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Kritiken von "VideobusterRedaktion" aus

293 Kritiken in dieser Liste

Darstellung:
  • Die Fremde in dir
    Wie weit würdest du gehen, wenn du alles verlierst?
    Thriller
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 02.03.2009
    Genrefilm mit Ecken und Kanten

    Die Grund-Story ist bekannt, seit Charles Bronson in “Ein Mann sieht rot“ 1974 das Recht in die eigenen Hände genommen hat. Insofern sollte hier nicht allzu viel Neues erwartet werden. Neil Jordan versucht zwar aus dem Schema des Rache-Films immer wieder auszubrechen, scheitert aber letztlich an dem eigenen Anspruch. Dass der Film trotzdem funktioniert, ist vor allem dem feinfühligen Spiel von Jodie Foster zu verdanken, die der Hauptfigur sehr viel Tiefe verleiht und dabei immer glaubwürdig bleibt. In dieser Glaubwürdigkeit und Zerrissenheit des Charakters liegt denn auch der Hauptunterschied zu den üblichen Rache-Epen, deren Daseinszweck hauptsächlich in reichlich Action und Schadenfreude besteht.

    Insgesamt ein wirklich spannender Thriller mit Top-Schauspielern.

    Viel Spass beim Film wünscht
    Eure Video Buster Redaktion
  • Die Stadt der Blinden
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 25.02.2009
    Erblinden?! Für Filmliebhaber ein Alptraum. Ist das neue Werk von Fernando Meirelles ein ebensolcher? Wir werden sehen. Weiß ist der Bildschirm zu Beginn und weiß eingetaucht wird er noch häufiger in den folgenden zwei Spielfilmstunden. Denn die an einem mysteriösen Virus erkrankten Menschen finden sich nicht in schlagartiger Dunkelheit wieder, sondern in gleißender Helligkeit. Statt nichts mehr zu sehen, sehen sie zu viel, so die Aussage eines Augenarztes (Mark Ruffalo). Damit Sie nicht schon zu viel 'zu sehen' bekommen, soll es bei diesem Einblick in die Handlung bleiben.

    Der Einäugige ist unter Blinden bekanntermaßen König - als einziger Sehender jedoch ist man das Opfer. Das zeigt uns die zentrale Filmfigur, die sich das ganze Elend im wahrsten Sinne des Wortes 'ansehen' muss. Dies bitte nicht auf den Film beziehen! Sicherlich waren die Erwartungen viel zu hoch an DIE STADT DER BLINDEN (2008). Wenn ein international gefeierter Filmemacher wie Fernando Meirelles nach jahrelangem Drängen die allerersten Filmrechte vom Nobelpreisträger für Literatur - dem Portugiesen José Saramago - übertragen bekommt, kommt das einer kulturellen Heiligsprechung nahe. Zum Glück ist die hier und jetzt präsentierte DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung nicht ganz so konsequent wie Derek Jarmans damaliger Experimentalfilm BLUE (1993) mit seinen durchweg blauen Filmbildern...

    Meirelles BLINDNESS, das ist der vielseitigere Originaltitel, ist sehenswert. Nicht von der Genialität seines CITY OF GOD (2002), eher ein anspruchsvoller Problemfilm wie DER EWIGER GÄRTNER (2005). Als Eröffnungsfilm durfte der brasilianische Regisseur aus Sao Paulo sein pessimistisches Drama am Abend des 14. Mai 2008 bei den Filmfestspielen in Cannes zeigen und erhielt dort sogar eine Nominierung als Anwärter auf die 'Goldene Palme'. Verrisse hagelte es dennoch von zahllosen Kritikern und Zuschauern. Differenzierter sah es ein englischer Rezensent, der jedem diesen Film ans Herz legen möchte, der ihn sich allein zu Gemüte führt. Um der Gefährdung einer guten Freundschaft oder dem Scheitern eines Dates vorzubeugen. So pessimistisch ist das Thema, so schmutzig sind die Schauplätze.

    Den zu Beginn erwähnten Filmliebhabern könnten trotzdem die Augen aufgehen, denn es gibt einiges zu entdecken. Im Kleinen, wenn ein Tisch mit einem Mal im Bildzentrum erscheint, als ein Blinder dagegen läuft. Im Großen, wenn man sich an der Fülle von Allegorien erfreuen kann. Auch wenn diese natürlich primär aus der Erzählung Saramagos stammen - als misslungen darf man die filmische Umsetzung dennoch nicht bezeichnen. Dafür ist sie zu mutig-sozialkritisch, verzichtet auf die übliche Effekthascherei. (Wieso muss man jetzt an Danny Boyles 28 DAYS LATER von 2002 denken?) Weit weg vom Eindruck eines B-Movies wollte der Regisseur seine Bilder nach eigener Aussage bringen und er wollte jegliche Verbindung zum Zombie-Genre vermeiden. Die Klassiker von George A. Romero drängen sich trotzdem unweigerlich auf, gerade im starken letzten Drittel des Films.

    Nun wirkt die Rollenbesetzung (u.a. Julianne Moore, Danny Glover, Gael García Bernal) zugegebenermaßen ein wenig sperrig, ebenso die eigenwillige Filmmusik. Letztere allerdings wirkt zumindest dem in US-Produktionen so häufig auftretenden 'Mickey-Mousing' - dem musikalischen Nachahmen eines jeglichen Bildgeschehens - angenehm entgegen. Die Kameraarbeit ist ebenso eigenwillig wie schlicht-überzeugend und steigert die Urangst, von einem auf den anderen Augenblick zu erblinden. Wenn schwer erträgliche Unmenschlichkeiten geschehen, geht sie ins Detail. Gut so, denn der wahre Alptraum spielt sich schließlich in unseren Köpfen ab. Und bald auch auf Ihrem heimischen Fernseher? Sehen Sie sich die STADT DER BLINDEN an und machen Sie sich selbst ein Bild.
  • Happy-Go-Lucky
    Komödie, Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 24.02.2009
    HAPPY-GO-LUCKY - Selten hat ein Film im Kino so polarisiert. Da sitzt man in den engen Reihen eines kommunalen Kinos, staunt über die Alltagserlebnisse, lacht über die Schlagfertigkeit der Hauptfigur Poppy (Sally Hawkins), erfreut sich an der typisch englischen Situationskomik auf der Leinwand - während der Sitznachbarin alle fünf Minuten ein betont gereiztes "Furchtbar!" ein "Soll das witzig sein?!" oder ein "Ist DIE nervig!" entfährt. Sollte man einen solchen Spielfilm nun also völlig uneingeschränkt empfehlen? Ja, mit dieser Vorwarnung und Empfehlung zugleich!

    Als 'Feel-Good-Movie' beworben, werden im bunten Trailer gleich folgende Worte eingeblendet: "Im Leben hat jeder seine Höhen und seine Tiefen - naja fast jeder...". Die Frage ist, ob Poppys Alltagserlebnisse und ihre Lebenseinstellung tatsächlich so unbeschwert-glücklich sind, wie es die Vorschau vorgibt. So eindimensional ist der Film nämlich gar nicht. Nicht umsonst sagt man schließlich: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Außerdem haben wir hier eine britische Komödie vor uns, die ohne einen Spritzer Zynismus nicht auskommt. Noch dazu ist Poppy vom Ausnahmeregisseur Mike Leigh ins rechte Licht gesetzt worden, der u.a. für LÜGEN UND GEHEIMNISSE (1996) eine Oscar(c)-Nominierung und den Hauptpreis bei den Filmfestspielen in Cannes erhielt. Seine Handwerkskunst ist auch bei HAPPY-GO-LUCKY (2008) in jeder Szene zu spüren, denn so beiläufig die Situationen auch erscheinen mögen, so hintergründig-zwischenmenschlich sind sie bei genauerem Hinsehen. Ob man Poppy und ihre Art, mit Buchhändlern und Fahrschullehrern umzugehen, nun leiden kann, oder nicht: Treffen Sie sich mit ihr zu einem Filmabend und sagen Sie ihr die Meinung. Aber bitte nicht alle fünf Minuten!

    Den DVD-Start von HAPPY-GO-LUCKY haben wir zum Anlass genommen, unsere Kolleginnen und Kollegen nach deren ganz speziellen Filmen zu fragen, die sie in jeder Lebenslage rundum 'happy' machen. Hier spontan einige beglückende Filmerlebnisse aus dem Team:

    EIN KÖNIGREICH FÜR EIN LAMA (sagt Christoph)
    KUNG-FU-PANDA (Katharina)
    SHREK (Stefan)
    CHUCK UND LARRY (Florian)
    …UND DANN KAM POLLY (Julia)
    OCEAN'S ELEVEN (Arwed)
    DIE LEGENDE VON BAGGER VANCE (Christian)
    DER KLANG DES HERZENS (Elaine)
    RITTER AUS LEIDENSCHAFT (Melanie)
    SEX AND THE CITY (Antje)
    ZWEI AUSSER RAND UND BAND (Malte)
    50 ERSTE DATES (Andre)
    MAMMA MIA! (Anja)
    DAS SINGENDE KLINGENDE BÄUMCHEN (Anni)
    OVERBOARD - EIN GOLDFISCH FÄLLT INS WASSER (Gisela)
    DER GLÜCKSBRINGER (Cristian)
    BEAUTIFUL GIRLS (Phil)
    HIGH FIDELITY (Phils Papa Rudi)
    DER STERNWANDERER (Sven)
    AMERICAN BEAUTY (Manuel)
    KEIN PARDON (Jens)

    Nachtrag im Februar 2009 => Selten hat ein Film so polarisiert? Das bestätigen auch andere Video Buster Mitglieder. Filmfan 'timotee' schreibt am 28.01.: "Ein sehr amüsanter Film über eine sehr eigensinnige Frau.(...) Ich persönlich kann den Film, mit seinem köstlichen Humor und sehr gutem Soundtrack empfehlen." Dagegen berichtet 'Morticia147' am 31.01.: "So ziemlich das miesestes was ich seit langem gesehen habe. Nach 10 min. ging mir total überdrehte, künstliche und hysterische Getue der Hauptdarstellerin schon enorm auf die Nerven."

    Nun sind Sie also an der Reihe: Mit einem Klick auf 'Eigene Kritik schreiben' können Sie nach der Begegnung mit Polly ihre Meinung zu HAPPY-GO-LUCKY kundtun. Ob nun aus Solidarität mit der Hauptfigur oder mit der Kinositznachbarin ("Furchtbar!"). Und dazu können Sie allen Mitgliedern mitteilen, welcher Film SIE in jeder Phase ganz besonders 'happy' macht.
  • Charlie Bartlett
    Komödie
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 19.02.2009
    Mit Fühl-dich-gut-Musik des DVD-Menüs im Raum geben wir Ihnen entspannt und gut gelaunt einen kleinen Einblick in Charlie Bartletts Welt. Oder ist es die Welt von John Hughes? Wir werden sehen...

    Der brüllende Löwe im 'Metro Goldwyn Mayer' Logo führt uns direkt in die schöne (heile?) Filmwelt: Charlie bereitet sich auf seinen großen Bühnenauftritt vor, richtet sich Jackett und Krawatte. Hinaus geht es in das Scheinwerferlicht und die Menge im Saal tobt. Geweckt aus diesen Tagträumen wird er von einem Mitarbeiter, der ihn zum Schulleiter ruft. Denn die Realität spendet Charlie keinen tobenden Applaus, sondern einen weiteren Schulverweis.
    So beginnt die Geschichte um Charlie, der sich wie der Hochstapler in CATCH ME IF YOU CAN (Leonardo Di Caprio 2002) in schuleigene Psychologie-Wälzer einliest, als Patient diverse Rezepte und Pillen von Seelenklempnern einsammelt und sich nebenbei selbst von seiner ewigen Sorge um Popularität befreit und der Suche nach dem Platz im Leben ein Ende bereitet.

    Die 'Special Features' auf der DVD geben neben einem Zusammenschnitt ('Restroom Confessional') und einem Musikvideo ('Spiral Beach - Voodoo') nicht allzu viel her. Also mal in den Audiokommentar mit Regisseur Jon Poll und seinem sympathischen Hauptdarstellerpaar Kat Dennings und Anton Yelchin hineingehört. Und man höre und staune, sie setzten sich mit CHARLIE BARTLETT auf dem Mauii-Filmfestival gegen ähnliche Filmkonkurrenten wie SUPERBAD (2007) durch und bekamen den Publikumspreis! Popularität also auch für die Filmcrew. Und der Regisseur fügt noch hinzu, dass gegenteilige Zuschauermeinungen vermuteten, dass diejenigen positiven Publikumsstimmen selbst unter einem gewissen Charlie-Bartlett-Medikamentenrausch gesteckt haben müssten. Wer weiß, vielleicht sagen Sie uns das nach dem Anschauen auch nach über die hier vergebenen vier Sterne. Oder aber Sie gründen mit uns und den bisherigen Userkritik-Schreibern in Gedanken einen Charlie Bartlett Fanclub und sehen sich ebenfalls noch einmal die besten 80er Jahre Filme des Regisseurs John Hughes wie BREAKFAST CLUB (1985) oder FERRIS MACHT BLAU (1986) an, schließlich hat der diese Filmgattung quasi erfunden.

    Die letzten Zeilen im Abspann von CHARLIE BARTLETT (2007) lauten übrigens: 'No teenagers were harmed in the making of this movie'. Statt der obligatorischen Tierschutznennung werden hier also Teenager in Schutz genommen und kamen demnach nicht zu Schaden. Wir als Zuschauer auch nicht. Geheilt von Charlie Bartlett können wir Ihnen nun also einen entspannten Filmabend als Rezept gegen Trübsinn an die Hand geben.
  • Zurück im Sommer
    Manchmal muss man sich verlieren, um zueinander zu finden.
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 11.02.2009
    11:11 Uhr ... Es ist ein Drama, das kann man wohl sagen! Ob "Zurück im Sommer" (USA 2008) auch dramatisch ist? In manchen Momenten. Nicht zu harsch will man im Nachhinein mit dem Gesehenen ins Gericht gehen. Es könnte womöglich autobiographisch sein! Und tatsächlich: Dennis Lee, der Drehbuchautor und Regisseur, arbeitet mit diesem Spielfilm Abschnitte seiner Vergangenheit auf und teilt familiäre Konflikte mit uns. Das ist zunächst einmal sehr freigiebig und mutig. Das dachten sich anscheinend auch die namhaften Schauspieler, die sich trotz geringen Budgets für dieses Projekt verpflichten ließen: Julia Roberts und Willem Dafoe, Emily Watson, Carrie-Anne Moss und Ryan Reynolds.

    Dazu hübsche Filmbilder: Endlos wirkende Felder in sommerlich-warmen Licht (und Regen) erinnern an Philip Ridleys "Schrei in der Stille" (1990), einem kleinen Drama über einen Jungen, der ohne die Zuwendung seines Vaters erwachsen werden muss. Da fühlt man sich beim Anschauen des Dennis Lee Films tatsächlich "Zurück im Sommer". Ein Vergleich scheint ohnehin ungleich, wenn man zuvor ein Wochenende mit der TV-Serie "Six Feet Under" (2001-05) verbracht hat. Der Gegenüberstellung mit den dort geschehenen Zerwürfnissen, Todesfällen, der Leidenschaft und der Trauer, den Generations-Reibereien und elterlichen Machtkämpfen hält "Fireflies in the Garden" (so der Originaltitel) einfach nicht stand. Völlig richtig: "Schade", wie es bereits zwei Video Buster Mitglieder in ihren Kritiken fanden. Der Film will einem einfach nicht nahe gehen, so sehr solch unbequeme Familiendramen - wie die großartig inszenierte Vergangenheitsbewältigung in "Als das Meer verschwand" (2004) - ganz persönlich am Herzen liegen.

    Dabei hat sein Film ohne Zweifel ein Potpourri aus wunderbaren Darstellern zu bieten, so wie man sie sich einzeln zusammenstellen wollen würde. Dafoe wirkte in Rollen selten unsympathischer, nicht einmal als Anführer einer Straßengang in Walter Hills "Straßen in Flammen" (1984). Ryan Reynolds streicht nach reifer werdenden Rollen wie in "Vielleicht, vielleicht auch nicht" (2007) ein weiteres Mal seine Qualitäten als ernsthafter Charakterdarsteller heraus. Gemeinsam jedoch werden die prominenten Köpfe einfach nicht zu einer Familie. Wenn diese Tatsache die porträtierte Zerrissenheit innerhalb der Verwandtschaft wiederspiegeln soll, so muss man sich selbst oberflächlich betrachtet ernsthaft fragen, ob Julia Roberts als Mutter eines vollbärtigen Reynolds durchgeht und ob wir Zuschauer einem Dennis Lee seine Schwächen im Drehbuch durchgehen lassen.

