Für eine optimale Funktionalität und optische Darstellung aktivieren Sie bitte JavaScript.

Kritiken von "VideobusterRedaktion" aus

293 Kritiken in dieser Liste

Darstellung:
  • Love Happens
    Es passiert, wenn du es am wenigsten erwartest...
    Drama, Lovestory
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 26.03.2010
    "Manchmal schenkt Ihnen das Leben trotz allergrößter Bemühungen Zitronen. Wenn das geschieht, haben Sie zwei Möglichkeiten, mein Freund. Sie können ein saures Gesicht ziehen, oder Sie machen sich Limonade." Diese Weisheit erklingt in der Einleitung zu LOVE HAPPENS (USA/Kanada/Großbritannien 2009). Es ist auch der erste Satz in einem Lebensratgeber, einem Bestseller des Protagonisten Burke Ryan (Aaron Eckhart). Burke ist nicht nur erfolgreicher Autor, er vermittelt seine Weisheiten auch in Wochenendseminaren, in denen Teilnehmer nicht wie im Fall von Jim Carreys Komödie zu JA-SAGERN gemacht werden sollen. Trauerbewältigung ist hier das erklärte Ziel. Burke weiß zumindest zur Hälfte dieses Wortes, wovon er spricht. Mit Trauer beschäftigt er sich seit dem Autounfalltod seiner Frau tagein tagaus. Die Bewältigung hingegen predigt er zwar, scheint sie aber noch nicht gefunden zu haben. Dafür findet er in der Floristin Eloise (Jennifer Aniston) neue Hoffnung auf Liebe. Ob das gesteckte Veranstaltungsziel für die Teilnehmer und Burkes Hoffnung auf Zweisamkeit in Erfüllung geht?

    Als Leser dürften Sie an dieser Stelle weniger an Trauerbewältigung interessieren sein, als vielmehr an einer Antwort auf die Frage, ob LOVE HAPPENS die Liebe zum Film bestärkt, oder selbst ein Trauerfall ist. Um einen Vergleich zu bekommen, haben wir zunächst einen Blick auf Jennifer Anistons vorherigen Liebesfilm geworfen, der im Dezember 2009 ins Programm kam: MANAGEMENT (2008). Eine einfache Geschichte: Mike (Steve Zahn) arbeitet im Motel seiner Eltern, in der Kleinstadt Kingman/Arizona. Dort trifft er auf die Geschäftsreisende Sue (Jennifer Aniston). Er ist fasziniert, sie ist amüsiert. Sie gibt ein wenig klein bei, er ist Hals über Kopf verliebt. "Die Liebe ist eine Baustelle" lautet der deutsche Untertitel zur DVD und Blu-ray Erscheinung. Den bisherigen Kritiken unserer Mitglieder nach hat es jedoch eher den Anschein, als sein der ganze Film eine einzige Baustelle. Von einer Empfehlung für "Leute mit Schlafstörungen" und von "Fremdschämen" wird dort berichtet. Wir erinnern uns an unsere eigene Kritik zum Film (500) DAYS OF SUMMER, wo Summer (Zooey Deschanel) den Musiker Ringo Starr gerade deshalb als liebsten unter den 'Beatles' nennt, weil niemand anders so denkt. So ähnlich ging es uns mit MANAGEMENT, der uns als 'Rom-Com', als romantische Komödie, mit seiner naiven Hauptfigur und vor allem mit seiner naiven Machart fast schon leid tat. Ein bisschen charmant fanden wir die Konfrontation zwischen dem tollpatschig wirkenden Steve Zahn und der selbstgefällig anmutenden Jennifer Aniston, deren Rollen ihnen wie auf den Leib geschrieben scheinen. Man könnte meinen, dass man hoffnungslos romantisch sein müsste, um MANAGEMENT lieben zu können. Womöglich ist das Filmresultat aber auch einfach nur hoffnungslos. Trotzdem irgendwie süß. Aber "sweet just doesn't cut it" sagt Aniston als Vertreterin Sue. Süß reicht eben nicht aus.

    Eine Vorschau in der DVD-Trailershow liefert die Überleitung: MEET BILL (2007) mit Aaron Eckhart wird dort vorgestellt. Ein ebenfalls durchwachsenes Portrait eines Geschäftsmannes in der 'Midlife Crisis', das uns damals gut gefiel, ausbalanciert zwischen Satire und einem mitfühlend dargestellten Charakter namens Bill. Jetzt folgt die Kombination: Jennifer Aniston trifft auf Aaron Eckhart. Die Fanfare von 'Universal Pictures' wird Ihnen nach Einlegen der LOVE HAPPENS Disc entgegenschallen. Das macht Hoffnung auf ein anderes, souveräner produziertes Filmkaliber... Ein filmwissenschaftliches Buch von Gertrude Koch trägt den Titel: "Die Einstellung ist die Einstellung". Wenn dem so sein sollte, beschreiben wir Ihnen hier eine einzige Einstellung: Jennifer Aniston kniet mit Wollmütze und Schal im Vorgarten, von einem simplen Romantik-Soundtrack begleitet pflanzt sie etwas ein, während die Kamera sie durch Blütenblätter hindurch beobachtet. Wie kann der Erstlingsfilm von Regisseur Brandon Camp - der zuvor am Drehbuch zu Kevin Costners IM ZEICHEN DER LIBELLE (2002) mitwirkte - diesen Rückfall in tiefste Filmklischees im Laufe der rund 100 Minuten Laufzeit wieder aufholen? Sicherlich nicht mit den 'Sidekicks', den lustigen Kompagnons, die den Hauptdarstellern mit Dan Fogler (als Burkes Manager Lane) und Judy Greer (als Blumenverkäuferin Marty) zur Seite gestellt werden. Im Gegenteil.

    Wir möchten vor dem 'Schlussplädoyer' noch einmal ganz objektiv ausholen, mit einem weiteren medialen Vergleich: Kürzlich wurde dem Sternekoch Christian Rach von einem Berufskollegen vorgeworfen, sein TV-Konzept sei furchtbar primitiv: scheiternden Menschen aus der Patsche zu helfen und ihnen eben nicht völlig selbstlos (da öffentlich) beizustehen. So ähnlich empfinden wir LOVE HAPPENS, der sich weniger mit den Figuren, als vielmehr mit der Wirkung beschäftigt. Schmerzlich deutlich wird uns das bei einer weiteren Szene in einem Baumarkt - diejenigen, die den Film bereits geliehen haben, werden sich bestimmt lebhaft erinnern. In dieser Form, in typisch US-amerikanischen Einstellungen, der eins-zu-eins-begleitenden musikalischen Untermalung und karikaturistischen Personen darf man Filmcharakteren nicht über die Trauer hinweghelfen. Vollkommen überzeichnet, Eckhart nennt es in einem Interviewausschnitt der DVD "metaphorisch".

    Unvoreingenommen liegt uns jeder Film am Herzen - es ist schließlich ein Film. Aber wir müssen auch authentisch und glaubhaft bleiben und sagen Ihnen daher (wie in Jennifer Anistons Einstellung durch die Blume): Selbst wenn man aus Zitronen Limonade machen kann, so kann diese verdammt klebrig sein. Jedes Bild ein Klischee: einsam im Bus sitzend, die Hand vor den Mund halten beim Lesen einer erhaltenen Nachricht, das sich langsam steigernde Händeklatschen nach einer 'ergreifenden' Rede. Kleinigkeiten. Am Stück betrachtet aber wirklich nur für Hartgesottene. LOVE HAPPENS bekommt von uns einen minimalen Pluspunkt für die Darsteller, die - zumindest jeder für sich getrennt genommen - ihr Talent durchscheinen lassen. Ein weiterer Lichtblick sind die hier und da eingestreuten netten Popsongs von Künstlern wie 'Badly Drawn Boy', von den 'Eels' und 'The Postal Service'. Aus den restlichen im Film präsentierten Zitronen können wir wahrlich nicht mehr Limonade herauspressen. Anistons tröstender Satz aus der 72. Filmminute legt uns die Worte an den Regisseur in den Mund: "Darf ich dir was sagen? Und was ich jetzt sage, das sage ich in aller Bescheidenheit. Weil ich mir bewusst bin, dass mein Leben nichts als ein tagtäglicher Selbstversuch ist, mit echt miesen Ergebnissen. Aber… du hast es so richtig vermasselt. ("You really messed up.")

    Vielleicht gelingt es Ihnen in einer eigenen Kritik, in der Sie ein Herz für Außenseiter zeigen können, MANAGEMENT oder LOVE HAPPENS Rückendeckung zu liefern? Dann möchten wir Sie ermutigen, eine kurze Kritik auf einer der entsprechenden Filmseiten zu hinterlassen, indem sie auf den Button "Eigene Kritik schreiben / ändern" klicken! Sie haben noch kein Kennwort? Kostenlos anlegen, einloggen und ein paar subjektive Zeilen zu den Konstellationen Aniston+Zahn oder Aniston+Eckhart hinterlassen. Wir geben uns nach einer rekordverdächtigen Anzahl an Filmklischees ermattet geschlagen.
  • Whiteout
    Thriller, Abenteuer
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 24.03.2010
    Antarktis. Der kälteste und einsamste Platz auf unserem Planeten. Hier fällt das Thermometer ins Bodenlose und die Windstärken machen vor nichts halt. Ein Ort, den U.S. Marshall Carrie Stetko (Kate Beckinsale) nach ihrer Stationierung sicher nicht vermissen wird - wenn sie denn bis dahin überlebt! Inmitten der Eiswüste wurde nämlich ein Leichnam entdeckt, der erste Fund, der eine Kette von mysteriösen Vorfällen nach sich zieht. Zusammen mit U.N. Spezialagent Robert Pryce (Gabriel Macht) legt sie ein langjähriges Geheimnis frei, das besser unter dem ewigen Eis konserviert geblieben wäre...

    Der Vorschautrailer verspricht Ihnen einiges, nicht nur eine Kate-Beckinsale-Duschszene, auch eine erdrückend-bedrohliche Atmosphäre inmitten einer ohnehin menschenfeindlichen Umgebung und lässt WHITEOUT (USA/Kanada/Frankreich 2009) an echte Klassiker wie DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT von Howard Hawks 1951 und 1982 von John Carpenter erinnern, an jüngere Titel wie THE LAST WINTER (2006) oder 30 DAYS OF NIGHT (2007). Ob der Warner-Filmstart WHITEOUT die Spannung dieser Vorgänger erreicht? Erfreulich wäre es, wenn es dem geneigten Filmfan nicht aufgrund der Klischees, sondern wegen der packenden Handlung eiskalt den Rücken herunter laufen würde. Ob nun das eine oder das andere beim Ansehen der 97 Minuten auf DVD oder wahlweise Blu-ray überwiegt?

    Wir haben uns für Sie vor dem Erscheinungstermin am 26.03.2010 in die WHITEOUT Kälte begeben und berichten Ihnen, ob man sich für diesen Verleihtitel erwärmen kann. Natürlich sollte jeder Film als solcher genossen werden, aber wir möchten diesmal einen direkten Vergleich haben. Man kann beim Schreiben bekanntlich niemals objektiv sein, aber eine Gegenüberstellung mit einem anderen Film dieser Art erscheint fair. Einige Filmtitel sind schon genannt, THE LAST WINTER diente uns einen Tag vor dem Schreiben dieser Zeilen als Vorfilm zu WHITEOUT. Wenn Sie dieser Thriller nicht interessiert, überspringen Sie den nächsten Absatz.

    In Alaska befindet sich ein Stützpunkt von Wissenschaftlern, die Wettermessungen vornehmen. Furchtbar trostlose, weiße Stillleben, die nur mit eisigem Wind vertont sind. Eine einzelne wohltuende Szene, in der die Kamera zu Nina Simones Song 'My baby just cares for me' an den Kabinen der Stationierten vorbeifährt. Ansonsten gruselige Stimmung, Unberechenbarkeit, undurchschaubar wie die nächtliche Dunkelheit hinter den tanzenden Schneeflocken. Wetterschwankungen werden zur Bedrohung für Leib und Seele. Unsicher fühlt man sich mit den kundigen Forschern der nicht greifbaren Gefahr ausgesetzt. Ein Tagebucheintrag: "There is no way home", es gibt kein Zurück. Die Bedrohung spielt nicht nur Psychospielchen mit den Personen IM Ferseher. Wenn Sie sich Mitgliederkritiken zu THE LAST WINTER anschauen, werden sie gemischte Bewertungen finden. Manch einen wird die Mystery-Komponente, das beinahe esoterische Böse enttäuscht und womöglich genervt zurücklassen. Die Elemente eines 'Thrillers' werden trotzdem gekonnt ausgespielt. Der nun folgende Film wird ebenfalls viel Schnee präsentieren, mindestens ebenso explizite Darstellungen von Opfern, doch werden Mystery- von Krimi-Elementen verdrängt werden.

    Der nächste Bitte: WHITEOUT. Tatsächlich geht es nahtlos weiter mit dem mysteriösen, grünlich-schimmernden Wetterleuchten. "Antarktika, the coldest, most isolated land mass on the planet" ist als Einblendung zu Filmbeginn zu lesen. Die Antarktis, das kälteste und abgelegendste Stückchen Erde auf unserem Planeten, das ist der Schauplatz. Klingt bedrohlich? Mit der begleitenden musikalischen Untermalung wirkt die Szenerie leider gar nicht mehr so einsam und verlassen, eher wie die majestätische Landschaft in einer Naturdokumentation. Schade.

    Kaum bekommt man die 'Heldin' Carrie zu Gesicht - nachdem ihre Rückansicht mit einer längeren Kamerafahrt durch Gänge einer Forschungsstation begleitet wurde - schon wird eben dieser Rücken zuerst von der Polarkleidung befreit und schließlich von der weißen Sportunterwäsche. Zu Gitarrenklängen räkelt sich die Gesetzeshüterin in einer dampfenden Duschkabine. Wenn man als Zuschauer nicht gerade mit befreundeten Männern vor dem Fernseher sitzen sollte und daraufhin los grölt, wird diese Szene ein erstes Fragezeichen im Gesicht hinterlassen, das sich nach vielleicht gerade einmal zehn Minuten in Sorgenfalten legt. Doch dann erscheint Schauspieler Tom Skerritt, schön ihn wiederzusehen! Es folgen einigermaßen trashige Dialogfetzen, 'Pulp' Fiktion wie aus einem Groschenroman, der Comicvorlage geschuldet? Aber alles in edle Filmbilder gehüllt! Merkwürdige Rückblenden erscheinen? Diese werden jedoch von einer fesselnden Action-Sequenz abgelöst! Man ist wirklich hin und her gerissen. Offensichtlich ist dies wieder eine Veröffentlichung, die nur gut unterhält, wenn man sie für das akzeptiert, was sie ist - und wenn das Fernsehzimmer vollkommen abgedunkelt und der Ton ordentlich aufgedreht ist.

    Ein auffallendes Manko: Die Einsamkeit inmitten der verwaisten und vereisten Landschaft wird nicht zur Bedrohung (siehe THE LAST WINTER), wohl aber die Einsamkeit der Protagonistin auf dem Forschungsgelände. Wie bei enttäuschenden Vertretern der Slasherfilm-Gattung läuft WHITEOUT Gefahr, sein Publikum mit Szenen zu nerven, in denen sich unsere weibliche Bezugsperson trotz einer großen, gerne auch mal feiernden Camp-Mannschaft ständig alleine in dunkle Räume begibt. Ein "Vorsicht, hinter dir!" Kasperle-Theater. Logikfragen, warum sie erst das Licht einschalten muss, um einen Ermittler bei seinen offiziellen Nachforschungen in einem Raum aufzuschrecken?" Solche Dinge reißen leider aus der schubweise immer wieder aufgebauten Atmosphäre.

    Als die Video Buster Redaktion diesen Filmtitel für das Programm vorbereitete, war es noch ein Kinovorschautitel. Die Pressebilder vermittelten vorab eine viel hoffnungslosere Grundstimmung in der Antarktis. Letztlich hat der Film in Deutschland (etwas unpassend zur Wetterlage) zum Frühlingsbeginn 2010 ohne Umweg den Sprung in die Heimkinos gemacht. Ursprünglich, als die Filmrechte noch zwischen 'Columbia Pictures' und 'Universal Studios' verschoben wurden, war eine blonde Hauptdarstellerin eingeplant: Reese Witherspoon. Nun also doch: Fräulein Beckinsales Gespür für Schnee. Zwei merkwürdige entfallene Szenen sind ebenfalls im Bonusmaterial der erschienenen Veröffentlichung enthalten. Eine gute Entscheidung, sie uns nur dort zu zeigen.

    Regisseur Dominic Sena hat in der Vergangenheit bereits ein Händchen mit durchgestylten Blockbustern bewiesen. Der Hang zu etwas zu selbstverliebten Bildern hängt ihm bestimmt durch den früheren Job als Videoclip-Filmer nach. Für Musikgrößen wie Janet Jackson und Sting drehte er Anfang der 90er Musikvideos. Es folgten Spielfilme wie KALIFORNIA (1993), NUR NOCH 60 SEKUNDEN (2000), PASSWORT: SWORTFISH (2001) und der momentan aktuellste SEASON OF THE WITCH (2010) mit Nicolas Cage. Manchmal fällt es nicht leicht, nachzuvollziehen, wo es bei einem Film wie WHITEOUT 'klemmt'. In diesem Fall muss man jedoch nur eins und eins zusammenzählen. Ein bildverliebter Dominic Sena bekommt finanzielle Rückendeckung von einem Produzenten namens Joel Silver, der des öfteren übermäßig protzt und über die Form den Inhalt vergisst, wie in THE REAPING (2007) mit Hilary Swank, INVASION (2007) mit Nicole Kidman und der Realverfilmung von SPEED RACER (2008). Mit WHITEOUT ging die finanzielle Rechnung nicht auf: 35 Millionen Dollar Budget investierte Silvers Firma 'Dark Castle Entertainment', dagegen stehen jetzt 10 Millionen Einspielergebnis in den USA und 2 Millionen international.

    Ihnen ist ein kurzes Fazit lieber als eine weit ausholende Filmbesprechung? Bitte schön: WHITEOUT ist ein einfacher Antarktis-Krimi-Thriller, spannend, harmlos und passend zu den weißen Außenaufnahmen wortwörtlich farblos. Spannungsaufbau scheint überhaupt das Wichtigste, eine nicht allzu komplexe Geschichte, dazu eine Handvoll Charaktere mit minimalem Tiefgang genügen. Wirklich? Eine Schlussbilanz: B-Movie Handung + A-Movie Bilder = O.K. zum Entleihen. Wohl eher nicht zum Kaufen für die heimische Filmsammlung. Wir haben im Anschluss mehr Lust auf das Comicbuch von Greg Rucka und Steve Lieber bekommen, das bereits vor gut zehn Jahren erschienen ist. Obwohl auch dieser Band schon wie die vorliegende Kritik eine durchschnittliche Bewertung in Online-Besprechungen erhielt. Aber davon darf man sich bekanntlich genauso wenig abschrecken lassen wie von unseren bescheidenen 3 von 5 Bewertungssternen (die man übrigens an einer im Film gezeigten Hand abzählen kann). Mit WHITEOUT in verfilmter Form auf DVD oder Blu-ray wünschen wir allen Wagemutigen eine unterhaltsame Eis-Zeit.
  • (500) Days of Summer
    Es ist keine Liebesgeschichte. Es ist eine Geschichte über Liebe.
    Lovestory, Komödie, Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 10.03.2010
    Verkorkst. Das sind ihre Rollen. Und wir liefern sie Ihnen in drei Schwierigkeitsgraden: Zooey Deschanel. In drei Rollen ist die 1980 geborene Schauspielerin auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Bei einer einfacheren Suche, nach einem geeigneten Film, können wir Ihnen vielleicht ein wenig behilflich sein.

