Die Millennium Trilogie beginnt

Verblendung: Keine Empfehlung. Keine Trilogie.

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   14.04.2010
Alter Schwede. Harter Tobak. Dies ist keine Empfehlung und auch keine Filmkritik. Die folgenden Zeilen bringen Ihnen die 'Millennium Trilogie' ein wenig näher, verraten Ihnen einige Zusammenhänge über die Bücher und Filme, den Autor und die Darsteller - warum nach einem atmosphärisch-spannenden Filmabend keine Empfehlung ausgesprochen wird und warum es im Grunde gar keine Trilogie ist.

Menschliche Abgründe hinter schwedischen Gardinen

Stieg Larsson ist der geistige Vater der Millennium Trilogie. Ein Schriftsteller, der bei vielen schon ein so geläufiger Begriff geworden ist, wie sein schwedischer Landsmann Henning Mankell. Im Gegensatz zu Mankells Bestellern begibt sich bei Larsson nicht Kurt Wallander, sondern der Journalist Mikael Blomkvist auf Spurensuche. Diese Suche führt Leser und Zuschauer gleichermaßen in wahrhaft finstere Abgründe der menschlichen Seele. Sie wurden gewarnt! ... Im Gegensatz zu einem Pärchen, das sich gemütlich einen Krimi anschauen wollten und den Schreiber dieser Worte spontan um Rat baten. Greift zu Verblendung (Schweden/Dänemark/Deutschland 2009), eine nicht nur in Hinblick auf Einspielergebnisse unheimlich erfolgreiche DVD und Blu-ray Neuerscheinung. Mit 4,2 von möglichen 5 Bewertungssternen wurde dieser Film obendrein nach zahlreichen abgegebenen Kundenmeinungen bei Video Buster besonders positiv bewertet. Die Resonanz nach dem besagten kuscheligen Pärchenabend? Oje, was war das für eine erschreckende Geschichte! Vergewaltigung, Leichen, Hoffnungslosigkeit. Diesen Film kann man doch nicht empfehlen!

Schrecklich, schrecklich schön.

Oder doch? Obwohl der Schock einiger Filmbilder tief bewegt und sich manche Momente wahrlich ins Gedächtnis brennen, sind die 147 Filmminuten nicht nur durchweg spannend wie ein ordentlich gestrickter Krimi, sie sind vor allem aufrüttelnd. "Ich brauche solche Bilder nicht in meinem Leben!", bekamen wir einmal zum Thema 'Horrorfilm' von einer Frau zu hören. Das ist eine Entscheidung, die jeder von uns im Leben treffen kann, auch wenn die Medienlandschaft uns mit manchen Grausamkeiten unfreiwillig und unvorbereitet konfrontiert. Nicht so in diesem Fall, denn diese ist wie gesagt keine Empfehlung zu einem sehr empfehlenswerten Film.

Die Millennium Trilogie beginnt...

