Adventureland

Komm mit, komm mit mir ins Abenteuerland...

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   29.06.2010
"Komm mit, komm mit mir ins Abenteuerland, auf deine eigene Reise" sang Hartmut Engler von der Gruppe Pur, doch weiter heißt es: "komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand". Der Eintritt ins Adventureland (USA 2009) kostet Sie lediglich die Leihgebühr im Online-Verleih oder in Ihrer Video Buster Filiale vor Ort. Kann ein Ausleihvorhaben in diesem Fall wohl eher durch ein Bauchgefühl oder eine Verstandsentscheidung entstehen? Vielleicht können wir Ihnen im Folgenden einige Für und Wider liefern.
Womöglich helfen Ihnen bereits zwei Namen der Hauptdarsteller, sich für oder gegen die 102 Filmminuten zu entscheiden. Wir waren durch die Besetzungswahl vorab zuversichtlich eingestellt: Die zentrale Figur, James Brennan, wird von Jesse Eisenberg (* 1983) gespielt, der sich bereits in Zombieland (2009) auf dem Rummelplatz austoben durfte und uns dort viel Freude bereitete. Die Rolle der etwa gleichaltrigen Em Lewin erhielt Kristen Stewart (*1990), die seit den Twilight Verfilmungen viele Fans und wenige Gegner hat. Für Kristens Kritiker: die Internetplattform College Humor präsentiert einen Zusammenschnitt von zig Szenen, in denen sich die Schauspielerin auf die Unterlippe beißt und Blogger zählten 55 Male, in denen sie sich in Adventureland nervös durch die Haare fährt. Sympathisanten hingegen können sich auf den 3. September 2010 freuen, dann erscheint endlich ihr The Cake Eaters (2007) als deutsche DVD und Blu-ray im Verleih.
Adventureland jedenfalls hat ein gutes Darsteller-Team und einen Regisseur namens Greg Mottola, der die Jugend schon in Superbad (2007) zu Wort kommen ließ. Jetzt steht ihm das häufig von Verkauf und Schließung bedrohte Studio Miramax zur Seite, das inzwischen Teil der Walt Disney Studios geworden ist. Eine deutsche Filmvorschau gab es nicht, wohl aber einen englischen Trailer, dazu - nach dem Einlegen des Films - ein schönes Menü, das von den Logo-Shirts des Adventureland bestimmt ist.
"1987" zeigt die erste Einblendung, gefolgt vom Lockenkopf des Jesse Eisenberg in Großaufnahme. Sein Charakter James kassiert gerade eine Abfuhr von seiner vermeintlichen neuen Freundin und anschließend muss er noch ein Gespräch mit den Eltern über sich ergehen lassen. Die Eltern eröffnen ihm am Tisch eines Lokals, dass sie James' geplanten 42-tägigen Eurotrip zum Schulabschluss leider nicht finanzieren können. Daraus wird nichts, weil sein Dad versetzt wurde. Die einzige, wahrlich nicht verlockende Alternative zum Trip ist ein Job.
Nachdem die ersten Vorstellungsgespräche - trotz der schriftlichen Empfehlung der Nachbarn über die immer sorgfältig ausgeführten Rasenmäharbeiten - erfolglos bleiben, schwingt sich James aufs Rad und fährt ins Adventureland. Dort, wo er als Kind Abenteuer erleben durfte, stellt er sich in Jeans und "Neil Young 84/85 Tour" Shirt vor. Unübersehbar achtziger Jahre. "Smile - you are now going on stage" steht im Hintergrund mit einem Smiley auf einer Tafel. Immer schön lächeln, dein Auftritt James, auf der Bühne des Lebens. Vorbei sind Kindheit und Schulzeit.
Er sei kein Fahrgeschäfte ("Rides") Typ, eigne sich eher als Budenbeaufsichtigung für die Spiele ("Games"), so schätzt ihn der schnauzbärtige Vorgesetzte Bobby (Bill Hader) ein. Ohne einen Plan B beugt sich James… den Games. Dann legen sie los die 80er, mit einem Musikclip, der das Treiben im Vergnügungspark zeigt. Die gute alte Zeit, nur dass unserem Protagonisten diese Zeit gar nicht so rosig erscheint, wie aus der nostalgisch-verklärten Sicht des Schreibers dieser Zeilen vor dem Bildschirm.
"Wer war 1985 Präsident der Vereinigten Staaten?" wurde in Zurück in die Zukunft gefragt. Ronald Reagan, und genau der hält zum Adventureland-Feierabend eine Fernsehansprache. Em (Kristen Stewart) fragt James, nachdem er den Fausthieb eines Freundes einstecken musste: "Was zum Teufel war das?" ("What the hell was that?"). James: "So ist mein Leben." ("It's just my life.")

