Filmkritik Der große Gatsby

Der große Gatsby - eine große Erfahrung!

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   14.06.2013
Der große Gatsby (Australien/USA 2013), von Kritikern zerrissen und zerpflückt - ob man will oder nicht, irgendwie kommt man um die schlechten Meinungen zu diesem Film einfach nicht herum. Leider trug dies im meinem Fall unweigerlich zu einer Art Unlust, geradezu Antipathie zu diesem Remake bei. Die einzige Vorfreude auf den bevorstehenden Kinobesuch bestand also traurigerweise aus einer Tüte Popcorn.
Dieser Umstand erwies sich im Nachhinein allerdings als Segen: Ich saß also im Kino, ohne jegliche Erwartung an Baz Luhrmanns neues Liebesdrama, knabberte mein Popcorn und hoffte, dass die 142 Minuten Spielfilmlänge möglichst schnell an mir vorübergingen.

Nebenbei bemerkt, ich bin zwar ein begeisterter Leonardo DiCaprio-Anhänger, jedoch zählen Lovestorys nicht zu meiner ersten Wahl, wenn es um Filme geht.

Der Vorhang öffnet sich

Regisseur Luhrmann hat bei der Verfilmung des Roman von F. Scott Fitzgerald tief in die Tasche greifen müssen, geschätzte 127 Millionen Dollar, die man dem Gatsby bereits in den ersten Filmminuten ansieht. Partys, auf denen sich Gäste wie Pompöös-Modegeschäft-Besitzer und Modedesigner Harald Glööckler daheim fühlen würden, luxuriöse Villen und teure Autos.

Auch die Kostüme der Darsteller, speziell der Frauen, lassen einen vor Neid erblassen. Dies ist Catherine Martin zuzuschreiben. Martin ist Baz Luhrmanns Ehefrau und als Setdesignerin bereits zweifach für ihre Kostümbilder ausgezeichnet worden. Für Moulin Rouge (ebenfalls von Luhrmann) gewann sie den Oscar für das beste Szenenbild und als beste Kostümdesignerin.

Luhrmann bleibt sich treu

Baz Luhrmann, bekannt für seine Detailverliebtheit, hat sich auch in seinem neuesten Werk nicht lumpen lassen. Szenen, in denen beispielsweise in Zeitlupe eine Perlenkette in tausend Teile zerspringt. Die Art wie Luhrmann Rückblenden der Protagonisten darstellt oder Passagen einen Ausdruck verleiht, indem er sie geschrieben in das fortlaufende Bild einfügt, empfand ich als sehr beeindruckend.

Und zu guter Letzt der Soundtrack, mit Songs von Jay-Z, Lana Del Rey und Co., die dem Gesehenen den letzten Feinschliff verleihen.
Nick: "Man kann die Vergangenheit nicht wiederholen."

Gatsby: "Die Vergangenheit nicht wiederholen? Aber natürlich kann man das!"
Tobey Maguire verkörpert Nick Carraway, Jay Gatsbys "alten Knaben", wie dieser zu sagen pflegt. Nick kommt im Frühjahr 1922 nach New York und sein Nachbar entpuppt sich als Jay Gatsby, über den jede Menschenseele in New York eine Geschichte zu munkeln hat.

Gatsby ist für die meisten ein Gespenst, unantastbar und geheimnisvoll, aber für Nick öffnen sich die Pforten zu Gatsbys Welt.

Ein Mann, der in einem kleinen grünen Licht Hoffnung sah

Leonardo DiCaprio hat es einfach drauf, ein Opfer der Liebe zu verkörpern.

Bereits in Romeo + Julia sowie Titanic konnten wir seinen wortwörtlichen Untergang auf der Kinoleinwand betrachten.

Und wir litten mit ihm - und wie wir litten! Ständig der insgeheime Wunsch: "Mach das nicht, trink das Gift nicht!". So ergeht es einem auch bei Der große Gatsby.
Man lernt Gatsby als millionenschweres Mysterium kennen, um den die Gerüchteküche überzukochen scheint, doch diese Fassade fällt schnell. Schon ziemlich früh entpuppen sich die teuren Partys und sein extravaganter Lebensstil als Mittel zum Zweck, das wiederzubekommen, was er einst verlor: seine große Liebe Daisy (Carey Mulligan).
Daisy lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann in einer Villa in der gegenüberliegenden Bucht. Abend für Abend starrt Gatsby von seinem Steg aus das kleine grüne Licht an, das ihre Villa umgibt.

Daisy wirkt gebrochen und verletzlich durch die allgegenwärtige Untreue ihres Mannes. Die gemeinsamen Stunden mit Gatsby sind für sie zunächst wie eine Flucht aus ihrem trostlosen Leben. Daisy ist glücklich, doch das Glück ist ihnen nicht lange vergönnt.

"Ich habe noch nie so schöne Hemden gesehen"

Wie gesagt, ich bin kein Freund von Lovestorys, aber so wie Gatsby Daisy ansieht, möchte einfach jede Frau angesehen werden! Eine Szene, in der Gatsby und Daisy mit ca. drei Dutzend Hemden hantieren (wenn Sie den Film gesehen haben, werden Sie wissen, welche ich meine), hat es mir besonders angetan.

Die Liebesszenen sind derart vertraut und harmonisch inszeniert, dass sie das ein oder andere mal unweigerlich zu einer Gänsehaut führen. Aber so schön die Liebesbeziehung der beiden Hauptdarsteller ist, Der große Gatsby ist in die Waagschale geworfen, mehr ein Drama als eine Liebesgeschichte, und so nehmen die unglücklichen Umstände ihren Lauf...

Jay Gatsby, und wie er der Liebe zum Opfer fiel!

Baz Luhrmann zeigt DiCaprio als einen Mann, der niemals die Hoffnung verliert, Carey Mulligan als Objekt der Begierde und Tobey Maguire als Gatsbys einzigem Vertrauten. In weiteren Rollen findet man bekannte Gesichter wie Isla Fisher, Amitabh Bachchan, Jason Clarke und Joel Edgerton.

Fazit: Sollte Ihr Filmgeschmack in Richtung große Gefühle und tragische Ereignisse gehen, sind Sie mit Der große Gatsby auf alle Fälle gut bedient. Und auch Kritikern wie mir, die sich von der Außenwelt den Film haben mies machen lassen, kann ich nur raten: Geben Sie Gatsby eine Chance, er wird Sie nicht enttäuschen!
Lassen Sie sich auf dieses Filmvergnügen ein, "alter Knabe"!

Der große Gatsby wird Sie begeistern, demnächst auch in Ihrem Heimkino:

Der große Gatsby

Drama

'Der große Gatsby' erzählt von dem - F. Scott Fitzgerald selbst nachempfundenen - hoffnungsvollen Nachwuchsautor Nick Carraway (Tobey Maguire). Er kommt im Frühjahr 1922 aus dem Mittelwesten nach New York City, das von lockeren Moralvorstellungen, Jazz-Glamour,...  mehr »

Produktion:
2013
Medien:
DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D, VoD
Freigabe:
FSK 12
Bewertung:
Leonardo DiCaprio ist 'Der große Gatsby' © Warner 2013
Leonardo DiCaprio ist 'Der große Gatsby' © Warner 2013