    Zum Navigieren durch die DVD-Menüpunkte hält übrigens ein Schmetterling her, statt einem Glühwürmchen (siehe "Fireflies in the Garden"). Alles passt ins Gesamtbild: Liebevoll, schön, bedacht - eins daneben. In einem Interview-Ausschnitt gibt Dennis Lee dann noch an, dass laut seiner Schwester bestimmt 60 Prozent seines Drehbuches autobiographisch gefärbt seien. Vielleicht 30 Prozent stamme von Selbsterlebtem, verringert Lee diesen Anteil. Das könnte genau das Drittel ausmachen, welches im Film wirklich berührt, hängenbleibt, echt wirkt. Die kleinen Szenen auf dem Hausdach, am See, mit den Glühwürmchen im Garten. Der Rest: ein Drama.
  • Rescue Dawn
    Drama, Kriegsfilm
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 04.02.2009
    Kriegsschauplätze und Werner-Herzog-Filme haben eins gemeinsam: Sie sind immer eine bleibende Erinnerung. Zumeist verbunden mit Bildern, die man nicht mehr vergisst. Was an Werner Herzog als Filmemacher wieder einmal imponiert, ist der Einsatz und die absolute Überzeugung, mit der er sein Ziel verfolgt. Ganz so, wie die Hauptfigur in RESCUE DAWN (USA 2006).

    RESCUE DAWN ist kein Kriegsfilm, das sagt Herzog in einer mitgelieferten Dokumentation. Es ist ein Film, dessen Handlung im Jahr 1965 angesiedelt ist, als der Konflikt zwischen den USA und Vietnam zu den allerersten militärischen Kampfhandlungen führt. In Laos wird der Pilot Dieter Dengler, gespielt von Christian Bale, vierzig Minuten nach Beginn seines ersten Flugzeugeinsatzes über dem feindlichen Dschungel abgeschossen und gerät in Gefangenschaft. Im englischen als 'POW' ('Prisoner Of War') bezeichnet, als Kriegsgefangener, ist Dengler der einzige amerikanische Soldat, der aus vietnamesischer Gefangenschaft flieht und ... gerettet werden kann? Wir wollen nicht zu viel verraten.

    Die Eröffnung ist brillant, mit Originalaufnahmen von Bombenabwürfen und den flammenden Explosionen inmitten der wunderschönen vietnamesischen Landschaft. Werner Herzog fand seine wunderschönen Spielfilmmotive übrigens in Thailand. Mit in der Tat vollem Körpereinsatz haben er und seine Darstellerriege viele dicht erzählte Passagen erschaffen. Um alles möglichst authentisch in Szene zu setzen, ernährten sich die Schauspieler zuvor unter ärztlicher Aufsicht mit minimalsten Wasserrationen und Früchten. Vor der Kamera aßen sie echte Maden, ließen sich Blutegel auf die Brust setzen und liefen die meiste Zeit barfuß.

    Untermalt wird das Geschehen von der Musik des Deutschen Klaus Badelt, einem ehemaligen Azubi von Starkomponist Hans Zimmer, der bereits beim FLUCH DER KARIBIK (2003) für eine packende Klangkulisse sorgte. Einziger Wehrmutstropfen des Ganzen ist vielleicht, dass sich die unkritisch aufgenommenen Eindrücke des Gesehenen in RESCUE DAWN relativieren, wenn man beispielsweise den Namen der verantwortlichen Produktionsfirma 'Top Gun Productions' liest, wenn man den heroischen Filmbildern der amerikanischen Kriegsmaschinerie und den zelebrierten Männerbünden der Armee zu Beginn und am Ende des Films beiwohnt. Betrachtet man den Film als Einzelportrait über das Schicksal eines beeindruckenden Mannes mit großem Idealismus und noch größerem Überlebenswillen, ist er zweifelsohne beeindruckend. Werner Herzogs vor zehn Jahren gedrehter Dokumentarfilm "Little Dieter Needs to Fly - Flucht aus Laos" (1998) hätte möglicherweise als filmisches Denkmal ausgereicht. Auch ist Dieter Denglers eigene Einschätzung zu Herzogs Film nicht gerade von Bescheidenheit gekennzeichnet: "Werner, das ist ein Film, den du für deine Enkel und deine Urenkel machen wirst!" ("Werner, this is gonna be a film you will make for your grandchildren and great-grandchildren!") Auch Werner Herzogs Kommentar: "Das ist eine Geschichte für die Ewigkeit." ("This is a story, that will last for the ages.") hat ähnliche Tendenzen. Da sollte man ein wenig relativierend ein Zitat von Kritiker Ken Hanke im 'Mountain Express' vom August 2007 anfügen: "Ein Autor, dem es nichts ausmacht, seine Darsteller durch die Hölle zu schicken, um den Film zu erhalten, den er will. Und trotzdem ... irgendetwas stimmt nicht mit diesem Film." ("A director who doesn’t mind in the least putting his cast through hell to get the movie he wants. And yet ... something is wrong with this film.")

    Gleichermaßen interessant wie beeindruckend sind die Bilder vom Drehort, die in mehreren dokumentarischen Clips in den DVD-Extras gezeigt werden. Wie sich die Darsteller in der Vorbereitung zum Film bis auf die Knochen herunter gehungert haben und warum dieser Umstand das Drehen der Filmszenen in chronologisch umgekehrter Reihenfolge zur Folge hatte, das sehen Sie im Bonusmaterial. Wünscht man bei diesem Filmgeschehen nun "gute Unterhaltung"? Schreiben Sie Ihr persönliches Erlebnis mit dem Film RESCUE DAWN in einer eigenen Video Buster Kritik, um zu berichten, was Sie möglicherweise enttäuscht und was am meisten beeindruckt hat!
  • All the Boys Love Mandy Lane
    So süß. So sexy. Zum Sterben schön.
    18+ Spielfilm, Horror, Thriller
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 23.01.2009
    "All the Boys Love Mandy Lane". All the boys? Werden auch alle Zuschauer Mandy Lane lieben? Und welche Schauspielerinnen und Schauspieler werden von allen geliebt? Wir klären auf, über den Film, seine Figuren, seine Zielgruppe und über wen wir ins Schwärmen geraten.

    Alle lieben Mandy Lane, das gilt im Film nicht nur für die "Boys" sondern auch für die Schulkameradinnen. Wir jedenfalls haben uns zwar nicht unsterblich in den Film ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE (2006) verliebt, von der gut gemachten 90-minütigen Verführung möchten wir Ihnen aber gerne berichten. Die ungeschnittene DVD-Neuerscheinung haben wir außerdem zum Anlass genommen, spontan kreuz und quer im Team von Video Buster nachzufragen, welche Filmstars von allen geliebt werden. All the boys/girls love...? (unten mehr)

    Zum Film: Mit dem vergleichsweise lächerlich geringen Budget von 750.000 Dollar hat der Regieneuling Jonathan Levine das Kunststück vollbracht, aus einer Handvoll unbekannten Darstellern, vertrauten Teenie-Schablonen und abgedroschenen Horrorfilm-Situationen ein mal mehr, mal weniger beachtliches Werk zu erschaffen. "Die Bilder stimmen!", wie ein Bekannter nach ordentlichen Kinofilmen zu sagen pflegte. Schon der Einstieg von ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE mit der Gruppe 'Bedroom Walls' und ihrem Song 'In Anticipation of Your Suicide' ist sympathisch. Klanglich wird man in eine schwüle Leichtigkeit hineingezogen und von den warmen Farben der Filmbilder eingelullt. Eine Schulklingel schrillt und leitet für die Schüler den Start in die Sommerferien und für uns den Beginn eines (sozialkritischen?) Teenager-Thriller-Splatter-Films ein.

