motive, wünscht man sich, denn Michael gewinnt mit seiner massigen Statur und seiner unbekümmerten Körperhaltung auf Anhieb die Sympathien der Zuschauer, vorausgesetzt Sie haben ein Herz für Außenseiter.

    Die große Chance, uns die Begegnung zwischen Quinton Aaron und Sandra Bullock gleichermaßen glaubhaft wie unterhaltsam näher zu bringen, nutzt BLIND SIDE souverän. Obwohl Sie unsere Vorbehalte gegen die Ausgangssituation vielleicht teilen - eine wohlhabende Weiße nimmt einen Bedürftigen in der Familie auf, ein junger Mann aus ärmlichen Verhältnissen wächst mit seinen Talenten über sich hinaus - werden drohende Klischees vom Regisseur John Lee Hancock (DIE ENTSCHEIDUNG 2002, ALAMO 2004) elegant umschifft. Ähnlich gut, wie wir uns an die erste Begegnung mit GOOD WILL HUNTING (1997) erinnern, könnte auch BLIND SIDE im Gedächtnis bleiben. Denn beide erzählen lehrreich (aber nicht gelehrig), warmherzig (aber nicht aufgewärmt) von bewegenden Einzelschicksalen, die das Interesse innerhalb weniger Filmminuten wecken. Bei beiden stimmt das Zusammenspiel zwischen Jung und Alt, zwischen Matt Damon und Robin Williams im Jahre 1997 und aktuell zwischen den Filmpartnern Aaron und Bullock.

    Quinton Aaron geht dermaßen in seiner Rolle des Michael Oher auf, dass man vergisst, dass doch in Wirklichkeit eine tolle schauspielerische Leistung dahinter steckt und Sandra Bullock liefert wirklich eine besondere Leistung ab, die von Anfang bis Ende fasziniert. Keineswegs bloß mit dem körperlichen Charme einer inzwischen 46-Jährigen, Bullock spielt einfach klasse. Dabei hatte sie die Rolle angeblich zunächst dreimal abgelehnt, weil sie keine strenggläubige Mutter darstellen wollte. Am Ende hat sie ihrer Filmfigur eine schöne Ambivalenz verliehen und verzichtete mit Zusagen an Gewinnbeteiligungen auf eine hohe Gage, so dass BLIND SIDE mit 29 Millionen Dollar vergleichsweise günstig produziert werden konnte.

    Ein bisschen ruhige Musikbegleitung von Soundtrack-Profi Carter Burwell, schön ausgesuchte und unaufdringliche Einstellungen von Kameramann Alar Kivilo runden die äußere Form akustisch und visuell ab. Wenn's geht bitte im Original anschauen, den auch eine sorgfältige Synchronisation kann nicht der einmalig-charakteristischen Aussprache von Sandra Bullock gerecht werden. Das ungleiche Gespann erinnert die ehemalige Clique von Michael Ohen an MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR (1989). Sie würden wie Jessica Lang und KING KONG (1976) wirken, urteilt der gutbürgerliche Frauenkreis. Vorurteile auf beiden Seiten, gehässige Kommentare über ein fabelhaftes Duo. Und man merkt mit jeder Szene, dass die Verantwortlichen hinter BLIND SIDE in Filmbildern denken und ihrerseits Filmfans sind. Wunderbar.

    Trotzdem wird es bestimmt Entleiher geben, die beim Anschauen Kritikpunkte aufspüren und sich genervt zeigen könnten: von der Verwirklichung des amerikanischen Traums, vom Loblied auf Mut und Ehre, von der Moral, im Leben nie aufzugeben, vom gepredigten Glauben an sich selbst. Aus subjektiver Sicht und vielleicht auch aus einer geeigneten Stimmungslage heraus haben wir nichts Negatives zu bemängeln. Ob mit oder ohne Familienmitglieder daheim (Altersfreigabe ab 6 Jahren), werden Sie natürlich auch Football-Szenen erleben und schließlich wird Kultschauspielerin Kathy Bates (TITANIC 1997, MISERY 1990) noch ihren Beitrag zum positiven Gesamteindruck beitragen. "Weshalb lächelst du?", fragt Film-Ehemann Sean Tuohy (Tim McGraw) seine Frau. Sandra Bullock: "Weiß ich nicht, ich bin einfach glücklich." Das ist das Gefühl nach dieser Filmwahl - und hoffentlich zukünftig auch wieder für die seit ihrer Hauptrolle in BLIND SIDE genannte: Oscar-Preisträgerin!
  • Die Schachspielerin
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 14.07.2010
    "In einem kleinen idyllischen Dorf auf Korsika arbeitet Hélène (Sandrine Bonnaire) als Zimmermädchen in einem Hotel und wirkt mit ihrer Ehe, ihrem Mann Ange (Francis Renaud) und ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lisa (Alexandra Gentil) glücklich." So liest sich die Ausgangssituation der SCHACHSPIELERIN (Frankreich/Deutschland 2009) in der Inhaltsbeschreibung des DVD-Herstellers EuroVideo. Beim Kinoverleih Concorde hingegen hieß es noch: "In Elenies Leben ist alles in bester Ordnung. Sie ist glücklich verheiratet, hat zwei bezaubernde Kinder und liebt ihren Job als Zimmermädchen im Dionysos auf Naxos." Wie es zu dieser Unterscheidung kommt, und welche Rolle der Schauspieler Kevin Kline spielt, bringen wir im Folgenden in Erfahrung.

    JOUEUSE, die Spielerin - so der Filmtitel im französischen Original - hat einen mehrmonatigen Weg bis zur DVD zurückgelegt: Die Weltpremiere fand im April 2009 in New York und Los Angeles statt, in Frankreich lief er ab August 2009 in den Lichtspielhäusern, in Deutschland ab Januar 2010. Seit dem 7. Juli 2010 ist die DVD nun im Verleihprogramm erhältlich. Nach ihrem Kurzfilm "La mère" (1995) und einigen Drehbüchern, ist dies der erste Spielfilm der aus Bielefeld stammenden Regisseurin Caroline Bottaro. Grundlage war der Roman "La joueuse d’échecs" von Bertina Henrichs (in Deutschland auch als günstiges Taschenbuch erschienen). Das Buch spielt auf einer griechischen Insel. Bottaro nahm sich die künstlerische Freiheit, ihre SCHACHSPIELERIN statt auf Naxos auf Korsika spielen zu lassen. Arbeiten zu lassen, besser gesagt. Denn sowohl die Romanfigur Elenie, wie die Filmprotagonistin Hélène (Sandrine Bonnaire) müssen zunächst als Haushälterin schuften. Und so "glücklich" (EuroVideo) und "alles in bester Ordnung" stellt Filmemacherin Bottaro sie gar nicht dar.

