Kritiken von "howardh"

Gelbe Briefe

Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 03.08.2026
Gelungene Verknüpfung zwischen den Ehe-/Erziehungs-Problemen eines Künstler-Ehepaars und dessen staalicher Drangsalierung aufgrund dessen systemkritischer Haltung. Ganz große Klasse ist Özgu Namal in der weiblichen Hauptrolle.

Ganz unmerklich und zunächst in ganz kleinen Schritten schränkt der Staat die Freiheit des Paares ein. Dann gibt es auf einmal Anzeigen wegen staatsfeindlicher Hetze. Sofort werden Strafverfahren in Lauf gesetzt, die dann allerdings ganz ganz langsam betrieben werden. Allein auf die erste Anhörung müssen die Betroffenen monatelang warten. Und wenn es dann tatsächlich vor Gericht verhandelt wird, dann werden zur Untermauerung der Anklage schnell aus dem Handgelelenk neue - teils völlig banale (z.B. Rauchen in den Umkleideräumen) - Angriffspunkte fabriziert. Während dessen verlieren die Angeklagte ihre Arbeitsplätze und geraten in eine völlig prekäre Situation. Freunde und Verwandte geben nur teilweise eine Hilfestellung.

Und genau das ist beabsichtigt. Der Staat sperrt seine Kritiker nicht ein, aber er treibt sie brutal in die Enge. Gleichzeitig signalisiert er gegenüber dem Rest der Welt, was Systemkritikern passiert.

Der Film bietet gutes Anschauungs-Material für die Gefahren, die entstehen, wenn extremistische Politiker bzw. Parteien an die Macht kommen und schrittweise Schlüsselpositionen besetzen.

ungeprüfte Kritik

Hamnet

Halte dein Herz offen.
Drama

Hamnet

Halte dein Herz offen.
Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 01.08.2026
Verfilmung eines Romans, der mit viel Phantasie einen persönlichen Schicksalsschlag von William Shakespeare (Tod seines 11-jährigen Sohne Hamnet) mit der Entstehung von "Hamlet" verknüpft. Ob es sich mehr um Spekulationen oder eher um einen realistischen Hintergrund handelt, muss zangsläufig offen bleiben, weil lediglich die späten - also nach dem Filmgeschehen liegenden - Lebensjahre Shakespesares relativ gut erforscht sind.

In etwa der letzten Viertelstunde des Films wird ganz großes Kino geboten, aber die rd. 100 Minuten vorher sind zum Teil schon sehr zäh und steinig. Warum seine Ehefrau (historisch relativ gesichert hieß sie Anne Hathaway, war acht Jahre älter als Shakespeare und ziemlich reich) im Film "Agnes" heißt und aus prekären Verhältnissen stammt, darüber kann man nur spekulieren.

Vermutlich wäre die Handlung ansonsten noch viel handlungsärner gewesen. Eigentlich geht es nämlich nur darum, dass Agnes ihrem Mann vorwirft, nicht genügend Empathie für die Familie aufzubringen und viel zu wenig anlässlich des Todes des Sohnes getrauert zu haben. Erst am Schluss wird ihr klar, dass auch er getrauert hat, halt allerdings auf völlig andere Weise als sie selbst.

ungeprüfte Kritik

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Nach dem gefeierten Bestseller von Joachim Meyerhoff.
Drama, Deutscher Film

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Nach dem gefeierten Bestseller von Joachim Meyerhoff.
Drama, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 27.07.2026
Amüsante und kurzweilige Verfilmung eines autobiografischen Romans des Schauspielers Joachim Meyerhoff. Es geht um die Irrungen und Wirrungen eines Schauspieler-Adepten in den 1980er-Jahren, einer Zeit des Theater-Umbruchs. Der Original-Text der Stücke wurde immer unwichtiger, statt dessen triumphierten die "kreativen" Text-Umdeutungen der jeweiligen Regisseure. Dabei schreckte man auch vor Klassikern nicht zurück.

Und die Schauspiel-Schüler mussten sich darauf einlassen. Grandios sind Senta Berger als alternde Diva und Michael Wittenborn als ihr Professoren-Ehemann, die die Schauspiel-Strampeleien ihres Enkels teils ungläubig, teils auch mit großartiger Toleranz und Nachsicht und auch mit einem soliden Alkohol-Spiegel begleiten. Auf die Idee, nach dem Zähneputzen mit Whisky zu gurgeln, muss man auch erst einmal kommen.

ungeprüfte Kritik

Crime 101

Ein Raub verbindet sie alle - Basierend auf der Novelle von Don Winslow.
Thriller, Krimi

Crime 101

Ein Raub verbindet sie alle - Basierend auf der Novelle von Don Winslow.
Thriller, Krimi
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 27.07.2026
Die Verfilungen von Don-Winslow-Romanen geraten leider öfters etwas daneben. Seine Bücher sind sehr komplex und weisen überdurchschnittlich viele Handlungsstränge auf. An deren "Eindampfen" auf eine akzeptable Film-Länge scheitern viele Regisseure bzw. Drehbuch-Autoren.

