Kritiken von "howardh"

Gelbe Briefe

Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 03.08.2026
Gelungene Verknüpfung zwischen den Ehe-/Erziehungs-Problemen eines Künstler-Ehepaars und dessen staalicher Drangsalierung aufgrund dessen systemkritischer Haltung. Ganz große Klasse ist Özgu Namal in der weiblichen Hauptrolle.

Ganz unmerklich und zunächst in ganz kleinen Schritten schränkt der Staat die Freiheit des Paares ein. Dann gibt es auf einmal Anzeigen wegen staatsfeindlicher Hetze. Sofort werden Strafverfahren in Lauf gesetzt, die dann allerdings ganz ganz langsam betrieben werden. Allein auf die erste Anhörung müssen die Betroffenen monatelang warten. Und wenn es dann tatsächlich vor Gericht verhandelt wird, dann werden zur Untermauerung der Anklage schnell aus dem Handgelelenk neue - teils völlig banale (z.B. Rauchen in den Umkleideräumen) - Angriffspunkte fabriziert. Während dessen verlieren die Angeklagte ihre Arbeitsplätze und geraten in eine völlig prekäre Situation. Freunde und Verwandte geben nur teilweise eine Hilfestellung.

Und genau das ist beabsichtigt. Der Staat sperrt seine Kritiker nicht ein, aber er treibt sie brutal in die Enge. Gleichzeitig signalisiert er gegenüber dem Rest der Welt, was Systemkritikern passiert.

Der Film bietet gutes Anschauungs-Material für die Gefahren, die entstehen, wenn extremistische Politiker bzw. Parteien an die Macht kommen und schrittweise Schlüsselpositionen besetzen.

ungeprüfte Kritik

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Nach dem gefeierten Bestseller von Joachim Meyerhoff.
Drama, Deutscher Film

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Nach dem gefeierten Bestseller von Joachim Meyerhoff.
Drama, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 27.07.2026
Amüsante und kurzweilige Verfilmung eines autobiografischen Romans des Schauspielers Joachim Meyerhoff. Es geht um die Irrungen und Wirrungen eines Schauspieler-Adepten in den 1980er-Jahren, einer Zeit des Theater-Umbruchs. Der Original-Text der Stücke wurde immer unwichtiger, statt dessen triumphierten die "kreativen" Text-Umdeutungen der jeweiligen Regisseure. Dabei schreckte man auch vor Klassikern nicht zurück.

Und die Schauspiel-Schüler mussten sich darauf einlassen. Grandios sind Senta Berger als alternde Diva und Michael Wittenborn als ihr Professoren-Ehemann, die die Schauspiel-Strampeleien ihres Enkels teils ungläubig, teils auch mit großartiger Toleranz und Nachsicht und auch mit einem soliden Alkohol-Spiegel begleiten. Auf die Idee, nach dem Zähneputzen mit Whisky zu gurgeln, muss man auch erst einmal kommen.

ungeprüfte Kritik

Crime 101

Ein Raub verbindet sie alle - Basierend auf der Novelle von Don Winslow.
Thriller, Krimi

Crime 101

Ein Raub verbindet sie alle - Basierend auf der Novelle von Don Winslow.
Thriller, Krimi
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 27.07.2026
Die Verfilungen von Don-Winslow-Romanen geraten leider öfters etwas daneben. Seine Bücher sind sehr komplex und weisen überdurchschnittlich viele Handlungsstränge auf. An deren "Eindampfen" auf eine akzeptable Film-Länge scheitern viele Regisseure bzw. Drehbuch-Autoren.

Die Verfilmung der Winslow-Kurzgeschichte "Crime 101" dagegen ist hervorragend gelungen. Der Film ist zwar etwas länger (2 Stunden 20 Minuten), aber nicht übermäßig lang. Es gibt genügend Action-Szenen - zum großen Teil Auto-/Motorrad-Verfolgungsjagden -, aber nicht überzogen viele. Es werden zwar nicht alle Handlungsstränge aufgelöst, doch zumindest diejenigen, die für den Zuschauer am wichtigsten sind.

Mit einem Wort: Der Film bietet alles, was ein Action-Heist-Movie ausmacht, und zwar genau in der richtigen Dosierung. Und Halle Berry ist einfach nur grandios!

ungeprüfte Kritik

Ein Leben ohne Liebe ist möglich, aber sinnlos

Komödie, Lovestory
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 16.07.2026
Männer in der Midlife-Crisis? Ein alter Hut, allerdings immer noch für viele Schenkel-Klatscher gut.

