Kritiken eines anonymen Filmfans

Nachtasyl

Drama
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Große Geschichten verlieren nie ihre Wirkung, es ist egal, in welchem Kontext sie stehen. So spielt es auch keine Rolle, ob das Nachtasyl im zaristischen Russland ist oder im spätfeudalen Japan. Zum ersten Mal bewies Kurosawa seine absolute Meisterschaft in der Adaption abendländischer Stoffe. Und wie das Drama hat der Film kein Ende und keinen Anfang - man wird irgendwann in die verhängnisvollen Vorgänge hineingesetzt und irgendwann hört der Film einfach auf. Keine Lösung, keine Klimax. Mit der absoluten Hilflosigkeit der Figuren, sich aus ihrem Teufelskreis zu befreien (oder wirklich befreien zu wollen), ist "Nachtasyl" Kurosawas pessimistischster Film. Die Armut der Charaktere scheint sich fast auf dem Filmmaterial niedergelassen zu haben: die Bildqualität ist armselig - gerade am Anfang sind die Bilder verwackelt und durch Helligkeitsschwankungen entstellt. Aber irgendwie passt es sogar. "Nachtasyl" ist (auch in der gelungenen deutschen Fassung) jedem kinointeressierten Zuschauer unbedingt zu empfehlen - mit einer Ausnahme: wer sich in einer depressiven Phase befindet, sollte ihn unbedingt meiden, wer weiß, was er sonst für Folgen haben könnte.

ungeprüfte Kritik

Sanjuro

Action, Abenteuer

Sanjuro

Action, Abenteuer
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Der Titel verrät es bereits - der Held von "Yojimbo" hat einen zweiten Auftritt. Man sollte ihn nicht am Original messen, das wäre unfair und diesen Vergleich müsste er verlieren. Weder die strukturelle Genialität noch die Dichte erreicht "Sanjuro", er ist einfach eine kleine, weitaus leichter und humorvoller erzählte Geschichte, bei der die düsteren Töne einem Schmunzeln über den alten Konflikt der Generationen weicht. Erinnert man sich an Hitchcocks Prinzip, daß die besten Filme die sind, welche die besten Schurken haben, profitiert "Sanjuro" von diesem Gedanken, denn zum zweiten Mal nach "Yojimbo" wird Sanjuro ein würdiger Gegner gegenüber gestellt (folgerichtig verkörpert vom selben Schauspieler). Ansonsten gilt wie eben auch bei Hitchcock die Faustregel: ein "mittelmäßiges" Werk des Meisters ist mehr wert als viele "Geistesblitze" mittelmäßiger Regisseure.

ungeprüfte Kritik

Das Schloss im Spinnwebwald

Drama
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
"Macbeth" im Land der aufgehenden Sonne - dies zu leugnen, wäre völlig zwecklos; und Kurosawa berief sich auch eindeutig auf Shakespeares Vorbild. Doch "Das Schloss im Spinnwebwald" ist nicht einfach eine Shakespeare-Verfilmung im fernöstlichen Gewand. Kurosawa reagierte auf die heftige Kritik vieler Landsleute, seine Erzählweise sei zu "westlich" (ein "Manko", daß ihm bei den Cineasten des Abendlandes alle Türen geöffnet hatte). "Kumonuso jo" ist ein vollkommen japanischer Film. Das erschwert dem europäischen Zuschauer etwas den Zugang - Schlachten werden nicht gezeigt, sondern erzählt; minutenlange Einstellungen der Ruhe müssen durchgestanden werden - und der düstere Gesang der Seherin jagt einem wirklich Schauer über den Rücken. Als Einstieg in Kurosawas Werk sollte man diesen Film nicht nehmen, aber er ist zweifellos eine Bereicherung, wenn man bereit ist, die (ich wiederhole: für westliches Gefühl) sperrigen Stellen zu überwinden.