Die Verfilmung der Winslow-Kurzgeschichte "Crime 101" dagegen ist hervorragend gelungen. Der Film ist zwar etwas länger (2 Stunden 20 Minuten), aber nicht übermäßig lang. Es gibt genügend Action-Szenen - zum großen Teil Auto-/Motorrad-Verfolgungsjagden -, aber nicht überzogen viele. Es werden zwar nicht alle Handlungsstränge aufgelöst, doch zumindest diejenigen, die für den Zuschauer am wichtigsten sind.

Mit einem Wort: Der Film bietet alles, was ein Action-Heist-Movie ausmacht, und zwar genau in der richtigen Dosierung. Und Halle Berry ist einfach nur grandios!

ungeprüfte Kritik

Is This Thing On?

Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 26.07.2026
Der Film hat relativ wenig Handlung, dafür ziemlich langwierige und teils auch eher langweilige Dialoge. Eigentlich geht es vorrangig um eine Aufbereitung des Ist-Zustandes einer Ehe, die nach 20 Jahren vor dem Aus steht - oder vielleicht doch auch nicht?

Großes Manko des Films ist, dass die beiden halbwüchsigen Kinder nur am Rande auftauchen und nicht die wichtige Rolle spielen, die sie im "wirklichen Leben" hätten, und dass man sehr wenig über den beruflichen und finanziellen Background des Paares erfährt. Jedenfalls scheint Geld nicht gerade das ganz große Problem zu sein. Der Mann kann ausziehen und sich eine Appartement-Wohnung leisten, die auch für eine Übernachtung der beiden Kinder groß genug ist. Die Frau war früher eine Volleyball-Spitzenspielerin, der auf Anfrage sofort die Stelle der US-National-Trainierin angeboten wird. Das Ganze wirkt schon sehr den irdischen Nöten enthoben.

Jedenfalls sind beide Ehepartner daran, sich beruflich völlig neu zu orientieren. Ob diese Veränderungen den letzten Rettungs-Strohhalm bilden oder im Gegenteil dazu der Ehe den endgültigen Todesstoß versetzen, (Achtung: Spoiler!) bleibt offen.

Kleine Anmerkung: jetzt weiß ich auch, was "Irish twins" sind: Ein in Irland unbekannter, aber in der englischen Umgangssprache in der restlichen Welt verwendeter herabsetzender Ausdruck, der zwei Geschwister bezeichnet, die innerhalb von 12 Monaten geboren sind (weil die Iren angeblich alle streng katholisch sind und kaum Verhütungsmittel anwenden).

ungeprüfte Kritik

Ein Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlos

Komödie, Lovestory
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 16.07.2026
Männer in der Midlife-Crisis? Ein alter Hut, allerdings immer noch für viele Schenkel-Klatscher gut.

Frauen in der Midlife-Crisis: Eher selten, im Kino sogar ganz selten. Und wenn doch, dann sind es in aller Regel keine Schenkelklatscher. Genauso ist es in diesem unaufgeregten und durch humoristische Zwischentöne aufgelockerten Film (Warnung: Der Trailer übertreibt die Comedy-Elemente gewaltig). Einer Frau im Intellektuellen-Milieu (gut situiert, beruflich erfolgreich, zwei Kinder im Teenie-Alter, ein sympathischer Ehemann, nette Freunde) stellt sich kurz vor ihrem 50. Geburtstag die Frage aller Fragen: War das wirlich alles in meinem Leben?

Ihre Antwort: Da könnte vielleicht noch was ganz Anderes kommen, aber nur, wenn sie volles Risiko geht. Nach einem kurzen - im Unverbindlichen auslaufenden - Dienstreisen-Flirt trennt sie sich von Mann und Kindern und baut sich ein völlig neues privates Umfeld auf. Ob sich das Risiko gelohnt hat, erfährt man erst am Ende des Films.

ungeprüfte Kritik

Die Farben der Zeit

Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 09.07.2026
Kein Drama, keine Komödie, keine Action, kein Problem-Film, am besten passt wohl eine Einordnung als "Dramedy". Ein Film der Entschleunigung, und zwar auf beiden Zeit-Ebenen (2015 sowie 1875 bzw. 1895), in denen die Handlung spielt. Regie und Drehbuch verknüpfen diese beiden Zeit-Elemente auf amüsante und kurzweilige Art geschickt miteinander.

Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf der historischen Zeit-Ebene (in etwa letztes Viertel des 19. Jahrhunderts), wodurch der Zuschauer auch interessante Einblicke in den - nach schwierigsten Anfängen - damals gerade aufkommenden Impressionismus und dessen Protagonisten erhält.

Ein Film zum Anschauen und Genießen.

ungeprüfte Kritik

The Housemaid - Wenn sie wüsste

Geheimnisse lauern hinter verschlossenen Türen. Basierend auf dem weltweiten Bestseller.
Thriller

The Housemaid - Wenn sie wüsste

Geheimnisse lauern hinter verschlossenen Türen. Basierend auf dem weltweiten Bestseller.
Thriller
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 25.06.2026
Die Zuordnung des Films zum Psychothriller-Genre passt nur bis etwa zur Film-Mitte. Bis dahin macht man sich als Zuschauer noch relativ ernsthafte Gedanken darüber. welche bedrohlichen und unheimlichen Hintergründe eigentlich hinter dem Ganzen stecken. Die in der zweiten Film-Hälfte gelieferten Erklärungen lassen die Aktionen der Haupt-Protagonisten nur mehr grotesk oder lächerlich erscheinen - eigentlich müsste es ja umgekehrt sein. Aber was soll schon groß dabei herauskommen, wenn - Achtung: Spoiler - es sich bei den drei Hauptpersonen jeweils um mehr oder weniger sadistisch veranlagte Psychopathen handelt?

Zumindest ist der Film relativ kurzweilig. Allerdings hätten es eineinhalb Stunden -anstatt der über zwei Stunden beanspruchenden tatsächlichen - Laufzeit auch getan.

ungeprüfte Kritik

Avatar 3 - Fire and Ash

Science-Fiction
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 22.06.2026
Klarer Abstieg in der Reihenfolge: Avatar 1 war überragend, Avatar 2 durchschnittlich - so lala, Avatar 3 ist wirklich schlecht geworden. Bei allem technischen Aufwand und aller visuellen Brillanz: Wie kann man für drei Stunden Film nur eine derart hanebüchen banale Story zusammenstopseln. Es fehlt jeder Ansatz einer psychologisch stimmigen Figurenzeichnung. Extrem oberflächlich gezeichnete Charaktere liefern sich Kampf-Spektakel ohne Ende.

Anscheinend glaubten die Verantwortlichen allen Ernstes, dass den Zuschauern nach 12 Jahren Pause seit Avatar 2 noch alle Einzelheiten des damals schon ziemlich konfusen Szenarios präsent seien.

ungeprüfte Kritik

Extrawurst

Wer grillt hier wen?
Komödie, Deutscher Film

Extrawurst

Wer grillt hier wen?
Komödie, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 15.06.2026
Alle Darsteller sind in Hochform und liefern eine bitterböse Satire ab. Wer - so wie ich - schon öfters bei derartigen Vereinsversammlungen mit dabei war, der weiß, dass der Film keineswegs übertreibt, sondern knallhart die Realität abbildet. Wie sich einige im Eifer der Diskussion als überhebliche und rassistische Macho-Schnösel outen, das hat schon was. Alleiniger Lichtblick ist Anja Knauer in der einzigen weiblichen Hauptrolle, die am Schluss den Männern zeigt, wo der Hammer hängt. Eine positive Überraschung ist auch der - eigentlich gegen den Strich - als seriöser Vereins-Vorstand besetzte Hape Kerkeling, der immer wieder - vergeblich - versucht, das Chaos einzudämmen.

ungeprüfte Kritik

Marty Supreme

Dream Big
Drama

Marty Supreme

Dream Big
Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 05.06.2026
Mir ist der Hype um diesen Film eher schleierhaft. Die Hauptperson Marty Mauser ist ein egomanischer, narzisstischer, völlig von sich überzeugter Typ, den der Rest der Welt und vor allem die Menschen um ihn herum wirklich überhaupt nicht interessieren (erinnert irgendwie an einen bekannten US-Politiker). Ich habe mir das über die gesamte Länge (ca. 150 Minuten) angetan, ohne damit warm zu werden. Solche Typen gibt es in der Realität zuhauf, die muss ich mir doch nicht noch im Kino- bzw. Fernseh-Sessel reinziehen. Mit der schauspielerischen Leistung von Timothy Chalamet hat das rein gar nichts zu tun.

Kleine Anmerkung für Tischtennis-Interessierte: Die im Film gezeigten - künstlich auf "alt" getrimmten - fulminanten Sport-Szenen sind anachronistisch. Daran ändert auch ein Cameo-Auftritt von Timo Boll nichts. Allein aufgrund des damaligen Schläger-Materials (bis etwa Mitte der 1960er-Jahre gab es nur Noppen-Außen-Beläge ohne Schwamm-Unterlage) war Tischtennis damals erheblich langsamer als heute. Erst danach entwickelte sich Tischtennis zu einer rasanten Sportart mit faszinierenden Ballwechseln.

ungeprüfte Kritik

Sentimental Value

Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 02.06.2026
Es geht um die nicht einmal so sehr interessanten Befindlichkeiten einer Künstler-Familie. Wie so oft bei Cannes-prämierten Filmen ziemlich vom normalen Leben abgehobenes Arthouse-Kino. Warum man das über zwei Stunden ausbreiten muss, ist nicht ersichtlich. Kein Witz, relativ wenig Drama, statt dessen gepflegte Langeweile.

Man staunt über den Abspann, in dem sich die Filmemacher bei geschätzt rd. 30 Sponsoren bzw. Fördergebern bedanken. Die beteiligten Produktions-Länder (insgesamt 7) erstrecken sich von Norwegen bis in die Türkei. Viele Köche verderben den Brei (Reim Dich oder ich fress Dich!).

ungeprüfte Kritik