Geschichten beschreiben das Leben, das Leben schreibt Geschichten und wir sind ihre Erzähler: 'Stories We Tell', in diesem großartigen Hybrid-Film, der sowohl viele alte Originalaufnahmen mit nachgespielten Szenen mischt, verfolgt die Oscar-nominierte Drehbuchautorin und Regisseurin Sarah Polley die Erkenntnis, dass die Wahrheit wesentlich von der Sichtweise des Erzählers abhängt. Polley ist hier sowohl Filmemacherin als auch Detektivin. Sie versucht den Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur zu kommen. Ausgelassen interviewt und verhört sie und erhält Antworten, die mal mehr mal weniger zuverlässig, unerwartet aufrichtig und meist widersprüchlich sind. Die dabei entstehende Version der Familiengeschichte verschwimmt bald zu nostalgischen Fragmenten der früh verstorbenen Mutter. Polley enttarnt Widersprüche und legt so die Essenz der Familie frei, ohne zu vereinfachen, immer charmant, chaotisch und absolut liebevoll. 'Stories We Tell' erforscht die diffusen Konstrukte von Wahrheit und Erinnerungen und ist gleichzeitig ein sehr persönlicher Film darüber, wie Erzählungen uns und unsere Familie formen. Und scheinbar ganz nebenbei zeichnet Polley so ein tiefsinniges, amüsantes und treffendes Bild einer übergreifenden Geschichte des menschlichen Lebens...
Eine Art Liebeserklärung an die eigenen Eltern ist Sarah Polleys dokumentarischer Essay 'Stories We Tell' (2012), mit dem sich die Filmemacherin auf die Spuren ihrer eigenen Geschichte begibt. In Interviews mit ihren Angehörigen gelingt es ihr so, einen der Kernaspekte sowohl im Erleben als auch im Erzählen von Geschichten herauszuschälen: Subjektivität und nostalgische Verklärung. So werden die 'Stories We Tell' gleichzeitig auch zur Betrachtung des eigenen Mediums - und zum weltweit gefeierten Dokumentarfilmhighlight, mit dem Polley ihre Ausnahmestellung unter den zeitgenössischen Regisseurinnen noch einmal nachhaltig unter Beweis stellt.
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Stories describe life, life writes stories and we are their narrator: 'Stories We Tell', in this great hybrid film that mixes many old original footage with re-enacted scenes, Oscar-nominated screenwriter and director Sarah Polley pursues the realization that truth depends essentially on the narrator's point of view. Polley is both a filmmaker and a detective here. She tries to get to the bottom of her family's secrets. She interviews and interrogates exuberantly and receives answers that are sometimes more or less reliable, unexpectedly sincere and mostly contradictory. The resulting version of the family history soon blurs into nostalgic fragments of the mother, who died at an early age. Polley exposes contradictions and thus exposes the essence of the family without simplifying, always charming, chaotic and absolutely loving. 'Stories We Tell' explores the diffuse constructs of truth and memories and is at the same time a very personal film about how narratives shape us and our family. And apparently quite incidentally, Polley draws a profound, amusing and apt picture of an overarching history of human life...
A kind of declaration of love to her own parents is Sarah Polley's documentary essay 'Stories We Tell' (2012), with which the filmmaker follows the traces of her own story. In interviews with her relatives, she succeeds in extracting one of the core aspects of both experiencing and telling stories: subjectivity and nostalgic transfiguration. In this way, the 'Stories We Tell' also become a contemplation of her own medium at the same time - and a globally celebrated documentary highlight, with which Polley once again proves her exceptional position among contemporary female directors.
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