    Kritiker können MANDY LANE die unübersehbare Klischeehaftigkeit vorwerfen. Dabei scheint das Zitieren von Genreklassikern wie dem TEXAS CHAINSAW MASSAKER von 1974, dem 'Camp Crystal Lake' aus FREITAG DER 13. (1980 bis heute) oder den Werken jüngerer Filmemacher wie dem Franzosen Alexandre Aja (u.a. HIGH TENSION von 2003) inzwischen beinahe unumgänglich. Eine Grundregel dieser Filmgattung ist seit John Carpenters HALLOWEEN (1978) schließlich das Bestrafen von lasterhaften Heranwachsenden, die sich mit wildem Kiffen und Kopulieren eine Befreiung aus all den Zwängen erhofft. Zwingend gesehen haben muss man diesen Film nicht. Deutlich besser als der sehr ähnliche australische LOST SOULS - STRAND DER VERLORENEN SEELEN (2003) ist MANDY LANE aber allemal.

    Was bleibt, ist ein FSK18-Titel, der Splatterfans zumindest in zwei, drei Szenen deftig bedient und unangenehm detailliert die Erwartung erfüllt. Solcherlei Bilder können zwar pädagogisch verurteilt werden, zeigen jedoch exakt die Aussage, die Regisseur Levine verfolgt: Ungeschminkt, wenn auch überzogen, die Auswirkungen zeigen, die aus Konflikten im Elternhaus und in der Schule erwachsen. Vorfälle wie das Schulmassaker von Littleton (siehe BOWLING FOR COLUMBINE) als Ausgangspunkt zu nehmen, um daraus eine weitweit vermarktbare Horrorgeschichte zu machen. Wer die High-School-Zeit mit seinen tyrannisierenden Klassenkameraden übersteht, der hat den wahren Horror erlebt. Wer da durchkommt, der hat das Schlimmste hinter sich. So könnte man den Antrieb der Geschichte deuten. Aber nur wenn man das Ziel verfolgt, den ab und an doch arg abflachenden Film zu retten. Die Figuren könnten streckenweise auch in einer High-School-Satire wie CLUELESS (1997) auftauchen, so als wären BUFFY (1997-2003) und ihre Schulgefährten zum Crystal Lake gefahren. Da können nur die schöne Kamera, die Musik, filmische Ideen wie ein 'Grindhouse'-mäßiger Abspann und allem voran der faszinierende Charakter der Mandy Lane retten.

    Für einen vierten Stern in dieser Kritik sorgt nämlich Amber Heard, die Darstellerin der Mandy Lane. Nicht nur erschafft sie mit Mandy Lane eine ungewöhnliche Filmfigur, sie liefert uns auch noch ein wirklich gutes Interview in den DVD-Extras. Das sollte man sich aber auf jeden Fall erst NACH dem Hauptfilm anschauen! Wie Amber Heard (*1986) selbst im fast halbstündigen Gespräch sagt: "Wir sind ja am Ende der DVD, richtig?" ("This is the end of the DVD, right?") Dort berichtet sie ganz offen über die Dreharbeiten in ihrer Heimat Austin, Texas. Über ihre eigene Schulzeit, über Cliquen, das Angepasst-sein-müssen, über ihren Lieblingslehrer, das Wegziehen aus dem Elternhaus, das Verhältnis von Büchern zu Filmen, das Business und die künstlerische Botschaft. Sie gibt sogar eine eigene Interpretation ab und erklärt, wie sich das Drehbuch über die Gesellschaft lustig macht. Und Amber Heard berichtet von ihrem großen Vorbild: Charlize Theron.

    All the boys/girls love... Wir haben unsere Kolleginnen und Kollegen gefragt, welche Darstellerinnen bzw. Darsteller sie lieben.
    Hier das (nicht repräsentative) Ergebnis:

    => ALL THE BOYS LOVE: Jessica Alba (sagt Stefan), Milla Jovovich (Arwed) Sandra Bullock (Christoph), Meg Ryan (Phil), Charlize Theron (Sascha), Mandy Moore (Christian), Angelina Jolie (Sven), Susan Ward (Dennis), Kate Mulgrew (Pierre).

    => ALL THE GIRLS LOVE: Jason Statham (sagte Julia), Hugh Jackman (Kerstin), Johnny Depp (Marion+Kati), Mel Gibson (Gisela), Heath Ledger (Silke), George Clooney (Annelene), Douglas Barr (Michaela).

    Jetzt Sie: Schreiben Sie doch nach dem Anschauen von MANDY LANE eine eigene Kritik auf dieser Seite und teilen Sie allen Mitgliedern mit, wen SIE persönlich lieben!
  • Das Lazarus Projekt
    Den Tod zu täuschen, ist erst der Anfang!
    Thriller
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 14.01.2009
    Nicht weiterlesen! Es gibt diese Sorte von Filmen, da wünscht man sich, man hätte zuvor nichts darüber gelesen oder gehört. THE SIXTH SENSE war Anfang 2000 so ein Fall, bei dem man im Kinosessel überlegen musste, ob jetzt alles vorhersehbar war, oder ob die Pointe zuvor schon durch irgendwelche Medien gegeistert ist. Das LAZARUS PROJEKT (2008) trifft nicht das gleiche Schicksal, dafür ist es von den Medien ohnehin zu wenig beachtet worden. Ob es von Ihnen beachtet werden sollte? Erwarten können Sie einen Thriller im wahrsten Sinne, eine (an-)spannende Schauergeschichte.

    Von eben jener Geschichte soll auch hier nichts verraten werden. Nur, um Ihre Film-Neugierde zu wecken, ein ganz kurzer Einblick in die Ausgangssituation: Ben Garvey (Paul Walker) wünscht sich nichts sehnlicher, als seine Kleinkriminellen-Vergangenheit hinter sich zu lassen und endlich mit seiner hübschen Frau Lisa (Piper Perabo) und seiner süßen Tochter Katie (Brooklynn Proulx) glücklich zu werden. Seine Bewährungszeit ist vorbei, der Chef der ortsansässigen Firma scheint ihm wohlgesonnen. Man ahnt, dass diese Idylle trügerisch ist. Schon taucht noch ein Garvey-Familienmitglied auf: Bruder Ricky (Shawn Hatosy). Der plant ein angeblich todsicheres Ding. Dass der nächtliche Bruch allerdings in der Tat 'todsicher' sein wird, ahnt niemand. Fragt sich nur, für wen...

    Das mysteriös klingende LAZARUS PROJEKT bezieht seine Spannung aus den wohl wichtigsten filmischen Zutaten: einem unberechenbaren Drehbuch und einer guten Darstellerriege. Was völlig durchschnittlich beginnt, nimmt schnell Fahrt auf und steigert sich in manchen Szenen zu verstörenden Bildern, die im Gedächtnis bleiben. Vieles wirkt allerdings im Laufe reichlich konstruiert. Die deutsche Werbezeile lautet: "Den Tod zu täuschen, ist erst der Anfang!" Täuschung ist tatsächlich ein großes Thema, manchmal fühlt man sich als Zuschauer jedoch noch getäuschter als die Hauptfigur Ben selbst. Manche Einfälle sind scheinbar umgesetzt worden, um Atmosphäre zu erzeugen. Bis zum Schluss bleiben jedoch manche Motive offen. Wenn man sich auf besagte Täuschungen einlässt, kann man sich recht spannend unterhalten lassen. Wie häufig bei aktuelleren Produktionen sollte man jedoch nicht allzu viel hinterfragen. Womöglich ist der Film auch deshalb eine 'Videopremiere'. Zu Zeiten der VHS-Kassetten wurden solcherlei Starts häufig mit einem Coveraufkleber angepriesen, als sei die Premiere auf dem Heimkinomarkt eine Auszeichnung. Das liegt wie immer im Auge des Betrachters. Auf der anderen Seite ist hier vielleicht - auch dank des ausgebliebenen Medienhypes - wirklich einmal ein Film zu entdecken, der einfach angenehm unberechenbar daherkommt. Wenn auch wahrlich nicht unvorhersehbar.