    Hélène ist ein Zimmermädchen, das schon lange kein Mädchen mehr ist. Von ihrer jüngeren Kollegin wird sie vor Schichtantritt gefragt: "Hast du nie Lust gehabt, wegzugehen?" Bestimmt hat Hélène seit dem Umzug zu Ihrem Ehemann darüber nachgedacht, aber so direkt gefragt, stimmt es sie nachdenklich. "Hör mal, du hast nie davon geträumt, woanders zu leben?" Sie richtet das Bett, in dem zuvor eine unbekannte Schöne und ihr Begleiter genächtigt haben. Jennifer Beals tritt als attraktive Amerikanerin auf (der ehemalige Star aus dem 1983er Tanzklassiker FLASHDANCE ist tatsächlich sehr schön). Und die Fremde lebt ein Leben, von dem Hélène nur träumen kann.

    Ein schwerer Einstieg für den Zuschauer vor dem Fernseher, der mit ansieht, wie dagegen Bonnaire in ihrer Rolle fast ungeschminkt schuftet. Die liebevollen Gesten der Anderen, die feinere Kleidung, die weniger an permanenter Sparsamkeit ausgerichtete Lebensart. Das sind die Dinge, um die sie die blasse Angestellte und Mutter beneidet, dazu um das Hobby der Hotelgäste: Schach. Eine Erleichterung, dass Hélène/Bonnaire am Geburtstagsabend ihres Gatten hübsch zurechtgemacht ist. Schmerzhaft wiederum, dass ihr Mann rein gar nichts mit ihrem Präsent, einem elektronischen Schachspiel anfangen kann. Er könne es doch gar nicht spielen! Hélène versucht es mit einem Vorschlag: man könne es doch gemeinsam spielen, oder allein. Viel Hoffnung verbindet sie mit diesem schwarz-weiß-gemusterten Brettspiel...

    Viel weiter wollen wir gar nicht in die Handlung einsteigen, falls Sie DIE SCHACHSPIELERIN noch nicht angeschaut haben und mit dem Gedanken spielen, sich die DVD vielleicht bei Zeiten auszuleihen. Schwarz-weiß ist tatsächlich nur die Spielfläche, deshalb wird eine Inhaltsangabe (auch in den zwei zitierten Fassungen) dem eigentlichen Geschehen nicht gerecht. Für die Regisseurin mag es sich als schwierig dargestellt haben, möglichst bald auf die Beweggründe zu kommen, warum ihre Frauenfigur aus schlichten Verhältnissen plötzlich aus dem Alltag heraus ein leidenschaftliches Interesse am "Spiel der Könige" entwickelt. So kurz, wie sich die Überschriften in der DVD-Kapitelanwahl lesen, so erleben wir die Entwicklungsschritte beim Ansehen: 1. Schachspielendes Pärchen, 2. Alltagssorgen, 3. Das Geburtstagsgeschenk, 4. Ein faszinierendes Spiel. Doch Regisseurin Caroline Bottaro bleibt nicht hinter den Möglichkeiten der Geschichte und ihrer Figuren zurück. Sie wählt jede Szene (jeden Zug) mit Bedacht, ohne den Zuschauer in anderthalb Stunden Lauflänge "matt" zu setzen. Ein cleverer Schachzug war die Besetzung von Kevin Kline als Doktor Kröger, einem zurückgezogen lebenden Witwer, für den Hélène im Haushalt arbeitet und der die einzige Bezugsperson zu sein scheint, die sie in ihrem unverhofft entdeckten Enthusiasmus zum Schach bestärken kann. Schach - der Film: 64 Felder - 93 Minuten. Zug um Zug. Einfach scheint es und ist doch komplex, das Spiel und der Film. Hélène erklärt ihrem Mann: "Was das Ziel dabei ist? Na ja, man muss es schaffen, den König seines Gegners zu schlagen." Er ist sichtlich enttäuscht: "Ist das alles?"

    Wie schön, dass die Darstellerwahl wunderbar war: Kevin Kline passt (ebenso die ordentliche Synchronisation) und Sandrine Bonnaire ist ohnehin schauspielerisch nicht mit einem Bauer zu vergleichen, sondern mit einer Königin: mit ihren Bewegungen kann sie auf dem Spielfeld in alle Richtungen. Als Schauplatz mag das Schachbrett nicht das Reizvollste sein, aber Kameramann Jean-Claude Larrieu weiß den minimalen Platz am Spieltisch, die Spannung zwischen den Spielfiguren und den Blicken der Spieler gekonnt einzufangen. Ein bisschen nachdenklich ist DIE SCHACHSPIELERIN (Doktor Kröger: "Denken ist anstrengend."), aber unterhaltsam, wie das Schachspiel selbst. Ein wenig traurig, aber hoffnungsvoll ist die Geschichte über Menschen, die ein Leben unter ihren Möglichkeiten verbringen, über Ehen, die viel besser laufen könnten, über ein Hobby neben dem Tag-ein-Tag-aus, neben der Familie. Wir Filminteressierten sollten bei der Wahl unserer Film-Partien ebenfalls nicht unter unseren Möglichkeiten bleiben. Nur weil eine Frau im Mittelpunkt einer Erzählung steht, ist es kein "Frauenfilm". Nur weil eine Produktion aus Frankreich stammt, ist es kein hochtrabender "Arthouse" Film. Nur weil alltägliche, lebensnahe Schwierigkeiten behandelt werden, ist es kein "Problemfilm". Wir empfehlen, ruhig einmal Filmveröffentlichungen neben dem Kassenschlagerprogramm auszuleihen, oftmals gibt es dort persönliche Entdeckungen zu machen. Wie es in der SCHACHSPIELERIN heißt: Wer ein Risiko eingeht, kann verlieren - wer kein Risiko eingeht, hat schon verloren. Dagegen lautet eine Erkenntnis in Bottaros Film auch: Sei du selbst. Entscheiden Sie, ob eine Partie mit diesem Film das Richtige für Ihre freie Zeit nach getaner Arbeit ist. Manche mögen sich aus der SCHACHSPIELERIN oder dem Schachspiel an sich nichts machen, trotzdem ist Schach weiterhin das populärste Brettspiel Europas. Wie populär diese DVD-Veröffentlichung wird, entscheiden Sie mit.