    "Dies ist eine Geschichte über einen Jungen und ein Mädchen. Aber ich möchte gleich am Anfang betonen, dass das keine Liebesgeschichte ist." So beginnt (500) DAYS OF SUMMER (USA 2009) und die Erzählerstimme aus dem Off hört sich an, als wären wir in einem Märchen gelandet. Das einzige, was die nachfolgende Geschichte allerdings mit einem Märchen gemein hat, ist der nicht gerade zimperliche Umgang mit seinen Figuren. Der Junge, Tom (Joseph Gordon-Levitt), ist als ehemaliger Architekturstudent unglücklich in seinem Autorenjob einer Grußkarten-Schmiede. Das Mädchen, die im Filmtitel erwähnte Summer (Zooey Deschanel), zieht für eine Anstellung in eben diesem Büro von Michigan nach Los Angeles. Sie scheint weniger unglücklich, zu Toms Enttäuschung allerdings unnahbar. Und da er sich einredet, nur glücklich sein zu können, wenn er das Mädchen seiner Träume bekommt, ist er wieder unglücklich. Wie Tom zu dieser Lebenseinstellung kam, wird prompt erklärt: "Dieser Glaube entsprang einem frühen Hang zu trauriger britischer Popmusik und einer völligen Fehlinterpretation des Films DIE REIFEPRÜFUNG."

    "(1)". So fängt der erste Tag der (500) DAYS OF SUMMER an und alle Tage, so wie dieser 8. Januar und der nächste Tag (2) und der übernächste (3), werden die Tage wie Kapitel eingeteilt, ohne sich allerdings an eine Chronologie zu halten. Klingt ebenfalls etwas verkorkst, ist aber beim Ansehen erfrischend originell. Mit der Zeit werden Sie als Zuschauer sicherlich auch ohne diese Nummerierung schon deuten können, in welches Beziehungsstadium der Regisseur Marc Webb seine zwei Figuren Tom & Summer schickt. (Zum Glück fällt das Beziffern der Beziehung im 'wahren Leben' nicht ganz so leicht.)

    Voller Anspielungen und Zitate werden uns die (500) Tage erzählt, mit Verweisen auf Kinoklassiker, auf die Kunst- und Musikgeschichte. Ganz so, als hätte Marc Webb die im Grunde banale Kennenlern-Phase und anschließende Zweisamkeit mit den schönsten Fundstücken aus seinem jahrelang geführten Notizbuch geschmückt. Der Soundtrack ist mit Regina Spektor, The Smiths, Carla Bruni und vielen anderen Musikgenüssen in einer Mischung aus Wohlfühlliedern und Selbstmitleid-Songs prall gefüllt. Kurze Schwarz-Weiß-Nachinszenierungen von lang zurückliegenden Filmwerken à la Ingmar Bergman mischen sich unter die geradlinige Liebesgeschichte - die eben wie zitiert gar keine Liebesgeschichte sein will und die sich auch gegen eine geradlinige Erzählstruktur sträubt.

    Eine schöne Nicht-Liebesgeschichte für Twens und Thirtysomethings. Ein Film für diejenigen, die sich einreden, man könne allein doch glücklicher sein als zu zweit… oder doch nicht? Für diejenigen, die beim Wort 'Ehe' bereits an die Scheidung denken. Manchen Entleihern dieses Films könnte aufstoßen, dass der Protagonist Tom sich streckenweise in seinem trauernden Sinnieren über das Leben selbst gefällt. Währenddessen wird Summer nicht müde zu betonen, dass sie 'nichts Festes' will, im Grunde aber genau danach auf der Suche ist.

    Über die vielbeschworene 'Chemie' zwischen zwei Darstellern schreiben wir Ihnen an dieser Stelle nicht, aber das ständige Pendeln zwischen Anziehung und Abwehr ist im Zusammenspiel von Deschanel und Gordon-Levitt schon genial in Szene gesetzt. Alles ist ambivalent: Der Gang zu IKEA der Anfang eines wundervollen, beständigen Liebesnestes? Oder der Anfang vom Ende? Ein Liebessong von Patrick Swayze im Ohr, wenn man verliebt an 'sie' denkt, wird später zu einem nervigen Ohrwurm, den man doch eigentlich nicht mehr hören kann.

    Ein echtes Highlight bei (500) DAYS OF SUMMER ist die selten gelingende, hier sehr schöne deutsche Synchronisation. Es werden sogar ganz am Ende des Abspanns endlich einmal wieder die Sprecher namentlich genannt. Dazu unsere Lieblingsszene, in der rechts und links eine parallele Bildgegenüberstellung gezeigt wird, zwischen 'Expectations/Reality', zwischen erwartetem und tatsächlichem Hergang einer gesellschaftlichen Abendveranstaltung. Allein dafür würden wir den Film gerne gleich noch einmal anschauen. Die auf CD veröffentlichte Filmmusik werden wir uns persönlich aber nicht mehr anhören, weil sie für sich genommen viel sentimentaler und nachdenklicher macht, als der Film selbst. Eine kleinere Warnung vor dem Soundtrack, eine größere Empfehlung für die DVD.

    Wir müssen noch unser Versprechen aus dem ersten Absatz einlösen. Zooey Deschanel - Schwierigkeitsgrad 1: DER JA-JAGER (2008) an der Seite von Jim Carrey. Amüsant, nett und ein bisschen verkorkst. Deschanel - Level 2: (500) DAYS OF SUMMER neben Joseph Gordon-Levitt (der 2005 in BRICK übrigens eine noch beachtlichere Darstellung zeigte). Deschanel - Schwierigkeitsgrad 3: WINTER PASSING (2005) mit Ed Harris. Deschanel reist als Theaterbeschäftigte Reese Holden zu ihrem Vater und ehemaligen Schriftstellergenie nach Michigan, dem Ort, aus dem sie in (500) DAYS OF SUMMER stammt. Keine Vorgeschichte des vorliegenden Films, sondern wahrlich winterlich deprimierend. Dagegen ist '(500) Days' eine sommerliche Komödie.

    Und (3) Zitate möchten wir Ihnen noch an die Hand geben. (1) Eine Verwandte fragte den Schreiber dieser Zeilen nach einem Filmabend mit WINTER PASSING: "Laufen solche Filme im Kino?" Deuten Sie diese Frage, wie Sie möchten. Ziemlich ambivalent. (2) In den (500) DAYS OF SUMMER wird Henry Miller erwähnt: "Das beste Mittel, über ein Frau hinwegzukommen, ist, über sie zu schreiben." Vielleicht hilft Ihnen das nach dem Ausleihen dieses Films? Schreiben Sie eine eigene Kritik! (3) Das letzte Zitat gebührt Summer Finn / Zooey Deschanel, das in einem Filmladen nach Summers Verschwinden hinter einem Vorhang der Erotikabteilung zu hören ist: "Der sieht gut aus. Der hat gute Kritiken!" (dito)
  • Taking Woodstock
    Die Legende begann auf einer Kuhwiese.
    Komödie, Musik
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 05.03.2010
    Der fremde Blick: Der taiwanesische Regisseur Ang Lee bringt uns einen kleinen, aber bedeutenden Ausschnitt der US-amerikanischen Kulturgeschichte näher. Der aus einer Geburtsstätte der Flower Power Bewegung, aus San Francisco stammende Clint Eastwood präsentiert uns dagegen die Schlacht um Iwojima aus japanischer Sicht (LETTERS FROM IWO JIMA, 2006). Nur zwei Beispiele treten den Beweis an, dass die interkulturelle Sichtweise oftmals einen bislang unentdeckten, lohnenswerten Blick auf die Dinge geben kann. Verkehrte Weltsicht? Im Gegenteil. TAKING WOODSTOCK (USA 2009) die verkehrte Filmwahl? Auch nicht.

    Das verantwortliche Studio 'Focus Features' ist uns als Retter von abseitigen Filmperlen positiv in Erinnerung geblieben, mit DAN - MITTEN IM LEBEN (2007) , mit MILK (2008) oder AWAY WE GO (2009). Wenn Sie allein beim Lesen dieser Titel bereits innerlich abschalten, sollten Sie Ang Lees neues Werk TAKING WOODSTOCK gar nicht erst einschalten. Vor allem dürfen Sie keinen Rockfilm oder eine Festivaldokumentation erwarten. Das zeigt schon der Beginn: Flower ja. Power nein. Geradezu bescheiden wird 'an ANG LEE film' eingeblendet, mit einem beruhigenden Klangteppich unterlegt, auf einer sonnigen Blumenwiese. 'Play at own risk' steht beiläufig auf einem Holzschild des 'El Monaco' Motels, spielen auf eigene Gefahr. Beiläufig ist ein gutes Stichwort, denn das ist die große Stärke des Regisseurs Lee.

    Die Ereignisse vor den Tagen des Woodstock-Festivals, das vom 15. bis 17. August 1969 stattfand, werden in wunderschön ausgestatteten Filmbildern der späten 60er Jahre erzählt. Vertikale schwarze Balken trennen manche Szenen, so wie es Michael Wadleigh beim 'echten' legendären Woodstock-Konzertfilm (1970) tat, um einen Moment in zwei, drei, vier Einstellungen parallel festzuhalten. Wir haben die damaligen Ereignisse nicht miterlebt. Nicht einmal am Fernsehgerät, wo in TAKING WOODSTOCK - natürlich beiläufig - die Mondlandung in schwarz-weiß abläuft und zum Glück auf den geflügelten Ausdruck "...aber ein großer Schritt für die Menschheit" verzichtet wird. Keine Plattitüden. Dabei würde der Satz auf den Protagonisten Elliot (Demetri Martin) passen, der in der heimatlichen Kleinstadt gestrandet zu sein scheint, weil er seinen jüdischen Eltern mit dem maroden Motel unter die Arme greifen muss. Als den Veranstaltern des geplanten Musikfestivals kurzfristig die Genehmigung entzogen wird, hat Elliot mit einem kleinen Schritt - einer kleinen örtlichen Genehmigung - einen großen Trumpf in der Hand. Wer hätte zu dem Zeitpunkt ahnen können, wie hoch der Zuspruch auf die Einladung zur Kuhwiese wirklich werden würde?

    Den Zuspruch von uns erhält dieser Spielfilm vor allem durch die bemerkenswerten Darsteller: Allen voran das unverbrauchte Spielfilmgesicht des Stand-Up-Comedian Demetri Martin. Großartig ist die britische Schauspielerin Imelda Staunton, die seine Filmmutter spielt und die in Wirklichkeit, in Interviewausschnitten wie ein vollkommen anderer Mensch wirkt. Dazu Liev Schreiber, der als 'Sabertooth' in X-MEN: WOLVERINE 2009 die Muskeln spielen ließ und hier in einer ganz anderen Garderobe auftritt, in Pink, um nicht zu viel zu verraten. Noch mutiger ist die Entscheidung, auf Woodstock-Originalaufnahmen zu verzichten. Keine Bilder aus der Konserve, keine der geläufigen Rocksongs, stattdessen ein eigener Soundtrack von Starkomponist Danny Elfman. Das gibt dem Film eine lebendige Eigenständigkeit.

    Wir möchten Ihnen nicht länger in Worten übermitteln, was Ang Lee in Filmbildern vom über vierzig Jahre alten Kult übermittelt hat. Lee war nicht beim Festival dabei, wir nicht bei den Dreharbeiten. Das mitgelieferte Making-Of der DVD bietet uns Zuschauern mit der nacherzählten Handlung nur einen flüchtigen Blick über den Zaun und Ang Lee berichtet in der Zeitschrift 'Videotipp' (02/2010): "Ich war damals erst 14 und lebte in Taiwan. Das Fernsehen sendete einen kurzen Bericht. Ich staunte über so viele langhaarige Menschen." Wenn Sie das Thema des Films anspricht, vertrauen Sie bei dieser DVD-Veröffentlichung auf das Talent des Regisseurs. Ang Lee erzählt Ihnen mit dem anfangs erwähnten 'lohnenswerten Blick' das lange zurückliegende Phänomen gekonnt in eigenen Bildern. Und nebenbei erfährt man, wie man auch eine Ehe über die Zeitspanne von vierzig Jahren hinweg retten kann.

    Ein passendes Fazit gibt uns ein Dialog zwischen der Freundin eines Festival-Verantwortlichen und Elliot:"Und wie läuft dein Tag so?" Elliot: "Gut. Na ja, eigentlich nicht… die Familie, du weißt schon. Es ist belanglos verglichen mit dem, was ihr gerade durchmacht." Sie: "Vielleicht ist es das Wichtigste, was gerade im ganzen Universum geschieht. Man weiß es nicht!" Elliot: "Ich glaube belanglos trifft es eher. Aus dieser Perspektive gesehen."

    Zum Ende dieser Zeilen bleibt die Frage offen, ob Sie diesen Spielfilm nach dem Ausleihen als belanglos empfinden, oder die rund 120 Minuten Laufzeit als einen schönen Moment im Universum genießen konnten. Revolutionäre Anstöße aus Zeiten der Woodstock-Ära können solche Filme nicht leisten, in denen die schockierende Stumpfsinnigkeit der Kleinstädter à la EASY RIDER (wie das Festival von 1969) nicht mehr zu spüren ist. Den Kontrast zeigt eine Dokumentation wie HEAVY METAL VILLAGE (Deutschland 2006) plakativer. Doch das ist mit Sicherheit auch gar nicht das erklärte Ziel von Ang Lee, schließlich blickt er für uns in TAKING WOODSTOCK bewusst 'nur' über den Gartenzaun des Festivalgeländes. In einem DVD-Bonus nennen Lee und Drehbuchautor James Schamus ihr Ziel: Lebensfreude vermitteln, beflügeln, den Geist des Festivals nicht verlieren. Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal? Kein Problem mit dieser Film-Überraschung. Ang Lee räumt mit dem Mythos 'Woodstock' auf und blickt auf die Geschehnisse am Rande des Festivals. Einen Blick wert!
  • Die Frau des Zeitreisenden
    Lovestory, Fantasy
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 10.02.2010
    Keine Vorurteile vor dem Starten der DVD. Mit dieser Disc sind wir an Video Buster Kollegen vorbeigelaufen und die verzogen beim Anblick das Gesicht, wie es manche Frauen bei der Begegnung mit achtbeinigen Krabbeltieren tun. Dabei haben die einen den Film bei Veröffentlichung am 05.02.2010 noch gar nicht angesehen und die anderen haben sich nie überwunden, mal eine Spinne auf der Handfläche zu halten. Zugegeben, Spinnen machen es einem nicht leicht, ihnen mit ihrer Gestalt und den flinken Bewegungen innig zu begegnen - und Robert Schwentkes Film von 2009 eröffnet sich mit seinem kitschig-verklärten Poster/Cover/Disc-Motiv nicht umgehend einer männlichen Zielgruppe. Zumal der englische Titel THE TIME TRAVELER'S WIFE wie der deutsche DIE FRAU DES ZEITREISENDEN vorab das Gewicht auf die Frau und nicht den Zeitreisenden legt. Genug Zeit mit Grübeln verbracht, los geht die Reise in 103 Filmminuten. Play.

    Der sechsjährige Henry (Alex Ferris) sitzt auf dem Rücksitz, während seine Mutter Annette (Michelle Nolden) fährt. Gemeinsam singen sie 'Es ist ein Ros entsprungen', als wie aus dem Nichts… Gänsehaut stellt sich schon mit der ersten Szene ein und das Interesse ist geweckt, als der Junge plötzlich dem erwachsenen Henry (Eric Bana) gegenübersteht. Doch so wie Zeitreisende ihren Begegnungen nie etwas Zukünftiges berichten dürfen, damit der Lauf der Zeit nicht verändern wird, wollen auch wir Ihnen nichts über die weiteren Geschehnisse erzählen, um den vielleicht von Ihnen geplanten DVD oder Blu-ray Filmabend nicht zu beeinflussen.

    Im Leben haben wir eine Wahl: Sollten Sie Angst vor Spinnen haben, müssen Sie keine Konfrontationstherapie eingehen. Wenn Sie Romantik nicht ertragen, leihen Sie diesen Film nicht aus. Denn Sie können bei Nichtgefallen kaum zurück in der Zeit reisen und die zwei verbrachten Stunden im Fernsehzimmer zurückholen. Natürlich sollten Sie der Zeitreise-Idee gegenüber aufgeschlossen sein und sie nicht wissenschaftlich in Frage stellen, denn sie ist hier weniger Science-Fiction, mehr Fantasy. Der Stuttgarter Regisseur Schwentke (siehe TATTOO 2002 und FLIGHTPLAN 2005) und sein Kameramann Florian Ballhaus (Sohn des mehrfach Oscar(c)-nominierten Michael Ballhaus) zeigen in DIE FRAU DES ZEITREISENDEN viel handwerkliche Raffinesse und breiten eine liebevolle Geschichte in prächtigen, warm eingefärbten Bildern aus. Eine Parabel auf glücklich Verliebte, die in ihrer Beziehung das Gefühl haben, sie würden den Partner schon eine Ewigkeit kennen, die ihre Zweisamkeit leben und schätzen sollten, als könne sie morgen schon vorbei sein. Single-Zuschauer dürfen die Hoffnung auf eine solche alles überdauernde 'eine große Liebe' weiter hegen und Paare finden mit diesem Leihtitel ein ideales gemeinsames Programm, das ihnen eine dauerhafte Liebe vorführt, die sie hoffentlich auch erleben werden. Aber das kann schließlich nur eins zeigen: die Zeit.

    Männer, die mit Romanzen gar nichts anfangen können, haben die Wahl: Hauptdarsteller Eric Bana wacht auch in einem alternativen, Action-lastigeren Film orientierungslos und unbekleidet an scheinbar fremden Orten auf, als Bruce Banner in Ang Lees HULK (2008). Alle weniger Skeptischen sollten beherzt zugreifen und Eric Bana hier als Henry DeTamble mit Filmfrau Clare Abshire erleben. Clare wird von einer wieder einmal bezaubernden Rachel McAdams dargestellt, die ihre Herzenswärme noch mehr versprüht als in ihrer vorherigen Bestseller-Verfilmung WIE EIN EINZIGER TAG (2004, nach Nicholas Sparks). Gemeinsam zeigen sie als Clare und Henry eine erste erotische Begegnung, die uns mit ihrer Zurückhaltung des Mannes an Edward und Bella aus TWILIGHT (2008) erinnert, während die Begegnung zwischen Alt und Jung anfänglich dem SELTSAMEN FALL DES BENJAMIN BUTTON (2008) ähnelt. Zufall? Benjamin-Button-Darsteller Brad Pitt zeigt sich bei Schwentke als ausführender Produzent verantwortlich. Zufall? Auch jemand aus der Komödien-Zeitreise UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER (1993) taucht erneut auf: in der Rolle eines Forschers der ewige Nebendarsteller Stephen Tobolowsky.