    Gedreht wurde das 'Projekt' übrigens ausschließlich in Kanada, im April 2007, an der Grenze zu den USA in der Provinz Manitoba. Der Name 'Manitoba' stammt vom Indianerstamm der Cree und heißt laut Überlieferung „Der Engpass des Großen Geistes". Ganz so spirituell, wie der übersetzte Drehort klingen mag, ist die Filmhandlung dann zum Glück nicht. Obwohl der Titel doch bereits einen religiösen Bezug herstellt: Lazarus, die biblische Figur, die durch Jesus von den Toten auferweckt wurde. Aber wir wollen ja nicht vorgreifen! Dann kann (möglichst vom Filminhalt abschweifend) nur noch erwähnt werden, dass sich im Internet auch der 'Lazarus-Effekt' findet, der das Wiederauffinden von als ausgestorben geltenden Tierarten bezeichnet. Das 'Lazarus-Phänomen' taucht in der Medizin auf als Begrifflichkeit für eine scheinbare Auferstehung. Was nun das LAZARUS PROJEKT bedeutet, das entdecken Sie am besten selbst. Das Schlusswort hat 'Vater Ezra' (Bob Gunton) mit einem Zitat aus dem Film: "Wir alle erfinden Dinge, um mit unserem Schmerz umzugehen." ("We all create fiction, to hide our pain.") ... Amen.
  • Revolver
    Thriller, Krimi
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 29.12.2008
    Das königliche Spiel: Schach. Das Genre von Regisseur Guy Richie: der britische Gangsterfilm. Kann die Strategie aufgehen, beides mit einander zu verknüpfen? Ein mutiger Schachzug! Mit von der Partie sind diesmal der von Ritchie entdeckte (ehemaliger olympische Turmspringer) Jason Statham, der allzeit überzeugend spielende Ray Liotta, André Benjamin (Musiker "André 300" der Hip-Hop-Combo "OutKast"), der Vorzeige-Mafioso Vincent Pastore und Mark Strong in der schillernden Rolle eines bebrillten Killers. Apropos "Killer": An der Startaufstellung dieser illustren Figuren wirkte Franzose Luc Besson mit (Produktion und Drehbuchadaption), der bereits 1994 mit LEON – DER PROFI einen Meilenstein dieser Filmgattung ablegte.

    Hier nun also knapp zwei Stunden durchdachte Bilder, die gerade noch davonkommen, allzu durchgestylt zu wirken. Absehbar feuert dieser REVOLVER Schnittsalven ab, ohne lange durchzuladen. Umhüllt werden Sie von Ritchie-typischem Elektro-Rock und epischen, wenn auch geläufigen Klängen von Mozart, Beethoven, Morricone. Wenn man durch die früheren Erfolge BUBE, DAME, KÖNIG, GRAS und SNATCH mit Guy Ritchies Handwerk vertraut ist, erlebt man auf der künstlerischen Ebene wieder viele Ideen und wenig Neuerfindungen. Müde wird man als Konsument allerdings von dem ewig herangezogenen Vergleich zum Regiekollegen Tarantino und von der breitgetretenen Privatsphäre um Ritchie und seine (noch) Ehefrau Madonna. Ob diese mit ihrer Kabbala-Tradition und der Tora auf das philosophische Filmende Einfluss gehabt haben könnte, wie in der Presse spekuliert wurde? Wohl kaum. Schließlich werden zu Beginn und im Verlauf von REVOLVER keine heiligen Schriften, sondern ganz weltliche Persönlichkeiten wie Cäsar und Machiavelli ziertiert. Im Gegenteil wird mit Religionslehren gebrochen, wenn der Kampf zwischen Himmel und Hölle ins eigene ICH (das EGO) verlegt wird. Eher noch könnte man sich vorstellen, dass das Eheleben Guy Ritchie dazu bewog, einen Film darüber zu drehen, dass man sich letztlich alleine durch die Welt schlägt.

    Filmvergleiche zu REVOLVER kann man zahlreiche anstellen: Ray Liottas charismatische Darstellung und das Jonglieren mit Kokainbeuteln erinnert an seine Rolle in GOOD FELLAS (Martin Scorsese, USA 1990). Das komplette Setting ist dem des ebenfalls aus Großbritannien stammenden LAYER LAKE (2004) verdächtig ähnlich. Kein Zufall, denn diesen filmte der sonst als Produzent tätige Matthew Vaughn vor seinem jüngsten Erfolg DIE STERNWANDERER. Stellt man einmal REVOLVER und LAYER CAKE auf einem Spielfeld gegenüber, so ist es hypothetisch möglich, dass Vaughn seinen zuvor im Produktionsprozess begleiteten Regisseur Ritchie 2004 mit einem eigenen Spielzug "matt" setzen wollten und dieser könnte darauf 2005 mit REVOLVER gekontert und zumindest ein "remis" erreicht haben. LAYER CAKE Hauptdarsteller Daniel Craig jedenfalls wird sich nicht weiter mit Guy Ritchie anlegen, schließlich erscheint das 22. James-Bond-Abenteuer EIN QUANTUM TROST bereits im November ‘08, während Ritchies nächster Streich ROCKnROLLA mit Gerard Buttler erst im März ‘09 in unseren Kinos aufspielt.

    Wie auch immer, das Gangster-Metier wurde ohnehin seit den 70ern totgeritten und wenn nun die Einflüsse der vergangenen zwei Jahrzehnte mit KILL BILL Erzählweisen vermischt werden (vgl. die integrierte Animationssequenz), an RESERVOIR DOGS angelehnte Rollennamen wie "Mr. Green" und "Mr. Gold" verwendet werden, wenn DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN wörtlich zitiert werden, so muss das nicht schlecht für uns Zuschauer ausgehen. Ist es intelligent gemacht wie im Fall von REVOLVER, kann man eine gute Mixtur verschiedener Einflüsse erleben, die von einer überzeugenden Besetzung transportiert werden. Dass ein Filmabend mit der komplexen Handlung, mit vertrackten Situationen und schrägen Figuren natürlich nicht nebenbei geschaut werden kann und sicherlich nicht Massenkompatibel ist, das hat auch die Filmwirtschaft erkannt und hat REVOLVER einem deutschen Kinopublikum vorenthalten. Ein Schicksal übrigens, das ein ganz verwandter Film mit Namen LUCKY # SLEVIN (USA 2006) teilen musste. In diesen zwei Fällen gilt die hierzulande deutlich verzögerte "straight-to-DVD" Videopremiere allerdings als Auszeichnung. Folglich landen wir wieder beim Schachspiel: Konzentration ist erforderlich, der Verlauf ist streckenweise anstrengend, anspruchsvoll, aber anregend und obwohl man mit den (filmischen) Spielregeln vertraut ist, läuft jede Partie doch ganz anders ab. Im Film ist davon die Rede, dass man Stärke nur erreicht durch stärkere Kontrahenten und diese Formel gilt auch für REVOLVER und seine Filmeinflüsse.

    Gewaltakte und eine kurze Folterungsszene sind wieder einmal Bestandteil einer Filmveröffentlichung, doch hält sich REVOLVER zurück und hat somit trotz der Thematik um Drogen und Verbrechen das FSK-Siegel ab 16 Jahren erhalten. In der auswählbaren englischen Originalfassung (Freigabe in England: BBFC 15) begeistern die Schimpfwort-Tiraden der grandiosen Stimmlagen von Jason Statham und Ray Liotta und erfahren einen Höhepunkt, als die Flüche dreier konkurrierender Gangs im Filmgeschehen parallel montiert werden. Das deutsche DVD-Menü hingegen ist weniger brillant, auch der angehängte Abspann mit den deutschen Sprecherrollen wirkt eher billig - dagegen ist die Nennung der Synchronsprecher generell löblich. Im Bonusmaterial ist außer dem Originaltrailer (der leider wieder zu viele Bilder vorab zeigt) nichts zu REVOLVER zu finden. Und doch gibt es einen Glanzpunkt: Sonst oftmals enttäuschende Trailershows sind schnell vergessen, wenn hier einige englische Kracher vor der Vergessenheit bewahrt werden, u.a. zwei Werke des Briten Shane Meadows, DEAD MAN‘S SHOES und der Skinhead-Film THIS IS ENGLAND, Julian Gilbeys FOOTSOLDIER sowie das erschütternde Drama LONDON TO BRIGHTON. Ein guter Schachzug des Verleihs Ascot Elite, der definitiv Lust auf mehr Filme von der Insel macht.
  • Meet Bill
    Eine Komödie über jemanden wie dich.
    Komödie, Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 29.12.2008
    "Sag 'Entschuldigung'!" Statt KILL BILL (2003) heißt es heute MEET BILL (2007) und nicht nur Bill, auch die Filmgattung lässt sich nicht mit Tarantinos Bill vergleichen: MEET BILL ist eine typisch amerikanische Komödie. Worauf bei dieser Kategorisierung die Betonung liegt? Typisch, denn der Humor kommt auf den ersten Blick reichlich vertraut vor. Amerikanisch, da die Figuren zunächst wie Hollywood-Abziehbilder wirken. Komödie, weil laufend witzige Stereotype und mehr oder weniger überdrehte Situationen auftauchen.

