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Kritiken von "ahohmann" aus

178 Kritiken in dieser Liste

Darstellung:
  • Intrige
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 27.07.2020
    Opulente historische Nachbildung, die von der visuellen Detailversessenheit von Roman Polanski profitiert. Die "Affäre Dreyfus" lieferte die berühmteste Zeitungstitelseite der französischen Geschichte mit dem famosen "J'accuse" ("ich klage an") des Schriftstellers Emile Zola.

    Im Kontext des französischen Antisemitismus des späten 19. Jahrhunderts wurde aufgrund einer schludrigen Untersuchung ein Unschuldiger bestraft. Danach wollte man in den hohen Sphären nichts mehr wissen und nur noch den Ruf der Streitkräfte protegieren. Einige Leute stellten sich dagegen, darunter ein paar Namen wie Jean Jaurès und Georges Clémenceau, die später noch zu bedeutsamen Politikern aufsteigen würden. Und ein geradliniger Geheimagent.

    Warum Polanski bei aller Mühe um historische Genauigkeit die fiktive Figur der Lebensgefährtin von Georges Picquart erfand, um doch wieder nur seine Frau Emmanuelle Seigner im Film zu platzieren, wo doch etliche andere französische Schauspielerinnen irgendwie besser gepasst hätten?

    Es ist ein ruhiger Dialogfilm, die meisten Schauspieler geben ihr Bestes, und die Epoche ist aufwendig rekonstruiert. Wer grundsätzlich keinerlei Interesse an französischer Geschichte hat, wird hier aber möglicherweise nicht wirklich satt.
  • Fences
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 15.07.2020
    Jahre nachdem die Truppe das Stück von August Wilson auf dem Broadway aufgeführt hatte, stellte sie sich hier noch einmal vor die Kamera von Denzel Washington, Regisseur und Hauptdarsteller. Es sind die selben Schauspieler wie auf der Bühne.

    Der Dramaturg August Wilson, Sohn einer afro-amerikanischen Mutter und eines sudetendeutschen Vaters, schrieb einen "Pittsburgh Cycle" in 10 Stücken, um seinem Land das alltägliche Leben vieler afro-amerikanischer Existenzen zugänglich zu machen, das Amerika bis dahin weitgehend ignoriert hatte. Jedes Stück spielte in einem anderen Jahrzehnt, "Fences" ist in den 1950ern angesiedelt und ist eines der beiden Stücke der Reihe, die einen Pulitzer-Preis gewannen.

    Alle 10 Stücke spielten in diesem seinem Herkunftsviertel in Pittsburgh, in dem auch der Film gedreht wurde. Aus dieser Warte ist dieser Film zu sehen, in dem recht wenig passiert. Alles steckt in den Dialogen und den Gesichtern - und eigentlich auch der Aussprache, die bei der Synchronisierung natürlich verloren geht. Die Darsteller sind sehr gut, die beiden Hauptdarsteller gigantisch.
  • 21 Bridges
    Der einzige Ausweg führt über ihn!
    Thriller, Krimi
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 07.07.2020
    Klassischer und gut geölter "Nacht in New York"-Thriller mit einer hervorragenden, internationalen Besetzung, für die die Story dann doch vielleicht ein bisschen allzu klassisch ist. Aber es funktioniert, vor allem vom intensiven Charisma von Chadwick Boseman getragen und von der Kamera- und Belichtungsarbeit von Paul Cameron unterstützt.
  • Pride
    Nach einer außergewönlichen wahren Begebenheit.
    Komödie, Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 27.06.2020
    Natürlich lebt der Film vom enormen Kontrast zwischen den Londoner Gays & Lesbians und den Bewohnern einer schon halb vergessenen Bergbauregion. Aber da war auch die Thatcher-Regierung, die versuchte, diese Regionen durch Minenschließungen ganz vergessen zu machen, während auf der anderen Seite AIDS gerade zu einem großen Thema geworden war. Dieser historische Hintergrund gibt der Story bei allem Humor und aller Menschlichkeit und allen Wohlfühl-Momenten und aller Brit-Pop auch immer eine gewisse Dramatik im Hintergrund. Dass diese Geschichte, die alles für einen Film hat, noch nicht früher verfilmt wurde, erscheint im Rückblick kaum verständlich.

    Tolle Schauspieler. Viel Arbeit in der Rekonstruktion einer Epoche, die weiter weg scheint, als sie ist, und viel visuelle Arbeit auch in den Farben.

    Ein herzerwärmender Film wie ich schon länger keinen mehr gesehen habe.
  • Designated Survivor - Staffel 2
    Serie, Thriller
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 16.06.2020
    Für mich sind die Dialoge der wichtigste Punkt, jedenfalls in der Originalfassung - schnell, witzig, smart. Ein paar neue Figuren beleben in der zweiten Staffel das Ensemble. Auch für das Set hat die Produktion deutlich mehr Geld locker gemacht, auch wenn die Räume deutlich großflächiger ausfallen als im Originalgebäude.

    Die Action-Szenen und polizeilichen Ermittlungen sollen die Dramaturgie anreichern und mehr Rhythmus herein bringen, nicht unbedingt jedoch mehr Realismus. Manches soll US-Städte darstellen, manches England, gedreht wurde aber in Kanada.