    Ein Nachtrag zu Sandrine Bonnaire: Seit wir das Bild mit Sandrine auf dem Fahrrad im Schaukasten eines kommunalen Kinos gesehen haben, ging uns der Filmtitel DIE FRAU DES LEUCHTTURMWÄRTERS (Frankreich 2004) nicht mehr aus dem Kopf. Im Sommer 2005 muss das laut Kinostart gewesen sein. Danach hörten wir immer wieder Gutes über dieses Werk von Philippe Lioret (*1955 in Paris). Jedoch lief er eben nur in Programmkinos und auch der DVD-Ausstattung sieht man mit fehlenden Extras und einem einfachen Menü an, dass hier kein technisches High-End-Heimkino geboten wird. Umso besser, meinen Sie? Oder bloß nicht? Wir haben weder den Griff zu der SCHACHSPIELERIN bereut, noch den Filmabend mit der FRAU DES LEUCHTTURMWÄRTERS ("L'équipier" im Original). Letzterer verzaubert mit der Musik von Nicola Piovani und den Landschaftsaufnahmen der Bretagne. Der europäische Film, wie er unserer Meinung nach sein sollte: nachdenklich, bewegend, dauerhaft interessant und eine willkommene Alternative zur Hollywood-Auswahl. Sandrine Bonnaire spielt dort eine ähnliche Rolle wie in ihrer aktuellen SCHACHSPIELERIN: eine Frau, die den Absprung aus Ihrem Geburtsort (bzw. dem Ort, an den sie wegen der Ehe gezogen ist) nie geschafft hat. An der bretonischen Küste erklärt sie dem neuen Leuchtturmwärter: "Hier, am Ende der Welt. Das ist hier." Aber sie gibt Hoffnung: "Die Welt hat noch andere Enden. Sie finden schon eins." Dem möchten wir uns anschließen: Ob Bonnaire als SCHACHSPIELERIN, als FRAU DES LEUCHTTURMWÄRTERS, oder ein Verleih-Medium mit einem ganz anderen Titel: Sie finden schon eins.
  • Max Manus - Man of War
    Kriegsfilm
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 07.07.2010
    Wie um alles in der Welt kommt ein skandinavisches Regieduo von einer Westernkomödie ausgehend zu einem 2. Weltkrieg Drama, das als europäische Großproduktion 50 Millionen norwegische Kronen benötigte? Das Vertrauen zu großbudgetierten Produktionen hatten sie von Luc Besson erhalten. Vor Jahren schrieb Regisseur Joachim Rønning mit seinem Bruder einen Drehbuchentwurf und legte ihn Besson vor. Aus "The Lake" wurde leider nichts. Dafür bekamen Rønning und Espen Sandberg eine BANDIDAS Einladung ausgesprochen - vom Autorenfilmer Besson, der sich nach Filmgattungen wie dem Kriminalfilm (NIKITA 1990 und LEON - DER PROFI 1994), einem Science-Fiction-Ausflug (DAS FÜNFTE ELEMENT 1997) und einem Historienabenteuer (JOHANNA VON ORLEON 1999) mit 35 Millionen Dollar als Produzent im Western-Genre einbringen wollte.

    Rønning und Sandberg bewiesen, dass sie Bessons direkte Art des Erzählens in optisch reizvollen Bildern umzusetzen wussten. Bereits eine Minute ins Geschehen von BANDIDAS (Frankreich/Mexiko/USA 2006) eingetaucht, ist die Darstellerliste bereits genannt und die Handlung im vollen Gange. Ein talentiertes Team um Kameramann Thierry Arbogast, Komponist Eric Serra und vor allem um die Hauptdarstellerinnen Penélope Cruz und Salma Hayek, runden 2006 das Gesamtbild ab. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen, geschickte Schnitte, eine mit Computeranimation aufgemotzte Schießerei in einem Zugabteil und ein lebhafter Soundtrack überdecken die einfache Handlung um zwei Bankräuberinnen im Dienste enteigneter mexikanischer Bauern. Steve Zahn fügt dem Western-Buffet erst ein wenig Sherlock Holmes und dann immer mehr Splapstick-Elemente bei, während Dwight Yoakam den Bösewicht gibt. Nicht ganz so gekonnt wie das Duell zwischen Sharon Stone und Gene Hackman in SCHNELLER ALS DER TOD (1995), zeigen die Bandidas ihrem Publikum gekonnt eine kurzweilige Vorstellung.

    "Wie konnte ich darauf nur reinfallen?", fragt sich Steve Zahn aufgebracht. "Ihr seid zwei alberne Hühner, die mit dem Leben tausender Menschen spielen. Eine verwöhnte Göre und eine Bauernmagd, und ihr denkt, die Menschen hören auf euch?" Er sorgt sich, durch das Aufeinandertreffen mit Mara (Cruz) und Sara (Hayek) sein Leben, seine Karriere wegzuwerfen. Sollten Sie sich zum Ausleihen der DVD entscheiden (für den 06.08.10 ist übrigens eine deutsche Blu-ray Fassung geplant), riskieren Sie zum Glück nur anderthalb Stunden Ihres Lebens. Warum man auch als Zuschauer gerne auf die BANDIDAS "reinfällt", liegt vielleicht zum Teil am Buch von Luc Besson, mit Sicherheit aber an der fähigen Regiearbeit von Rønning und Sandberg.

    "We love the visual side of movie-making", sie lieben die visuelle Seite am Filmemachen, bestätigt Espen Sandberg im DVD-Making-Of. Zwei Hauptdarstellerinnen und zwei Regisseure seien das Rezept für einen "sexy Western", wobei Joachim Rønning in der Umsetzung für die technischen Aspekte verantwortlich sei und Sandberg für die Schauspielerführung. Die Aufgabenfelder sind klar aufgeteilt, die Entscheidungen treffen sie zusammen. Ein eingespieltes Team. Profis. 2008: auf zum nächsten Projekt - MAX MANUS.

    Gerechtigkeitskämpfer, die Zweite: MAX MANUS - MAN OF WAR (Norwegen/Dänemark/Deutschland 2008), das ist die Verfilmung der wahren Geschichte von Max Manus (1914–1996), dem legendären norwegischen Widerstandskämpfer. Der deutsche Lizenzinhaber "Capelight Pictures" verspricht einen epischen und modernen Kriegsfilm und zieht einen legitimen Vergleich zu Paul Verhoevens BLACK BOOK (2006) sowie einen etwas vageren zu Steven Spielbergs DER SOLDAT JAMES RYAN (1998). "Freundschaft, Liebe, Loyalität und Heldentum im Angesicht größter Gefahr und Verzweiflung" soll MAX MANUS transportieren. "Ein wichtiges Kapitel der europäischen Geschichte, absolut packend authentisch und doch ungemein unterhaltsam umgesetzt."

    Mitfinanziert vom norwegischen und dänischen Filminstitut, erzählt Ihnen MAX MANUS zum Auftakt die Geschehnisse der damaligen Zeit im Zeitraffer, anhand von Zeitungsschlagzeilen. Die deutsche Wirtschaft liegt am Boden, chaotische Zustände, die Währung im freien Fall, Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler, das Münchener Abkommen (September '38), Hitler und Stalin teilen Polen unter sich auf. Dann: Stalin greift Finnland an. Russische Kampfflugzeuge bombardieren Helsinki, norwegische Freiwillige helfen Finnland. Wir befinden uns an der "Salla-Front" in Finnland, im März 1940, hautnah inmitten der erbitterten Gefechte. Anschließend werden wir den gebürtig aus Oslo stammenden Schauspieler Aksel Hennie (* 1975) erblicken, der den Widerstandskämpfer Max Manus verkörpert. Mit zerschundenem Gesicht liegt er in einem Krankenbett, Erinnerungsfetzen und ein Rückblick auf die Erlebnisse in Oslo im Juni 1940 lassen Sie in seine Lebensgeschichte eintauchen...

    Beeindruckendes Farbspiel und Schauspiel - MAX MANUS hat einiges zu bieten: eine nach dem Vorläufer BANDIDAS kaum zu erwartende dramatisch höchst ergreifende Geschichte von den Regiefreunden Rønning und Sandberg. Beeindruckende Aufnahmen von Kameramann Geir Hartly Andreassen, der die Farbwahl seiner Bilder sehr bewusst ausgewählt hat: so steht die Farbe Rot für Blut, ist Bestandteil der Nazisymbole und der norwegischen Flaggen, taucht als Grundfarbe von Tikkens (Agnes Kittelsens) Kleidern auf. Lobenswert erwähnt: Außerhalb der "Norsk Film" Studios wurde tatsächlich an Originalschauplätzen in Norwegen und Schottland gedreht.

    Beeindruckend auch die Darstellerriege, darunter Ken Duken, der 1979 in Heidelberg geborene Darsteller. Duken spielt den Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer, den Abteilungsleiter im Hauptquartier des Sicherheitsdienstes in Oslo. Er fasziniert als Filmscheusal, ähnlich wie es Christoph Waltz ein Jahr später in Tarantinos INGLORIOUS BASTERDS (2009) zelebriert. Der Name Siegfried Fehmer soll im gesamten Film nicht ein einziges Mal zu hören sein, lasen wir im Nachhinein. Darauf könnten Sie bei einer Filmverabredung mit MAX MANUS einmal achten.

    Rekonstruktion: Die Produzenten hatten geplant, Soldaten der königlichen Garde einzusetzen und in Naziuniformen marschieren zu lassen, die Armee lehnte dies jedoch ab. Das Parlamentsgebäude durfte für die Filmaufnahmen allerdings wie zu Zeiten des 2. Weltkriegs mit nationalsozialistischen Fahnen und Bannern ausgestattet werden. Noch ein beeindruckendes Produktionsdetail: die Massenszenen mit deutschen Soldaten sollen mit 1.800 Statisten durchgeführt worden sein! Einen kleinen Cameo-Auftritt à la Hitchcock hat sich das Regieduo Sandberg und Joachim Rønning ebenfalls gegönnt: als König Haakon die Ehrenauszeichnung überreicht, sind sie rechts vom Monarchen zu sehen, Sandberg übergibt die Medaille. Der Drehbuchautor Thomas Nordseth-Tiller - der tragisch nach der Premiere im Mai 2009 im Alter von 28 Jahren verstarb - tritt im Film kurz als Gestapo-Mann in Erscheinung.

    Der Einsatz der Filmemacher wurden gleich mehrfach belohnt, denn MAX MANUS wurde von der Kritik gefeiert, auf der norwegischen 'Amanda Awards' Preisverleihung gar in vielen verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Der Film bekam u. a. den Kritikerpreis, die Auszeichnung als bester Film des Jahres, mit dem besten Hauptdarsteller (Aksel Hennie), der besten Nebendarstellerin (Agnes Kittelsen), der besten Kamera (Geir Hartly Andreassen) und dem besten Drehbuch (Thomas Nordseth-Tiller). Auf den Festivals in Toronto, Hamburg, den Hamptons und in Lübeck wurde er ebenfalls gefeiert. Schließlich erhielt die Produktion noch die international begehrte Oscar®-Nominierung als bester fremdsprachiger Film, musste sich jedoch gegen NOKAN - DIE KUNST DES AUSKLANGS (Japan 2008) geschlagen geben. Es trat sogar der optimale Fall ein, dass sich das Kinopublikum gleichermaßen begeistert zeigte und MAX MANUS am Startwochenende allein in Norwegen eine Rekordbesucherzahl von rund 185.000 Zuschauern bescherte. Dank über 1,2 Millionen Kinogängern wurde es der meistbesuchte Kinofilm des Landes seit 35 Jahren.

    "Mit einer Einleitung von Tikken Manus" steht im DVD-Menü beim Punkt "Film starten". Dieser Prolog muss separat angewählt werden, ist also optional, ebenso wie die in Deutschland verfügbare Tonspur mit dem Audiokommentar von Darsteller Ken Duken und Produzent Rudi Teichmann. Tikken Manus, ursprünglich Ida Nikoline Lie Lindebrække, die seit 1947 mit Max verheiratet war und seit 1996 leider verwitwet ist, sah die Verfilmung zusammen mit ihren Kindern auf einer königlichen Galapremiere am 19. Dezember 2008 - mit mittlerweile 91 Jahren. In wunderbarem Deutsch berichtet sie in der Einleitung der DVD-Ausgabe, dass sie Deutsch in der Schule gelernt und in ihrer Jugend Deutschland besucht habe.

    So kommt es, dass sie uns die Wörter für ein Fazit auf Deutsch vorwegnimmt. Die wichtigste Grundaussage des Films: "Helden sind auch nur Menschen und im Krieg verlieren sie alle." In Hinsicht auf die nacherzählte Biografie ihres Max Manus hatte Tikken vorab eine besorgte Skepsis, die Sie vor dem Ausleihen der Verfilmung im Online-Verleih vielleicht teilen: "Ich war natürlich ängstlich." Nach der Vorführung ihre Erleichterung: "Aber ich wurde sehr fröhlich überrascht!" Abschließend wünscht Tikken Manus uns allen: "Ich hoffe innig, dass dieser Film euch gute Erfahrungen und gutes Erlebnis geben wird."
  • Adventureland
    Es war der schlimmste Job... und die beste Zeit ihres Lebens.
    Komödie, Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 30.06.2010
    "Komm mit, komm mit mir ins Abenteuerland, auf deine eigene Reise" sang Hartmut Engler von der Gruppe Pur, doch weiter heißt es: "komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand". Der Eintritt ins Adventureland (USA 2009) kostet Sie lediglich die Leihgebühr im Online-Verleih oder in Ihrer Video Buster Filiale vor Ort. Kann ein Ausleihvorhaben hier wohl eher durch ein Bauchgefühl oder eine Verstandsentscheidung entstehen? Vielleicht können wir Ihnen im Folgenden einige Für und Wider liefern.

    Womöglich helfen Ihnen bereits zwei Namen der Hauptdarsteller, sich für oder gegen die 102 Filmminuten zu entscheiden. Wir waren durch die Besetzungswahl vorab zuversichtlich eingestellt: Die zentrale Figur, James Brennan, wird von Jesse Eisenberg (* 1983) gespielt, der sich bereits in Zombieland (2009) auf dem Rummelplatz austoben durfte und uns dort viel Freude bereitete. Die Rolle der gleichaltrigen Em Lewin erhielt Kristen Stewart (* 1990), die seit den 'Twilight' Verfilmungen viele Fans und wenige Gegner hat. Für Kristens Kritiker: die Internetplattform 'College Humor' präsentiert einen Zusammenschnitt von zig Szenen, in denen sich die Schauspielerin auf die Unterlippe beißt und Blogger zählten 55 Male, in denen sie sich in 'Adventureland' nervös durch die Haare fährt. Sympathisanten hingegen können sich auf den 3. September 2010 freuen, dann erscheint endlich ihr 'The Cake Eaters' (2007) als deutsche DVD und Blu-ray im Verleih.