    Bevor man "Bill trifft", hört sich die Grundidee eher nach einem schieren Drama an: Bill (Aaron Eckhart) ist ein durchschnittlicher Bankangestellter in einer leitenden, jedoch wenig einflussreichen Position. Seine eingefahrene Ehe wirkt sauber, geordnet, lustlos. Die Gattin Jess (Elizabeth Banks) hat sich bereits anderweitig orientiert und verheimlicht eine Liaison mit dem Fernsehmoderator eines mickrigen Lokalnachrichtensenders. Der gehörnte Ehemann Bill dreht kurzzeitig durch, flüchtet aus seinem bürgerlichen Korsett, sammelt sich wieder, bekommt Unterstützung von einem aufgeweckten Schüler und findet zu sich selbst. So landen wir wieder beim Vorurteil "typisch amerikanisch". Dass in dieser DVD-Veröffentlichung nicht alles nach Schema-F abläuft und stattdessen manchmal das anstößige englische F-Wort ausgepackt wird, macht diese abwechslungsreiche und kurzweilige Komödie mit ein wenig Tiefgang und vielen Wahrheiten letztlich sehr erfrischend.

    MEET BILL schafft einen Spagat, ist einerseits ein sarkastischer Beitrag gegen das angepasst-spießige Leben (nicht nur amerikanischer) Vorortsiedlungen, ist ein kritischer Kommentar auf die Finanzwelt und die Geschäftskonzepte kurzlebige Franchise-Unternehmen. Auf der anderen Seite ist der Film genau das Gegenteil, nämlich ein stellenweise überdrehter Gag-Lieferant, der Slapstick-artige Konstellationen mit flockigen Popsongs beschert. Die Vermengung mutiert widererwartend nicht zu einem widersprüchlichen Gesamtwerk, sondern zu einer unbedenklichen wenn auch nicht uneingeschränkten Filmempfehlung. Abgesehen von vielen überzogenen Elementen, beweist das Regieteam Melisa Wallack und Bernie Goldmann Fingerspitzengefühl und leugnen das Comichafte ihrer Geschichte nicht, sondern kosten es aus. Denn würde man einerseits nur die humoristischen Elemente präsentieren, würde der Film durchschnittlicher als Bills Leben selbst wirken. Würde man die beinahe schon schmerzhaft realistischen Beobachtungen zur Verfettung des alternden Körpers (Eckhart hat sich hier offensichtlich nach klassischem 'Method Acting' einen ordentlichen Bauch antrainiert), oder die düstere Zeichnung der Institution Ehe völlig isoliert zeigen, wäre das wohl schwerlich vor dem Fernseher zu ertragen.

    Kurz gesagt: MEET BILL liefert gute Unterhaltung, da der Film ein ernsthaftes Thema bunt verpackt, weil unangepasst Kraftausdrücke in die Dialoge eingestreut sind, hier und da gar nicht politisch korrekt eine Tüte geraucht wird oder ein Silikonbusen auf seine haptischen Qualitäten geprüft wird. Auch wenn diese DVD mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren angeboten wird, ist sie dementsprechend allerdings nur bedingt familientauglich! Ist Ihr Interesse an Bills filmgewordenen Leben geweckt worden, sollten Sie sich auf der Video Buster Filmseite den Trailer anschauen, denn genau diesen Humor der zweieinhalb-Minuten-Vorschau werden Sie auf Spielfilmlänge zu sehen bekommen. Das Grinsen jedenfalls ist über die schnell herumgehenden 90 Minuten MEET BILL selbst bei den tragischsten Momenten selten vom Gesicht zu bekommen. Als Unterwäsche-Verkäuferin Lucy ist Jessica Alba in einer Kaffeehaus-Szene nicht nur wie gewohnt optisch, sondern auch darstellerisch ein Genuss. Elizabeth Banks spielt die überzeichnete US-Ehefrau plausibler als es Annette Bening es in AMERICAN BEAUTY vermochte und macht gespannt auf ihre Hauptrolle in Kevin Smith' angekündigter Kinokomödie ZACK AND MIRI MAKE A PORNO (2008). Zu Bill, Jess und Lucy - von allen erfahren wir lediglich die Vornamen - gesellen sich der Stirb-Langsam-4.0-Bösewicht Timothy Olyphant in der Rolle des schleimigen TV-Reporters und Todd Louiso, der bereits im wunderbaren Film HIGH FIDELITY (2001) neben John Cusack einen Nebenpart unvergesslich machte.

    Hauptdarsteller Aaron Eckhart, der am 12. März 1968 in Kalifornien geboren wurde, stand während der Produktion kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag und scheint schon biografisch ideal besetzt. Dazu ist er ein wahrlich überzeugender Darsteller, der sich vor allem durch seine mutigen Rollenentscheidungen auszeichnet: Wenn man sich schon seinen frühen Auftritt in der Anfangsepisode von THURSDAY - EIN MÖRDERISCHER TAG (1998) anschaut ... großes Kino. Am bemerkenswertesten vielleicht seine Hauptrolle im kanadischen IN THE COMPANY OF MEN (1997) von Autorenregisseur Neil LaBute, dessen Werk in Deutschland bis zur DVD-Premiere im Juli 2008 allzu lange unterschlagen wurde. Dort steht Chad im Mittelpunkt, ein typischer Angestellter, der stark an Bill erinnert. Chad ist im direkten Vergleich noch ein Stück radikaler, geht mit einem Bürokollegen eine Wette ein, um sich an der Frauenwelt zu rächen. Die Männer buhlen um die Gunst einer gehörlosen Sekretärin und geraten in eine unmoralische Spirale aus Lug und Trug, die Eckhart gnadenlos konsequent verkörpert. So wirkt sein Bill im zehn Jahre späteren Film beinahe wie eine gealterte Version des Chad, die im Laufe der Ehe- und Berufsjahre den gesamten Antrieb verloren hat.

    An Antrieb fehlt es MEET BILL zum Glück nicht, hier lernen wir Bill gleich in Großaufnahme vor einem Badezimmerspiegel kennen. In der Midlife-Krise betrachtet er seine Gesichtsfalten und zieht über seine kümmerliche Existenz und den unbefriedigenden Job her, wie es in konsequent selbstkritischen Monologen vielleicht noch ein Kevin Spacey in AMERICAN BEAUTY (1999) oder ein Edward Norton in 25 STUNDEN (2002) schafften. Zynismus ist die letzte Zuflucht eines von Mittelmäßigkeit geprägten Lebens. Das deutet schon das Startmenü der DVD an, wo sich Bill mit seinem blau-weiß gestreiften Oberhemd in der ebenso gemusterten Tapete verliert. Schließlich hatte dieses Bild schon Zach Braff in seinem Spielfilm-Regiedebüt GARDEN STATE (USA 2004) verwendet, als er in einem Anflug von Selbstaufgabe im Hintergrund zu verschwinden scheint.

    Die Ausstattung der DVD übrigens wirkt etwas antiquiert, denn dort gibt es außer der lediglich deutschen und englischen Tonspur (zumindest beide in Dolby Digital 5.1.) zusammen mit einer einzigen Untertiteloption (deutsch) noch die "Biographien/Filmographien" der fünf Hauptdarsteller: als Texttafeln. Das besitzt schon fast Retro-Charme. Die "entfallenen Szenen" wiederum sind ein Musterbeispiel dafür, dass fähige Cutter im Filmprozess beteiligt waren. Mag sein, dass es an der fehlenden Abmischung und Musikuntermalung liegt, aber diese Ausschnitte funktionieren in der Tat überhaupt nicht. Sie machen deutlich, dass der Hauptfilm wirklich die Klasse besitzt, vermeidlich klischeebehaftete Situationen mit überzeugendem Timing zu präsentieren. MEET BILL erhält so gesehen eine zusätzliche Aufwertung. Ob der Sponsor der Polohemden mit dem aufgenähten Krokodil Regressansprüche gestellt hat, weil deren zwei Product-Placements in diesen geschnittenen Passagen gelandet sind, ist nicht überliefert. Erstaunlich ist auf jeden Fall die Auflistung der Markennamen, bei denen sich die Produzenten am Ende des Abspanns bedanken. Zu Aaron Eckhart ist im Bonusmaterial zu allem Überfluss zu lesen (Zitat): "1997 wirkte er in dem Kurzfilm IN THE COMPANY OF MEN mit". Kurzfilm? Da möchte man den Herstellern das anfangs zitierte MEET BILL Zitat aus der (um Längen besseren) englischen Originalfassung zurufen: "Apologize!"
  • Oxford Murders
    Krimi
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 04.12.2008
    1, 1, 2, 3, 5, 8, 13 ... Mathematische Formeln plus Universität Oxford plus Alex de la Iglesia, das klingt wahrlich nicht nach der Definition einer allseits empfehlenswerten DVD-Erscheinung. Da muss man schon ausgeschlafen sein, wenn man den Ausführungen wie denen über die Fibonacci-Folge als einer unendlichen Folge von Zahlen, bei der sich die jeweils folgende Zahl durch Addition der beiden vorherigen Zahlen ergibt, auch wirklich folgen will. Warum man der Logik nicht folgen muss, warum nichts vorausberechnet werden kann und manches gegen Ende der OXFORD MURDERS und auch in Bezug auf die Vorurteile des Zuschauers anders verläuft als erwartet, dafür ist ein Mann verantwortlich: Regisseur Alex de la Iglesia. Der Spanier - geboren 1965 in Bilbao - blieb mir früh in Erinnerung mit seinem AKTION MUTANTE (1993). So etwas Skurriles ist selten im filmischen Bildgedächtnis hängen geblieben; lesen Sie sich die Inhaltsangabe zu diesem Titel bei Video Buster durch und Sie werden nachvollziehen können, was ich meine. Seine Nachfolgeprojekte wie EL DIA DE LA BESTIA (1995) und PERDITA DURANGO (1997) fügten sich nahtlos in dieses Kabinett von filmischen Abstrusitäten ein. Schon voraus zu ahnen, dass es 2004 mit EIN FERPEKTES VERBRECHEN (kein Schreibfehler) keinen Schritt weiter auf das Mainstream-Publikum zuging.

    Ausgerechnet habe ich mir also unvoreingenommen einen spannenden Filmabend mit den OXFORD MURDERS (2008), die Rechnung ging trotz mehrerer Unbekannter tatsächlich auf. Die Besetzung provoziert vielerlei Kommentare, doch ist sie zumindest eines: überraschend. Nur bei der zentralen Figur des Professors Arthur Seldom wollte Regisseur de la Iglesia kein Risiko eingehen, und so konnte er Altstar John Hurt engagieren. Hört, hört: John Hurt. Der Mann, dem im Science-Fiction-Meilenstein ALIEN (1979, Regie: Ridley Scott) das titelgebende außerirdische Leben aus dem Bauch schlüpfte. In über einhundert Kinofilmen hat der gebürtige Engländer inzwischen sein schauspielerisches Können gezeigt und so hilft seine zuverlässige Darstellung auch den OXFORD MURDERS. Eine Unbekannte weniger in der Rechnung. Glaubhaftigkeit der Darsteller ist ein wichtiger Faktor zum erzielten filmischen Ergebnis, denn das Konstrukt der Story ist zugegebenermaßen hanebüchen. Es ist eine dieser Kriminalgeschichten, die an die (guten) alten Zeiten eines Sherlock Holmes oder zumindest einer Miss Marple anknüpfen wollen, ja der Protagonist wird im Verlauf von einer Geliebten sogar liebevoll "Sherlock" genannt.

    Ausgerechnet haben sich die zahlreichen Produktions- und Verleihfirmen, ein Konglomerat mehrerer europäischer Geldgeber, dass eine Summe - berechnet aus Versatzstücken der Vergangenheit und einem logisch erschließbaren Muster - für eine Mordserie gleich ein filmisches Größeres ergibt. Weltkriegsbilder dienen als Eröffnung, Museumsstücke erscheinen im Bild, schwere Kunstbände aus der Unibibliothek oder der ortsansässigen Bücherei werden gewälzt. Mit angeblichen Fakten soll ein fiktiver Thriller mystifiziert werden. Dabei geht es nicht um DAS VERMÄCHTNIS DER TEMPELRITTER (2004) oder DES GEHEIMEN BUCHES (2007), auch soll nicht der DA VINCI CODE (2006) entschlüsselt werden. Hier sind die Zutaten überschaubarer und weniger auf Action-Sequenzen angelegt. Es wird stattdessen mehr Wert gelegt auf Großaufnahmen der Gesichter statt auf Großszenarien. Ob es an der guten Auflösung des präsentierten Bildmaterials oder der Präsenz der Schauspieler liegt: Die Figuren wirken sehr intensiv, obwohl ihre Reaktionen - vor allem auf das andere Geschlecht - nicht immer (logisch) nachvollziehbar bleiben.

    Ausgerechnet Elijah Wood, das war ein Kritikpunkt im Vorfeld. Wood, der seine Hobbit-Verkörperung in Neuseeland nicht mehr los zu werden scheint. Dabei hatte er doch in ALLES IST ERLEUCHTET (2005) eine überzeugende Hauptrolle schultern können, war im gleichen Jahr in SIN CITY genial besetzt und zeigte sich in seiner Rollenwahl wie in HOOLIGANS (2005) außerordentlich mutig. In OXFORD MURDERS jedenfalls wirkt er solide, lässt mit seiner wenig trainierten Physis den Mathematikstudenten angenehm glaubhaft erscheinen. Ob es ebenso glaubhaft ist, dass seine Schauspielpartnerinnen Julie Cox (als musikalische Beth) und Leonor Watling (als sinnliche Lorna) ihre Lust kaum zügeln können? Die Lust, der Filmhandlung zu folgen jedenfalls, lässt beim Zuschauen nicht nach. Alex de la Inglesia zeigt sein Können mit sorgfältig nacheinander inszenierten Handlungsabschnitten. Manchmal springt die Chronologie, wie vor und nach dem Titelvorspann (die Vorlesung des Professors), und verleiht dem Gezeigten die nötige Tiefe. Beeindruckend ist eine Plansequenz nach etwa einem Drittel des Films, in der sich die Wege der Personen auf der Straße wie zufällig kreuzen. Trotz einiger digitaler Trickblenden gleiten die technischen Raffinessen niemals ab und werden im Gegensatz zu manch Hollywood-typischen Kameraspielereien sinnvoll eingesetzt. Lange Rede: Was sollte man an OXFORD MURDERS auszusetzen haben? Dass er ein wenig hölzern wirkt, in seiner traditionell angehauchten Umsetzung, dass einige Figuren leicht schablonenhaft wirken, das Drehbuch manchmal mehr will als die Grundidee hergibt? Diese Punkte sind in der Abschlussrechnung verzeihlich, denn der Film schafft einen merkwürdigen Spagat zwischen traditioneller Krimigeschichte und einzigartigen oder zumindest eigenartigen Elementen. Ob es an der vorgerückten Stunde lang? Die Laufzeit über 107 Minuten kam beim Anschauen gefühlt sogar länger vor. Selten ein gutes Zeichen, aber hier mag es der Ansammlung an Szeneneinfällen und Handlungswendungen zugute gehalten werden. Mit den Charakteren jedenfalls hat man sich fast zwei Stunden gut in das Oxford der 90er Jahre eingelebt und hat ihre anregenden Geschichten um mathematische Rätsel und historische Kriminalfälle auch recht gespannt miterlebt. Die Chemie zwischen dem Amerikaner Wood, der Britin Cox und der Spanierin Watling zumindest sollte ein gewisses Interesse wecken. Dass als Sport einmal Squash im Film präsentiert wird, ist bezeichnend: Zwar hat man schon des Öfteren gesehen, dass sich attraktive Filmfiguren im sportlichen Wettkampf näher kommen, aber im Squash-Court erzeugt das eine ungewohnte Sehgewohnheit. Nebensächlichkeiten zwar, die Alex de la Iglesias Werk jedoch über den Durchschnittsthriller heben und unterm Strich einen unberechenbaren Filmabend bescheren. Darauf können Sie zählen.

    Zur Vertiefung des Erzählseitenstranges um die berühmte Chiffriermaschine sei aus dem Video Buster Filmarchiv der Michael Apted Film ENIGMA - DAS GEHEIMNIS (2001) mit Kate Winslet empfohlen. Sollte bei dem ein oder anderen im Anschluss an die OXFORD MURDERS der gedankliche Stein ins Rollen gebracht worden sein, dass sich eventuell doch die gesamte Welt um uns herum durch Zahlen berechnen lässt, der könnte sich zunächst mit Ron Howards Oscar-gekröntem A BEAUTIFUL MIND - GENIE UND WAHNSINN (2001) warmdenken, um dann mit Darren Aronofskys PI - SYSTEM IM CHAOS (1997) vollends den mathematischen Verstand zu verlieren.
  • Akte X 2 - Jenseits der Wahrheit
    Um die Wahrheit zu finden, musst du glauben.
    Thriller, Science-Fiction
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 28.11.2008
    Gezittert habe ich beim Einlegen der DVD, nicht nur wegen der rapide sinkenden Außentemperaturen zum Heimkinostart des zweiten AKTE X Kinofilms Ende November 2008, sondern auch, weil ich einem Wiedersehen mit meinen Lieblingen Mulder und Scully sorgenvoll entgegen sah. Die eisige Kälte setzt sich für die nächsten 100 Minuten fort, umhüllt das Geschehen von AXTE X – JENSEITS DER WAHRHEIT in stetiges Schneegestöber, denn gedreht wurde wie "damals" zu Serienzeiten an kanadischen Schauplätzen wie der Provinz British Columbia.

    Vieles wird in der zweiten AXTE X Leinwandadaption hier und da aus dem ursprünglichen Konzept aufgegriffen, ein Blick auf die Bleistifte beispielsweise, die immer noch oder besser gesagt schon wieder über Fox Mulders Schreibtisch in der Decke stecken. Dieser beige Kamelhaarmantel, den Scully trägt, erinnert an die frühen Staffeln, in denen sie stets korrekt aber zugleich sehr puritanisch gekleidet war. Mulder hingegen kann erst mal den Rebellen raushängen lassen, mediale Querverweise geben ("What’s up, Doc.") und leicht zotige Kommentare in die Runde werfen. Unrasiert und im Bundeswehrparka, versteht sich. Immer noch ein Schelm wie eh und je. Immer noch im Stillen auf der Suche nach seiner Schwester Samantha, auch wenn er das gegenüber Scully nicht zugeben will. Sie aber spürt, dass er immer noch in den dunklen Geheimnissen ungeklärter Fälle schwelgt, während sie sich auf die medizinische Arbeit in einem Krankenhaus stürzt und Krankheiten statt mysteriöse Vorkommnisse bekämpfen will. Dieses bemühte Streben nach weltlichen Dingen will sie im Beruflichen erreichen, im Privaten und – hier kommt die mögliche Achillesferse dieses abendfüllenden Spielfilms – auch in Glaubensfragen.

    Was waren das für (Fernseh-)Zeiten, als die Mutter aller Mystery-Serien THE X-FILES von 1993 bis 2002 über die weltweiten Bildschirme flimmerte! So viele unerklärliche Fälle hatte seit dem TV-Klassiker THE TWILIGHT ZONE (1959-64) nicht mehr gegeben. Immerhin über neun Staffeln d.h. neun ganze Jahre hat das Konzept um die beiden FBI-Agenten Dana Scully (Gillian Anderson) und Fox Mulder (David Duchovny) funktioniert. Nun setzt sich das Franchise also fort: Mit einem Krimifall konstruiert aus Serienkiller-Motiven, Stammzellenforschung und Organhandel, das sich um Pädophile dreht, um Ex-Priester und Hellseher. Keine Sorge, hier wird nicht zu viel verraten, denn es sollen noch einige Handlungszutaten folgen. Das angenehme am TV-Format war doch, dass sich manche Folgen mit einem einzelnen Schwerpunkt befassten, wir erinnern uns an das Werwolf-Thema, die Zirkus-Freaks, die Hinterwäldler-Familie. Andere Folgen wiederum hatten religiöse Inhalte, gerade in der Vorweihnachtszeit oder nach schweren Schicksalsschlägen und brachten tiefere Einblicke in die Charaktere. Dazwischen wurde immer der rote Faden weitergesponnen, der sich durch das Gesamtkonzept zog, die große Verschwörungstheorie oder die mögliche Existenz von außerirdischem Leben. Da den Fans ziemlich viele Kuriositäten über die Jahre präsentiert wurden, kann heute zumindest keine hervorgezauberte Wendung mehr schockieren (anders als beim Auftreten solcher Phänomene in INDIANA JONES UND DAS KÖNIGREICH DES KRISTALLSCHÄDELS). Es stellt sich das Gefühl beim Betrachter ein, dass sich die ans Herz gewachsenen Protagonisten, dazu die sauber aber ein wenig zu bedeutungsschwanger inszenierten Bilder, der modernisierte Musikteppich von Mark Snow, die Hetzjagden gegen die Uhr (als ginge es wie bei einem Jack Bauer um ein 24 Stunden Limit) zu einem einzigen filmgewordenen Fiebertraum vermischt haben. Auch wenn es abgedroschen klingen mag, hier passt der Spruch: Weniger ist manchmal mehr.

    X-FILES Erfinder, Drehbuchautor und Produzent ist der Kalifornier Chris Carter, der mit Hilfe des Studios 20th Century Fox eine der erfolgreichsten TV-Serien von gestern (und heute) erschaffen hat. Seit der Premierenfolge wurden alle Episoden rund um Vancouver/Kanada gedreht, ab der sechsten Staffel auch in Los Angeles. Als Nebenparts in der Serie, genauer gesagt in den Staffeln 8 und 9, konnten Annabeth Gish und Robert Patrick (der T-1000 aus TERMINATOR 2) gewonnen werden. Vergleichsweise unbekanntere Namen, die jedoch schauspielerisch dem ursprünglichen Ermittlungspaar Anderson und Duchovny ohne weiteres das Wasser reichen konnten. Für das vorliegende zweite AKTE X Leinwandabenteuer konnte man ebenfalls ein Zweierteam zur Seite stellen: Amanda Peet und Xzibit. Richtig, das Mädel neben Ashton Kutcher in SO WAS WIE LIEBE (2005) und der Rapper aus der MTV Tuning-Sendung. "Pimp my X-Files" sozusagen. Kann sein, dass es an diesen hippen Filmpartnern liegt, aber irgendwie wirken Mulder und Scully wie Abziehbilder ihrer selbst. Fast schon wie in ihrem Auftritt als Zeichentrick-Figuren in DIE DUNKLEN GEHEIMNISSE DER SPIMSONS (1997, ebenfalls bei Video Buster entleihbar). Aus dem Originaltitel "The X-Files: I Want to Believe" wird im deutschen Vertrieb ein spektakuläres "Akte X - Jenseits der Wahrheit". Dabei ist doch "I Want to Believe" einer der Leitsätze aus Fox Mulders Leben, der immer auf einem UFO-Poster in seinem Büro zu lesen war. Na zumindest hängt das Poster im Jahr 2008 noch in seinem Arbeitszimmer. Ein Hoffnungsschimmer, aber ein Schimmer ist eben kein Leuchten und so bleibt das verworrene Drehbuch selbst das größte Mysterium. Ein wenig Freude bereiten die kleinen Dinge: Achten Sie beim Anschauen darauf, ob der Buchstabe X tatsächlich als letztes im 20th Century Fox Vorspann ausgeblendet wird, auf das Ertönen der berühmten Akte-X-Melodie beim Anblick eines US-Präsidenten-Fotos und auf die (vorerst aber sicherlich nicht) letzte Einstellung von Mulder und Scully NACH dem Filmabspann. Arbeiten Sie sich noch einmal durch die "unheimlichen Fälle des FBI" ab 1992, durch die drei Staffeln der ebenfalls von Chris Carter geschriebenen, sehr düsteren TV-Serie MILLENNIUM mit Lance Henriksen, durch AKTE X – DER FILM von 1998. Video Buster wünscht allen Akte-X-Ermittlern viel Vergnügen und vergessen Sie nie: Die Wahrheit ist irgendwo da draußen...