Überspringen Sie diesen Absatz und klicken Sie unten gleich auf "nächste Seite", wenn Sie lieber gar nichts zur Handlung von Verblendung erfahren wollen. Auf welche Geschichte Sie sich einstellen können: Ein Journalist, Mikael Blomkvist (Schauspieler Michael Nyqvist) wurde bei den Recherchen um den womöglich illegal agierenden Unternehmer Wennerström gelinkt, wird zu einer Haftstrafe verurteilt und legt die Arbeit an seiner Enthüllungszeitschrift 'Millennium' nieder. Doch ein neuer Auftrag tut sich auf. Der wohlhabende Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) möchte ihn engagieren, den seit Jahrzehnten ungeklärten Fall um das Verwinden seiner Nichte Harriet aus einer unvoreingenommenen, journalistischen Sicht noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Unverhoffte Hilfe bekommt Blomkvist von einer Hackerin namens Lisbeth Salander (Noomi Rapace), die ihn beim Lösen einer Zahlenfolge in Harriets Tagebuchaufzeichnungen auf eine richtungsweisende Fährte bringt.
Bildmaterial © 2009 NFP neue film produktion GmbH
Klingt wie ein "sehr gut gemachter Tatort", meinen Sie? So schreibt es jemand nach dem Entleihen in den Video Buster Kritiken. Doch da gibt es auch andere Stimmen, die sich beschweren, dass "viele Szenen viel zu brutal" seien, die es unbegreiflich finden, "dass der Film ab 16 freigegeben ist". In einer weiteren Besprechung ist zu lesen: "FSK 16 aber für meinen Geschmack viel zu brutal (Kopfkino)!!" Doch schon im anschließenden Satz heißt es: "Trotzdem uneingeschränkt zu empfehlen." Zur Verteidigung sollte erwähnt sein, dass Das Schweigen der Lämmer anno 1991 ebenfalls mit einer FSK-16-Altersfreigabe bedacht wurde und ohnehin in Hinsicht auf Thematik und Filmqualität ganz gut in diese Diskussion passt. Brutal und brutal gut? Diese Quintessenz könnte man der europäischen Produktion Verblendung geben, die u.a. vom schwedischen Studio 'Yellow Bird Films', dem dänischen 'Nordisk Film' und vom deutschen Geldgeber 'ZDF Enterprises' finanziert wurde.

Fiktion und Biografie

Auf die Interviewfrage, ob Hauptdarsteller Michael Nyqvist schon vor dem Filmprojekt von dem Autoren Stieg Larsson gehört habe, erzählt er vom enormen Bucherfolg in Skandinavien, von der journalistischen Tätigkeit Larssons mit seinen 'Expo' Zeitungen, die der Redaktionstätigkeit des im Film vorkommenden 'Millennium' Blattes ganz ähnlich wären. Ganze zwei Minuten lang hätte er den Schriftsteller sogar persönlich vor dessen Tod getroffen. Vor dessen Tod? Richtig, leider erlitt Stieg Larsson 2004 in Stockholm einen tödlichen Herzinfarkt. Larsson, der am 15. August 1954 in einer kleinen schwedischen Gemeinde geboren wurde, war gerade einmal 50 Jahre auf der Welt. Und was er in diesen Jahrzehnten erlebte, schlägt sich mit voller Wucht in seinen Werken nieder. Das Dorf in Nordschweden, in dem er bei seinen Großeltern aufwuchs, kommt in Verblendung vor. Dazu berichtet eine Biografie davon, wie der 14-jährige Larsson tatenlos mit ansehen musste, wie seine Freunde ein Mädchen vergewaltigen. Seit diesem Erlebnis hat er sein Leben dem Kampf gegen Ungerechtigkeit gewidmet.

Biografie und Fiktion

Biografische Puzzlestücke fügen sich in seinen Romanen und den entsprechenden Verfilmungen zusammen und zeigen uns einen alptraumhaften Blick in die Keller der Gesellschaft. Sein erster Trilogie-Roman trägt im Original den Titel 'Män som hatar kvinnor' (übersetzt 'Männer, die Frauen hassen' = Verblendung), der zweite 'Flickan som lekte med elden' ('Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte' = Verdammnis) und der abschließende 'Luftslottet som sprängdes' ('Das Luftschloss, das gesprengt wurde' = Vergebung). Doch verbirgt sich hinter der 'Millennium' Hinterlassenschaft womöglich noch mehr? Spekulationen über zehn (!) skizzierte Bände kursieren, der fünfte sei vor Larssons Tod beinahe beendet worden! Vater und Bruder seien die Rechteinhaber und die Lebensgefährtin besäße einen Laptop, auf dem das Manuskript gespeichert sei. Stoff, der wie bei der Familie Vanger im Buch/Film so manche Geschichte zu Tage fördern könnte. Was, wenn sich die Hackerin Lisbeth Zugang zu diesem Laptop verschaffen könnte? Da verschwimmen Realität und Fiktion...
Bildmaterial © 2009 NFP neue film produktion GmbH
Drei Dinge würde Larsson präsentieren, so der Schauspieler Nyqvist, mit denen man die gesellschaftlichen Missstände aufdecken könnte: ein Stift, ein Handy und ein Computer. Das könnte in jedem von uns die Hoffnung und den Mut bestärken, selbst tätig zu werden, um mit diesen Hilfsmitteln womöglich auch etwas zu verändern. Die Figur des Journalisten Blomkvist wäre dafür die beste Vorlage: Er benutzt keine Waffen, fährt keine schnellen Autos, er setzt seinen Verstand ein. Die Feder ist mächtiger als das Schwert.