Frauen in der Midlife-Crisis: Eher selten, im Kino sogar ganz selten. Und wenn doch, dann sind es in aller Regel keine Schenkelklatscher. Genauso ist es in diesem unaufgeregten und durch humoristische Zwischentöne aufgelockerten Film (Warnung: Der Trailer übertreibt die Comedy-Elemente gewaltig). Einer Frau im Intellektuellen-Milieu (gut situiert, beruflich erfolgreich, zwei Kinder im Teenie-Alter, ein sympathischer Ehemann, nette Freunde) stellt sich kurz vor ihrem 50. Geburtstag die Frage aller Fragen: War das wirlich alles in meinem Leben?

Ihre Antwort: Da könnte vielleicht noch was ganz Anderes kommen, aber nur, wenn sie volles Risiko geht. Nach einem kurzen - im Unverbindlichen auslaufenden - Dienstreisen-Flirt trennt sie sich von Mann und Kindern und baut sich ein völlig neues privates Umfeld auf. Ob sich das Risiko gelohnt hat, erfährt man erst am Ende des Films.

ungeprüfte Kritik

Die Farben der Zeit

Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 09.07.2026
Kein Drama, keine Komödie, keine Action, kein Problem-Film, am besten passt wohl eine Einordnung als "Dramedy". Ein Film der Entschleunigung, und zwar auf beiden Zeit-Ebenen (2015 sowie 1875 bzw. 1895), in denen die Handlung spielt. Regie und Drehbuch verknüpfen diese beiden Zeit-Elemente auf amüsante und kurzweilige Art geschickt miteinander.

Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf der historischen Zeit-Ebene (in etwa letztes Viertel des 19. Jahrhunderts), wodurch der Zuschauer auch interessante Einblicke in den - nach schwierigsten Anfängen - damals gerade aufkommenden Impressionismus und dessen Protagonisten erhält.

Ein Film zum Anschauen und Genießen.

ungeprüfte Kritik

Extrawurst

Wer grillt hier wen?
Komödie, Deutscher Film

Extrawurst

Wer grillt hier wen?
Komödie, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 15.06.2026
Alle Darsteller sind in Hochform und liefern eine bitterböse Satire ab. Wer - so wie ich - schon öfters bei derartigen Vereinsversammlungen mit dabei war, der weiß, dass der Film keineswegs übertreibt, sondern knallhart die Realität abbildet. Wie sich einige im Eifer der Diskussion als überhebliche und rassistische Macho-Schnösel outen, das hat schon was. Alleiniger Lichtblick ist Anja Knauer in der einzigen weiblichen Hauptrolle, die am Schluss den Männern zeigt, wo der Hammer hängt. Eine positive Überraschung ist auch der - eigentlich gegen den Strich - als seriöser Vereins-Vorstand besetzte Hape Kerkeling, der immer wieder - vergeblich - versucht, das Chaos einzudämmen.

ungeprüfte Kritik

Kein Weg zurück

Wie weit wirst du gehen?
Drama

Kein Weg zurück

Wie weit wirst du gehen?
Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 28.05.2026
Der Film bereitet gnadenlos die Irrungen und Wirrungen im syrischen Bürgerkrieg im Jahr 2014 auf. Und er räumt auch mit dem Irrtum auf, dass sich das irgendwo im Nahen Osten abspielte und uns eigentlich nichts anging. Im Zeitalter der Globalisierung gibt es keine ruhigen - vom Rest der Welt unberührten - Winkel mehr.

Eine Antwort darauf, wie und warum abendländisch sozialisierte Jünglinge sich zu fanatischen Islamisten entwickeln, bleibt der Film allerdings schuldig.

Eine Dialog-Zeile hat mich allerdings sehr nachdenklich gemacht: Als Nikolaj Lie Kaas über Syrien als "Hell's Kitchen" räsoniert (später entschuldigt er sich dafür), empört sich sein arabischer Gesprächspartner: "Warum sagst Du so etwas? Hier sind jahrtausend-alte Hochkulturen zu einer Zeit entstanden, als sich Deine Vorfahren noch in Felshöhlen am Lagerfeuer versammelten."

ungeprüfte Kritik

Song Sung Blue

Inspiriert von einer Legende. Verbunden durch einen Traum.
Musik

Song Sung Blue

Inspiriert von einer Legende. Verbunden durch einen Traum.
Musik
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 21.05.2026
Ein absolutes Muss für alle Freunde von Musik-Filmen. Die darin enthaltenen Konzert- bzw. Auftritts-Szenen (fast alle Neil-Diamond-Songs von Kate Hudson & Hugh Jackman persönlich gesungen) sind einfach nur grandios. Geschickt damit verwoben sind die privaten Hoch-und-Tiefs der beiden Haupt-Protagonisten.

Kleine Anmerkung: Der Film spielt Mitte/Ende der 1990er-Jahre, also in einer Zeit, als Amerika noch nicht seine Seele verloren hatte. Es ist einfach nur zum Heulen!

ungeprüfte Kritik

Sorry, Baby

Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 21.05.2026
Einer der wenigen "Me-Too"-Filme, bei denen das Opfer zwar physisch relativ unbeschadet davonkommt, psychisch aber schwerst traumatisiert ist. Öffentlich wirkt Agnes - zwischenzeitlich zu einer allgemein beliebten und allseits anerkannten Dozentin avanciert - hingegen eher als Power-Frau, die alles im Griff hat. Doch in ihrem Innersten hat sie auch Jahre nach dem "Ding" große Probleme und hat extrem damit zu kämpfen, ihr Leben halbwegs in normalen Bahnen zu führen.

ungeprüfte Kritik

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Eine Story zu gut, um nicht wahr zu sein.
Drama, Deutscher Film, Komödie

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Eine Story zu gut, um nicht wahr zu sein.
Drama, Deutscher Film, Komödie
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 06.05.2026
Eine Medien-Satire vom Feinsten. Wie einer - eher unbedarft als böswillig - in ein Räderwerk gelangt, das ihn völlig überfordert. Die Figurenzeichnung ist meisterhaft: Man fühlt mit den handelnden Personen, man leidet mit ihnen und man lacht mit ihnen, aber ganz wichtig: man lacht nicht über sie. Selbst ein hartgesottener Ex-Stasi-Offizier (grandios: Peter Kurth) gewinnt da zumindest noch ein gewisses Maß an Respekt. Auch in kleinsten Nebenrollen absolut hochkarätig besetzt. Ein gelungenes Meister- bzw. Alterswerk von Regisseur Wolfgang Becker, der die Fertigstellung dieses Films leider nicht mehr erleben durfte.

ungeprüfte Kritik

Kleine Dinge wie diese

Nach dem gleichnamigen Bestseller von Claire Keegan.
Drama

Kleine Dinge wie diese

Nach dem gleichnamigen Bestseller von Claire Keegan.
Drama
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 23.04.2026
Besonders gelungen finde ich an diesem Film, dass er seinen Fokus nicht nur auf die äußeren Abläufe (der entsetzliche Umgang mit unverheiratet schwanger gewordenen Mädchen in sog. "Magdalenenheimen") richtet, sondern auch auf die inneren Befindlichkeiten der handelnden Personen. Grandios ist die Szene, als Cillian Murphy in der Rolle des Bill Furlong bei Mutter Oberin (Emily Watson in der Rolle eines amoralischen und völlig verkorksten Psycho-Monsters) zum Tee geladen ist. Wunderbar ist auch der Schluss. Kein übertrieben ausgewalztes Happy-End, vielmehr wird kurz und knapp nur das Wesentliche gezeigt: Einem geflohenen Mädchen wird die Hand gereicht. Mehr braucht es nicht!

ungeprüfte Kritik

Amrum

Drama, Deutscher Film

Amrum

Drama, Deutscher Film
Bewertung und Kritik von Filmfan "howardh" am 15.04.2026
Zeiten im Umbruch liefern meistens die besten Kino-Stoffe. Und genau so ist es auch bei "Amrum", der die Zeit kurz vor und nach dem 8. Mai 1945 thematisiert. Auf der einen Seite noch die "100-Prozentigen" (darunter auch Nannings Mutter), die krampfhaft an ihren Nazi-Lebenslügen festhalten, und auf der anderen Seite die Alt-Eingesessenen, die sich - meist erfolgreich - irgendwie durchwursteln wollen und auf das lang ersehnte Kriegsende warten.

Und der zwölf-jährige Nanning, hervorragend gespielt von Jasper Billerbeck, findet sich zwischen allen Fronten. Dabei will er doch nur seiner unter einer Wochenbett-Depression leidenden Mutter ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen: Ein Stück Brot mit Butter und Honig, drei Komponenten, die in den letzten Kriegstagen auf Amrum äußerst knapp sind. Aber Nanning entwickelt eine bemerkenswerte Kreativität ...

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