ungeprüfte Kritik

Yojimbo

Der Leibwächter
Action, Abenteuer

Yojimbo

Der Leibwächter
Action, Abenteuer
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Hier ist es also, das legendäre Original zu "Für eine Handvoll Dollar", das kaum ein Deutscher kennt, weil es nur im ZDF gezeigt wurde, und auch da schon seit Jahren nicht mehr. Dem, der Leones Remake in-und-auswendig kennt, hat es ja eh nichts zu bieten, oder? Falsch gedacht. Allein schon Toshiro Mifunes Spiel (er ist auch das Glanzlicht der etwas matten Fortsetzung "Sanjuro") ist eine Ausleihe wert, trotz weniger Gewaltszenen ist die Ausstrahlung des Filmes viel härter, aber auch von noch mehr trockenem Witz durchweht als das Remake (wo der Humor doch mitunter reichlich grob ist). Auf keinen Fall sollte man "Yojimbo" nur als übersehenes Vorbild, quasi Anhängsel eines Klassikers oder als Geheimtipp für Cineasten sehen. Jedem, der etwas von wirklich guten Filmen hält, sei dieser wärmstens ans Herz gelegt. Übrigens - was in der deutschen Übersetzung untergeht: Der Name des Leibwächters - Kutanawabe Sanjuro - bedeutet "dreißig Blumen" - daher auch seine trockene Bemerkung, er würde bald "40".

ungeprüfte Kritik

Engel der Verlorenen

Der trunkene Engel
Drama

Engel der Verlorenen

Der trunkene Engel
Drama
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Die erste Zusammenarbeit von Akira Kurosawa, Toshiro Mifune und Takashi Shimura - damit ist "Engel der Verlorenen" mindestens eine Fußnote in der Filmgeschichte sicher. Als Film hinterlässt er einen etwas zwiespältigen Eindruck - fast scheint es, als habe Kurosawa zwei Filme auf einmal drehen wollen, weil er sich nicht für einen entscheiden konnte (oder es ihm nicht gestattet wurde). Zum einen die japanische Spielart eines Gangsterfilmes oder eines Film noir, der einen seltsam kruden Eindruck hinterlässt - allzu forciert ist die "Coolness" (auch wenn dieser Begriff damals noch nicht üblich war) der Agierenden. Dem gegenüber stehen Szenen, die den damals brandaktuellen Neorealismus Italiens heraufbeschwören (ohne sich seiner stilistischen Mittel zu bedienen). In diesem Porträt eines Säufers und enttäuschten Idealisten hat der Film seine stärksten Momente und war vielleicht sogar heimliches Vorbild für französische Filme wie "Aufenthalt vor Vera Cruz" (der ein ähnliches Thema hat). Unbestreitbar sind die schauspielerischen Leistungen von Shimura und Mifune (und ihrer deutschen Sprecher Fritz Tillmann und Gerd Martienzen). Zweifellos ein bei aller Uneinheitlichkeit interessantes Frühwerk des für seine "Westlichkeit" (die hier voll zum Ausdruck kam) geschmähten Vorzeigeregisseur Japans.

ungeprüfte Kritik

Mord - Der Auslandskorrespondent

Thriller, Krimi
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Foreign Correspondent" ist nicht weniger als eins von Hitchcocks großen Meisterwerken und nimmt so eine Sonderstellung ein - dadurch, dass es so wenig bekannt ist. Außer "Der unsichtbare Dritte" legt keiner seiner Filme bei einer Laufzeit von zwei Stunden ein solches Tempo vor, das für zwei seiner Art noch locker gereicht hätte. Er vereint die Qualitäten des britischen Hitchcock (Leichtigkeit, Sympathie für alle Figuren, Tempo) mit denen des Amerikaners (prachtvolle Aufmachung, epischer Rhythmus), obwohl sich diese Punkte scheinbar widersprechen. Der berühmte und so schwer zu findende Mittelweg - hier hat er ihn gefunden. Seine zur Entstehungszeit (teilweise sogar so nicht gewollte) politische Brisanz rückte ihn aber nach dem Krieg in eine Ecke, in die er nicht gehörte und aus der er sich auch nicht befreien konnte. Dass er von einem Verleiher zum nächsten weitergereicht wurde, tat ein Übriges - besonders in der BRD, wo er sehr verspätet und auch dann nur stark verstümmelt in die Kinos kam. Verstümmelt aber nicht aus politischen Gründen (wie oft angenommen wird) - nein, der Bearbeiter schnitt einfach die Stellen heraus, die ihm zu lang erschienen oder deren Humor er nicht verstand, ließ aber die politischen Bezüge weitgehend unberührt (um werbewirksame Aufmerksamkeit zuerregen). Glücklicherweise befindet sich aber auf der DVD nicht nur die ungekürzte deutsche TV-Fassung (die allerdings ein sehr bescheidenes Niveau hat), sondern auch die Originalfassung, die man in diesem Falle von vornherein anwählen sollte. Übrigens sehen wir in ffolliott (George Sanders) einen frühen Verwandten von James Bond - kein Wunder, war doch einer der ungenannten Co-Autoren Richard Maibaum, der Jahrzehnte später über ein Dutzend 007-Drehbücher verfasste und mehr als nur eine Spur dieser frühen Figur übernahm.