    Dass es keine Zufälle im Filmgeschäft gibt, ist wohl ein Vorurteil. Vorurteilsfrei sollten Sie jetzt an DIE FRAU DES ZEITREISENDEN herangehen, denn wer nur ein romantisches Märchen erwartet und es abhakt, verpasst etwas. Die Autorin der Romanvorlage, Audrey Niffenegger (* 1963), ist übrigens wie ihre Hauptfigur Clare künstlerisch tätig, lehrte als Uniprofessorin in Chicago, einem der Schauplätze der Verfilmung. Das Making-Of der DVD berichtet in Interviews, wie Drehbuchschreiber Bruce Joel Rubin den 2003 erschienenen Nr.1-Bestseller und seine stolzen 543 Seiten (deutsche Ausgabe des Fischer-Verlags) in eine Filmstruktur übersetzen konnte und es fertigbringt, dass die Story auch für Filmfans ebenso unberechenbar wie die 'Krankheit' des Zeitreisenden bleibt und die Spielfilmversion statt nur romantisch zu sein, richtig packend ist. So thematisiert der Film letztlich nicht die Möglichkeiten, die man als Zeitreisender bekommt, sondern zeigt uns vor allem noch einmal die Möglichkeiten, die wir alle ohne das Zeitreisen haben. Vorurteilsfrei das Urteil: Ein zeitlos schöner Film.
  • Beim Leben meiner Schwester
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 06.02.2010
    Wenn nach dem Arbeitstag das Auto eingeschneit ist und ewig freigekämpft werden muss, freut man sich umso mehr auf einen (ent)spannenden Filmabend. Ein Drama über ein an Leukämie erkranktes Mädchen lässt eigene Alltagshürden ganz schnell dahin schmelzen. Kann uns der vorliegende Film unterhalten, soll er nachdenklich machen oder gar betroffen? Ja, all das und auf jeden Zuschauer wird er ein bisschen mehr so oder so wirken - aber er wirkt.

    Der Mann hinter der Kamera: Nick Cassavetes, der 1959 in New York geborene Sohne des Regie- und Schauspieler-Paares John Cassavetes und Gena Rowlands. Die Mutter übernahm in Nicks Regiedebüt EIN LICHT IN MEINEM HERZEN (1996) die Hauptrolle. Das Drehbuch für den Nachfolger ALLES AUS LIEBE (1997) schrieb der Vater, der jedoch zuvor 1989 verstarb. Uns hat Nick Cassavetes mit der Romanze WIE EIN EINZIGER TAG (2004) nach der Buchvorlage von Nicholas Sparks positiv überrascht, eine kitschige Liebesgeschichte mit einem schönen Filmpaar (Rachel McAdams und Ryan Gosling) und noch schöneren Filmbildern.

    Schöne Bilder eröffnen auch Nick Cassavetes neues Werk BEIM LEBEN MEINER SCHWESTER, mikroskopische Aufnahmen vom Anbeginn des Lebens, verschwommene Aufzeichnungen aus der Kindheit, die uns wie die anschließende Vorstellung einer glücklichen amerikanischen Familie im Eigenheit zunächst nur als Kulisse einer scheinbar heilen Welt präsentiert wird - denn die Tragödie folgt, soviel sei verraten.

    Der Einstieg voller harmonischer Bilder erinnert uns an Mark Romakes ONE HOUR PHOTO (USA 2002), in dem Robin Williams als Fotoentwickler Sy erzählt: "Meine Kunden denken darüber bestimmt nie nach, aber diese kleinen Schnappschüsse sind wie Bastionen gegen den Lauf der Zeit. Der Auslöser klickt, es blitzt, und sie haben die Zeit angehalten. Wenn auch nur für einen klitzekleinen Augenblick. Und wenn diese Bilder nachfolgenden Generationen irgendetwas mitzuteilen haben, dann das: Ich war hier. Mich hat es gegeben. Ich war jung. Ich war glücklich."

    Doch das Glück hält in diesem Fall nicht lang, denn die eine Tochter, Kate (Sofia Vassilieva), ist schwer erkrankt und ihre jüngere Schwester Anna (Abigail Breslin) erkennt, dass sie womöglich bewusst gezeugt wurde, um Kate als genetisch-identische Organspenderin zur Verfügung zu stehen. Unmoralisch? Gesetzeswidrig? Darüber wird die Familie erst am Essenstisch und schließlich vor Gericht streiten. Gut 100 Minuten lang wird man die Gelegenheit bekommen, über diesen Sachverhalt nachzudenken, über Leben, Tod und Familienwerte.

    Erstaunlich, dass das Stereotyp des 'Auf-die-Tränendrüse-drückens' zwar gerade in mit Songs untermalten Szenen (wunderbar: am Strand) unweigerlich zum Ziel führt, aber trotzdem nicht einfältig provoziert wird. Ein Balanceakt, der dem Regisseur Cassavetes bei seinem hochdramatischen Thema gelingt, ohne uns beim Zusehen zu manipulieren. Manche Bilder sind für diese Geschichte wirklich ein bisschen zu schön komponiert, dagegen ist der Film bei der Darstellung von Ehestreitigkeiten zwischen Cameron Diaz und Jason Patric oder dem Verlust von Körperfunktionen und dem Austreten von Körperflüssigkeiten so schonungslos - zumindest im Rahmen einer Hollywood-Produktion - dass der Realismus offensichtlich zu einer FSK ab 12 Freigabe führte.

    BEIM LEBEN MEINER SCHWESTER wirkt zunächst wegen der prominenten Besetzung etwas sperrig, erzeugt aber bald und sehr gekonnt eine familiäre Atmosphäre, die zu echter Anteilnahme führt. Der Film stellt eine Frage, eine Entscheidung, der wir alle uns hoffentlich niemals stellen müssen. Er macht Angst vor der Vergänglichkeit und gleichzeitig Lust auf Leben. Wenn das keine Erkenntnis nach einem Spielfilm ist. Gute Schauspieler, eine gute Inszenierung, ein guter Film.

    P.S.: Das Schicksal einer Familie nach der einschneidenden Diagnose bei der Mutter wurde in FAMILIENSACHE (1998) mit Meryl Streep und William Hurt erzählt, noch ein wenig unbequemer, schonungsloser, wie wir finden. Einen ganz anderer dramatischer Aspekt thematisiert Michael Moores SICKO (2007): das amerikanische Gesundheitssystem, das bei den genannten Filmen jedoch völlig außen vor gelassen wird.
  • Zerrissene Umarmungen
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 27.01.2010
    Pedro Almodóvar, bekannt für seine keineswegs leicht zugänglichen spanischen Erfolgsfilme, sagt über sein neues Werk, es sei weitaus komplexer als die vorherigen. "It's more complex." Mehr Komplexität bedeutet bei Almodóvar auch mehr Komplexe. Bei den Filmfiguren oder bei ihm? Oder danach bei uns? Wir sind beim vorliegenden ZERRISSENE UMARMUNGEN (Spanien 2009) auf alles gefasst...

    Zuvor jedoch liegt neben der im Januar 2010 erschienen DVD eine zweite, ebenfalls dunkelrote Disc mit der Aufschrift VOLVER - ZURÜCKKEHREN vor uns. Die vorangegangene Zusammenarbeit zwischen der inzwischen mit einer Oscar(c) geadelten Penélope Cruz und dem Regieexzentriker, die dritte von nun vier Kooperationen. Nie war Penelope Cruz schöner, denken wir im Laufe der zwei Stunden VOLVER (2006) und trotzdem zielen Internet-Karikaturen über ihr Gesicht her. Die Welt kann grausam sein - nicht nur in Almodóvar-Filmen.

    Gleich mehrere Starregisseure haben wegen ihrer aktuellen Veröffentlichungen von Video Buster Mitgliedern ihr Fett weggekriegt. Über Quentin Tarantinos INGLOURIOUS BASTERDS (2009) liest sich da: "Gewalt ersetzt gute Story, das war bis auf 'Pulp Fiction' in allen seiner Filme so." Über Jim Jarmusch - einst (?) Ikone der Independent-Filmszene - wird zu THE LIMITS OF CONTROL (2009) geschrieben: "Jarmusch ist mit diesem neuesten Film, ähnlich wie Tarantino und Lynch, an seiner künstlerischen Endstation angekommen und schürt lediglich noch den Kult um seine eigene Person." Sind diese Kultfilmemacher tatsächlich ausgelaugt, haben sie sich selbst überholt und zitieren nur noch sich selbst, statt uns eine fesselnde Geschichte zu erzählen?

    Bevor man das Pedro Almodóvar vorwerfen kann, ist ein bisschen biographischer Hintergrund hilfreich: Almodóvar wuchs in einer kleinen Stadt in der spanischen Provinz Ciudad Real auf. Im Anschluss an die Grundschulzeit übernahmen franziskanische Padres seine Erziehung und erzielten mit ihrer religiösen Unterweisung genau das Gegenteil: Pedros Glauben schwand. Religion wurde durch etwas anderes besetzt: die Kunst. Das Kino wurde zu seiner Kirche und mit 17 Jahren zog er ohne Geld von seiner Familie fort nach Madrid, wo er sich als Kurzfilmer betätigte, als Comic- und Fotoroman-Autor, Musiker und Schauspieler.

    All diese Einflüsse aus der Zeit in der Hauptstadt sind jetzt wiederzufinden. Wie ein Schwamm hat er damals offenbar die Kultur in sich aufgesogen und jetzt quetscht er sie über ZERRISSENE UMARMUNGEN aus. Gute zwei Stunden erleben wir eine zerschnipselte Handlung, die sich über einen Regisseur (Lluís Homar), einen Produzenten (José Luis Gómez) und die von beiden begehrte Darstellerin Lena (Penélope Cruz) breitet - und schwer zugänglich vor uns Zuschauern ausbreitet.

    Der Regisseur spricht mit seinem Gehilfen über eine Vampir-Geschichte, als würden sich die beiden über heutige Drehbücher amüsieren. Der Produzent fordert einen Fantasy- oder Horrorfilm für Kids, doch der Regisseur bekundet mehr Interesse an einer Geschichte über Arthur Miller, die sich um dessen an Down-Syndrom-gezeichneten Sohn ranken soll. Typisch Almodóvar, denken wir uns, das kann doch nicht anders als autobiographisch gemeint sein. Während die Handlung von 'Los abrazos rotos' (zerrissene Umarmungen) fortschreitet, überlegen wir, ob die Begierde zur attraktiven Darstellerin ein künstlerisch ausgelebter Fetisch des homosexuellen Regisseurs Almodóvar ist, der tatsächlich gerade hinter der Kamera sitzt, ob Selbstironie dahinter steckt? Der Kopf arbeitet beim Zuschauen und das ist ein Erfolg. Der Film fasziniert und ist gleichzeitig anstrengend. Darf erst ein alteingesessener Regisseur vom Schlag eines Jarmusch, eines Lynch und eines Almodóvar sich das Recht und die Zeit nehmen, Erzählformen und -rhythmus über Bord zu werfen? Zumindest auf die Gefahr hin, dass bei Entfaltung der filmgewordenen Ideen die ersten Zuschauer - wir zitieren eine weitere Mitglieder-Kritik - abgesprungen sind: "Da nach 30min immer noch keine Handlung im Film vorhanden war, haben wir die DVD aus dem Player genommen."

    Zur Verteidigung und als Plädoyer, im Zweifel für den Angeklagten, hier unsere liebsten Momente: Wenn ein Fernseher mit den Händen berührt wird und die Filmbilder fast fühlbar erscheinen. Wenn man gleich mit der ersten Einstellung durch eine Kamera auf Schauspieler blickt. Wenn der Produzent vor einem stummen Beamer sitzt, Penelope Cruz eintritt, ihre eigenen Lippenbewegungen synchronisiert und wir feststellen, dass wir ja selbst vor einem Beamer sitzen. Das ist wahres 3-D-Erlebnis. Kein neues Shutter-Blu-ray-3-D-Verfahren, keine weiterentwickelten High-Tech-Brillengläser oder hochauflösenden Flachbildschirme mit ver-zig-fachter Bildwiederholungsfrequenz. Bei ZERRISSENE UMARMUNGEN sitzen wir als Voyeur, als Zuschauer, als Teil der Handlung mittendrin. Ist das jetzt wie beim oben zitierten Jim-Jarmusch-Fall "kulturindustrielle pseudo-Kunst"? Vielleicht. Statt Almodóvars Film zu umarmen, sind wir in unserer Meinung auch eher 'zerrissen', hin und hergerissen. Wenn Sie wissen, worauf Sie sich einlassen und so wie wir fasziniert sind vom Spiel mit dem Film-im-Film, werden Sie die 127 Minuten sicher auch bis zu Ende schauen und einen Tag danach weiter über das Gesehene nachdenken. Schreiben Sie nach dem Anschauen auf dieser Seite Ihre eigenen Gedanken zu den 'zerrissenen Umarmungen' auf!
  • Wie das Leben so spielt
    Komödie, Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 20.01.2010
    Die letzte Kamerafahrt des Films schwebt über die Regalreihen eines Supermarktes hinweg. Im Vergleich zum realen Blick auf die optisch meist ansprechend ausgerichtete Frontdekoration, die man sieht, wenn man als Kunde im Gang steht, erblickt man bei der Aufsicht eine Ansammlung von verlorenen Kartons und Dosen auf einfachen Regalbrettern. Aus diesem Blickwinkel sieht die Glitzerwelt der Warenhäuser doch ganz schön bescheiden aus, denken wir uns beim Erklingen des ersten Abspann-Songs. WIE DAS LEBEN SO SPIELT - im Original FUNNY PEOPLE - führt uns mit einer überdurchschnittlich langen Laufzeit von 140 Minuten einen Blick auf die Welt der Komödienstars und Stand-Up-Comedians vor, von oben betrachtet.

    Spannend sind die Details: Welche in FUNNY PEOPLE auftauchenden Filmplakete es beispielsweise wirklich gibt, fragt man sich laufend. In welchen Filmtiteln oder Werbeclips haben die Darsteller tatsächlich mitgespielt? Reale Filmprojekte verschwimmen mit gezielten Seitenhieben auf die Branche. Hat Adam Sandler mal mit Owen Wilson vor der Kamera gestanden, ist seine Schauspielpartnerin Leslie Mann jemals in einem Coca-Cola-Spot aufgetreten oder in einem Film mit Lily Taylor? Das in den Video Buster Szenenbildern gezeigte Wallpaper zu 'My Best Friend Is a Robot' bewirbt ein mögliches Filmprojekt ebenso wie die Meerjungfrauen-Komödie 'MerMan - A lovestory that's a little fishy' oder Adam Sandlers Widergeburtsgeschichte 'Re-Do'. Da ist die Satire so nah an der Wirklichkeit, dass die Übergänge fließend sind - gerade in Hinsicht auf die Filmographie von Adam Sandler.

    Selbstironie ist immer erfrischend, das hat der zweite Hauptdarsteller Seth Rogen in seiner noch jungen Karriere bei allen bisherigen Filmen unter Beweis gestellt. Seine Hauptrolle in BEIM ERSTEN MAL (2007) war für uns 'damals' sogar Grund genug, ihm ein eigenes Starportrait zu widmen. Rogen ist schon ein besonderer Komödiendarsteller seiner Generation und sein Lachen im englischen Originalton unverwechselbar. Der in New York geborene Regisseur John Apatow führte 2007 Regie bei dem erfrischenden Film über eine ungewollte Schwangerschaft - weniger Stand-Up, vielmehr die Folgen eines One-Night-Stands. Apatow erzeugte nach JUNGFRAU (40), MÄNNLICH SUCHT von 2005 eine in unserer Sicht gelungen ausbalancierte Mischung aus pubertärem Humor, liebenswerten Charakteren und einem ernsthaften Thema. Die Gegensätze - nicht nur zwischen den Hauptdarstellern Seth Rogen und Katherine Heigl - machten den Reiz aus.

    In WIE DAS LEBEN SO SPIELT können Sie sich nun auf reichlich Gegensätze einstellen. Die oberflächliche Lebensart der zu Ruhm und Geld gekommenen Prominenten sieht sich mit einer niederschmetternden ärztlichen Diagnose konfrontiert. Das Junggesellendasein der zentralen Figur George Simmons (Adam Sandler) prallt auf die ehemalige große Liebe zu Laura (Leslie Mann). So beinhaltet dieses Wechselbad aus Drama und Komödie eigentlich alles, was wir von einem mitreißenden Film erwarten können: Liebe und Tod, Tragik und Romantik, Lacher und Tränen. Eigentlich?

    Wenn es einer Komödie gelingt, uns neben allen eingebauten Lachern auch die Dinge vorzuführen, die zeigen, 'wie das Leben so spielt', amüsiert sie nicht nur kurzweilig, sondern berührt uns womöglich. Nehmen wir als Beispiel die Regie-Brüder Bob und Peter Farrelly. Die berichten im Making-Of ihrer Komödie IN 7 TAGEN AUSGEFLITTERT (2007), dass sie ständig gefragt werden, ob sie als Ideengeber für Drehbuch-Situationen und Figuren eher das Fernsehen oder den Film nennen würden. Ihre Antwort: die Realität. Hier haben sie die Menschen gefunden und die Momente erlebt, über die wir als Zuschauer in Werken wie VERRÜCKT NACH MARY (1998) herzlich lachen können.

    'Wie das Leben so spielt', das wird im gleichnamigen Film nach unserem Geschmack ein wenig zu plakativ vorgeführt. Die Beziehungen zwischen den Charakteren zeichnen sich in keinem Moment durch verlässliche Freundschaft oder wahre Liebe aus, selbst die Diagnose der Ärzte ist nicht verlässlich. Doch es gibt auch Positives: Wenn Sie Freude an selbstkritischen Hollywood-Tönen haben und sich an diversen Gastauftritten erfreuen können, wird FUNNY PEOPLE - WIE DAS LEBEN SO SPIELT viele schöne Momente bereithalten.

    Haben Sie sich noch nicht durch die gesammelten Adam-Sandler-Werke im Video Buster Bestand geschaut und planen Sie vielleicht einen lustigen Abend mit Freunden, greifen Sie zu einer seiner Komödien wie HAPPY GILMORE (1996). Ein romantischer Abend in Zweisamkeit verläuft womöglich harmonischer mit einem beschwingten 50 ERSTE DATES (2004) und wenn Sie Sandler in einer Krankengeschichte erleben wollen, ist REIGN OVER ME - DIE LIEBE IN MIR ergreifender und zeigt noch ungeschminkter... wie das Leben so spielt.
  • Zwölf Runden
    Action
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 13.01.2010
    "Jeden Stunt, den man sich vorstellen kann, gibt es in ZWÖLF RUNDEN." Ist dieses Resümee von Stunt-Koordinator Wally Crowder für Sie Grund genug, sich den neuen Film des inzwischen schon dreißig Jahre im Filmgeschäft tätigen Regisseurs Renny Harlin auszuleihen? Vielleicht sind Sie auch neugierig, wie sich WWE-Wrestling-Star John Cena in seiner zweiten Action-Hauptrolle schlägt? Reißenden Absatz hat ZWÖLF RUNDEN (USA 2009) im Verleih bisher nicht gefunden. Woran mag das liegen?

    An der Story? John Cena spielt den Polizisten Danny Fisher, der in die Verfolgungsjagd des Schwerverbrechers Miles Jackson (Aidan Gillen) verwickelt wird. Durch beherztes Eingreifen gelingt es ihm, Jackson zu stellen. Doch da eine weitere Person beim Zugriff weniger 'glimpflich' davon kommt, schwört der Festgenommene Rache: "Ich werd' mich an Sie erinnern!" ("I'll remember you!")

    An der Produktionsfirma? Die 'WWE Studios' zeigen Ihnen in diesem Fall die Filmrichtung an: Die in Los Angeles ansässige Firma des auf Wrestling spezialisierten Medienunternehmens 'World Wrestling Entertainment' war in den vergangenen Jahren fleißig und brachte Actionfilme heraus, die genau in die Schublade von ZWÖLF RUNDEN passen: WELCOME TO THE JUNGLE (2003) mit Dwayne 'The Rock' Johnson, der auch die Hauptrolle im anschließenden WALKING TALL - AUF EIGENE FAUST (2004) übernahm. Dazu gesellten sich THE MARINE (2006) mit John Cena in seiner ersten Hauptrolle und der 'Lost'-ähnliche DIE TODESKANDIDATEN (2006). Sie können sich also auch in den 'zwölf Runden' auf eines einstellen: Action.

    An der Vermarktung? 20th Century Fox vermarktete den mit 22 Millionen Dollar budgetierten ZWÖLF RUNDEN. Schon vor dem Filmstart bekommen wir im Werbevorspann für das Blu-ray Format sehr schön vorgeführt, welche Filmkracher uns dieses Studio bisher in digitaler Form serviert hat. Ob ZWÖLF RUNDEN jemals in einem solchen Best-Of-Zusammenschnitt auftauchen könnte? Das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, wie wir vor den 105 Filmminuten vermutet hatten. Zwar kann hier nicht mit allseits bekannten Gesichtern wie Bruce Willis oder Will Smith aufgetrumpft werden, dafür allerdings mit reichlich rasanten Sequenzen, die für eine Vorführung auf einer ordentlichen Heimkinoanlage wie geschaffen sind.

    An den Filmvorbildern? Es wird wohl kaum eine Besprechung zu '12 Rounds' (Originaltitel) geben, die um einen Vergleich zu STIRB LANGSAM 3 (1995) herumkommt. Aber Renny Harlin sollten wir die Neuaufnahme der Drehbuchidee verzeihen, schließlich wurde er damals um den Nachfolger seines STIRB LANGSAM 2 (1990) gebracht, als der Regisseur des ersten Teils, John McTiernan, wieder im Regiestuhl Platz nahm.

    Vielleicht möchten Sie sich im Anschluss an einen zwölf Runden dauernden Filmabend über die Logiklöcher der Geschichte aufregen, die völlig konstruierte Dramaturgie, billige Rückblenden, oder über wie nachträglich eingefügt wirkende Erklärungssätze zu Handlungsverläufen, die das Mitdenken überflüssig werden lassen. Dazu gibt Ihnen eine eigene Kritik bei Video Buster genügend Raum. Sehen Sie über solche (nicht wirklich) nebensächlichen Dinge hinweg, werden Sie eine explosive Achterbahnfahrt erleben, die beim Anschauen an das Konzept von SPEED (1994) erinnert: bloß nicht die Fahrt des Films stoppen! Wenn Sie nämlich beispielsweise durch einen Telefonanruf aus dem 12-Runden-Fluss gerissen werden, fangen Sie in der Unterbrechung womöglich an, über das Gesehene nachzugrübeln, was für das Erlebnis nicht gerade förderlich ist. Aus der Achterbahn steigt man ja auch nicht vor dem Ende der Fahrt aus. Eine bewusste Anspielung auf Jan de Bonts SPEED setzt Renny Harlin sogar gleich selbst ein, als ein Passagier nach einer lebensgefährlichen Fahrt sagt: "Wir sollten von jetzt an mit dem Bus fahren."

    Möchten Sie als Zuschauer in die ZWÖLF RUNDEN einsteigen oder doch auf ein anderes Unterhaltungsvehikel setzen? Mit Oscar(c)-Gewinnen kann Sie Renny Harlin leider nicht überzeugen, denn für Werke wie FORD FAIRLANE (1990), CLIFFHANGER (1993) oder DIE PIRATENBRAUT (1995) hat er stattdessen die negativen Pendants, die 'Goldene Himbeeren', kassiert. Wir haben trotzdem ein Herz für ihn und freuen uns auf weitere leichte Filmkost von ihm, so wie in ZWÖLF RUNDEN, wo er das gebeutelte New Orleans als Schauplatz teilweise wieder zerlegt. Nach jeder Karambolage möchte man für die Angestellten am Set hoffen: Renny räumt den Wagen auf.

    Neben der Blu-ray bekommt man auf der DVD zwei kurze alternative Enden mitgeliefert, einen Audiokommentar von Hauptdarsteller John Cena und Autor Daniel Kunka, ein 'Crash-Kurs' Special über die Stuntvorbereitungen und ein Making-Of-Featurette über den 'Spass am Set', in dem Sie erfahren, wie Regisseur Harlin seine Mitarbeiter mit finnischem Wodka zu motivieren weiß. Um zum Abschluss das Wort des Jahres 2009 zu benutzen: Würde der Cop Danny Fisher eine Abwrackprämie für all die geschrotteten Autos im Filmverlauf erhalten, wäre er ein gemachter Mann. Denn das Publikum kann in jeder der 'Runden' mit Blechschäden rechnen. Leider wird dazwischen hier und da auch Blech geredet. Als Schrott sollte man den Film jedoch nicht abstempeln, denn er ist bei weitem kein filmischer Totalschaden, auch wenn er in der Presse nicht gut wegkam.
  • Schwere Jungs
    Ihre Gegner rechneten mit allem - nur nicht mit der Schwerkraft.
    Komödie, Deutscher Film
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 11.01.2010
    Schwergewichtige bayerische Sportkomödie: Marcus Rosenmüller, der uns schon mit 'Wer früher stirbt ist länger tot' (2006) richtig gut unterhalten hat zeigt uns hier ein weiteres Mal schrullige Gestalten aus seiner Heimat. An dieser Stelle sei übrigens erwähnt, dass es bei dem vorgenannten Film deutsche Untertitel gibt – es gab ein paar wütende Mails, man würde ja nix verstehen. Die Geschichte spielt diesmal in den 50er Jahren und entwickelt sich rund um die erste Nachkriegs-Olympiateilnahme zweier deutscher Bobmannschaften, die schon als Kinder gegeneinander angetreten sind. Eine davon sind die amtierenden Weltmeister und die andere hat seit 20 Jahren nicht mehr im Bob gesessen. Auch wenn das jetzt ein bisschen nach 'Cool Runnings' auf bayrisch und in dick klingt, der Humor ist ungleich subtiler und die Figuren mit sehr viel mehr Liebe zum Detail gezeichnet.

    Besonders angetan hat es uns der fiese und schmierige Widersacher der Helden Dorfler (Nicholas Ofczarek), wobei auch die anderen Darsteller durchweg sehr gut sind. Obwohl natürlich die 'Guten' - wie in jedem ordentlichen Sportfilm - sowohl die Herzen des Publikums als auch die Medaille gewinnen, fehlt das schleimige Pathos mit dem amerikanische Filme dieses Genres zu kämpfen haben. Ein großer Spaß!
  • In 3 Tagen bist du tot 2
    Horror, Thriller
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 06.01.2010
    Sieh an, der österreichische Teenie-Slasher wird erwachsen. Es war im Sommer 2006, als eine Serienkillergeschichte des Wieners Andreas Prochaska auf dem Fantasy Filmfest gezeigt wurde. Mit "überzeugendem Lokalkolorit" (Zitat Delphi Filmverleih) sahen die Zuschauer einen Ableger aus amerikanischen Vorbildern wie FREITAG DER 13. (1980) und ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (1997, eine Clique erlebt einen Autounfall und wird im 'zehn kleine Negerlein' Prinzip von einem Regencape-Träger für vergangene Sünden bestraft). Dazu ein wenig japanische Handy-Mystik à la THE CALL (2003) und grünlich-gefärbte Terrorbilder eines französischen HIGH TENSION (2003). Einen eigenen Charme brachte hingegen die dörfliche Gemeinde Ebensee und die gekonnt gecasteten Schauspielanfänger, allen voran die Debütantin Sabrina Reiter, die sich auf einen Flyer hin bei der Produktion bewarb und schon einige Monate später auf der Berlinale 2007 als europäischer Shooting-Star vorgestellt wurde.

    Nach dem 1. Teil hatten wir den Eindruck, dass selbst der europäische Reiz das Slasher-Genre nicht mehr neu beleben kann, es sei denn, es findet selbstironisch wie in Wes Cravens SCREAM (1996) statt. Zumindest ein bisschen blitzte das bei IN 3 TAGEN BIST ZU TOT (2006) durch, wenn eines der Mädels auf eine Tätervermutung hin entgegnet: "Du schaust zu viel Fern." und im Finale einwirft: "Das ist kein depperter Film, das ist echt!" Auch erinnerten wir uns an eine Dokumentation über Filmmonster beim TV-Sender 'Phoenix', in der Altmeister John Carpenter über Ridley Scotts ALIEN (1979) bemerkte: Der wahre Horror entsteht, weil man das Grauen nie ganz zu sehen bekommt, weil man die Bedrohung nicht fassen kann und sich so im Kopf zu einem weitaus größeren Schreckensbild zusammensetzt.

    Diese Wirkung erzielt IN 3 TAGEN BIST DU TOT am besten in den Nahaufnahmen der Eingangsszene und später, wenn Dialoge ausgeblendet sind und stattdessen ein atmosphärischer Soundtrack die Bilder überdeckt. Mut zur Lücke. Hauptaugenmerk für uns blieb wie in vielen anderen Serienkiller-Vertretern allerdings nur die Suche nach Motiv und Täter. Seit der Premiere 2006 ist einiges passiert: Der Regisseur Prochaska drehte einen 'Tatort' und eine 'Zodiak' Mini-Serie, die Hauptdarstellerin Reiter bekam mit ihrem Kollegen Laurence Rupp (Filmfigur 'Martin') einen Sohn. Andreas Prochaskas sagte im Making-Of, er habe zuerst einen Kinderfilm gedreht und wollte sich jetzt am visuell reizvollen Horrorgenre probieren, einen Film für die Altersgruppe der fast oder gerade eben Volljährigen drehen. Sein Produzent Helmut Grasser geht sogar so weit zu sagen, ihr Ziel war ein Kinofilm für junge Leute! Julia Rosa Stöckl (die 'Mona') meint im Interview, das filmische Resultat sei "extrem auf allen Ebenen". Nun ja, extrem einfallsreich mit Sicherheit nicht. Aber...

    Der 2. Teil setzt nicht nur inhaltlich an den Vorgänger an und zeigt Nina anderthalb Jahre nach den traumatischen Erlebnissen, er beseitigt auch alle Schwächen - auf allen Ebenen. Wir kehren mit der Protagonistin zurück nach Ebensee, diesmal in eine unterkühlte Landschaft, die jegliche Geborgenheit der früheren Schulzeit und Freundschaftsbande vermissen lässt. Die erzeugte Stimmung des eisigen Schauplatzes ist dabei ebenso dicht wie das unaufhörliche Schneetreiben. Diese Fortsetzung ist kein Schnee von gestern, sondern tatsächlich ein wenig Neuschnee für das Genre.

    Herzlichen Glückwunsch, liebe Horrorgemeinde, die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft zeigte sich beschwichtigt und vergab eines 'FSK freigegeben ab 16' Altersfreigabe, die mindestens so überraschend ist wie 2003 beim ebenfalls ungeschnitten veröffentlichten WRONG TURN. Denn Sie dürfen sich auf reichlich Grausamkeiten einstellen, sei es - um nur eine Ahnung des Geschehens zu vermitteln - ein schlagkräftiger Tod wie bei IRREVERSIBEL (2002), eine Tortur wie bei Laurent Lucas in CALVAIRE (2004) oder bei Elisha Cuthbert in CAPTIVITY (2007). 'Keine Jugendfreigabe' entschied man bei solchen Werken, nicht aber bei der DVD-Veröffentlichung von Ninas qualvollem Trip in die Tiroler Bergwelt. Dabei gingen die Österreicher schon im 1. Teil (auch FSK 16) ähnlich zur Sache wie zeitgleiche US-Produktionen (z. B. ALL THE BOYS LOVE MANDY LANE, 2006, FSK 18) und nähern sich mit dem 2. Teil gar der Härte eines MUTTERTAG (1980) von Charles Kaufman an.

    Der Darsteller des Dorfpolizisten, Andreas Kiendl, resümiert im Bonusmaterial: IN 3 TAGEN BIST DU TOT 2 (2008) ist "weniger konstruiert und viel wuchtiger". Da stimmen wir vollkommen zu und freuen uns über einen der seltenen Fälle, in denen eine Fortsetzung "auf allen Ebenen" beeindruckender ist. Eine kleine Einschränkung zum Schluss: In einer unserer früheren Besprechungen zu MIRRORS (2008) kritisierten wir: "Wenn jemand beim Zuklappen des Badezimmerspiegels ins Bild kommt, löst das viel zu oft ein filmisches Déjà-vu aus." Auf diesen billigen Trick kann auch dieser Film nicht verzichten und Hochspannung beim Verstecken unter dem Bett wurde zuvor schon bei Alexandre Ajas HIGH TENSION auf die Spitze getrieben. Doch ganz gleich nun, ob österreichisch, französisch, amerikanisch - ein Film muss für sich funktionieren und die Bilder müssen im Kopf bleiben. Das tun sie in diesem Fall, auch 3 Tage danach noch. Sieh an.
  • Nobel Son
    Komödie, Krimi
    Bewertung und Kritik von Filmfan "VideobusterRedaktion" am 29.12.2009
    Zwei Generationen treffen aufeinander. Ein Film über den Konflikt zwischen Vater und Sohn. Das Zusammentreffen zweier Altersgruppen von Schauspielern. Zwei Soundtracks, ein elektronischer und ein orchestraler untermalen die Geschichte. Ob dieses 'Treffen der Generationen' in NOBEL SON (2007) von Autor und Regisseur Randall Miller gut geht?

    Physikprofessor Eli Michaelson (Alan Rickman) liegt im Klinsch mit seinem Sohn Barkley (Bryan Greenberg). Mitten in die familiäre Schieflage platzt die Neuigkeit, dass Eli in Stockholm mit dem Nobelpreis ausgezeichnet werden soll... Das Drehbuch wird sicher nicht für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen, soviel darf verraten werden. Viel gegensätzlicher zu den Schriften einer Herta Müller kann ein Film wohl nicht ausfallen. In NOBEL SON wird jede Szene mit den pulsierenden Klängen von Paul Oakenfold und ab und zu mit den klassischen Tönen von Mark Adler unterlegt.

    Skeptisch machen könnten die Produktionsjahre, denn NOBEL SON wurde bereits von Oktober bis November 2005 gedreht, im Abspann lesen wir 2006 und offiziell wird 'USA 2007' genannt. Schließlich erreicht uns der Film im Dezember 2009 auf DVD und Blu-ray. Eine lange Reise hat Randall Millers Independent-Gaunergeschichte zurückgelegt und auf dem Weg in den amerikanischen Kinos nur etwa eine halbe Million Dollar eingesammelt.

    Aber das muss alles nicht heißen, der Film muss jetzt funktionieren, wenn Sie ihn in den Player legen und die ersten Minuten sehen, eine blutige Szene an einem Bankautomaten, die in ihrer detaillierten Gewaltdarstellung einigermaßen befremdet - WTF. Der englische Prolog und die schnellen Dialoge in Originalsprache sind reichlich komplex und zwingen uns zum Dazuschalten der Untertitel, immer noch besser als die schwache Synchronisation. Es folgen wilde Schnitte, schräge Klänge, farblich verstärkte Bilder, die man erst einmal überstehen muss, bis sich der Film selbst einen Sinn gibt.

    Das Drehbuch schrieben der Regisseur Miller und seine Ehefrau und Produzentin Jody Savin. Das Buch überzeugte eine Menge toller Darsteller: Alan Rickman, Bryan Greenberg, Mary Steenburgen, Bill Pullman, Danny DeVito, Eliza Dushku (Faith aus 'Buffy' und Jessie aus WRONG TURN 2003). Diese Besetzung allein ist ihr Eintrittsgeld - pardon, die Leihgebühr - schon wert, meinen wir. Da kann nicht einmal mehr der allzu dominante Soundtrack nerven, auch nicht das etwas sprunghafte Geschehen, das mal mehr und überwiegend weniger fesselt.

    Die oben genannte Amputationsszene führte in Großbritannien zu einem Schnitt von 10 Minuten. Obwohl wir noch beide Daumen besitzen, heben wir für die Bewertung von NOBEL SON lediglich einen schräggestellten Daumen. Zur weiteren 'Lektüre' empfehlen wir bei Stromausfall die Werke der Herta Müller und bei einer sich leerenden Video Buster Wunschliste den nachfolgenden Film von Randall Miller und seinem Hauptdarsteller Alan Rickman: BOTTLE SHOCK (2008).

    Nachtrag zu Mary Steenburgen, die hier die Ehefrau und Mutter Sarah verköpert wie ein souveräne First Lady: Sie ist eine der Oscar(c)-Preisträgerinnen, ausgezeichnet für eine Nebenrolle in Jonathan Demmes MELVIN UND HOWARD von 1980 (leider in Deutschland nicht erhältlich). Was wir nicht wussten - aber weitergeben möchten, falls es Ihnen genauso geht - sie lebte in ihrer früheren Ehe mit Malcolm 'Clockwork Orange' McDowell zusammen und seit 1995 heißt ihr Ehemann Ted Danson. Der fiel uns schon positiv im Comeback (wenn es überhaupt eins war) auf, als eine der Hauptfiguren in der Krimiserie 'Damages' (2007-10). Beide, Steenburgen und Danson, treten nun in NOBEL SON auf, sie in einer starken Rolle, er in einem Gastauftritt, allerdings keinmal gemeinsam vor der Kamera. Vielleicht beim nächsten Mal?