    Der Blick auf die Washingtonsche Politik wird schematisiert und wirkt mitunter naiv - ein ziemlich herziger und gesitteter Kontrast zu den aktuellen Wirklichkeiten. Man lernt aber auch einiges über das US-amerikanische politische System und seine zahlreichen Austarierungen und "checks & balances" und ständigen Kuhhandel.

    Insgesamt spannend und unterhaltsam.
  • Midway
    Für die Freiheit
    Kriegsfilm
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 05.06.2020
    Sehr klassisches Kino, das von der Struktur her auch ein Film aus den Sechzigern sein könnte, jedoch mit aktuellen digitalen Effekten.
  • Killing Gunther
    Action, Komödie
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 23.05.2020
    Auweia, es ist teilweise richtig anstrengend, dabei zuzuschauen, wie angestrengt sich die Figuren Mühe geben, superlustig zu sein. Eigentlich B-Movie-Trash. Doch irgendwann in den letzten zwanzig Minuten taucht Arnold Schwarzenegger auf und trägt genau so dick auf, überspitzt in der Originalfassung seinen österreichischen Akzent, stiehlt allen die Show und hat offensichtlich viel Spaß. Insofern ist er die Belohnung (oder das Ende der Bestrafung) für die vorangegangene Stunde.
  • Ein Wunder - Staffel 1
    Drama, Serie, Krimi
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 22.05.2020
    Es geschieht etwas, das physikalisch gar nicht möglich sein kann, und das bleibt zunächst ein eng behütetes Staatsgeheimnis. Doch es beginnt schon, manch ein Leben zu verändern. Am Ende bleibt nur ein Kopf kühl.

    Niccolò Ammaniti sucht immer wieder den Kontrast: zwischen schön und hässlich, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Moderne und traditionsverhafteten Landstrichen, zwischen Tod und Leben, spielt auch mit Zeitverschiebungen, die vielleicht doch keine sind, und schlägt gelegentlich Brücken ins Absurde, gerade weil die Wirklichkeit mitunter so absurd sein kann. Die Selbstbeherrschten verlieren die Fassung, die Unbeherrschten finden sie, und so verweben sich die verschiedenen Erzählstränge immer wieder miteinander.

    Diese elegante Miniserie löst das Rätsel in der ersten Staffel noch nicht auf. Und sie nimmt sich Zeit, sucht keine unnötige Action, erforscht eher die Figuren und ihre Wege und lauernden Abwege. Wer Mystery-Serien mag, sollte sich diese italienische Produktion wirklich einmal anschauen.
  • The State Within - Die Schattenmacht
    Thriller, Krimi
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 03.05.2020
    Spannender Polit-Thriller mit intelligentem Drehbuch und ständigen Weiterentwicklungen der Story. Es gibt keine Leerläufe. Niemand kann solche Miniserien so gut wie die Briten. Sehr sehenswert.

    Ein bisschen fühlt man sich in der Umsetzung an die robuste englische Spionageserie "Spooks" erinnert (in Deutschland leider weitgehend unbekannt).
  • Joker
    Setz ein Grinsen auf.
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 27.04.2020
    Erstaunlich wie ein Film, wenn ihm ein großes Comic-Label anhängt, gigantische Geldsummen einfährt, und wie es so manche Ähnlichkeiten mit "A Beautiful Day" (Originaltitel "You Were Never Really Here") mit demselben Hauptdarsteller gibt, dieser aber über ein kleines Arthouse-Publikum kaum jemanden erreichte. Dabei tunken beide ihre Wurzeln (unter anderem) in die Martin-Scorcese-Filmografie. (Beide Filme haben übrigens einen weiteren, noch sehr jungen Schauspieler gemeinsam, Dante Pereira-Olson.)

    Es ist auf jeden Fall ein interessantes und riskantes Experiment fernab der Regelwerke typischer Superhelden-Unterhaltung und kaum verwunderlich, dass die Meinungen so geteilt sind. Meine beiden Gehirnhälften streiten auch immer noch.
  • Shine
    Der Weg ins Licht
    Drama, Musik
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 11.04.2020
    Wer nach dem Film weiter an der Vita des Pianisten interessiert ist, kann den Dokumentarfilm "Hello, I Am David" von Cosima Lange anschauen. Darin wird er auf einer Konzertreise begleitet. Leider ist der Film derzeit offenbar nicht für den Verleih freigegeben.
  • Sleep Tight
    Jemand beobachtet dich.
    Drama
    Bewertung und Kritik von Filmfan "ahohmann" am 02.04.2020
    Erschreckend smartes Skript - ein Psychothriller mit einer erzählerischen Struktur fast wie die eines Horrorfilms. Und wie die "REC"-Serie desselben Regisseurs spielt auch dieser Film fast gänzlich in einem einzigen Wohnhaus.

    Luis Tosar spielt die Hauptfigur mit erlesener Perfidie: Das Empfinden von Glück ist ihm nicht möglich, es bleibt ihm aber als beste Annäherung, wenn er dafür sorgen kann, dass andere unglücklich sind. Das klappt recht leicht, außer bei einer Bewohnerin von unbeirrbar sonnigem Temperament, bei der sein Spiel dann alsbald außer Kontrolle gerät.

    Ein paar Mal ertappt sich der Zuschauer dabei, zu merken, wie leicht er sich hinters Licht führen ließ.