    Adventureland jedenfalls hat ein gutes Darsteller-Team und einen Regisseur namens Greg Mottola, der die Jugend schon in Superbad (2007) zu Wort kommen ließ. Jetzt steht ihm das häufig von Verkauf und Schließung bedrohte Studio Miramax zur Seite, das inzwischen Teil der Walt Disney Studios geworden ist. Eine deutsche Filmvorschau gab es nicht, wohl aber einen englischen Trailer, dazu - nach dem Einlegen des Films - ein schönes Menü, das von den Logo-Shirts des Adventureland bestimmt ist.

    "1987" zeigt die erste Einblendung, gefolgt vom Lockenkopf des Jesse Eisenberg in Großaufnahme. Sein Charakter James kassiert gerade eine Abfuhr von seiner vermeintlichen neuen Freundin und anschließend muss er noch ein Gespräch mit den Eltern über sich ergehen lassen. Die Eltern eröffnen ihm am Tisch eines Lokals, dass sie James' geplanten 42-tägigen Eurotrip zum Schulabschluss leider nicht finanzieren können. Daraus wird nichts, weil sein Dad versetzt wurde. Die einzige, wahrlich nicht verlockende Alternative zum Trip ist ein Job.

    Nachdem die ersten Vorstellungsgespräche - trotz der schriftlichen Empfehlung der Nachbarn über die immer sorgfältig ausgeführten Rasenmäharbeiten - erfolglos blieben, schwingt sich James aufs Rad und fährt ins Adventureland. Dort, wo er als Kind Abenteuer erleben durfte, stellt er sich in Jeans und "Neil Young 84/85 Tour" Shirt vor. Unübersehbar achtziger Jahre. "Smile - you are now going on stage" steht im Hintergrund auf einer Tafel. Immer schön lächeln, dein Auftritt James, auf der Bühne des Lebens. Vorbei sind Kindheit und Schulzeit.

    Er sei kein Fahrgeschäfte ("Rides") Typ, eigne sich eher als Budenbeaufsichtigung für die Spiele ("Games"), so schätzt ihn der schnauzbärtige Vorgesetzte Bobby (Bill Hader) ein. Ohne einen Plan B beugt sich James... den Games. Dann legen sie los die 80er, mit einem Musikclip, der das Treiben im Vergnügungspark zeigt. Die gute alte Zeit, nur dass unserem Protagonisten diese Zeit gar nicht so rosig erscheint, wie aus der nostalgisch-verklärten Sicht des Schreibers dieser Zeilen vor dem Bildschirm.

    "Wer war 1985 Präsident der Vereinigten Staaten?" wurde in 'Zurück in die Zukunft' gefragt. Ronald Reagan, und genau der hält zum Adventureland-Feierabend eine Fernsehansprache. Em (Kristen Stewart) fragt James, nachdem er den Fausthieb eines Freundes einstecken musste: "Was zum Teufel war das?" ("What the hell was that?"). James: "So ist mein Leben." ("It's just my life.")

    In Retro-Stimmung gerät man als Zuschauer vor allem durch die vielen Songs aus der damaligen Zeit. Falcos "Rock me Amadeus" macht Laune - beim täglichen Ertönen über die Parklautsprecher sind die Angestellten allerdings alsbald genervt. Klar, ist ja noch kein Oldie, genauso wenig wie die Klassiker aus heutiger Sicht, von The Cure, Whitesnake, Judas Priest oder den zur 80er-Shirtmode gehörenden Hüsker Dü und The Velvet Underground. Kult. Irgendwo inmitten des Abspanns kann man dann noch einen winzigen, parodistischen TV-Werbespot über das Adventureland erleben. So wie die kleinen liebevollen, zeitgenössischen Requisiten und vielsagenden Gesten im Film ist dieses Detail leicht zu übersehen, wenn man nicht Acht gibt.

    Ferris Bueller (Matthew Broderick) sagte einmal: "Das Leben geht ziemlich schnell vorbei. Wenn ihr nicht ab und zu anhaltet und euch umseht, könnten ihr es verpassen." Diese Worte legte ihm Autorenfilmer John Hughes in den Mund. Der Mann, der am 6. August 2009 in Manhattan überraschend an Herzversagen starb. Ein Herz für die Nöte von Heranwachsenden, das bewies Regisseur John Wilden Hughes Jr. - wie er nach seinem Produzenten-Vater vollständig genannt wurde - in den vergangenen Filmjahrzehnten wie kaum ein anderer. Filme wie L.I.S.A. der helle Wahnsinn (1985), Breakfast Club (1985) und Ferris macht blau (1986) verdankt ihm die Jugendgeneration. Wer wohl die Nachfolge antritt, nach Hughes' Tod filmsprachlich von den Problemen des Erwachsenwerdens zu berichten, fragten wir uns im vergangenen Jahr.

    Filmemacher Greg Mottola ist Jahrgang 1964, war also zur Erzählzeit seines Adventureland Anfang zwanzig. Im 16-minütigen Making-Of der DVD-Ausgabe berichtet Mottola, dass sich die Idee zum Drehbuch aus einem damaligen "summer job" auf Long Island entwickelte. Die geignete Kulisse fand er nach einiger Recherche im denkmalgeschützen US-Vergnügungspark Kennywood. Die Wunschkandidaten für die Hauptrollen bekam er, mit Ryan Reynolds sogar einen weiteren Prominenten obendrauf, und die Nebenrollen wie der Parkleitung Paulette und Bobby (Kristen Wiig und Bill Hader) oder dem Jungstraum Lisa P (Margarita Levieva) sind ebenfalls ein Glücksgriff. Einzig die Elterngeneration in Adventureland kommt durchweg schlecht weg und wird zu wahren Monstern der Spießigkeit. Das wiederum passt gut zu den John Hughes Vorbildern.

    Zugegeben: Die von Greg Mottola geschriebene und inszenierte Handlung ist hauptsächlich damit beschäftigt, die Zeit zurück zu kurbeln, um möglichst allgemeingültig die Situation eines typischen achtziger Jahre Jugendlichen in der Kleinstadt zu zeigen. Da das Leben des James - das sagt er selbst von sich - ziemlich belanglos verläuft, verlaufen auch manche Filmpassagen dementsprechend. Aber: Rückblickend beschönigen wir die 80er ebenso wie Adventureland, wären trotz all der Adoleszenz-Schwierigkeiten gerne noch einmal mit Jesse Eisenberg und Kristen Stewart in ihrem Alter. Entweder man mag Adventureland, weil man sich eben in diesem Alter befindet, oder weil man 1987 etwa so alt war. Sollte man in den 70ern oder früher erwachsen geworden sein, wird man beim Anschauen bestimmt nicht allzu viele begeisterungsfähige Momente für sich entdecken.

    Der Oberloser Joel (Martin Starr) fragt im letzten Drittel des Films seine Angebetete: "Hey, soll'n wir uns vielleicht irgendwann mal 'nen beschissenen Film ansehen, also zusammen mein' ich?" Adventureland fällt definitiv nicht in diese Kategorie, jedoch verbreitet er keine spontane Heiterkeit wie Mottolas früherer 'Superbad'. Er ist einfach, was er ist: eine sympathische Hommage an die Jugend und das Jahrzehnt. "Komm mit..."
  • Superbad
    Komödie
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 30.06.2010
    Das Niveau dieses Streifens lässt zu wünschen übrig, denn in erster Linie besteht der Anspruch an den Zuschauer darin, nicht die Geduld zu verlieren und den Film bis zum Ende anzuschauen. Qualitativ kann 'Superbad' vergleichbaren Filmen, wie z.B. 'American Pie' oder 'Beim ersten Mal', nicht das Wasser reichen. Oftmals sind die Dialoge derart genital-lastig und oberflächlich, dass es schwer fällt, darüber zu lachen.

    Die Problematik besteht einfach darin, dass der gesamten Handlung eine Art eigener Charme fehlt. Durch die ständige Überzogenheit geht dem Film einiges an Potential verloren. Dennoch gibt es hier und da immer wieder den einen oder anderen guten Gag mit Überraschungsmoment.

    Die Story, die sich in vielen grundsätzlichen Details nicht von anderen Teenie-Komödien unterscheidet, wird aus verschiedenen Handlungssträngen zusammengesetzt und gewinnt hierdurch ein wenig an Wert.

    McLovins abenteuerlicher Ausflug im Streifenwagen und die Geschichte um die Freundschaft von Seth und Evan hauchen der eigentlich erschöpften 'Looser will dazugehören, verliebt sich in schickes Mädel und am Ende wird alles gut' Story ein wenig Leben ein.

    Wer sich dazu hinreißen lässt, diesen Film anzuschauen, den erwartet ein eher niveauarmes, aber dennoch zeitweise unterhaltsames Heimkinoerlebnis.
  • The Open Road
    Sie haben einen langen Weg zum Ziel.
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 23.06.2010
    Neugierde war die spontane Motivation, die vorliegende DVD-Veröffentlichung an einem Filmabend zu testen und Ihnen jetzt darüber zu schreiben. Von dem Titel THE OPEN ROAD (USA 2009) hatten wir bis dato, bis zum Verleihstart am 20. Mai 2010, gar nichts gehört oder gelesen. Vielleicht geht es Ihnen in diesem Moment genauso. Ist es ein "Road"-Movie? Die Coverabbildung verrät, dass wir eine Vater (Jeff Bridges) und Sohn (Justin Timberlake) Erzählung erwarten dürfen. Erfüllen sich beim Anschauen alle Erwartungen?

    Vorab: Sollten Sie sich ebenfalls dazu entschließen, sich THE OPEN ROAD auszuleihen, werden Sie drei Tonspuren zur Auswahl mitgeliefert bekommen. Im Menü stehen die deutsch synchronisierte und die englische Originalversion bereit, beide in Dolby Digital 5.1, sowie ein optionaler Audiokommentar mit Michael Meredith (Regie) und Jeff Bridges (Hauptdarsteller und seit CRAZY HEART frisch gekürter Oscar-Gewinner). Zu den Vorzügen der Sprachfassungen gleich mehr, erst einmal, worum es geht...

    Sie lernen einen jungen Baseballspieler kennen, Carlton Garrett (Timberlake), Rückennummer 3, fluchend über seine erbrachte Leistung auf dem Spielfeld. Dann ein Anruf, dass seine Mutter Katherine (Mary Steenburgen) ins Krankenhaus eingewiesen wurde und ein schwieriger operativer Eingriff unumgänglich sein wird. Carlton soll seinen Vater Kyle (Bridges) auftreiben, einen ehemaligen Baseballstar, der ohne Handy auf einer Autogrammtournee unterwegs ist. Das Wiedersehen nach fünf Jahren Funkstille fällt dem Sohn nicht leicht. Schon gar nicht, weil er seinem Dad zunächst als Pappfigur in einer Eingangshalle gegenübersteht, während eine alte Fernsehaufzeichnung mit Garrett Senior einen "Homerun!" verkündet.

    In knapp 87 Spielfilmminuten nähern sich Vater und Sohn einander an, umständehalber auf der gemeinsamen Autoreise zum Krankenhaus. Begleitet werden sie der Freundin des Sohnemanns, Lucy (Kate Mara), die mal zwischen den Dickköpfen vermittelt, mal die Beziehung zu ihrem kumpelhaften Gefährten klären möchte. Währenddessen entfaltet sich kein Familienepos, sondern eine schlichte Familiengeschichte, bei der man sich als Zuschauer bestenfalls sogar irgendwo einmal wiederfinden kann. Ein Produktionsstudio unter den zu Beginn eingeblendeten Firmennamen heißt "Perfect Weekend". Das ist doch ein schönes Versprechen vor dem Leihen und klingt viel-versprechend. Kann THE OPEN ROAD nun zu einem solchen beitragen?

    Ted Danson, der übrigens seit 1995 mit der Katherine-Darstellerin Mary Steenburgen verheiratet ist, hat in der Exposition einen Gastauftritt als Coach. Hier werden die Einstellungen zwischen Spieler Timberlake und Trainer Danson hin und her geschnitten, hin und her. Dass die Personen laufend in Einzeleinstellungen gezeigt werden, ist hoffentlich nicht auf eine Kalender-Unvereinbarkeit der Darsteller zurückzuführen, soll womöglich die innere Isoliertheit der Hauptfigur auf der Straße zum Erwachsenwerden darstellen? Glücklicherweise wird sich diese Bildsprache, die an einfache TV-Produktionen erinnert, im weiteren Verlauf verschwinden.

    Ein "Homerun" gelingt mit der Besetzung des Vaters, denn schon in Jeff Bridges' erster Szene steigt THE OPEN ROAD in eine höhere Liga auf. Von Huston nach Ohio legt das Trio eine ordentliche Strecke zurück, fast quer durch die USA. Im Autoinnern haben Vater, Sohn und Lucy dann auch die ersten persönlichen Momente. Schöne kleine Dialoge an einer BP-Tankstelle, politisch korrekt, da die US-Premiere im August 2009 weit vor der Ölkatastrophe stattfand. Zu diesem Zeitpunkt wirkt das gelblich-grüne Licht des Firmenschildes noch regelrecht verträumt. Ein Etappenziel hat der Film an diesem Punkt schon erreicht, denn nach nicht mal einer halben Stunde hat man die Personen bereits ganz gut kennengelernt, die ein wenig eindimensional erscheinen, aber glaubhaft.

