Kritiken eines anonymen Filmfans

Der Prozess

Drama, Krimi

Der Prozess

Drama, Krimi
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 20.01.2013
Einmal nur habe ich diesen Film bisher gesehen, Jahre ist es her - und es geradezu beunruhigend, wie viel ich von ihm behalten habe. Kann man einem Film ein größeres Kompliment machen als dass er sich ins Gedächtnis eingebrannt hat? Über weite Strecken hält er sich genau an Kafka, von dem man doch eigentlich meinen sollte, dass er unverfilmbar wäre. Aber Welles scheiterte an Kleinigkeiten (Geld, Eitelkeit, Tod eines Hauptdarstellers, Diebstahl des Filmmaterials), nicht an der großen Unmöglichkeit dieses Filmes. Ein Film wie dieser hätte in den USA gar nicht entstehen können, er ist ganz und gar europäisch, trotz seines amerikanischen Regisseurs und seines amerikanischen Hauptdarstellers (der französisch sprach, als wäre er an der Seine geboren). Es gibt viele Dinge, die ich in dieser Besprechung anreißen könnte, aber mehr als das könnte es nicht werden. Darum - seht ihn euch an. Verwirrend, genial, deprimierend, feurig, düster, kraftvoll, provokant, markant. Seht ihn euch an!

ungeprüfte Kritik

Spione am Werk

Thriller, Krimi

Spione am Werk

Thriller, Krimi
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 20.01.2013
Wer von Clouzot nur "Lohn der Angst" kennt, könnte von diesem Film überrascht, ja erschreckt werden, denn auf den ersten Blick hat er nur wenig mit ihm gemein. Keine flirrende Hitze, sondern graue Innenräume; statt der scheinbar geradlinigen Erzählung mit der langen Exposition wird der Zuschauer schnell in die Verwirrung geworfen, aus der er nicht mehr entlassen wird. Schaut man etwas genauer hin, wird man der Gemeinsamkeiten gewahr: Keine Figur ist das, was sie zu sein scheint, innere Ruhe erscheint anfangs als Feigheit. Und letztlich ist "Spione am Werk" das Spiegelbild von "Lohn der Angst" ("Die Teuflischen" ist nicht nur dazwischen entstanden, sondern bildet formal auch den Mittelpunkt einer klaren Linie) - im einen Film sind allzu klare Situationen etabliert, aus denen sich keine Figur befreien kann, weil sie sie so klar sind, im anderen gibt es Verwirrungen, glasharte Brüche und Wirbel, denen sich auch keine Figur entziehen kann, WEIL sie so verworren sind. Ist es nun eine überdrehte Agentengeschichte, ein kafkaesker Alptraum - oder vielleicht sogar (wie Ustinov gegen Ende des Filmes es ja andeutet) wirre Fieberphantasie eines Irrenarztes, der den Boden unter den Füßen verloren hat? Wer Filme mit klarem Ende oder gar Lösungen liebt, sollte Clouzots letztes Meisterwerk meiden - denn er verweigert dem Zuschauer genau diese konsequent.

ungeprüfte Kritik

Die Teuflischen

Thriller, Krimi

Die Teuflischen

Thriller, Krimi
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 20.01.2013
Der Film verliert keine Zeit mit Einführung seiner Personen:Nach zwei Minuten (und einem Vorspann, dessen Musik nicht zufällig an "Psycho" erinnert - es wird bis zum Schluß die einzige bleiben) ist alles klar umrissen und man kann mit erschreckender Kälte zur Sache kommen. Von da an lässt Clouzot den Zuschauer nicht mehr los - er spielt mit dem "Kind, das bittet: Papa, mach mir Angst" (Zitat Clouzot) so grandios, wie es nur nóch Hitchcock konnte (der den Film bewunderte und ärgerlich war, daß ein Franzose diesen eigentlich für ihn geschriebenen Stoff perfekt umgesetzt hatte). Abgesehen davon, daß "Die Teuflischen" eine der Inspirationen für "Psycho" war, taucht hier eine Figur auf, die einem auch merkwürdig bekannt vorkommt: Charles Vanel als Inspektor A.D., mit zerknittertem Mantel, Zigarre und unerschütterlicher Ruhe ist zweifellos der Ahne von Kult-Figur Columbo. Übrigens: Auch das DVD-Cover führt in die Irre - es gibt hier keine untertitelten Szenen im Original, die DVD präsentiert die ungekürzte zweite Kinofassung.

ungeprüfte Kritik

Django - 10.000 blutige Dollar

Zehntausend blutige Dollar
Western

Django - 10.000 blutige Dollar

Zehntausend blutige Dollar
Western
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 20.01.2013
Der Name Django ist wie üblich eine Erfindung des deutschen Verleihers - aber hier ist er nicht einmal so abwegig. Nicht nur durch die Besetzung von Loredana Nusziak wird ein Bogen zum Original von Corbucci geschlagen - fast könnte dieser Film die Vorgeschichte zu "Django" sein. Hin und her gerissen bin ich zwischen Begeisterung und Abscheu. Es gibt schon einige recht perverse Szenen in diesem Film, geradezu nekromantisch, aber die düstere, melancholische Musik von Nora Orlandi holt wieder viel heraus. Hauptdarsteller Garko (Gary Hudson) kann seinem Spielpartner Camaso (eigentlich Claudio Volonte, der kleine Bruder von Gian Maria) nicht im Entferntesten stand halten, zählt aber zu den arrivierten Western-Gesichtern. Im Vergleich zu seinem Produktionszwilling "Django, der Bastard" schneidet dieser auf jeden Fall besser ab und bekommt von mir (gerade so) die Wertung "gelungen".

ungeprüfte Kritik

Ein Halleluja für Camposanto

Western
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 20.01.2013
Er sieht aus wie Sartana, er kleidet sich wie Sartana - Camposanto (Gianni Garko) wäre Sartana, würde er sich nicht in einer ungewohnten Umgebung bewegen. Als "Kindermädchen" zweier couragierter, aber gnadenlos naiver Greenhorns muss er sich mit manchen Schwierigkeiten herumschlagen, die der schwarze Taschenspieler niemals zu bewältigen hatte. Das erinnert nicht zufällig an "Verflucht, verdammt und Halleluja" - das Drehbuch stammt ebenso von Enzo Barboni. Und es hat sicher Regisseur Carnimeo gut getan, dass er es inszenieren durfte, denn dieser Film überragt seine anderen (inklusive der Sartana-Filme) um Längen. Sogar der sonst so hölzerne Garko macht einen entspannteren Eindruck. An seiner Seite verschmitzt und cool William Berger, eine schöne und (bei Camposantos Thema) überraschend wehmütige Musik von Bruno Nicolai - kein bedeutendes Werk, aber ein Film, der viel (vielleicht manchmal etwas zu viel) bietet - Grund genug, ihn auszuleihen.

ungeprüfte Kritik

Yankee

Western

Yankee

Western
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 20.01.2013
Die Inhaltsbeschreibung klingt gewöhnlich - ein Dutzenwestern wohl. Aber ein Blick auf den Regisseur lässt an diesem schnellen Urteil zweifeln. Mag man zu Tinto Brass stehen wie man will, aber wenn der Experimentator des Erotikfilmes einen Spaghetti-Western dreht, macht das zumindest neugierig. Tatsächlich hat dieser Film einige ungewöhnliche Elemente, die ihrer Zeit weit voraus waren. In der Frühphase des eigentlichen Italo-Westerns präsentiert er Gegenlichtaufnahmen, Schattenrisse und ein mitunter elegisches Tempo, wie sie in der Spätphase der Mittsiebziger typisch waren, aber 1966 einmalig. Zudem ist der kantige Philippe Leroy (bekannt aus "Sandokan" und "Leonardo da Vinci" ein eher kauziger und wunderlicher Held, keineswegs so betont (dressman-)dreckig wie vieler seiner Kollegen. Die Handlung bleibt gewöhnlich, aber spielt das beim Italo-Western nicht ohnehin oft eine untergeordnete Rolle? Die Form macht dieses Genre ansprechend - und die Form lohnt in diesem Fall.

ungeprüfte Kritik

Das Rattennest

Nach dem Roman von Mickey Spillane.
18+ Spielfilm, Krimi

Das Rattennest

Nach dem Roman von Mickey Spillane.
18+ Spielfilm, Krimi
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 19.01.2013
Gut, und jetzt mal eine etwas seriösere Kritik (s/w als Argument GEGEN einen Film anzuführen, zeugt nicht von großer Kompetenz).
Aldrichs zweiter Film kämpft mit dem Problem, das viele Film noir der 50er Jahre haben: Die allzu trashige Handlung, die kriminalistische Kombination zunehmend durch Brutalität ersetzt. Aldrich trat die Flucht nach vorn an, indem er Logik gänzlich ignorierte und die Brutalität auf ein für die Entstehungszeit erstaunliches Maß anhob. Gerade das absurde Ende ist faszinierend und abstoßend zugleich (sicher, wer an bluttriefende Splattermovies gewöhnt ist, dem kann es nichts bieten, aber andere Zuschauer wird das irritierende Moment sicher im Gedächtnis bleiben). Ein sehr widersprüchlicher und in sich zerrissener Film, mehr Wagnis und Experiment (eins, das nicht völlig geglückt ist), aber dadurch interessant - wenn man einen Kopf zum Denken hat.

ungeprüfte Kritik

Straßenfeger 33 - Das grüne Ungeheuer + Feuerdrachen

Serie, Krimi, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 17.09.2012
Diese Veröffentlichung war, nachdem (fast) alle anderen Mehrteiler von Rudi Kurz bereits herausgebracht wurden, mehr als überfällig: "Das grüne Ungeheuer" ist eine DER Straßenfeger des DDR-Fernsehens und ein schlagender Beweis, dass auch die DEFA das Genre des Abenteuerfilms beherrschte (wenn sie den richtigen Leuten die Verantwortung in die Hand gab). Rudi Kurz brachte ein Tempo auf Kinoniveau und eine ungewohnte Härte (die Todesszene von Steve, auch wenn sie sich nur im Gesicht von Erik S. Klein abspielt) ins deutsche Fernsehen (Ost wie West), die auf Jahre nur selten wieder erreicht wurden - kein Wunder, dass schon nach wenigen Monaten der Film seinen Weg in die Kinos fand. Schmissig ist die Musik von Wolfgang Hohensee, malerisch der Balkan, der Südamerika doubelte. Das ganze große Plus jedoch sind (wie so oft) die Schauspieler - pralle Saftgestalten, die ihren Figuren Leben und Zwischentöne verleihen: Jürgen Frohriep als kantiger, zweifelhafter Hüne, Erik S. Klein und Gerd Ehlers als amoralische Schurken, die mit leichter Hand und Leutseligkeit Sympathien tückische Sympathien wecken, Fred Düren, der mit geringsten Regungen den Kontrollverlust spürbar macht. Wer klassische Unterhaltung mit großartigem Schauspiel liebt und sich nicht an der unangenehmen (aber sehr kurzen) tendenziösen, verkitschten Rahmenhandlung stört, ist bei dieser DVD genau richtig.
Weniger beeindruckend ist "Feuerdrachen" - ein Nachklapp zur erfolgreichen Serie "Das unsichtbare Visier", der ursprünglich auch unter diesem Titel laufen sollte, aber aus politischen Gründen unauffällig als Einzelfilm verheizt wurde. Die Ähnlichkeiten sind trotzdem unübersehbar, auch die Schwächen, die sich schon in den letzten offiziellen Teilen gezeigt hatten. Fans der Reihe sollten ihn nicht auslassen, aber andere Zuschauer werden wenig daran finden.

ungeprüfte Kritik

Kerabans phantastische Reise

Kids, Abenteuer
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 17.07.2012
Uneingeschränkt zu empfehlen! Der Name Manfred Grätz bürgt für qualitativ hochwertigen Puppentrickfilm und gleichzeitig Treue zum Original (bestes Beispiel: "Die Spur führt zum Silbersee"). Mit diesem Film gab er den Staffelstab an Manfred Durniok weiter, der ein würdiger Nachfolger wurde. Spannend, witzig, mit erstaunlicher Charakteranimation - ein perfektes Vergnügen für Erwachsene und Kinder, die mit diesem (und anderen Filmen der gleichen Reihe) hervorragend an den Meister der Science-Fiction herangeführt werden können. Hoffen wir, dass bald auch "Von der Erde zum Mond" auf videobuster entleihbar ist.