ungeprüfte Kritik

Die Wikinger

Abenteuer

Die Wikinger

Abenteuer
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Dieser eher wuchtige als monumentale Abenteuerfilm hebt sich deutlich und auch sehr positiv vom Gros aus Hollywoods Hexenküche ab - und das hat er zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dem Buch zu verdanken. Es gehört schon einiges an Mut dazu, den kraftvollen Heros Kirk Douglas als verunstalteten Unmenschen auftreten zu lassen, Frauenliebling Tony Curtis als Schwächling und die engelhaft schöne Janet Leigh als Zicke. Dass die Schauspieler ihre Rollen abseits der Klischees genüsslich darboten, versteht sich fast von selbst. Straffe Regie, kompetente Kamera und Musik, raue Ausstattung - so "einfach" ist es, einen überdurchschnittlichen Film zu drehen. Angemerkt sei noch, dass der Film nicht in s/w gedreht wurde (wie auf der DVD vermerkt), sondern sich in (gedeckter) Farbe präsentiert. Ein Wort noch zur deutschen Fassung: Die beliebtesten Sprecher ihrer Zeit - Arnold Marquis (Douglas), Gert G. Hoffmann (Curtis) und Margot Leonard - sind ihr zum einzigen Mal (in einem Kinofilm) alle drei gemeinsam in Hauptrollen zu hören.

ungeprüfte Kritik

Apachen

Blutige Rache
Western

Apachen

Blutige Rache
Western
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Selbst die schwachen DEFA-Indianerfilme haben für alteingesessene "DDR"-Bürger den Bonus von "unserem Gojko". Diesmal sogar doppelt, denn er schrieb zusammen mit Regisseur Kolditz das Drehbuch. Heraus kam der wohl beste, auf alle Fälle der härteste und professionellste der "Indianerfilme", wie so oft inspiriert von einem historischen Ereignis. Der "härteste" ist heute sehr relativ zu sehen, denn die damalige Spekulation der Filmkritikerin Holland-Moritz, er würde den "berüchtigten Italo-Western in nichts nachstehen" ist natürlich maßlos übertrieben. Aber wenn auch nichts gezeigt wird, die Andeutung reicht aus, um die Grausamkeit der weißen Eroberer zu verdeutlichen. Eine (tatsächlich italienisch beeinflusste) Filmmusik von Brecht-Komponist Hosalla rundet einen durchweg spannenden Film mit guten Schauspielern ab, dessen Versprechen von der Fortsetzung "Ulzana" leider nicht eingehalten wurde.

ungeprüfte Kritik

Die seltsame Gräfin

Krimi, Deutscher Film

Die seltsame Gräfin

Krimi, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Viele Feinde hat dieser Film unter den Kritikern und unter solchen, die sich dafür halten. Gewiss, Logik sucht man hier vergebens. Sicher, das Stelldichein von UFA-Schauspielern sorgt für einen Hauch von edlem Staub, mit theatralischen Gesten und rollenden Rs. Aber Klaus Kinski ist ja schließlich auch theatralisch, und er gehört zu Edgar Wallace wie das Salz in der Suppe. Und durch die atmosphärisch brillante Kameraarbeit von Richard Angst werden kleine Mängel spielend wieder herausgeholt. Bedeutsam ist der Film schon als Krimi-Debüt des Wallace-Komponisten Nr. 1: Peter Thomas.

