Die Tschechen haben ein gutes Händchen für Jules Verne - vielleicht, weil ihnen der eigenwillig schrullige Humor des Franzosen liegt, vielleicht, weil sie nicht versuchen, ihn dramaturgisch zu verbessern. Unter den zahllosen Verne-Verfilmungen tummeln sich eine Menge derer, die nur noch den Namen des Autors verwenden - wenige vertrauen auf die visionäre Kraft des Originals. Diese Verfilmung des Roman "Die 500 Millionen der Begum" tut es - und zurecht. Wie in "Erfindung des Verderbens" (genial verfilmt vom Tschechen Karel Zeman) entwickelte er die Horrorvision einer Bombe, wie sie leider nur 100 Jahre später Wirklichkeit wurde. Unschwer lassen sich die Parallelen des Eisprojektils zur bakteriologischen Kriegsführung ziehen (nur 15 Jahre zuvor wurde John Sturges für einen ähnlichen Plot in "Satan Bug" als absurd verlacht). Ludvik Raza widersteht einer Verwässerung der Geschichte durch eine Liebesgeschichte (der Held ist bereits verheiratet und weiht seine Frau nicht in sein Vorhaben ein) und zeigt statt dessen düstere Bilder, die sich ins Hirn einbrennen - Tod, Hilflosigkeit, aber auch (ach wäre die Wirklichkeit doch auch so) überirdische Gerechtigkeit: der amoralische Geschäftsmann geht an seiner eigenen Maßlosigkeit zugrunde.
Jedem Verehrer von Jules Vernes Visionen, aber auch Liebhabern guter, weil origineller Science-Fiction sei dieser Film (der glücklicherweise in originaler Kinosynchronisation vorliegt) ans Herz gelegt.
Über die ebenfalls zur Box gehörenden amerikanischen Machwerke sei nur der Mantel des Schweigens gebreitet ...
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