Nachruf: George A. Romero

In Gedenken: Horrormeister George A. Romero

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   17.07.2017
Lieber George A. Romero,

...nein, so wollen wir diesen Nachruf zu einem der größten Horrorfilmschöpfer nicht anfangen. Denn schließlich haben wir ihn zu Lebzeiten leider nie kennenlernen dürfen, und er ist doch weder ein Heiliger, noch eine seiner Kreaturen wie 'Bub' (Sherman Howard) aus Day of the Dead (1985) oder 'Big Daddy' (Eugene Clark) aus Land of the Dead (2005). Auferstehung ausgeschlossen.
Lieber George A. Romero Fan,

leider müssen wir Dir heute mitteilen, dass unser aller Kultregisseur George A. Romero am Sonntag, den 16. Juli 2017, in seiner Wahlheimatstadt Toronto in Kanada im Alter von 77 Jahren an Lungenkrebs gestorben ist. Zum Glück friedlich im Schlaf, wie sein Manager Chris Roe nun der Weltöffentlichkeit berichtet.
Wenn sich jüngere Couch-Potatos jetzt fragen sollten: "George wer?", sei ihnen gleich gesagt, dass es - so wie ohne J. R. R. Tolkien kein Game of Thrones von George R. R. Martin entstanden wäre - es ohne Romeros wahrlich revolutionärem Genrebeitrag Night of the Living Dead von 1968 keine Serie The Walking Dead von Frank Darabont gäbe.

Er ist der Urvater der Zombie-Welle, die u.a. mit Jacques Tourneurs Klassiker Ich folgte einem Zombie 1943 vergleichsweise zaghaft begann.

George Andrew Romero kam am 4. Februar 1940 in der Bronx inmitten des 'Big Apple' New York City auf die Welt, als Sohn einer Mutter mit litauischen Wurzeln und eines aus Kuba stammenden Vaters.

Herangewachsen zog es ihn an die Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh, Pennsylvania. Dort dreht er dann auch Ende der 60er Jahre mit seinen Freunden und einem, so heißt es, zusammengekratzten Budget von einigen 10.000$ einen ersten Spielfilm, der weltweit 30 Millionen Dollar einspielen sollte und der es heutzutage bis ins legendäre Filmarchiv des New Yorker Museum of Modern Art schaffte: Night of the Living Dead - Die Nacht der lebenden Toten.

Ein unter Horrorliebhabern gefeierter Low-Budget Hit, dem später vielleicht höchstens noch mutige B-Filmemacher wie Wes Cravens Einzug in Das letzte Haus links (1972), John Carpenter und seinem Halloween - Die Nacht des Grauens (1978, kaum Zufall die deutsche "Die Nacht..." Parallele), Sean S. Cunningham mit Freitag der 13. (1980), Sam Raimi mit seinem Tanz der Teufel (1982) oder am Ende Daniel Myrick und Eduardo Sánchez mit ihrem Internet-gehypten Blair Witch Project (1999) nacheifern konnten.
"They're coming to get you Barbara!"

Mit diesem sowohl gesellschaftskritisch als auch filmgeschichtlich bahnbrechenden Independent-Werk von 1968 begründete der stattliche 1,96 Meter große Erfinder des modernen Horrorfilms George A. Romero seine Zombie-Saga, die von der Untoten-Trilogie Night of the Living Dead (1968) über Dawn of the Dead (1978) zu Day of the Dead (1985)...

...letztlich bis in die Gegenwart mit Land of the Dead (2005), Diary of the Dead (2007) und Survival of the Dead (2009) reichte.

Wie alles begann... Der Trailer zu Night of the Living Dead - Die Nacht der lebenden Toten (USA 1968):

"Aber vergessen Sie nicht, Ihre Nerven zuhause zu lassen!" © Profilm
Wie der Splatter begann...

Tom Savini als 'Sex Machine' in 'From Dusk Till Dawn' (1996) © Dimension Films
Tom Savini als 'Sex Machine' in 'From Dusk Till Dawn' (1996) © Dimension Films
Von Anfang an mit dabei: Tom Savini, der Splatter-Effekt-Großmeister, der als Vietnam-Heimkehrer so viele der heute unvergesslichsten weil blutigsten Horroreffekte schuf (u.a. auch bei Cunningham s.o.).

Romero und Savini - ein unschlagbares Team! Nachfolgend etwa im Action-Abenteuer Knightriders - Ritter auf heißen Öfen (1980) oder Stephen Kings 'Die unheimlich verrückte Geisterstunde' (1982).

In unzähligen Veröffentlichungen zu Romeros Schaffen wurden sie erwähnt: die sozialkritischen Themen, etwa dass Duane Jones als Afroamerikaner 1968 den Filmhelden im Zentrum verkörperte, der sich am Ende einem jähzornigen weißen Mob stellen musste (siehe Bild links).

Oder die gierigen Konsumenten im 1978er Dawn of the Dead Pittsburgh-Einkaufszentrum, die - als Kapitalismuskritik seiner Entstehungszeit interpretiert - die wahren Zombies der modernen Gesellschaft darstellen.
"Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, werden die Toten auf der Erde wandern..."
Die berühmt wie berüchtigten "Zombies im Kaufhaus"! Dawn of the Dead oder einfach Zombie (1978):

"Es gibt keinen härteren Film." © Constantin Film
Und schon beginnt nach dem doch überraschend eingetretenen Tode des 77-Jährigen die Legendenbildung, Romero habe - das sei allerdings direkt von einem seiner Produzenten, Peter Grunwald, überliefert worden - beim Einschlafen im Kreise der Familie der Musik eines seiner Lieblingsfilme, John Fords Drama Der Sieger von 1952, gelauscht (hier im Trailer zu hören).
Eins steht fest: George A. Romero war einer der wenigen echten Filmvisionäre des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts und eine Inspiration - nicht nur für zahlreiche nachfolgende Regisseure, vor allem für sein Publikum, für mehrere Generationen von Filmfans, die erst in die Autokinos und dann in die Videotheken dieser Welt pilgerten, denen es - nicht nach Hirn als Futter - aber nach cineastischem Horrorfutter fürs Hirn gelüstete.
Wir wünschen George A. Romero, wonach sich viele seiner Filmfiguren gesehnt haben: Ruhe in Frieden.
Der Zombie-König ist tot, lang lebe George A. Romero!

George A. Romeros klassische Zombie-Trilogie:




Romeros moderne Zombie-Trilogie der 2000er Jahre:




Weitere Film-Klassiker von George A. Romero:




Noch mehr seiner späteren Spielfilme:




Und einige Episodenfilme unter Romeros Mitwirkung:




Die Dokumentationen über George A. Romero im Verleih:






R.I.P. George A. Romero (* 04.02.1940 † 16.07.2017) Bild: in Doc of the Dead (USA 2014) © Entertainment One