ungeprüfte Kritik

Die toten Augen von London

Krimi, Deutscher Film

Die toten Augen von London

Krimi, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
"Eigentlich ist dieser Film ein deutscher Grusel-Klassiker - es hat sich nur noch nicht herumgesprochen." Mit dieser Bemerkung traf Florian Pauer in seinem längst verschollenen Wallace-Film-Buch den Nagel auf den Kopf. Nicht der Krimi dominiert, sondern der Horror (wenn er auch für heutige Verhältnisse unglaublich zahm ist). Verkanntete Kamera, gespiegelte Gesichter, blinde ("tote") Augen und im Wortsinne kaum ein Lichtstrahl im ganzen Film. Selbst die raren Tageslichtaufnahmen scheinen im trübsten Regenwetter gedreht worden zu sein. Besser hätte Alfred Vohrers Einstand in die Serie nicht werden können. Und zwischen all diesen düsteren Sequenzen immer wieder Anflüge von rabenschwarzem Humor. Interessant auch für Zuschauer, die schon immer mal bekannte Synchronstimmen mit ihrem wahren Gesicht sehen wollten: Harry Wüstenhagen (Pierre Richard) und Wolfgang Lukschy (Stewart Granger, Gregory Peck) geben sich die Ehre.

ungeprüfte Kritik

Der Zinker

Krimi
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2009
Ein Gespenst geht um in London: ein Phantom mit Namen "Zinker". Man muß nicht wissen, daß "verzinken" einstmals das Wort für verpetzen war, um zu verstehen, daß es sich bei diesem Menschen um einen der hinterhältigsten Sorte handelt. Literarische Puristen wüteten, als dieser Film ins Kino kam: der Hauptheld des Buches wird schon nach einer halben Stunde getötet, der Zinker mordet mit Schlangengift und der Regisseur bediente sich sogar einer hinterhältigen filmischen Lüge, um von der Spur des Täters abzulenken. Aber was soll's: die Schauspieler waren mit großem Spaß bei der Sache, die Musik von Peter Thomas ist grandios und wer kümmert sich schon um Logik, wenn Nebelschwaden in London wabern. Für den Schreiber dieses Kommentars war vor 20 Jahren dieser Wallace der erste, den er zu Gesicht bekam, und schon damals fällte er das Urteil: meisterhaft! Glücklicherweise wartet die DVD wieder einmal mit einer restaurierten Fassung auf, in der die zahllosen, unsinnigen Kürzungen rückgängig gemacht wurden. Also: ein ungetrübtes Sehvergnügen.

ungeprüfte Kritik

Der Fälscher von London

Krimi, Deutscher Film

Der Fälscher von London

Krimi, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 02.03.2009
Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein. Und in diesem Falle sogar ohne literarische Einschränkung - zusammen mit dem "Roten Kreis" ist der "Fälscher" am originalgetreuesten verfilmt; Änderungen im Vergleich zum Buch sind marginal (und überflüssig). Durch die Besetzung der Hauptrolle mit Hellmut Lange stellt er sehr erfolgreich die Frage: Ist der Held nun der Meisterverbrecher oder nicht? Möglich ist hier alles. Zwar hat Harald Reinls dritter Wallace nicht die freche Ironie oder die schrille Spannung der Vohrer-Filme zu bieten, dafür geht er aber mal psychologisch etwas mehr in die Tiefe als sonst (soweit das bei Edgar Wallace überhaupt möglich ist). Daß die Schauspieler ein Genuß sind, versteht sich von selbst - besonders Viktor de Kowa ist hervorzuheben. Für Komponist Martin Böttcher begann die erfolgreiche Arbeit für die Rialto-Film, die wenig später in den Winnetou-Filmen gipfeln sollte.

ungeprüfte Kritik