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Der Schut

Abenteuer

Der Schut

Abenteuer
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2012
Eine der besten Karl-May-Verfilmungen und zweifellos das im Abstand beste Konkurrenzprodukt zur legendären Winnetou-Serie der Rialto: recht nah am Original, gut gespielt, mit toller Musik und trotz der Laufzeit von zwei Stunden keine Minute langweilig. (Man sollte nur keine großen Erwartungen in den Namen >Siodmak< setzen - straff inszeniert, aber unter seinen Möglichkeiten.) Und endlich ist auch er auf DVD zu sehen. Keine rotstichigen, ausgeleierten Video-Bilder mehr, nein - tolle Bilder direkt vom Original (wirklich vom Original: im Vorspann wird Marie Versini falsch als "Maria" geführt - ein Lapsus, der bei späteren Kopien durch neue Vorspänne korrigiert wurde) mit leuchtenden Farben und - das wars. Keine Extras. Ein bißchen enttäuscht das schon, wenn man bedenkt, daß für die Rialto-Serie erst von Kinowelt, dann von UFA mit Extras nicht gespart wurde. Naja, es geht ja um den Film. Und den mal so zu sehen, wie er gedacht war, lohnt auf jeden Fall die Entleihe.

ungeprüfte Kritik

Unter Geiern

Western
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2012
Die Karl-May-Leser waren geschockt, als Old Surehand das erste Mal auf der Leinwand erschien: Er war viel zu alt, viel zu lässig und humorvoll und hatte außerdem in der Geschichte "Unter Geiern" überhaupt nichts zu suchen. Nun ja, Lex Barker war verhindert und Ex-Hollywood-Star Stewart Granger wollte sich gut in Szene setzen.So wurde aus Surehand ein augenzwinkernder Westerner, der mit Karl May nichts gemein hat. Was hier jedoch etwas verspielt wurde, wird durch die Indianerszenen wieder reingeholt - der Drehbuchautor der Winnetou-Trilogie hatte hier seine kompetente Hand im Spiel, ohne genannt zu werden. Götz George (ironischerweise nur zweite Wahl für die Rolle) bringt den Film mit seinem Temperament ordentlich auf Touren (besonders die Szene in der brennenden Farm bietet wirklich gutes Schauspiel), Martin Böttcher komponierte eine seiner schönsten Musiken, und den jungen Terence Hill (damals noch als Mario Girotti) kann man in seiner zweiten Western-Rolle erleben; vor allem aber sei auf die erklecklich große Rolle von Georg (! alias Gojko) Mitic hingewiesen. Regisseur Vohrer machte aus seinem Western-Debüt einen sehr ansprechenden Film, der wieder einmal beweist, daß sauberes Handwerk nicht hoch genug einzuschätzen ist. Die DVD bietet zudem, was das Fernsehen bis heute (!) versäumt - ungekürztes Vergnügen.

ungeprüfte Kritik

Der Schatz im Silbersee

Western
Bewertung und Kritik von einem anonymen Filmfan am 03.03.2012
Startschuß für eine Kultserie - die Fans streiten, ob er oder "Winnetou 1" der beste Karl-May-Film ist. Doch selbst der "Schatz" trägt (wenn man objektiv ist) schon den Keim des Niedergangs der Serie in sich: Streckenweise hat das Drehbuch wenig mit der Erzählung zu tun, legt zuviel Wert auf die Weißen - eine Westernstadt wie die hier gezeigte gibt es in keinem May-Buch. Diese nicht unberechtigte und oft geäußerte Kritik sollte aber nicht vergessen machen, daß immerhin eine straffe und spannende Fabel gestrickt wurde, die den Geist des Maysters wahrt. Über jeden Zweifel erhaben sind die rasante, beispielhafte Inszenierung, die grandiose Musik und die perfekt ausgesuchten Schauspieler, besonders Herbert Lom (der sich als Anglo-Tscheche selbst synchronisierte) und Götz George verdienen spezielles Lob. Kein Anspruch, keine hohe Kunst - und trotzdem: das ist großes Kino in seiner ursprünglichsten Art.

ungeprüfte Kritik