    "Sie haben einen langen Weg zum Ziel", lautet der deutsche Titelzusatz. Keine optimale Werbeaussage, aber keine Sorge: THE OPEN ROAD lässt sich zwar Zeit für seine Figuren, ohne jedoch redselig zu werden. Es wird niemals albern oder absurd, eher bodenständig. Auch nicht allzu dramatisch oder bitterernst, wie es die erwähnten Motive Krankheit, Vater-Sohn-Konflikt und Beziehungsklärung in unserer verkürzten Ausführung vermuten lässt. Dennoch kam dieser Titel nicht sonderlich gut an, wie wir im Nachhinein in diversen Internetartikeln erfuhren. Einige Lebensweisheiten auf der Reise mit Sohn Carlton und Vater Kyle mögen etwas simpel gestrickt sein. Aber das was Freundin Lucy nach mehreren Anläufen zu sagen hat, nur als Beispiel, ist gar nicht so stereotyp, wie befürchtet. Außerdem (subjektiv) positiv aufgefallen: Immer wenn er ansetzt, eine Floskel zu äußern, unterbricht sie ihn. Sie wüsste, was er sagen wollte - und diesen Teil kann sich das Publikum in diesen Momenten auch denken. Solcherlei Aussparungen sind erfreulich.

    Es verwundert Sie sicherlich nicht, dass dieser Film das vom Lizenzinhaber 'HMH - Hamburger Medien Haus' angepriesene (Zitat) "absolute Chartpotenzial" vermissen lässt. Auch ist die Bezeichnung "aufwendige 15-Millionen-Dollar-Produktion" etwas hoch gegriffen (zumal er lediglich 10 Millionen gekostet haben soll, die er allerdings bei Weitem nicht einspielte). Vorteilhafter beworben werden könnte er mit mehreren prominenten Gesichtern in Nebenrollen, darunter der erwähnte Ted Danson als Coach, Harry Dean Stanton als Großvater mütterlicherseits oder Lyle Lovett in einem Kurzauftritt als Barkeeper. Dazu gesellt sich ein Soundtrack von Singer/Songwriter Charlie Sexton, der in zurückliegenden Jahren mit Bob Dylan tourte. Und wenn diese Namen noch nicht reichen, ist man schließlich überrascht, wenn im Abspann der "Executive Producer" genannt wird: Wim Wenders.

    Wermutstropfen Synchronisation, auch wenn es ein leidlicher Thema ist: Hat man eine Weile dem englischsprachigen Original (bei Bedarf mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln) gelauscht und wechselt man anschließend per Fernbedienung zum Synchronton, so landen junger und alter Baseballspieler schlagartig in der akustischen Kreisklasse. Justin Timberlakes echte Stimme mag nicht vermuten lassen, dass er damit in der Musikbranche sein Geld verdient, aber das deutsche Pendant ist wahrlich unwürdig (unpassend: Sprecher Marco Steeger). Und die Synchronstimme von Jeff Bridges scheint auch nicht die gleich zu sein, die wir beispielsweise in THE BIG LEBOWSKI (1998) als sehr ebenbürtig empfanden. Das mussten wir recherchieren und tatsächlich, die gewohnte deutsche Jeff Bridges Stimme gehört Norbert Langer! Schon 1971 in Peter Bogdanovichs DIE LETZTE VORSTELLUNG und auch bei dem in Kürze im Verleih erscheinenden MÄNNER DIE AUF ZIEGEN STARREN (2009). Ein stimmlicher Klassiker, einprägsam und wandelbar, nicht erst seit der Serienheld MAGNUM oder der Hörspielkult HE-MAN. In THE OPEN ROAD allerdings Fehlanzeige, ersatzweise spricht Thomas 'Tommi' Piper, die deutsche Stimme von ALF.

    Zum Abschluss eine - wie Sie schon herauslesen konnten - verhaltene Empfehlung und ein letzter Bogen zum wahren Leben: Regisseur Michael Meredith, geboren am 22. September 1967 in Dallas/Texas, war schon zuvor in einem Wim Wenders Filmprojekt tätig, als Drehbuchschreiber für LAND OF PLENTY (2004) - so ist die heutige Kooperation zu erklären. Und um die "Motivation" aus unserem ersten Satz aufzugreifen: Michael Merediths Motivation, ausgerechnet eine Vater-Sohn-Versöhnung filmisch aufzuarbeiten, ist relativ eindeutig. Meredith ist der Sohn des NFL-Quarterbacks, der amerikanischen Football-Legende Don Meredith.
  • Short Cut to Hollywood
    Komödie, Deutscher Film
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 17.06.2010
    Erst die gute Nachricht, den guten Film zuerst? Damals, im Sommer 2004, da war ein deutscher Film so kultig, dass wir uns an Passanten erinnern können, die den Schriftzug auf dem T-Shirt spazieren trugen: MUXMÄUSCHENSTILL. "Ich bin ein Teil der Gesellschaft, in der wir unsere Ideale verloren haben", sagt der Hauptdarsteller zu Beginn ins Bild einer Videokamera. Testbild-Unterbrechung. Er wiederholt die Aufnahme und den Satz. Er würde das System gern verändern, nein, er will den Mitmenschen helfen. Als Mensch, der für seine Ideale eintritt. Ein geradezu moralbesessener Einzelgänger, der mit seinem täglichen Handeln vorführt, dass die Bürger mit ihrem Respekt vor Bürokratie einen Schritt weit erziehbar sind. Da wird ein Autoraser gestoppt und gezwungen, sein Lenkrad abzuschrauben, Frauchen wird mit dem konfrontiert, was das Hündchen auf dem Gehsteig hinterlassen hat. Graffitisprayer, Exhibitionisten, Gewalttäter - alle werden gestellt und filmisch festgehalten.

    'Schiwago Film' präsentierte MUXMÄUSCHENSTILL 2004 in einer Mischung aus Digitalvideo und Filmmaterial, unterlegt mit einem Soundtrack von 'Phirephones'. Jan Henrik Stahlberg war Drehbuchautor und spielte den Weltverbesserer Mux. Mux, der einen Langzeitarbeitslosen ins Berufsleben zurückholt, indem er ihn bei seinem "Feldzug" als Kameramann einsetzt. So werden nicht nur Täter auf frischer Tat dokumentiert, der gewillte Zuschauer sieht auch ein Stück deutsche Zeitgeschichte, in Berlin am Alex und auf der Loveparade, in der U-Bahn, im Hochwassergebiet. Ambivalent führt MUXMÄUSCHENSTILL gesellschaftliche Missstände vor, zeigt die Fronten nie schwarz-weiß, stattdessen ambivalent und ironisch. Das brachte Marcus Mittermeier (Regie) und Jan Henrik Stahlberg im Erscheinungsjahr den Max-Ophüls-Preis in vier Kategorien ein, ihr Spielfilmerstling wurde auf der Berlinale aufgeführt und für den Deutschen Filmpreis nominiert.

    Nach der guten die schlechte Nachricht? SHORT CUT TO HOLLYWOOD. Nun ja, "schlechtreden" gilt landläufig wohl ebenfalls als urdeutsch und eine deutsche Filmproduktion zu kritisieren, erscheint gerade zum Veröffentlichungszeitpunkt der DVD kurz vor dem Sommeranfang 2010 unpassend, während der Patriotismus durch Eurovision Song Contest und WM aufflammt. Aber an Rückenwind mangelte es der neuen Produktion von 'Schiwago Film' und 'Muxfilm' (zumindest im Vorfeld) ohnehin nicht: Geldgeber waren u. a. die Filmförderungsanstalt, der Deutsche Filmförderfond, das Media-Programm der Europäischen Union und die Bundesregierung für Kultur und Medien. Das Gespann Marcus Mittermeier (* 1969 in Landshut) und Jan Henrik Stahlberg (* 1970 in Neuwied) ist wieder vereint, beide diesmal im Regiestuhl und in den Hauptrollen. Vorschusslorbeeren, Filmpreise, finanzielle Unterstützung, ein junges Team drumherum, das sich im Making-of zeigt und ein weiteres Drehbuch von Stahlberg, das erneut das Erfolgsrezept der Gesellschafts- und Medienkritik aufnimmt und es über den großen Teich ins "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" bringt. Geht das auf?

    Vergilbte, flackernde Aufnahmen aus den Kindheitstagen der drei Freunde Johannes (Stahlberg), Matt (Mittermeier) und Chrismon (Christoph Kottenkamp) leiten SHORT CUT TO HOLLYWOOD nach einem angenehm zurückhaltend gestalteten Vorspann ein. Drei glückliche Jungen in Cowboy-Montur. Dann der Schnitt in die filmische Jetztzeit, die Johannes mit 37 Jahren, Versicherungskaufmann, in einer Sitzung mit seinem Psychologen zeigt. Berlin ist wieder Ausgangspunkt, als könnte dies eine mögliche alternative Zukunft des Mux aus 2004 sein. Auch Johannes strebt nach Lebenssinn und Aufmerksamkeit. Die Freundschaft hat über die Jahre hinweg gehalten und so beschließen die drei, die Cowboyhüte von damals vor der "echten" Kulisse aufzusetzen. Von Berlin Tegel geht es auf nach New York. Aus Johannes Friederich Salinger wird John F. Salinger. Mit seinem Alter Ego will er die Angst überwinden, nach dem Tod in Vergessenheit zu geraten. Dann doch lieber gleich der Tod, aber wenn schon, dann als Großereignis im Fernsehen angekündigt. Als Köder für die Sender lässt sich John prompt vor laufender Kamera von dem gescheiterten Medizinstudenten Chrismon einen Körperteil amputieren. Das sollte doch das Interesse eines Millionenpublikums wecken und wenn das nicht reicht, dann wird er...

    Sehen Sie selbst, welche Auswüchse dieses Vorhaben nimmt. Eine nicht neue, aber interessante Ausgangsidee. "Get famous or die trying", werd' berühmt oder stirb beim Versuch, ist auf Johns Arm zu lesen. Einen nationalen Bekanntheitsgrad haben sich die Filmemacher Mittermeier und Stahlberg bereits verdient, doch was hier stirbt, das ist die Story in ihrer Umsetzung. Man sollte jedem Spielfilm eine Chance geben, nicht vorschnell urteilen, schon gar nicht über Kunst. Aber da Sie nach diesen Zeilen eine subjektive Meinung erwarten dürfen: Für uns ist SHORT CUT TO HOLLYWOOD zu unentschlossen und durchschaubar. Es ist weder eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der TV-Landschaft, da zu überspitzt, noch ist es ein Roadmovie, das dem Betrachter Landschaft und Leute auf der "Abkürzung nach Hollywood" zeigt, oder glaubhaft eine Männerfreundschaft portraitiert. Keine Szene wirkt im positiven Sinne flüchtig, beiläufig stilvoll, wie bei gelungenen europäischen oder amerikanischen Independent-Produktionen. Mit parodistischen Gesangseinlagen wird er ebenfalls nicht vom Mainstreampublikum akzeptiert werden. Wenn die Satire über das Showgeschäft dramatisch werden möchte, hat sie die Ernsthaftigkeit längst verspielt. Wenn sie witzig sein könnte, wirkt sie überzeichnet. Welche Gefühle soll man am Ende noch zu den Figuren, zum Film entwickeln? Mitleid statt Sympathie? Ausgezeichnet, so wie das Erstlingswerk, wurde der neue Film laut Homepage zumindest einmal: 2009 für die beste Tongestaltung beim Filmkunstfest Meklenburg Vorpommern.

    Mediensatire, ein Beitrag zur bedingungslosen Suche nach Ruhm, das ist aller Ehren wert, auch Schnipsel wie ein satirischer Getränkewerbespot oder eine YouTube-Persiflage nach dem Abspann gehören wohl zum Zeitgeist. Dazu gehört der Deutsche Film nach Kräften unterstützt, wo es angebracht ist. In diesem Einzelfall gehen uns die Argumente zum Ausleihen allerdings aus. Das Making-of auf der DVD ist mit mehr als einer Stunde Laufzeit ein nettes Angebot, auch wenn die Dreharbeiten aus der gezeigten Perspektive zeitweilig wie ein Studentenworkshop anmuten. Hürden wie Fahrerlaubnis, Nummernschilder-Beschaffung und Catering werden thematisiert. Viel kreativer Freiraum wird von einem Produzenten vor Ort hervorgehoben, der auf 25 Millionen Dollar Budget zurückzuführen sei. Wir hoffen, das war ebenfalls Satire. Natürlich, die Mittel waren trotz Förderung bescheiden und viele Kompromisse seien während der Dreharbeiten gemacht worden. In den Endcredits beispielsweise ist zu lesen, dass ein Bühnenauftritt vor einer riesigen Publikum der Band 'Die Ärzte' zu verdanken sei, eine Leihgabe. Leihen können Sie sich nun etwas, SHORT CUT TO HOLLYWOOD möglicherweise. Denn auch im Zusammenhang mit diesem Online-Text darf die Frage gestattet sein: welchen Medien kann man heutzutage noch über den Weg trauen?

    Wir beenden diese Kritik, weniger Worte sind manchmal mehr. So wie bei MUXMÄUSCHENSTILL, der in einer einzelnen Minute mehr Satire über das Verhältnis zu Amerika transportiert, als die 90 Minuten mit John F. Salinger: Mux kontrolliert im Berliner Nahverkehr eine Gruppe englisch sprechender Fahrgäste und drückt beim Aufschnappen des amerikanischen Slangs sein Mitgefühl über die Ereignisse des 11. September aus. Zu diesem Zeitpunkt wäre man doch irgendwie auch Amerikaner gewesen. Wir sind gar keine Amerikaner, sagen die Angesprochenen, wir kommen aus Afrika. MUXMÄUSCHENSTILL ist treffsicher. Und um abschließend den mehrfach erwähnten Deutschen Film zu stärken, nennen wir noch schnell einen anderen Leihtitel über eine Dreier-Männerfreundschaft, die nicht aus Berlin, sondern aus Hamburg stammt: ABSOLUTE GIGANTEN (1999) von Sebastian Schipper. Fazit: Mux sagt, man müsse mal einen Film von (Michelangelo) Antonioni gesehen haben. gesehen haben. Die "Abkürzung nach Hollywood" dagegen nicht.