Retro Chic

In Retro-Stimmung gerät man als Zuschauer vor allem durch die vielen Songs aus der damaligen Zeit. Falcos "Rock me Amadeus" macht Laune - beim täglichen Ertönen über die Parklautsprecher sind die Angestellten allerdings alsbald genervt. Klar, ist ja noch kein Oldie, genauso wenig wie die Klassiker aus heutiger Sicht, von The Cure, Whitesnake, Judas Priest oder den zur 80er-Shirtmode gehörenden Hüsker Dü und The Velvet Underground. Kult. Irgendwo inmitten des Abspanns kann man dann noch einen winzigen, parodistischen TV-Werbespot über das Adventureland erleben. So wie die kleinen liebevollen, zeitgenössischen Requisiten und vielsagenden Gesten im Film ist dieses Detail leicht zu übersehen, wenn man nicht Acht gibt.
Ferris Bueller (Matthew Broderick) sagte einmal: "Das Leben geht ziemlich schnell vorbei. Wenn ihr nicht ab und zu anhaltet und euch umseht, könntet ihr es verpassen." Diese Worte legte ihm Autorenfilmer John Hughes in den Mund. Der Mann, der am 6. August 2009 in Manhattan überraschend an Herzversagen starb. Ein Herz für die Nöte von Heranwachsenden, das bewies Regisseur John Wilden Hughes Jr. - wie er nach seinem Produzenten-Vater vollständig genannt wurde - in den vergangenen Filmjahrzehnten wie kaum ein anderer. Komödien wie L.I.S.A. der helle Wahnsinn (1985), Breakfast Club (1985) und Ferris macht blau (1986) verdankt ihm die Jugendgeneration. Wer wohl die Nachfolge antritt, nach Hughes' Tod filmsprachlich von den Problemen des Erwachsenwerdens zu berichten, fragten wir uns in den vergangenen Monaten.
Filmemacher Greg Mottola ist Jahrgang 1964, war also zur Erzählzeit seines Adventureland Anfang zwanzig. Im 16-minütigen Making-Of der DVD-Ausgabe berichtet Mottola, dass sich die Idee zum Drehbuch aus einem damaligen "summer job" auf Long Island entwickelte. Die geignete Kulisse fand er nach einiger Recherche im denkmalgeschützen US-Vergnügungspark Kennywood. Die Wunschkandidaten für die Hauptrollen bekam er tatsächlich, mit Ryan Reynolds (Party Animals 2001) sogar einen weiteren Prominenten obendrauf, und die Nebenrollen wie der Parkleitung Paulette und Bobby (Kristen Wiig und Bill Hader) oder dem Jungstraum Lisa P (Margarita Levieva) sind ebenfalls ein Glücksgriff. Einzig die Elterngeneration in Adventureland kommt durchweg schlecht weg und wird zu wahren Monstern der Spießigkeit. Das wiederum passt gut zu den John Hughes Vorbildern.
Zugegeben: Die von Greg Mottola geschriebene und inszenierte Handlung ist hauptsächlich damit beschäftigt, die Zeit zurück zu kurbeln, um möglichst allgemeingültig die Situation eines typischen achtziger Jahre Jugendlichen in der Kleinstadt zu zeigen. Da das Leben des James Brennan - das sagt er selbst von sich - ziemlich belanglos verläuft, verlaufen auch manche Filmpassagen dementsprechend. Aber: Rückblickend beschönigen wir die 80er ebenso wie Adventureland, wären trotz all der Adoleszenz-Schwierigkeiten gerne noch einmal mit Jesse Eisenberg und Kristen Stewart in ihrem Alter. Entweder man mag Adventureland, weil man sich eben in diesem Alter befindet, oder weil man 1987 etwa so alt war. Sollte man in den 70ern oder früher erwachsen geworden sein, wird man beim Anschauen bestimmt nicht allzu viele begeisterungsfähige Momente für sich entdecken.
Der Oberloser Joel (Martin Starr) fragt im letzten Drittel des Films seine Angebetete: "Hey, soll'n wir uns vielleicht irgendwann mal 'nen beschissenen Film ansehen, also zusammen mein' ich?" Adventureland fällt definitiv nicht in diese Kategorie, jedoch verbreitet er keine spontane Heiterkeit wie Mottolas früherer Superbad. Er ist einfach, was er ist: eine sympathische Hommage an die Jugend und das Jahrzehnt. "Komm mit…"

Ausleih-Tipps: Vom 'Adventureland' ins 'Zombieland', von 'Superbad' demnächst zu den 'Cake Eaters'

Adventureland

Es war der schlimmste Job... und die beste Zeit ihres Lebens.

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Produktion:
2009
Medien:
DVD, Blu-ray
Freigabe:
FSK 6
Bewertung:

Zombieland

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Produktion:
2009
Medien:
DVD, Blu-ray
Freigabe:
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Bewertung:

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Produktion:
2007
Medien:
DVD, Blu-ray
Freigabe:
FSK 16
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The Cake Eaters

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Produktion:
2007
Medien:
DVD, Blu-ray
Freigabe:
FSK 12
Bewertung: