Joker

Joker-Kritik: Put On A Happy Face

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   27.11.2019
Wir leben in Zeiten, in denen das Wort 'Mobbing' jedem ein Begriff ist. Man hat erkannt, dass es allgegenwärtig ist und man hat begonnen, darüber zu sprechen, dagegen anzugehen. Das Internet ist voll mit wegweisenden Tipps und auch das Fernsehen hat sich angepasst und sich des Themas angenommen. Wer heute Hilfe sucht, hat gute Chancen, dass ihm geholfen werden kann. Arthur Fleck, der Protagonist in Joker, hat dagegen niemanden, der ihm hilft. Er ist es leid, der Fußabtreter der Gesellschaft zu sein - und so nimmt die Geschichte des Mannes mit dem unvergleichlichen Lachen seinen Lauf...

Johnny Cash wird zum Joker

Heath Ledger übernahm 2008 die Rolle des Jokers in Batman - The Dark Knight. Überraschenderweise schien diese Rolle dem bis dahin eher als Sunnyboy bekannten Schauspieler auf dem Leib geschrieben, denn er überzeugte Comicfans und Kritiker mit dieser Darstellung. Eine Figur mit Ecken und Kanten stand ihm besser denn je.

Große Fußstapfen, die Joaquin Phoenix also zu füllen hatte. Zwar verkörperte in der Zwischenzeit auch Jared Leto in Suicide Squad (2016) den Joker, allerdings konnte dieser, ebenso wie der Film selbst, kaum Stimmen für sich gewinnen.
Mit Joaquin Phoenix kommt jetzt ein sehr erfahrenerer Schauspieler ins Spiel. Phoenix steht bereits seit den frühen 80ern vor der Kamera. Seinen internationalen Durchbruch erlangte er in der Rolle des Kaisers Commodus in Gladiator. Rollen in Signs, Im Feuer und The Village folgten. 2005 verkörperte er im biografischen Drama Walk the Line den legendären Country-Sänger Johnny Cash. Cash persönlich war es, der den Schauspieler für diese Rolle aussuchte. Phoenix wurde für diese Darstellung 2006 mit einem Golden Globe Award als bester Hauptdarsteller belohnt.

Vom gefeierten Country-Sänger zum Problemfall der Gesellschaft

Trotzdem, oder gerade aus diesem Grund, konnte ich mir Phoenix als Joker im Vorfeld nicht vorstellen, zumal ich Ledgers Leistung als Joker immer bewunderte. Doch im Grunde stehen die beiden Schauspieler in keiner Konkurrenz zueinander, da Todd Phillips' Joker eine neue, bisher unbekannte Seite und Geschichte des Schurken zeigt.

Phoenix' Vorbereitungen für die Rolle des Jokers waren zehrend und nervenaufreibend. Er nahm rund 25 Kilo ab und sah sich Videos zu psychischen Erkrankungen an. Doch die Mühen des 44-Jährigen haben sich ausgezahlt. Das Lachen des Jokers ist eines der markantesten Merkmale und in diesem Film wird zum ersten Mal deutlich, dass es sich um eine psychische Krankheit handelt.

Zitat Arthur Fleck: "Der schlimmste Teil einer psychischen Erkrankung ist: Leute erwarten, dass du dich so verhältst, als hättest du keine."
Im Film werden wir Zeuge, wie diese Krankheit und die Auswirkungen, Arthur Fleck, der übrigens in den Batman-Comics nie erwähnt wurde, zunehmend in eine Abwärtsspirale treibt. Eine der Schlüsselszenen zeigt ihm, wie er aufgrund seines unkontrollierten Lachens in eine missliche Lage gerät, deren Ende im Grunde der Aufstieg des Jokers bedeutet.

Doch erstmal alles zurück auf Anfang: Es scheinen kaum ein paar Minuten vergangen, als dass wir Arthur bei seiner Arbeit als Werde-Clown das erste Mal in der Opferrolle erleben. Von einem bösartigen Schurken keine Spur. Pflichtbewusst kümmert er sich nach getaner Arbeit um seine pflegebedürftige Mutter und träumt insgeheim von einer Karriere als Stand-up-Comedian. Er möchte die Menschen zum Lachen bringen. Fleck ist stets auf der Suche nach der Anerkennung und Liebe seiner Mitmenschen. Doch am Ende scheint der Scherz immer auf seine Kosten zu gehen. Der Zuschauer entwickelt Empathie zu dem noch so gar nicht bösen Bösewicht. Es folgt Tiefschlag auf Tiefschlag, bis die Zustände Arthur in die Karten spielen und er plötzlich nicht mehr auf der Verliererseite zu stehen scheint.
Joker ist intensiv gefilmt und zeigt die Folgen einer zerrütteten Gesellschaft. Regisseur Todd Phillips hat sich von Filmen wie Taxi Driver (1976) und The King of Comedy (1982) mehr als inspirieren lassen. Phillips hat mit der nie zuvor erzählten Geschichte des rachsüchtigen Bösewichts vieles richtig gemacht und erntet Lob und Bewunderung.

Doch auch dieser Erfolg hat seine Schattenseiten: Der Film sei gewaltverherrlichend und würde diese vielleicht hervorrufen, so heißt es in den Medien.
Phillips selbst äußerte sich so dazu: "Kunst ist kompliziert"... und er ergänzte: "und häufig soll sie auch kompliziert sein". Auch interessant, er erwähnte noch, dass das einzig wahre Lachen des Jokers das am Ende sei! Also schön aufpassen.

Fun Fact: Für die schrulligen Tanzbewegungen des Jokers, wie Phoenix sie nennt, hat sich der Schauspieler an dem 1987 verstorbenen Schauspieler, Sänger und Tänzer Ray Bolger orientiert.

Na dann schauen wir mal, wer zuletzt lacht!
"Und jetzt lacht keiner mehr."

Joker

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Joker

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Drama

Dies ist die Geschichte des DC-Comics-Charakters 'Joker' und wie er zu dem wurde, den er als Batman-Gegenspieler verkörpert - mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle des Arthur Fleck und späteren 'Jokers'. Regisseur Todd Phillips 'Joker' widmet sich dem ikonischen...  mehr »

Produktion:
2019
Medien:
DVD, Blu-ray
Freigabe:
FSK 16
Bewertung:
Der finale deutsche Trailer zum Kinohit Joker:

Im Kino seit 10.10.2019 und ab März 2020 auf DVD, Blu-ray & 4K UHD im Heimkino © Warner Bros. + Mehr Trailer im YouTube-Kanal

Joaquin Phoenix auf Blu-ray und DVD