Gemeinsam stark

Eine entscheidende Unterstützung erhält Blomkvist jedoch: Lisbeth Salander. Im Film von 2009 wird Lisbeth von Noomi Rapace dargestellt. Die Tochter einer Schwedin und eines Flamenco-Tänzers ist Theaterschauspielerin, bekam für ihre vorangegangene Filmrolle in 'Daisy Diamond' (2007) mehrere Auszeichnungen und ist in der Millennium Trilogie einfach sehenswert. Dabei waren die Erwartungen an sie so hoch, erzählt Rapace im Interview, dass sie die äußeren Einflüsse in der Vorbereitungsphase auf Lisbeth Salander komplett ausblenden musste und einen eigenen Weg zur Figur fand. Das Ergebnis: Mit ihrer Interpretation wurde sie für den Europäischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Sollten Sie sich entschließen, die DVD oder Blu-ray von Verblendung auszuleihen, sehen Sie sich unbedingt das Bonusmaterial an, denn dort können sie die Schauspielerin in ihrem privaten Aussehen erleben, das überraschend anders ist. Auch wenn wir Ihnen die erste Verfilmung der Trilogie aus den genannten Gründen nicht uneingeschränkt empfehlen - das Filmpaar Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander alias Michael Nyqvist und Noomi Rapace ist wirklich großartig. Einen zeitlichen Fahrplan der Millennium Trilogie geben wir Ihnen auch noch an die Hand: Die Romane wurden posthum 2005, 2006 und 2007 veröffentlicht und sind in Deutschland bereits gebunden, als Taschenbuch und als Hörbuch erschienen. Die Filme kommen auf DVD und Blu-ray in den Verleih, und zwar nach Verblendung (seit dem 05.02.10 bei Video Buster) zunächst Verdammnis zum 04.06.10 und Vergebung mit seinem Kinostart am 3. Juli 2010 voraussichtlich Ende 2010.

Jetzt ist es an Ihnen, zu entscheiden, ob Sie in die Tiefen der Trilogie einsteigen wollen und wenn ja, in welcher Form. Sind die Verfilmungen mit je gut 2 Stunden Spielzeit in unserer hektischen Gegenwart eine gern gesehene Zeitersparnis gegenüber den 700, 800, 900 Seiten starken drei Lesestoffen - oder nur Zeitverschwendung? Wie bei allen Literaturverfilmungen geben die Bewegtbilder natürlich nur die Kernstücke der Erzählungen wieder. Der erste Film der Reihe würde im Vergleich zum Buch wie ein zehnmal aufgebrühter Teebeutel wirken, resümierte einer unserer Kollegen. Im direkten Vergleich würden Sie ihm womöglich zustimmen? Als Spielfilm für sich genommen, schmeckt Verblendung allerdings wie ein starker schwarzer Tee, der von Liebhabern dieser 'Sorte' gespannt genossen werden kann. Wohl bekomm's!
Bildmaterial © 2009 NFP neue film produktion GmbH

Stieg Larssons Millennium Trilogie in drei Filmadaptionen

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Produktion:
2009
Medien:
DVD, Blu-ray
Freigabe:
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Bewertung:

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Produktion:
2009
Medien:
DVD, Blu-ray, VoD
Freigabe:
FSK 16
Bewertung:

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Produktion:
2009
Medien:
DVD, Blu-ray, VoD
Freigabe:
FSK 16
Bewertung: